Lebensdaten
1870 bis 1944
Geburtsort
Fröschweiler bei Wörth (Elsaß)
Sterbeort
Planegg bei München
Beruf/Funktion
Journalist ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116212683 | OGND | VIAF: 30281826
Namensvarianten
  • Klein, Tim
  • Klein, Johann Philipp Timotheus
  • Klein, Timotheus

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Zitierweise

Klein, Tim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116212683.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1838–98), Pfarrer, heimatkundl. u. theol. Schriftsteller, gab 1876 d. „Fröschweiler Chronik, Kriegs- u. Friedensbilder a. d. J. 1870“ heraus, d. in patriotischen Kreisen großes Aufsehen erregte, zuletzt Dekan in Nördlingen (s. ADB 51; BJ III, W, L), S d. Lehrers Philipp, aus Hugenottenfam., u. d. Katharina Bach;
    M Elisabeth (um 1843-n. 1900), T d. Joh. Jakob Hosemann (1805–86), Pfarrer in Nérac, Rel.lehrer, Redakteur d. Zs. „L'Esperance“ u. Pfarrer in Paris;
    B Paul (1871–1957), D. theol., Pfarrer in Mannheim, Mitgl. d. bad. Landessynode, Landeskirchenrat (s. RGG);
    - München 1925 Pauline (1887–1973), T d. Joh. Baptist Baumgartner, Schmiedemeister u. landwirtsch. Maschinenhändler, u. d. Franziska Stöbig; 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    K. besuchte die Lateinschule in Öttingen, dann in Nördlingen, wohin sein Vater 1882 als Hauptprediger und Dekan an der Kirche Sankt Georg berufen worden war. Das Abitur legte er 1888 am Gymnasium Sankt Anna in Augsburg ab. Obwohl K.s Vater seit 1885 als unheilbar geisteskrank in der Pflegeanstalt Kaufbeuren untergebracht war, und die finanziellen Mittel der Familie deshalb äußerst gering waren, begann K. das Studium der Philologie. Nach einigen Semestern in Straßburg wechselte er nach München über, mußte jedoch infolge der ungünstigen äußeren Umstände das Studium bald aufgeben. 1893/94 diente er als Freiwilliger in Straßburg. Danach verdiente er seinen Unterhalt in buchhändlerischen Firmen in Leipzig, Naumburg und Nördlingen. 1898 konnte er sein Studium in München wieder aufnehmen. 1899 und 1900 legte er die beiden Prüfungen in Realien ab, 1902 wurde er mit einer Arbeit über „Wieland und Rousseau“ zum Dr. phil. promoviert. Er unterrichtete bis 1902 in Burtenbach bei Augsburg, danach als Probekandidat in Metz. 1903 wurde er als Lehrer an das Lehrerseminar in Straßburg berufen.

    Seit 1918 war K. für kurze Zeit Leiter des Kulturteils der Münchner Neuesten Nachrichten, wandte sich jedoch dann der „produktiven Kritik“ zu und wurde in den 20er Jahren einer der führenden Theaterkritiker Münchens. Im Dezember 1920 übernahm er die Schriftleitung der „Einkehr“, einer Unterhaltungsbeilage der Münchner Neuesten Nachrichten. Seit 1924 gab er zusammen mit Otto Gründler und Friedrich Langenfass die Zeitschrift „Zeitwende“ heraus, die dem Versuch dienen sollte, „das Kulturgewissen wieder mit dem Verantwortungsgefühl vor dem Ewigen zu erfüllen“ (K. in der 1. Ausgabe der Zeitschrift). 1933 wurde dem strenggläubigen streitbaren Protestanten von den Nationalsozialisten die journalistische Arbeitsmöglichkeit entzogen; er widmete sich nun seinen schriftstellerischen Arbeiten.

    K. hat einige Dramen, vor allem aber zahlreiche Biographien und Dokumentationen veröffentlicht. In diesen Werken, zum Beispiel „Die Befreiung 1813 bis 1815“ (1913), „Der Vorkampf deutscher Einheit und Freiheit 1848“ (1914), „Der Kanzler Bismarck in seinen Briefen und Erinnerungen“ (1915), „Luther, Deutsche Briefe, Schriften, Lieder und Tischreden“ (1917), „Reichsfreiherr von Stein“ (1922), stellt er Urkunden, Berichte und Briefe chronologisch zusammen und enthält sich dabei fast jeden Kommentars. Die Worte „Befreiung“ und „Vorkampf“ sind die Kernworte in K.s Schaffen, in dessen Mittelpunkt die Willens- und Tatenmenschen, die Kämpfer und die militanten Verfechter einer „moralischen Weltregierung“ (Hermann Bahr) stehen. K. zeigt sich als ein außerordentlich belesener, streng konservativer Humanist, der sich trügerischem, materialistischem Fortschrittsdenken entgegenstellt und immer wieder die Wahrung des deutschen Erbes, die Autonomie des Menschen und seine Selbstbestimmung aus sittlichem Zweck fordert. Die Wurzel allen Verfalls sieht er in dem Mangel an idealistischen Impulsen und in dem Fehlen einer Beziehung zum göttlichen Du. Von seinen Theaterstücken hatten das Künstlerdrama „Veit Stoß“ (uraufgeführt 1912 in München) und das Reformationsfestspiel um Johann Lachmann „Dennoch bleib ich“ (uraufgeführt 1928 in Heilbronn) großen, wenn auch nicht nachhaltigen Erfolg.

  • Werke

    Weitere W Der dt. Soldat, 1917;
    Die Erlösung d. Pilatus (Legende), 1919;
    Der Fremde (Schauspiel), 1919;
    Das Erbe (Dt. Lesebuch), 1921;
    Thomas Münzer (Trauerspiel), 1925;
    Sergeant Wigger (Schauspiel), 1930;
    Der Tod d. Mirabeau (Trauerspiel), 1930;
    Der junge Luther (Biogr.), 1933;
    Das Buch vom Opfern (Hrsg.), 1934;
    Lebendige Zeugen: Dt. Gestalten im Gefolge Christi, 1937.

  • Literatur

    H. Bahr, der schaffende Spiegel, T. K. als Kritiker u. Dichter, in: Münchner Neueste Nachrr. v. 7.1.1930;
    O. Gründler, in: Zeitwende 18, 1946/47, S. 33-42;
    K. A. v. Müller, Im Wandel e. Welt, 1966;
    W. Petzet, Gesch. d. Kammerspiele, 1973.

  • Portraits

    Zeichnung v. P. Trumm, Abb. in: T. K., Im Kampf d. Zeit, 1930.

  • Autor/in

    Eva-Suzanne Bayer-Klötzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Bayer-Klötzer, Eva-Suzanne, "Klein, Tim" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 747 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116212683.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA