Lebensdaten
1903 bis 1956
Geburtsort
Lemberg (Galizien)
Sterbeort
Canberrra (Australien)
Beruf/Funktion
Musikwissenschaftler ; Psychologe ; Sozialanthropologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11858619X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nadel, Siegfried Ferdinand
  • Nadel, Frederick
  • Nadel, Siegfried
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Zitierweise

Nadel, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858619X.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Moriz (* 1871), Dr. iur., Oberbahnrat in L.;
    M Adele Hirschsprung (* 1880);
    Wien 1926 Dr. Lisbeth Braun (* 1900), Musikwissenschaftlerin;
    1 T.

  • Leben

    Nach der Matura 1921 in Wien studierte N. an der dortigen Musikakademie Klavier und Komposition sowie an der Universität Musikwissenschaft bei Guido Adler und Robert Lach, Philosophie bei Moritz Schlick und Psychologie. 1925 promovierte er bei Karl Bühler mit der Dissertation „Psychologie des Konsonanzerlebens“ (Zs. f. Psychol. 101, 1927, S. 33-158). Er betätigte sich anschließend u. a. als Dirigent, Musiklehrer und -schriftsteller. Wohl unter dem Eindruck der Zurückweisung seines Habilitationsansuchens durch die Univ. Wien 1931 wandte er sich unter dem Einfluß von Erich M. v. Hornbostel und Curt Sachs in Berlin dem Studium afrikan. Sprachen (Dietrich Westermann) zu. Aufgrund des zunehmenden Antisemitismus emigrierte er 1932 nach Großbritannien und begann im selben Jahr an der London School of Economics bei Bronislaw Małinowski und Charles G. Seligman ein Studium der Anthropologie (Social Anthropology), das er nach einjähriger Feldforschung bei den Nupe 1935 mit dem Ph. D. („Political and religious structure of Nupe society“) abschloß. Nach neuerlicher Feldforschung in Nord-Nigerien (1935/36) und einer Tätigkeit als Government Anthropologist für die Regierung des anglo-ägypt. Sudan, verbunden mit Feldforschungen bei den Nuba, diente N. 1941-46 als Major bzw. Oberstleutnant im Afrikakorps der brit. Armee. Anschließend lehrte er an der London School of Economics und seit 1948 an der Univ. Durham, King's College, Newcastle, bis er 1950 auf den neugeschaffenen Lehrstuhl für Anthropologie an der Australian National University in Canberra berufen wurde. N.s musikwissenschaftliches Oeuvre reicht von der phänomenologisch ausgerichteten Diskussion der Konsonanz/Dissonanz-Problematik (Diss.) über musikhistorisch-biographische Arbeiten (Ferruccio Busoni, 1931) und musikästhetisch/philosophische Kunstbetrachtungen (Der duale Sinn der Musik, 1931) bis zu ethnomusikologischen Darstellungen. Die „Georgischen Gesänge“ (1933) stellen die erste monographische, auf Schallaufnahmen fußende, quellenkritisch korrekte Behandlung kaukasischer Mehrstimmigkeit in einer westeurop. Sprache dar. Der psychologische, z. T. experimentelle Ansatz durchdringt auch die sozialanthropologischen Studien N.s, welche sich durch eine ausgewogene Verbindung von Feldforschung, Theoriebildung und angewandter Forschung auszeichnen. Die an kleinen pazifischen Gruppen entwickelten Feldforschungstechniken fand er im Falle differenzierter Kulturen wie der der Nupe (A Black Byzantium, 1942) inadäquat und entwickelte eine Methode, in welcher dem Individuum besonderer Stellenwert zukommt. Dessen Rollenverhalten erklärte er – beeinflußt hauptsächlich von der Handlungstheorie Max Webers und der Philosophie des Kreises um Moritz Schlick – aus einer dynamischen Wechselbeziehung von biologischem Unterbau und sozio-kulturellem Überbau. Die hieraus resultierenden Sozialbeziehungen versuchte er zum ersten Mal (The Theory of Social Structure, 1957) unter Zuhilfenahme eines formalen Systems zu erklären.

  • Werke

    Weitere W u. a. Marimba-Musik, in: SB d. Wiener Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl. 212/3, 1931, S. 1-63;
    The Nuba, 1947;
    The Foundationsof Social Anthropology, 1951;
    Nupe Religion, 1954.

  • Literatur

    J. D. Freeman, in: Oceania 27/1, 1956, S. 1-11 (W-Verz., P);
    R. Firth, in: American Anthropologist 59, 1957, S. 117-24 (W-Verz.);
    M. Janowitz, Anthropology and the Social Sciences, in: Current Anthropology 4/2, 1963, S. 139 u. 149-54;
    J. Salat, S. F. N. (1903-56), Ein Btr. z. anthropolog. Wiss., Diss. Wien 1976 (W-Verz.);
    Enc. Jud. XII;
    Enc. Brit. VII.

  • Autor/in

    Franz Födermayr
  • Empfohlene Zitierweise

    Födermayr, Franz, "Nadel, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 688 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11858619X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA