Lebensdaten
1900 bis 1991
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur ; Theaterdirektor ; Pädagoge
Konfession
-
Normdaten
GND: 118757105 | OGND | VIAF: 44500443
Namensvarianten
  • Thimig, Hans Emil
  • Werner, Hans (Pseudonym)
  • Thimig, Hans
  • mehr

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Zitierweise

Thimig, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757105.html [29.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hugo (s. 1);
    M Franziska Hummel;
    Schw Helene (s. 2);
    B Hermann (s. 3);
    1) Wien (?) 1929 n. 1936 Christl Mardayn (eigtl. Anna Christina Mardein) (1896–1971, ⚭ Paul Mühlbacher, Kaufm.), aus W., Schausp., Sängerin, T d. Oskar Maria Mardein u. d. Henriette Fusek, 2) Wien 1945 Helene Rauch;
    2 T aus 2) Heidemaria ( Horst W. Nausch, Dr. phil., Vf. v.Unterss. z. Pfeilerbasilika im 9. Jh. in Kleinasien“, Diss. München 1976), Schausp., Henriette (* 1947), Theater- u. Filmschausp., 1995–2000 am Schausp.haus Bochum.

  • Leben

    Bereits während seiner Schulzeit am humanistischen Gymnasium in Wien errichtete T. ein kleines Haustheater, in dem er Szenen aus Stücken von Goethe, Schiller, Grillparzer u. a. aufführte. Sein erster öffentlicher Auftritt unter dem Pseudonym Hans Werner erfolgte 1916 am Wiener Volkstheater (Seppele, in: Karl Schönherr, Volk in Not), ohne jede Schauspielausbildung, abgesehen von kurzem Sprechunterricht bei Ella Arnau. Zwei Jahre später erhielt T. auf Empfehlung von Hermann Bahr (1863–1934) ein Engagement am Hofburgtheater und debütierte am 15. 12. 1918 als Jenni in Schillers Wilhelm Tell. 1919 legte T. als Externist am Schottengymnasium in Wien die Matura ab und absolvierte gleichzeitig Proben am Burgtheater. Im Sommer 1923 trat T. erstmalig bei den Salzburger Festspielen als Thomas Diafoirus in Molières „Der eingebildet(e) Kranke“ unter der Regie von Max Reinhardt (1873–1943) auf; dieser engagierte T. 1924–33 (anschließend 1934–43) an das Theater in der Josefstadt in Wien, wo zeitgleich seine Geschwister Helene und Hermann sowie sein Vater Hugo spielten, und das vom Wiener Publikum daher auch Thimig-Theater genannt wurde. 1934/35 trat T. zudem häufig am Wiener Volkstheater auf.

    Seit Herbst 1925 hatte T. auch an den Reinhardt-Bühnen in Berlin gespielt. 1927/28 wirkte er beim Gastspiel der Berliner und Wiener Reinhardt-Bühnen in New York mit, seit 1928 übernahm er Regieaufgaben im Theater in der Josefstadt, dessen vertretender Schauspieldirektor er 1938–42 in der Ära Heinz Hilpert (1890–1967) in Wien war. Als Reinhardt 1929 in Wien die private „Schauspiel- und Regieschule im Schönbrunner Schloßtheater“ gründete (heute „Max Reinhardt Seminar“), war T. hier auch als Lehrer für Rollenstudium und Repertoire tätig, nachdem er vorher schon mit Paul Kalbeck (1884– 1949) die „Neue Schule für dramatischen Unterricht“ für junge Schauspieler ins Leben gerufen hatte. 1945 und 1959–1960 war T. Direktor des Reinhardt-Seminars. Nach Beendigung seiner Theaterleitung im Theater in der Josefstadt widmete sich T. 1942–49 als Schauspieler wie auch als Regisseur ganz dem Film, ehe er 1949–66 als Ensemblemitglied, später als Gast, wieder am Burgtheater auftrat. Seit Herbst 1959 zum „Regievorstand“ ernannt, war er für Umbesetzungen verantwortlich und hatte die Kontrolle über die laufenden Vorstellungen.

    Bei den Salzburger Festspielen war er 1949/50 in Goethes „Clavigo“ (Buenco), Raimunds „Verschwender“ (Gründling) und in Hofmannsthals „Jedermann“ (Armer Nachbar) zu sehen. 1962 und 1964 leitete er als Regisseur und Schauspieler mit Max Mells „Das Apostelspiel“ bzw. Hermann Bahrs „Die Kinder“ eine Tournee durch Deutschland, die Niederlande, die Schweiz und Luxemburg, und spielte danach zwischen 1974 und 1983 noch einige Male im Theater in der Josefstadt.

    T. widmete sich neben der Bühne mehr als 40 Jahre dem Film, dem Fernsehen, der Pantomime und dem Kabarett. In seinen Regien bevorzugte er das Komödiantische. Waren es zu Beginn seiner Karriere schüchterne Liebhaber und jugendliche Komiker, die er verkörperte, übernahm er im Theater in der Josefstadt auch Rollen eines Charakterkomikers, wobei Nestroy und Shakespeare zu seinen bevorzugten Autoren zählten. Seine große Meisterschaft zeigte sich im Alter in der Darstellung von kleineren Rollen. Im Rundfunk führte T. Regie bei Hörspielen und Lustspielen (u. a. W. Shakespeare, Viel Lärm um nichts; M. Wied, Das fremde Haus) und wirkte in einigen Sendereihen mit, wie z. B. „Besuch am Montag“ oder „Die Radio-Familie“ (1951–60).

  • Auszeichnungen

    A Gold. Verdienstzeichen d. Landes Wien (1956); Ehrenmedaille d. Bundeshauptstadt Wien in Silber (1960); Kammerschausp. (1963); Prof. (1978); Ehrenring d. Stadt Wien (1981); Ehrenmitgl. d. Burgtheaters; Ehrenmitgl. d. Theaters in d. Josefstadt.

  • Werke

    W u. a. Bühnenrollen: Peter, in: J. Nestroy, Der Färber u. sein Zwillingsbruder;
    Kraps, in: ders., Einen Jux will er sich machen;
    Leim, in: ders., Lumpazivagabundus;
    Knöpfl, in: ders., Das Mädl aus d. Vorstadt;
    Herr v. Lips, in: ders., Der Zerrissene;
    Direktor, in: L. Pirandello, Sechs Personen suchen e. Autor;
    Lysander, in: W. Shakespeare, Ein Sommernachtstraum;
    Edgar, in: ders., König Lear;
    Bleichenwang, in: ders., Was ihr wollt;
    Leon, in: ders., Weh dem, der lügt;
    Silvius, in: ders., Wie es euch gefällt;
    Frank, in: B. Shaw, Frau Warrens Gewerbe;
    Theaterregie: u. a. A. Schnitzler/E. Lothar, Fräulein Else, 1936;
    H. Bahr, Wienerinnen, 1938;
    P. Calderon de la Barca, Dame Kobold, 1940; F. Grillparzer, Des Meeres u. d. Liebe Wellen, 1940; B. Shaw, Pygmalion, 1942; Th. Wilder, Unsere kl. Stadt, 1946; J. B. Moliere, Der Arzt wider Willen, 1960; F. Raimund, Die gefesselte Phantasie, 1962; – Filme: u. a. Stummfilme: Kleider machen Leute, 1921; Liebesgeschichten, 1925; Eine Frau v. Format, 1928; Tonfilme: Das Geld liegt auf d. Straße, 1930; Jede Frau hat e. Geheimnis, 1934; Der schweigende Mund, 1951; Franz Schubert – Ein Leben in zwei Sätzen, 1953; Mädchenjahre e. Königin, 1954; Einen Jux will er sich machen, 1957; Der brave Soldat Schwejk, 1960; Heidi, 1965; – Filmregie: u. a. So gefällst du mir, 1941; Brüderlein fein, 1941; Gottes Engel sind überall, 1947; Frühlingsstimmen, 1951; – Schrr.: Richtlinien d. Unterr.planung mit allg. Gedanken über d. Schauspieler u. seine Kunst, 1945 (Vortrag); Neugierig wie ich bin, Erinnerungen, 1983 (Verz. d. Bühnen- u. Filmrollen, Theater-, Rundfunk- u. Filmregiearbb.; P).

  • Literatur

    L J. Bab, Schausp. u. Schausp.kunst, 1926;
    A. Kahane, Die Thimigs, Theater als Schicksal e. Fam., 1930 (P);
    O. M. Fontana, Wiener Schausp., 1948;
    J. Handl, Schausp. d. Burgtheaters, 1955;
    W. Fritz, H. T. u. d. Film, 1962;
    Hugo Thimig erzählt v. seinem Leben u. d. Theater seiner Zeit, Briefe u. Tageb.notizen, ausgew. u. eingel. v. F. Hadamowsky, 1962 (P);
    R. Kern, H. T. u. d. Theater, Diss. Wien 1967 (Bühnenrollen, Regieverz.);
    E. Fuhrich-Leisler u. G. Prossnitz (Hg.), Die Thimigs, Ihr Leben f. d. Theater, Ausst.kat. d. Max Reinhardt Forsch.- u. Gedenkstätte, 1977/78;
    G. Kropatschek, 200 J. Theater in d. Josefstadt 1788–1988, 1988;
    Teichl;
    Kürschners biogr. Theater-Hdb., 1956;
    H. Rischbieter, Theater-Lex., 1983;
    Österr. Personenlex.;
    Hist. Lex. Wien;
    P. S. Ulrich, Biogr. Verz. f. Theater, Tanz u. Musik, 1997;
    Kosch, Theaterlex.; Sucher, Theaterlex., 1999

  • Autor/in

    Christa Harten
  • Empfohlene Zitierweise

    Harten, Christa, "Thimig, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 150-151 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757105.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA