Lebensdaten
1863 bis 1934
Geburtsort
Linz/Donau
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118505955 | OGND | VIAF

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Zitierweise

Bahr, Hermann, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118505955.html [27.08.2016].

CC0

Bahr, Hermann

Schriftsteller, * 19.7.1863 Linz/Donau, 15.1.1934 München. (katholisch)

  • Genealogie

    V Alois Bahr (1834–98), Notar in Linz, aus Brünn; M Minna (Wilhelmine, 1836–1902), T des Franz|Ritter von Weidlich, Statthaltereirat in Troppau, und der Maria Rosner, aus Beamtenfamilie in Amberg (Oberpfalz); 1) Rosa Jokl, geschieden, 2) 24.8.1909 Anna Bahr-Mildenburg (s. 1).

  • Leben

    B. war eine - mit Ausnahme der letzten Lebensjahre - im Vordergrund des literarischen Betriebes stehende, anregende, aber problematische Persönlichkeit, deren Aufnahmefähigkeit stärker entwickelt war als ihre Schöpferkraft. Seit dem Anbruch der „Moderne“ fand er Anschluß an fast jede literarische Strömung bis etwa 1918, unter Überwindung früherer Anschauungen. Als Student vertrat B., liberal erzogen, den großdeutschen Gedanken, ging zum Marxismus über und vergegenwärtigte als Schriftsteller Ibsen-Imitation und krassesten Naturalismus, fand den Weg zum Impressionismus und zur Neuromantik, später zur Dekadenz, zum radikalen Individualismus, Symbolismus und Edelanarchismus, entdeckte sein Österreichertum mit Barockverherrlichung und Katholizismus und erwies für den Expressionismus Verständnis. B.s zeitweise starke Wirkungen ausstrahlende Essays können geistreiche Erkenntnisse und neue Ausblicke mit hausbackenen Gemeinplätzen vereinen. Der Instinkt des Literaturkritikers für das Werthafte war nicht stark, hingegen hatte B. Gefühl für schauspielerische Talente. Wenig Scharfblick bewies er in seinen oft blendenden politischen und sozialen Aufsätzen. Gegen den Essayisten B. polemisierten heftig Karl Kraus und Theodor Haecker. Am glücklichsten war er als Komödien- und Lustspielautor, wo er sich durch Meisterschaft im flüssigen Dialog bewährte. Als zeitweiliger Spielleiter sowie als Erster Dramaturg des Burgthaters (1918/19 sieben Monate) hatte er keine Erfolge. B.s Romane leiden an schwacher Gestaltungskraft und sind vorwiegend blasse Gesprächsspiele um Zeitprobleme, erzielten aber dank ihres Schlüsselcharakters große Bucherfolge. Ein Zyklus aus der späten Zeit Franz Josephs wurde teilweise ausgeführt.

  • Werke

    u. a. Essays: Die Überwindung d. Naturalismus, 1891; Stud. z. Kritik d. Moderne, 1894; Renaissance, 1897; Dialog v. Tragischen, 1904; Wien, 1906; Dalmatin. Reise, 1909; Austriaca, 1911; Inventur, 1912; Erinnerung an Burckhardt, 1913; Expressionismus, 1916; Schwarzgelb, 1917; „1917“, Innsbruck 1918; Selbstbildnis, 1923; Liebe d. Lebenden, 3 Bde., 1924; - Dramen: Die neuen Menschen, 1887; Die Mutter, 1891; Der Franzl, 1901; Das Konzert, 1909 (Welterfolg); Die Stimme, 1916; - Romane: Die gute Schule, 1890; Neben d. Liebe, 1891; Drut, 1909; Himmelfahrt, 1916; Die Rotte Korah, 1919; Österr. in Ewigkeit, 1929.

  • Literatur

      W. Handl, H. B., 1913;  C. F. Kocmata, H. B., Österr.s Breitmäul, eine Abrechnung, in: Neue Bahnen, Schrr. aus d. Zeit, Wien, 1916, H. 1;  W. Meridies, H. B., 1927;  J. Gregor, Meister u. Meisterbriefe um H. B., Aus seinen Entwürfen, Tagebüchern u. seinem Briefwechsel mit R. Strauss, H. v. Hofmannsthal, M. Reinhardt, J. Kainz, E. Düse u. A. v. Mildenburg, in: Museion NF, Reihe 1, Wien 1947 (P);  J. Nadler, Lit.-Gesch. Österr.s, 21951;  Kosch, Lit.-Lex. (W, L)Qu.:  H. B.-Archiv in d. Nat. Bibl. Wien (P);  H. B.s Bücher-Slg. in d. Studienbibl. Salzburg.

  • Portraits

    Radierung v. E. Orlik, 1908 (Original im Kupf.-Kab. Dresden).

  • Autor

    Ernst Alker
  • Empfohlene Zitierweise

    Alker, Ernst, "Bahr, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 540 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118505955.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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