Lebensdaten
1838 bis 1874
Geburtsort
Minden (Westf)
Sterbeort
Delft
Beruf/Funktion
Mineraloge
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 117465062 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vogelsang, Hermann
  • Vogelsang, Hermannus

Orte

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Zitierweise

Vogelsang, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117465062.html [20.10.2019].

CC0

  • Leben

    Vogelsang: Hermann V., Professor der Mineralogie und Geologie am holländischen Polytechnikum in Delft, scharfsinniger Geologe und Forscher namentlich auf dem Gebiete der Petrographie, war in Minden am 11. April 1838 geboren und siedelte nach dem frühzeitigen Tode des Vaters mit seiner Mutter nach Bonn über, wo er eine gründliche Bildung erhielt. Nach vollendeten Gymnasialstudien trat V. in der Absicht, sich dem Bergfache zu widmen, die vorschriftsmäßige zweijährige praktische bergmännische Vorlehre in den Bergwerken von Siegen und Saarbrücken an, worauf er dann 1858 die Universität Bonn bezog, um sich im Bergfach weiter auszubilden. Unter dem Einflusse Nöggerath's und vom Rath's lag V. mit Vorliebe den mineralogisch-geologischen Wissenschaften ob und faßte mehr und mehr Neigung sich ganz dem Lehrfach zuzuwenden. Zunächst begab sich V. behufs weiterer Ausbildung auf Reisen nach dem Harze, nach Schlesien, Südfrankreich, Italien und der Insel Corsika. Zurückgekehrt, promovirte V. 1863 in Bonn mit der Dissertation: „Quomodo venarum Spata primum formata atque deinde mutata sint“, deren Inhalt er dann auch als seine erste Publication in dem Aufsatze: „Zur Theorie der Gangbildung“ (N. Jahrbuch f. M. G. und P. 1863, 30) behandelte, um die verschiedene Erklärungsweise der Entstehung der Erzgänge kritisch zu beleuchten. V. habilitirte sich hierauf an der Universität Bonn für Geologie, folgte aber sehr bald einem Ruf als Professor der Mineralogie und Geologie an das Polytechnikum in Delft, nachdem er mit der Schrift: „Die Vulkane der Eifel und ihre|Bildungsweise“ die von der holländischen Gesellschaft der Wissenschaften in Haarlem gestellte Preisfrage gelöst und die goldene Medaille erhalten hatte. An dieser Anstalt wirkte V. als Lehrer bis zu seinem frühzeitig erfolgten Tode. In der Ferienzeit führte V. wissenschaftliche Reisen, selbst bis an die Westküste von Nordamerika aus und betrieb unter dem Einflusse seines Schwagers Zirkel, jetzt Geh. Rath und Professor der Mineralogie und Geologie in Leipzig mit größtem Eifer und dem glänzendsten Erfolge die mikroscopische Untersuchung der Gesteine. V. begann die Mittheilungen über die Ergebnisse der mit großem Scharfsinn und umsichtiger Kritik in dieser Richtung unternommenen Forschungen mit einer bemerkenswerthen Publication: „Ueber die mikroscopische Structur der Schlacken und Beziehungen zur Genesis der krystallinischen Gesteine“ (Poggendorf's Ann. CXXI, 101), um die aus feuerflüssigem Zustande erfolgte Entstehung vieler massiger Felsarten analog der Schlackenbildung nachzuweisen. Seine sehr umfassende vorzügliche Schrift: „Pilosophie der Geologie und mikroscopische Gesteinsstudien“ 1867 behandelt in einem ersten Theil historisch die Entwicklung der geologischen Wissenschaft von Aristoteles und Plato an bis zur Neuzeit kritisch, aber gerecht abwägend in lichtvoller Weise. Hieran anknüpfend wies V. in einem zweiten Theil den großen Fortschritt nach, welche man durch die zuerst von Sorby mit so glänzendem Erfolge eingeführte Methode der mikroscopischen Untersuchung der Gesteine in Dünnschliffen bereits erzielt hatte. Das Werk enthält überdies eine Fülle scharfsinniger eigener Beobachtungen, welche zu den hervorragendsten auf diesem Gebiete der Petrographie gehören und ist mit einer Anzahl unübertroffener schöner Abbildungen von mikroscopischen Dünnschliffbildern von Felsarten geziert. Wir begegnen hier zuerst der genauen Schilderung von mikroscopisch kleinen Kryställchen, die V. Mikrolithe nannte, dann der in vielen Mineralien eingeschlossenen kleinsten Bläschen und der eigenthümlichen, auch in geschmolzenen unreinen Glasmassen bemerkbaren Streifchen mancher Gesteinsarten, welche man als Zeichen eines früher einmal geschmolzenen und geflossenen Zustandes der Gesteinsmasse unter der Bezeichnung Fluidalstructur anzusehen pflegt. Auch schildert V. in diesem Buche die von ihm wiederholten, von Doubré in Paris zuerst angestellten Versuche der Wirkung überhitzten Wassers in Bezug auf die Bildung von Mineralien z. B. von Quarzkryställchen, sowie die Darstellung von Magneteisen auf künstlichem Wege. Eine weitere Publication (Arch. néerland. III, 1868) beschäftigt sich mit dem farbigen Labradorit. Von besonderer Wichtigkeit war der in Gemeinschaft mit Dr. H. Geißler ausgeführte Nachweis, daß die in kleinsten Bläschen in manchen Mineralien, namentlich in Quarzkrystallen, eingeschlossene Flüssigkeit großentheils aus Kohlensäure besteht. Unermüdlich arbeitete V. auch an der Vervollkommnung der mikroscopischen Untersuchungsmethode und der Theorie der Krystallbildung durch Herstellung künstlicher feuerflüssiger Massen, worüber mehrere Abhandlungen in dem Archive néerland. 1870, 1871 und 1872 erschienen sind. Auf die dadurch gewonnenen Ergebnisse gestützt, schlug er in einem bei der Naturforscherversammlung in Bonn 1872 gehaltenen Vortrag eine neue Classification der Gesteine nach ihrer Mikrostructur vor. Zuletzt beschäftigte sich V. mit der mikroscopischen Untersuchung der Meteoriten und mit den Beobachtungen an natürlichen Ultramarinverbindungen, worüber auch seine letzte Publication (Mittheil. d. k. Holl. Akad. d. Wiss. 2. Folge VII) erschienen ist. Außerdem lieferte er viele kleine wissenschaftliche Abhandlungen, Notizen und populär gehaltene Aufsätze in mehreren Zeitschriften. Mitten in seinen Arbeiten, welche der Wissenschaft noch manche glänzende Erfolge in Aussicht stellten, ereilte ihn ein frühzeitiger Tod am 2. Juni 1874.

    • Literatur

      Nekrolog in Verhandl. d. naturwissenschaftl. Vereins f. Rheinpreußen etc. 31, 1874.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Vogelsang, Hermann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 154-155 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117465062.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA