Lebensdaten
1858 bis 1945
Geburtsort
Reudnitz bei Leipzig
Sterbeort
Prag-Reuth (Krč)
Beruf/Funktion
Geograph ; Professor in Wien
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118739883 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Penck, Friedrich Karl Albrecht
  • Penck, A. R. (als Pseudonym für den Maler Ralf Winkler (*1939))
  • Penck, Albert
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Penck, Albrecht, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118739883.html [06.12.2016].

CC0

Penck, Friedrich Karl Albrecht

Geograph, * 25.9.1858 Reudnitz bei Leipzig, 7.3.1945 Prag-Reuth (Krč). (reformiert)

  • Genealogie

    V Emil (1829–80), Buchhändler u. Kaufm. in L., S d. Friedrich (1781–1851), Papiermacher u. -händler in Ilfeld u. Nordhausen; M Elisabeth (1833–96), T d. Carl Starke (1798–1848), kgl. Sächs. Hofkellermeister in Dresden u. Pillnitz; München 1886 Ida (1863–1944), T d. August v. Ganghofer (1827–1900, bayer. Personaladel 1886), bayer. Forstmeister, Min.rat (s. L), u. d. Charlotte Louis (1828–88), Schw d. Ludwig Ganghofer (1855–1920), Schriftst. (s. NDB VI); 1 S Walther (1888–1923), Prof. d. Mineral, u. Geol. in Konstantinopel u. L. (s. DBJ V, Tl.; Nachlaß im BA Koblenz); 1 T Ilse (1886–1951, Armin Tschermak v. Seysenegg, 1870–1952, Prof. d. Physiol. in Halle, Wien u. Prag, s. Pogg. VI-VII a).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule studierte P. seit 1875 in Leipzig Chemie, Botanik, Mineralogie und Geologie. 1878 wurde er mit „Studien über lockere vulkanische Auswürflinge“ bei dem Mineralogen Ferdinand Zirkel (1831–1912) promoviert. Schon vorher hatte Hermann Credner (1841–1913), der Leiter der geologischen Landesaufnahme in Sachsen, P. als Hilfsgeologen eingestellt und ihm die Aufnahme der Sektionen Colditz und Grimma der Geologischen Spezialkarte von Sachsen übertragen. Nach einer Studienreise 1878 durch Norddeutschland und das südliche Skandinavien publizierte P. 1879 „Die Geschiebeformation Norddeutschlands“, worin erstmals die dreimalige Vergletscherung des nördlichen Mitteleuropa nachgewiesen wurde. Seit 1880 bildete sich P. bei Karl Zittel (1839–1904) in München im Fach Paläontologie weiter und wurde von Wilhelm Gümbel (1823–98), dem Leiter der Bayer. Geologischen Landesuntersuchung, mit der Übersichtskartierung des „Diluviums“ im Alpenvorland betraut. Deren Ergebnisse veröffentlichte P. 1882 (Die Vergletscherung d. dt. Alpen, Ihre Ursachen, period. Wiederkehr u. ihr Einfluß auf d. Bodengestaltung) und belegte damit eine dreimalige Vergletscherung auch des Alpenvorlands und die Entstehung der Alpenrandseen durch glaziale Erosion. Gleichzeitig habilitierte sich P. mit dieser Arbeit als erster Vertreter des Faches Geographie an der Univ. München. 1885 nahm er einen Ruf auf die neugeschaffene Lehrkanzel für Physikalische Geographie an der Univ. Wien an, wo er neben den üblichen Vorlesungen obligate Exkursionen einführte. Zu der bald international angesehenen „Wiener Schule“ der Geographie gehörten u. a. Jovan Cvijic (1862–1927), Naomasa Yamasaki (1870–1928) und Emmanuel de Martonne (1873–1955). 1887 erschien im 1. Band von Alfred Kirchhoffs (1838–1907) „Länderkunde des Erdteils Europa“ P.s „Das Deutsche Reich“, dem er eine „Physikalische Skizze von Mitteleuropa“ voranstellte und damit nicht nur die bis heute gültige Definition Mitteleuropas gab, sondern auch dessen natürliche Großlandschaften erstmals begrifflich faßte. In der „Morphologie der Erdoberfläche“ (2 Bde., 1894) stellte er methodisch zukunftsweisend das Relief der Erde als Ergebnis formender Prozesse dar. 1887-90 untersuchte P. gemeinsam mit August v. Böhm (1858–1930) und Eduard Brückner (1862–1927) die Vergletscherung der österr. Alpenländer und legte damit die Grundlage zu „Die Alpen im Eiszeitalter“ (3 Bde., 1901–09, mit Brückner). Dieses Standardwerk hat die Quartärforschung im deutschsprachigen Bereich fest begründet, gab ihr mit der „Glazialen Serie“ eine verläßliche methodische Grundlage und mit den, nunmehr vier, alpinen Eiszeiten Günz, Mindel, Riß und Würm eine in den Grundzügen heute noch gültige stratigraphische Basis. 1891 forderte P. erstmals die Schaffung einer Weltkarte im Maßstab 1: 1 000 000 nach einheitlichen Grundsätzen (Gradabt. u. Höhenschichten), deren Realisierung gegen erhebliche Widerstände kurz vor dem 1. Weltkrieg begonnen wurde. Zahlreiche Studienreisen führten P. u. a. nach Westeuropa (1883), Spanien und Marokko (1892). Schottland und Irland (1895), Kanada (1897), den USA (1897, 1904 u. ö.), Mexiko (1904), Südafrika, Ägypten (1905), Hawaii, Japan, Nordchina, Sibirien (1909), Spitzbergen (1910) und Australien (1914).

    1906 wurde P. als Nachfolger Ferdinand v. Richthofens (1833–1905) nach Berlin berufen und übernahm neben der Direktion des Geographischen Instituts auch die Leitung des neugegründeten Instituts und Museums für Meereskunde (1917/18 Rektor, 1926 em.). 1908/09 lehrte P. als Austausch-Professor an der Yale-Univ. und der Columbia-Univ. in den USA, während gleichzeitig William Morris Davis (1850–1934) den Berliner Lehrstuhl vertrat. Im „Versuch einer Klimaklassifikation auf physiogeographischer Grundlage“ (1910) unterschied P. erstmals humide, aride und nivale Klimabereiche, mit „Die Formen der Landoberfläche und Verschiebungen der Klimagürtel“ (1913) legte er die Grundlagen der Klimamorphologie. Zu aktuellen kulturgeographischen Fragen nahm er in „Die österr. Alpengrenze“ (1915), mit der Karte „Deutsche, Polen und Kassuben in Westpreußen und Posen“ (1919) und weiteren Veröffentlichungen zur Frage des poln. Korridors zur Ostsee Stellung.

    Gleich nach Kriegsende initiierte P. zusammen mit Alfred Merz (1880–1925) die Einrichtung einer Volkshochschule. 1921 war er maßgeblich an der Schaffung der „Mittelstelle für zwischeneurop. Fragen“ beteiligt, aus der 1926 die „Stiftung für deutsche Volks- und Kulturbodenforschung“ hervorging. Seit 1922 schuf er zusammen mit Friedrich Schmidt-Ott (1860–1956) und Alfred Merz die Voraussetzungen für die „Meteor“-Expedition im Südatlantik (1925–27). Ein glänzender, international sehr beachteter wissenschaftlicher Erfolg wurde 1928 die 100-Jahr-Feier der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin unter P.s Leitung. Seine Publikationen zur Bevölkerungskapazität der Erde (Das Hauptproblem d. phys. Anthropogeogr., 1924; Die Bonitierung d. Erdoberfläche, 1926) lösten eine bis heute anhaltende Diskussion aus. Sein „Geographischer Führer durch das Tor von Mittenwald“ (1930) schloß erneute Geländearbeiten in den Ostalpen ab. In den 1930er Jahren war P. u. a. Ehrenpräsident der 3. Internat. Quartärkonferenz in Wien (1936) und Kanzler der Berliner „Mittwochs-Gesellschaft“, von deren 16 Mitgliedern 4 ein Opfer des 20. Juli 1944 wurden.

    P. war der bedeutendste deutsche Geograph der ersten Hälfte des 20. Jh., beeinflußte aber durch seine zahlreichen Schüler (neben Eduard Brückner u. Alfred Merz u. a. Norbert Krebs [1876–1947], Herbert Louis (1900–85), Herbert Lehmann [1901-71], Emil Meynen [1902-94]) auch noch die zeitgenössische Geographie. Seine Definition der Erdoberfläche als Energieumsatzfläche führte zur Dominanz naturwissenschaftlicher Methoden mit der Geomorphologie als Leitwissenschaft und zu entsprechender Schwerpunktsetzung auch in der Landes- und Länderkunde. Das ist infolge des schon in den 20er Jahren einsetzenden Übergangs zu soziologischen Fragestellungen heute Geschichte geworden. Nach wie vor aktuell sind dagegen P.s Untersuchungen zum Quartär, insbesondere der Alpen und ihrer Vorländer.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Oxford 1907, Innsbruck 1927); Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1926); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1933); Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien u. Berlin, d. Nat. Ac. of Sciences (Washington); Ehrenmitgl. d. Royal Soc. of Edinburgh. – P.s Namen tragen die „Penck Ridge“ im Einzugsgebiet d. Franz-Josef-Gletschers auf Neuseeland sowie zwei Gletscher u. d. große „Pencksöcka“ in d. Antarktis; der Maler Ralf Winkler (* 1939) benutzt ihn als Ps. („A. R. Penck“).|

  • Auszeichnungen

    Albrecht-Penck-Medaille d. Dt. Quartärvereinigung (seit 1958).

  • Werke

    s. G. Engelmann, Bibliogr. A. P., in: Wiss. Veröff. d. Dt. Inst. f. Länderkde. 17/18, 1960, S. 331-447 (636 Titel); – Hg: Geograph. Abhh. (1886–1928); Geogr. Jber. aus Österr. (1891-1901, mit anderen); Geograph. Hdbb. (1906–41); Meereskde., Slg. volkstüml. Vorträge z. Verständnis d. nat. Bedeutung v. Meer u. Seewesen (1907–21).

  • Literatur

    J. Sölch, in: Mitt. d. Geograph. Ges. Wien 89, 1946, S. 88-122 (P); P. Fechter. Die Mittwochsges., in: ders., Menschen u. Zeiten, 1948, S. 365-417; H, Spreitzer, A. P.s letztes Lebensj., Erinnerung an e. gr. Forscher u. Lehrer, in: Zs. f. Gletscherkde. u. Glazialgeol. 1, 1950, S. 187-92; ders., in: Quartär 5, 1951, S. 109-39 (P); H. Louis, A. P. u. sein Einfluß auf Geogr. u. Eiszeitforschung, in: Die Erde 89, 1958, S. 161-82 (P); G. Engelmann, Briefe A. P.s an Joseph Partsch, in: Wiss. Veröff., d. Dt. Inst. f. Länderkde. 17/18, 1960, S. 17-107; H. Beck, A. P., Geograph, bahnbrechender Eiszeitforscher u. Geomorphologe, in: ders., Gr. Geographen, Pioniere, Außenseiter, Gelehrte, 1982, S. 191-212 (P); J. Marcinek, in: Petermanns Geograph. Mitt. 127, 1983, S. 145-52 (P); E. Meynen, in: T. W. Freeman (Hg.), Geographers. Biobibliogr. Studies 7, 1983, S. 101-08 (P); L. Eißmann, A. P.s frühes Wirken in Sachsen, in: Abhh. u. Berr. d. Naturkde.-Mus. Mauritianum 11, 1984, S. 129-36 (P); I. Schaefer, Der Weg A. P.s nach München, z. Geographie u. z. alpinen Eiszeitforschung, in: Mitt. d. Geograph. Ges. München 74, 1989, S. 5-25 (P); K. D. Adam. Vom frühen Erforschen d. Eisza. im süddt. Raum, Gedenkschr. z. 50. Todestag v. A. P, in: J.hh. d. Ges. f. Naturkde. Württ. 153, 1997, S. 23-129 (P); Pogg. III-VII a; Hist. Lex. Wien. - Zu August v. Ganghofer: H. v. Fürst, in: BJ V. S. 126 f.; NDB VI*; H. Rubner, Hundert bedeutende Forstleute Bayerns (1875–1970), 1994 (P).

  • Autor

    Karl Albert Habbe
  • Empfohlene Zitierweise

    Habbe, Karl Albert, "Penck, Albrecht" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 172-173 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118739883.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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