Lebensdaten
1920 – 1970
Geburtsort
Czernowitz (Cernăuţi, Bukowina, heute Tscherniwzi, Ukraine)
Sterbeort
wohl in Paris
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Übersetzer ; Übersetzer ; Lektor <Verlag> ; Lyriker
Konfession
Cimetière parisien
Normdaten
GND: 118519859 | OGND | VIAF: 106122570
Namensvarianten
  • Antschel, Paul
  • Ancel, Paul
  • Celan, Paul
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Celan, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118519859.html [22.04.2024].

CC0

  • Paul Celan war einer der wichtigsten Lyriker der in Westdeutschland publizierten Nachkriegsliteratur und ein prominenter Übersetzer. Als Überlebender der Shoah entschied er sich nach 1945, als Jude weiter in deutscher Sprache zu schreiben und entwickelte in der Folge eine zunehmend schwierige, aber immer regelkonforme Gedichtsprache. Auf die deutschsprachige Lyrik übte er, vor allem postum, durch seinen kreativen Umgang mit der Sprache erheblichen Einfluss aus. Sein Werk ist in viele Sprachen übersetzt und mehrfach vertont, das Forschungsinteresse daran international groß.

    Lebensdaten

    Geboren am 23. November 1920 in Czernowitz (Cernăuţi, Bukowina, heute Tscherniwzi, Ukraine)
    Gestorben Ende April 1970 in wohl in Paris
    Grabstätte Cimetière parisien in Thiais (Département Val-de-Marne, Frankreich)
    Paul Celan, DLA Marbach (InC) = Paul Celan, 1948, Quelle: Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar, Bildnummer D20200925-001, Fotografin: Hertha Schulda-Müller (1899–1990).
    Paul Celan, DLA Marbach (InC) = Paul Celan, 1948, Quelle: Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar, Bildnummer D20200925-001, Fotografin: Hertha Schulda-Müller (1899–1990).
  • Lebenslauf

    23. November 1920 - Czernowitz (Cernăuţi, Bukowina, heute Tscherniwzi, Ukraine)

    1926 - 1930 - Czernowitz (Bukowina, heute Tscherniwzi, Ukraine)

    Elementarbildung

    jüdische Privatschulen (deutsch- und hebräischsprachig)

    1930 - 1934 - Czernowitz

    Schulbesuch (gymnasiale Unterstufe)

    Liceu Ortodox de Băeţi (rumänischsprachig)

    1933 - Czernowitz

    Bar Mizwah

    1934 - 1938 - Czernowitz

    Schulbesuch (gymnasiale Oberstufe) (Abschluss: Hochschulreife)

    Liceu Marele Voevod Mihai (rumänischsprachig),

    1938 - 1939 - Tours (Frankreich)

    Medizinisches Vorbereitungsjahr (BCP)

    Universität

    1939 - 1940 - Czernowitz

    nach Kriegsbeginn: Studium der Romanistik

    Universität

    1940 - 1941 - Czernowitz

    nach Einmarsch der Roten Armee: Russischstudien und Fortsetzung des Romanistikstudiums

    Universität

    3.7.1941 - Czernowitz

    Einmarsch rumänischer Truppen; danach Ghetto, Arbeitsdienst

    Juni/Juli 1942 - September 1942 - Fălticeni bei Paşcani (Moldau, Rumänien)

    Deportation der Eltern; Arbeitseinsatz; private Unterbringung

    Anfang 1943 - Februar 1944 - Tăbărăşti bei Buzău (Oltenien, Rumänien)

    Zwangsarbeit im Straßenbau, geschlossenes Lager

    1944 - 1945 - Cernowitz

    nach dem Einmarsch der Roten Armee: Studium der Anglistik in der nun sowjetischen Nordbukowina (SSR Ukraine)

    Universität

    April 1945 - Bukarest

    Übersiedlung; Lektor und Übersetzer aus dem Russischen ins Rumänische

    Verlag Cartea Rusă

    1947 - 1948 - Wien

    Flucht über Budapest; erste Freundschaften mit deutschsprachigen Nichtjuden: Edgar Jené (1904–1984), Erica Lillegg (1907–1988), Ingeborg Bachmann (1926–1973), Klaus Demus (geb. 1927)

    14.7.1948 - Paris

    Übersiedlung als Staatenloser

    1948 - 1950 - Paris

    Studium der Deutschen Philologie und Allgemeinen Sprachwissenschaft (Abschluss: Licence ès lettres)

    Sorbonne

    Mai 1952 - Hamburg; Niendorf (Ostholstein); Frankfurt am Main

    erster Aufenthalt in der Bundesrepublik: Teilnahme an einer Tagung der Gruppe 47

    8.7.1955 - Paris

    französischer Staatsbürger

    Januar 1956 - April 1956 - Genf

    Übersetzer

    Internationales Arbeitsamt

    1956 - 1957 - Paris

    Vertretungsstelle als Deutsch-Lektor

    École Normale Supérieure Saint-Cloud

    1959 - 1970 - Paris

    Deutsch-Lektor

    École Normale Supérieure, Rue d’Ulm

    1965 - 1966 - Garches; Suresnes; Paris

    nach Mordversuch an seiner Frau im Wahn: Zwangseinweisung in psychiatrische Kliniken

    1967 - Paris

    nach weiterem Mordversuch an seiner Frau und Selbstmordversuch: chirurgische Notoperation und Zwangseinweisung in psychiatrische Klinik

    Dezember 1967 - Berlin-West

    einziger Aufenthalt zu Lesungen und Rundfunkaufnahmen

    Oktober 1969 - Jerusalem; Haifa; Tel Aviv

    einziger Besuch in Israel mit Lesungen und Rede vor dem Hebräischen Schriftstellerverband

    März 1970 - Stuttgart; Tübingen; Freiburg im Breisgau

    letzter Aufenthalt in der Bundesrepublik

    Ende April 1970 - wohl in Paris
  • Genealogie

    Vater Leo (Leib) Antschel 1890–1942/43 Baumeister im Holzhandel; 1942 in das Reichskommissariat Ukraine deportiert und dort ermordet
    Großvater väterlicherseits Wolf Teitler gest. 1923
    Großmutter väterlicherseits Chaje-Jente Antschel gest. 1917
    Mutter Friederike (Fritzi) Antschel, geb. Schrager 1895–1942/43 1942 in das Reichskommissariat Ukraine deportiert und dort ermordet
    Großvater mütterlicherseits Philipp Schrager
    Großmutter mütterlicherseits Adele Schrager, geb. Ehrlich
    Geschwister keine
    Heirat 23.12.1952 (seit 1967 getrennt)
    Ehefrau Gisèle de Lestrange 1927–1991 Malerin; Grafikerin
    Schwiegervater Edmond Marquis de Lestrange 1885–1943
    Schwiegermutter Odette de Lestrange, geb. Pastré 1898–1988
    Sohn François Celan 1953–1953
    Sohn Eric Celan geb. 1955
    Onkel mütterlicherseits Bruno Schrager 1903–1943 ermordet im KZ Auschwitz
    Onkel mütterlicherseits Esriel (Alphonse, Alfi) Schrager geb. 1912 lebte seit 1948 in Israel
    Tante mütterlicherseits Blanca Berman 1899–1997 lebte seit 1923 in den USA
    Tante väterlicherseits Berta Antschel 1894–1981 lebte seit 1938 in London
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Celan, Paul (1920 – 1970)

    • Vater

      Leo (Leib) Antschel

      1890–1942/43

      Baumeister im Holzhandel; 1942 in das Reichskommissariat Ukraine deportiert und dort ermordet

      • Großvater väterlicherseits

        Wolf Teitler

        gest. 1923

      • Großmutter väterlicherseits

        Chaje-Jente Antschel

        gest. 1917

    • Mutter

      Friederike (Fritzi) Antschel

      1895–1942/43

      1942 in das Reichskommissariat Ukraine deportiert und dort ermordet

      • Großvater mütterlicherseits

        Philipp Schrager

      • Großmutter mütterlicherseits

        Adele Schrager

    • Heirat

  • Biografie

    Celan wuchs in einem deutschsprachigen jüdischen Elternhaus in der seit Ende 1919 zu Rumänien gehörenden Bukowina auf. Sein Bildungsgang nach der Hochschulreife war durch Antisemitismus, Krieg, Ermordung der Eltern, Zwangsarbeit und die Kriegsfolgen mehrfach gebrochen. Die rumänischen Rassegesetze veranlassten ihn, 1938 zum Medizinstudium nach Frankreich auszuweichen. Nach der durch den Kriegsausbruch erzwungenen Rückkehr studierte Celan Romanistik und Anglistik in Czernowitz, seit der Eroberung der Bukowina durch die Sowjetunion 1940 in russischer Sprache. Die Rückeroberung durch das mit Deutschland verbündete Rumänien 1941 führte zu Ghettozwang (Czernowitz), Deportation der Eltern, Arbeitseinsatz (Fălticeni) und Zwangsarbeit (Tăbărăşti). Nach der Sowjetisierung der Bukowina 1944 als Jude zur Umsiedelung nach Rumänien gedrängt, arbeitete Celan seit 1945 als Lektor und Übersetzer ins Rumänische (Anton Tschechow, 1860–1904; Michail Lermontow, 1814–1841) bei einem Verlag für russische Literatur. Ende 1947 floh er wegen der Stalinisierung Rumäniens nach Wien und lebte dort als Displaced Person, bevor er 1948 nach Paris übersiedelte, wo er Ende 1952 eine Familie gründete und bis zu seinem Lebensende blieb.

    In Paris schloss Celan 1950 sein Studium der Deutschen Philologie und Allgemeinen Sprachwissenschaft an der Sorbonne ab. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Sprachlehrer und Übersetzer, seit Mitte der 1950er Jahre durch Veröffentlichungen von Gedichten und Übertragungen und seit 1959 durch Unterrichtstätigkeit an der Pariser Elitehochschule École normale supérieure. Mit seiner Frau arbeitete er bei künstlerischen Projekten („Atemkristall“, „Schwarzmaut“) zusammen und entwarf für sie die zweisprachigen Titel ihrer Radierungen. Celans zahlreiche Liebesbeziehungen mit deutschsprachigen Frauen, auch während seiner Ehe, so mit Ingeborg Bachmann (1926–1973), Erica Lillegg (1907–1988), Diet Kloos-Barendregt (1924–2015), Hannelore Scholz (1926–2011), Brigitta Eisenreich (1928–2017) und Gisela Dischner (geb. 1939), gaben ihm sprachliche Heimat; das gilt auch für Inge Wærn (1918–2010) und Ilana Shmueli (1924–2011), die ihm zudem eine gewisse jüdische Selbstverständlichkeit boten. Seine deutsche Muttersprache entwickelte er durch Aufenthalte im deutschsprachigen Ausland sowie durch umfassende Lektüren von original-deutschen oder übersetzten literarischen und wissenschaftlichen Werken sowie von deutschsprachiger Presse weiter, die er zitierend auch in seine Gedichte einbrachte.

    Schon in Bukarest entschied er sich für den Namen Celan, entstanden aus der Umkehrung der Silben "An - cel" (rumänische Schreibweise von Antschel), den er bei seiner Einbürgerung 1955 in Frankreich gerne zu seinem bürgerlichen Namen gemacht hätte.

    1949 lernte Celan in Paris Claire Goll (1890–1977) und Yvan Goll (1891–1950) kennen. Seit 1953 sah er sich von Claire Goll gestreuten, antisemitisch gefärbten Plagiatsvorwürfen ausgesetzt, die von einem Plagiat an Celans eigenen Gedichten in von ihr bearbeiteten Nachlassgedichten Yvan Golls ablenken sollten und in der Bundesrepublik gerne aufgegriffen wurden. Unter anderem wegen dieser Vorwürfe geriet Celan seit den frühen 1960er Jahren zunehmend in psychische Krisen, die stationäre Behandlungen (1962/63, 1965) erforderlich machten. Sie führten auch zu Mordversuchen an seiner Ehefrau, die deshalb 1967 eine räumliche Trennung verlangte, und zu Aggressionen gegen Dritte, die Zwangseinweisungen in psychiatrische Anstalten (1965/66, 1967, 1968/69) nach sich zogen.

    Bereits als Schüler, spätestens seit 1938, verfasste Celan an Rainer Maria Rilke (1875–1926) geschulte Gedichte in traditionellen Formen. Der Aufenthalt in Frankreich und das Romanistikstudium ermöglichten die Begegnung mit der französischen, die sowjetische Besatzung der Bukowina mit der russischen Moderne. In die Gedichte aus dem Zwangsarbeitslager gingen kaum dortige Erfahrungen ein; erst Gedichte wie die „Todesfuge“ (1944/45), die zu Celans meistgedrucktem Werk wurde, zeigen die Wahrnehmung aktueller Wirklichkeit und eine stilistische Neuorientierung. Seine neue Gedichtsprache entwickelte Celan im Kontext des Nachkriegssurrealismus in Bukarest (1945–1947, Publikationen deutsch und in rumänischer Übersetzung) und Wien (1948) weiter, ohne dass die Gedichte als surrealistisch einzuordnen sind. Sein erster Gedichtband, „Der Sand aus den Urnen“, den Celan sofort wegen Druckfehlern aus dem Handel nehmen ließ, erschien 1948 in Wien. Nach der erfolgreichen einzigen Teilnahme an einer Tagung der Gruppe 47 im Mai 1952 in Niendorf (weitere Einladungen 1959, 1960, 1962), wo Celan zahlreiche westdeutsche Autoren kennenlernte und Kontakte zu Verlagen und Rundfunkanstalten knüpfte, publizierte er 1952 in der Deutschen Verlagsanstalt den Gedichtband „Mohn und Gedächtnis“, dessen erste beiden Zyklen weitgehend dem 2. und 3. Zyklus aus „Der Sand aus den Urnen“ entsprechen.

    Celans Gedichtsprache veränderte sich bis zu seinem Lebensende erheblich: Nach ersten offen politischen Themen in „Von Schwelle zu Schwelle“ (1955) und einer Tendenz zur Verknappung mit „Sprachgitter“ (1959) wandte er sich in „Die Niemandsrose“ (1963) jüdischen und russischen Themen, verbunden mit traditionellen Formen oder Langgedichten, zu. Seit „Atemwende“ (1967) prägten Zitathaltigkeit und gleichzeitige Zunahme nicht lexikalisierter Wortzusammensetzungen seine Gedichte, die häufig als hermetisch und sprachlich problematisch kritisiert, gelegentlich auch als Ausdruck einer gefährdeten Persönlichkeit wahrgenommen wurden. Vor allem die Bereitschaft, ihre Welthaltigkeit wahrzunehmen, schwand seit „Fadensonnen“ (1968). Der Band „Lichtzwang“ (1970) und der Nachlassband „Schneepart“ (1971) wurden im Kontext des Suizids als Scheitern gelesen, der Band „Zeitgehöft. Späte Gedichte aus dem Nachlaß“ (1976) als Zeichen seiner Rückbesinnung auf das Judentum vereinnahmt. Celans Spätwerk fand nur langsam Platz in lyrischen Anthologien. Als genuinen Teil seines Werks verstand Celan seine von ihm selbst gewählten Übertragungen französischer und russischer – in Buchform zuerst Arthur Rimbaud (1854–1891) und Alexander Blok (1880–1921) (beide 1958) –, später auch englischer (William Shakespeare, 1564–1616) und italienischer Autoren (Guiseppe Ungaretti, 1888–1970) (1967 bzw. 1968).

    Nach ersten literaturwissenschaftlichen Studien über seine Arbeiten zu Celans Lebzeiten und von ihm selbst angeregten Untersuchungen beförderten v. a. Editionen die Celan-Forschung, so etwa „Das Frühwerk“ (1989) und der erste Band der „Historisch-kritischen Ausgabe“ (1990) mit Angabe von Entstehungsdaten und Gedichtgenese. Auch die Publikation des ersten vollständigen Briefwechsels 1993 (mit Nelly Sachs, 1891–1970) und weitere Briefeditionen, die Celans vielfältige Verbindungen erkennen lassen, die ersten Bände der „Tübinger Celan-Ausgabe“ (1996–1999), die Dokumentation der Goll-Affäre (2000) und die Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Celan und seiner Frau (2001) mit umfassenden Informationen zur psychischen Erkrankung bilden weitere, für die Forschung wichtige Stationen der Werkgeschichte. 2003 erschien die erste „Kommentierte Gesamtausgabe“ mit Lektürespuren aus der Nachlassbibliothek und der Presse (erheblich erweitert 2018), ein Jahr später der Katalog von Celans „Bibliothèque philosophique“ (2004) sowie 2019 die umfangreiche Auswahl „Briefe 1934–1970“. Im Zentrum der Forschung seit 2000 stehen – angestoßen durch eine Marbacher Ausstellung 1997 – die Übertragungen, außerdem die philosophischen Hintergründe seiner Dichtung, poetologische Fragen und Celans Verhältnis zu Deutschland.

    Früh begannen Komponisten, sich mit Celans Werk auseinanderzusetzen, nicht nur im Sinne von Liedvertonung (z. B. Aribert Reimann, geb. 1936: „Fünf Gedichte von Paul Celan“, 1959), sondern auch im Sinne einer Anregung für rein instrumentale Werke (z. B. Xaver Paul Thoma, geb. 1953: „Drei Impressionen nach Gedichten von P. Celan“, 1980); heute gehört er zu den meistvertonten Dichtern des 20. Jahrhunderts. Die Oper „Paul Celan“ (2001) von Peter Ruzicka (geb. 1948) orientiert sich an Celans Leben, ohne Texte von ihm zu verwenden. In der Bildenden Kunst ist der qualitativ beeindruckende Auftakt einer Auseinandersetzung mit Celans Werk durch Gisèle Celan-Lestrange bisher kaum je erreicht worden. Anselm Kiefer (geb. 1945) begann um 1980 Gemälde mit Versen aus Celans frühen Gedichten zu versehen; heute ist bei einer Vielzahl von Künstlern eine abstraktere Beschäftigung mit dem Spätwerk zu beobachten, deren Ergebnisse abzuwarten bleiben.

  • Auszeichnungen

    1948 Mitglied im Verband demokratischer Schriftsteller und Journalisten Österreichs
    1957 Literaturpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie
    1958 Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen
    1960 Georg-Büchner-Preis
    1960–1964 Mitglied im PEN-Club Österreich
    1961 Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (Mitgliedschaft abgelehnt)
    1961 Akademie der Künste, Westberlin (Mitgliedschaft abgelehnt)
    1962 Niedersächsischer Kunstpreis (abgelehnt)
    1964 Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen
    1968 Georg Trakl-Medaille (abgelehnt)
  • Quellen

    Literarischer Nachlass:

    Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar.

    Privatnachlass:

    Kontakt über Unité de recherche Paul Celan, École Normale Supérieure, Paris.

  • Werke

    Zu Lebzeiten autorisierte Gedichtbände:

    Der Sand aus den Urnen, 1948.

    Mohn und Gedächtnis, 1952.

    Von Schwelle zu Schwelle, 1955.

    Sprachgitter, 1959.

    Die Niemandsrose, 1963.

    Atemkristall, 1965. (mit Radierungen v. Gisèle Celan-Lestrange)

    Atemwende, 1967.

    Fadensonnen, 1968.

    Schwarzmaut, 1969. (mit Radierungen v. Gisèle Celan-Lestrange)

    Lichtzwang, 1970.

    Zu Lebzeiten autorisierte Übertragungen in Buchform und Vorträge:

    Ansprache anläßlich der Entgegennahme des Literaturpreises der Freien Hansestadt Bremen, 1958.

    Arthur Rimbaud, Bateau ivre – Das trunkene Schiff, 1958.

    Alexander Block, Die Zwölf, 1958.

    Ossip Mandelstamm, Gedichte, 1959.

    Paul Valéry, Die junge Parze, 1960.

    Der Meridian. Rede anläßlich der Verleihung des Georg-Büchner-Preises 1960, 1961.

    Sergej Jessenin, Gedichte, 1961.

    William Shakespeare, Einundzwanzig Sonette, 1967.

    Giuseppe Ungaretti, Das verheißene Land / Das Merkbuch des Alten, 1968.

    André du Bouchet, Vakante Glut, 1968.

    Jules Supervielle, Gedichte, 1968.

    Ansprache vor dem Verband hebräischer Schriftsteller in Tel Aviv, 1969.

    Werke aus dem Nachlass:

    Schneepart, 1971. (Gedichte)

    Zeitgehöft. Späte Gedichte aus dem Nachlaß, 1976.

    Gedichte 1938–1944. Transkription der Handschrift. Mit einem Vorw. v. Ruth Kraft, 1985.

    Das Frühwerk, hg. v. Barbara Wiedemann, 1989.

    Eingedunkelt und Gedichte aus dem Umkreis von Eingedunkelt, hg. v. Bertrand Badiou/Jean-Claude Rambach, 1991.

    Die Gedichte aus dem Nachlaß, hg. v. Bertrand Badiou/Jean-Claude Rambach. Anmerkungen v. Barbara Wiedemann/Bertrand Badiou, 1997.

    „Mikrolithen sinds, Steinchen“. Die Prosa aus dem Nachlaß. Kritische Ausg., hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann/Bertrand Badiou, 2005.

    Henri Thomas, Das Vorgebirge. Roman. Übertragung aus dem Französischen von Paul Celan. Aus dem Nachlaß hg., ergänzt u. mit einem Nachw. vers. v. Barbara Wiedemann, 2008. (Übertragung)

    Gesamtausgaben:

    Werke. Historisch-Kritische Gesamtausgabe, hg. v. d. Bonner Arbeitsstelle für die Celan-Ausgabe, 16 Bde., 1990–2017.

    Werke. Tübinger Ausgabe, hg. v. Heino Schmull/Jürgen Wertheimer, 9 Bde., 1996–2004.

    Die Gedichte. Kommentierte Gesamtausgabe in einem Band, hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann, 2003.

    Die Gedichte. Neue kommentierte Gesamtausgabe in einem Band. Mit den zugehörigen Radierungen v. Gisèle Celan-Lestrange, hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann, 2018.

    Briefwechsel:

    Paul Celan – Nelly Sachs, Briefwechsel, hg. v. Barbara Wiedemann, 1993. (P)

    Paul Celan – Franz Wurm, Briefwechsel, hg. v. Barbara Wiedemann in Verbindung mit Franz Wurm, 1995. (P)

    Paul Celan – Erich Einhorn, „Einhorn: du weißt um die Steine …“. Briefwechsel, hg. u. komm. v. Marina Dmitrieva-Einhorn, 1999.

    Gisèle Celan-Lestrange, Correspondance (1951–1970). Avec un choix de lettres de Paul Celan à son fils. Éditée et commentée par Bertrand Badiou avec le concours d'Eric Celan, 2001, dt. u. d. T. Briefwechsel, übers. v. Eugen Helmlé/Barbara Wiedemann, 2001. (P)

    Paul Celan – Hanne und Hermann Lenz, Briefwechsel. Mit drei Briefen von Gisèle Celan-Lestrange, hg. v. Barbara Wiedemann in Verbindung mit Hanne Lenz, 2001. (P)

    Paul Celan, „Du mußt versuchen, auch den Schweigenden zu hören“. Briefe an Diet Kloos-Barendregt. Handschrift – Edition – Kommentar, hg. v. Paul Sars unter Mitwirkung v. Laurent Sprooten, 2002. (P)

    Paul Celan – Ilana Shumeli: Briefwechsel, hg. v. Ilana Shmueli/Thomas Sparr, 2004. (P)

    Paul Celan – Rudolf Hirsch, Briefwechsel, hg. v. Joachim Seng, 2004. (P)

    Paul Celan – Peter Szondi, Briefwechsel. Mit Briefen von Gisèle Celan-Lestrange an Peter Szondi und Auszügen aus dem Briefwechsel zwischen Peter Szondi und Jean und Mayotte Bollack, hg. v. Christoph König, 2005. (P)

    Paul Celan – Ingeborg Bachmann, Herzzeit. Der Briefwechsel. Mit den Briefwechseln zwischen Paul Celan und Max Frisch sowie zwischen Ingeborg Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange, hg. u. komm. v. Bertrand Badiou u. a., 2008. (P)

    Paul Celan – Klaus und Nani Demus, Briefwechsel. Mit einer Auswahl aus dem Briefwechsel zwischen Gisèle Celan-Lestrange und Klaus und Nani Demus, hg. u. komm. v. Joachim Seng, 2009. (P)

    Paul Celan – Gustav Chomed, „Ich brauche Deine Briefe“, hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann/Jürgen Köchel, 2010. (P)

    Paul Celan – Heinrich Böll, Paul Schallück, Rolf Schroers, Briefwechsel mit den rheinischen Freunden. Mit einzelnen Briefen von Gisèle Celan-Lestrange, Ilse Schallück und Ilse Schroers, hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann, 2011. (P)

    Paul Celan – Gisela Dischner, „Wie aus weiter Ferne zu Dir“. Briefwechsel. Mit einem Brief von Gisèle Celan-Lestrange. In Verbindung mit Gisela Dischner hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann, 2012. (P)

    Paul Celan – René Char, Correspondance 1954–1968, suivie de la Correspondance René Char – Gisèle Celan-Lestrange (1969–1977). Édition établie, présenté et annotée par Bertrand Badiou, 2015. (P)

    Paul Celan, „etwas ganz und gar Persönliches“. Briefe 1934–1970. Ausgew., hg. u. komm. v. Barbara Wiedemann, 2019.

  • Literatur

    Periodika:

    Celan-Jahrbuch, hg. v. Hans-Michael Speier, seit 1987.

    Celan-Perspektiven, hg. v. Bernd Auerochs u. a., seit 2019.

    Bibliografien und Übersichtswerke:

    Christiane Bohrer, Paul Celan – Bibliographie, 1989.

    Jerry Glenn, Paul Celan – Eine Bibliographie, 1989.

    Christine Ivanović (Hg.), „Kyrillisches, Freunde, auch das…“. Die russische Bibliothek Paul Celans im Deutschen Literaturarchiv Marbach, 1996.

    Alexandra Richter/Patrik Alac/Bertrand Badiou, Paul Celan – La bibliothèque philosophique. Die philosophische Bibliothek, 2004.

    Markus May/Peter Goßens/Jürgen Lehmann (Hg.), Celan-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, 2008, 22012.

    Biografische Studien:

    Israel Chalfen, Paul Celan. Eine Biographie seiner Jugend, 1979. (P)

    Wolfgang Emmerich, Paul Celan, 1999. (P)

    Barbara Wiedemann, Paul Celan – Die Goll-Affäre. Dokumente zu einer „Infamie“, 2000.

    Peter Goßens/Marcus G. Patka, „Displaced“. Paul Celan in Wien 1947–1948, 2001. (P)

    Brigitta Eisenreich, Celans Kreidestern. Ein Bericht. Mit Briefen und anderen unveröffentlichten Dokumenten. Unter Mitwirkung von Bertrand Badiou, 2010. (P)

    Paul Celan – Edith Silbermann: Zeugnisse einer Freundschaft. Gedichte, Briefwechsel, Erinnerungen, hg. von Amy-Diana Colin und Edith Silbermann, 2010. (P)

    Barbara Wiedemann, „Ein Faible für Tübingen“. Paul Celan in Württemberg – Deutschland und Paul Celan, 2013.

    Andrei Corbea Hoisie, Paul Celans „unbequemes Zuhause“. Sein erstes Jahrzehnt in Paris, 2017.

    Klaus Reichert, Paul Celan – Erinnerungen und Briefe, 2020.

    Bertrand Badiou, Paul Celan. Eine Bildbiographie, 2023. (P)

    Peter Goßens, Paul Celan. Leben, Werk, Wirkung, 2024.

    Werkstudien:

    Johann Firges, Die Gestaltungsschichten in der Lyrik Paul Celans ausgehend vom Wortmaterial, Diss. phil. Köln 1959.

    Peter Mayer, Paul Celan als jüdischer Dichter, Diss. phil. Heidelberg 1969.

    Peter Horst Neumann, Zur Lyrik Paul Celans, 1968.

    Dietlind Meinecke, Wort und Name bei Paul Celan. Zur Widerruflichkeit des Gedichts, 1970.

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  • Onlineressourcen

  • Porträts

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  • Autor/in

    Barbara Wiedemann (Tübingen)

  • Zitierweise

    Wiedemann, Barbara, „Celan, Paul“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118519859.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA