Lebensdaten
1882 – 1948
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Althistoriker
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 117171107 | OGND | VIAF: 35227169
Namensvarianten
  • Weber, Wilhelm Georg
  • Weber, Wilhelm
  • Weber, Wilhelm Georg
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Weber, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117171107.html [13.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob (kath.?), Zimmermann in H.;
    M Genovefa Wohlleber;
    Heidelberg (?) Berlin-Lichterfelde 1912 Elisabeth (1885–1971, ev.), aus P., T d. Johannes Nietner (1855–1914), aus Hofgärtnerfam. in P., Dr. med., Oberstabsarzt, Gen.sekr. in B.-Lichterfelde, Prof. (s. DBJ I, Tl.), u. d. Elisabeth Schaeper (1861–1946);
    4 S, 4 T;
    Gvv d. Ehefrau Theodor Nietner (1823–94), Oberhofgärtner in P.

  • Biographie

    W., aus ärmlichen Verhältnissen stammend, besuchte ab 1888 die Volksschule in Heidelberg und absolvierte ab 1892 das Gymnasium ebenda. 1901 nahm er an der Univ. Heidelberg das Studium der klassischen und dt. Philologie, der Alten, Mittleren und Neueren Geschichte sowie der klassischen Archäologie|und Kunstgeschichte auf. Seine Lehrer waren Alfred v. Domaszewski (1856–1927), Friedrich v. Duhn (1851–1930), Albrecht Dieterich (1866–1908) und Franz Boll (1867–1924). W. wurde 1907 mit „Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Hadrianus“ bei v. Domaszewski zum Dr. phil. promoviert. Nach einigen Jahren als Lehrer an einem Heidelberger Gymnasium erhielt er 1908 / 09 das Reisestipendium des DAI. Die Habilitation erfolgte 1911 wieder bei v. Domaszewski mit „Drei Untersuchungen zur ägypt.-griech. Religion“. 1912 wurde W. o. Professor in Groningen. Im März 1915 meldete er sich als Freiwilliger beim dt. Heer. Nach einer Tuberkuloseerkrankung leistete er Militärdienst in Litauen und Lettland. Nachdem W. mehrere Rufe abgelehnt hatte, ging er 1918 als Ordinarius für Alte Geschichte nach Tübingen. Mit Dozenten und Studenten des Tübinger Seminars (u. a. Joseph Vogt, Fritz Taeger, Alexander v. Stauffenberg) unternahm er 1924 eine Italienreise. 1925 wechselte er nach Halle, wo er die Zusammenlegung der Alten Geschichte, der klassischen Philologie und der klassischen Archäologie zum Institut für Altertumswissenschaften im Robertinum initiierte, welche 1928 verfügt wurde. Die „so lange ersehnte große Bühne“ (K. Christ) bot sich mit der Berufung nach Berlin, wo W. 1932 die Nachfolge Ulrich Wilckens (1862–1944) antrat und zum o. Mitglied des DAI ernannt wurde. Als Direktor des Instituts für Altertumskunde verweigerte W. dem 1935 wegen seiner jüd. Herkunft in den Zwangsruhestand versetzten klassischen Philologen Paul Friedländer die Bibliotheksbenutzung. Die Jahre bis 1944 brachten zahlreiche Vortragseinladungen (Ungarn, Frankreich, Griechenland, Schweiz, Rumänien, Bulgarien) u. a. verbunden mit Studienreisen und Ehrungen. Auch wenn W. nicht Mitglied der NSDAP war, kann er doch als ein überzeugter Nationalsozialist gelten. Als er 1945 von den Alliierten aus dem Universitätsdienst entlassen wurde, stellte er sich als Opfer des NS-Systems dar und hoffte 1948 auf einen Ruf an die neugegründete FU Berlin.

    Als Summe von W.s Forschungen zu Hadrian erschienen 1907 die seinem Lehrer v. Domaszewski gewidmeten „Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Hadrianus“. Diese ersetzen die ältere Arbeit von Julius Dürr „Die Reisen des Kaisers Hadrian“ (1881) und blieben bis heute die einzige Spezialuntersuchung zum hadrian. Reiseitinerar. Bei diesen Untersuchungen stieß W. auf das Problem der adäquaten Erfassung und Auswertung der antiken Münzzeugnisse. Diesen schenkte er bei seinen weiteren Forschungen große Beachtung und setzte einige seiner Schüler (Joseph Vogt, Paul L. Strack, Waldemar Wruck, Clemens [Emin] Bosch) auf numismatische Themen an. So legte W. in seiner 1910 veröffentlichten Heidelberger Akademieschrift „Ein Hermes-Tempel des Kaisers Marcus anhand der Münzen“ dar, daß das berühmte, bei Dio (72, 8, 1–4) erwähnte und auf der Marc Aurel-Säule dargestellte Regenwunder des Quadenkrieges von 172 / 75 n. Chr. von den Zeitgenossen mit Hermes (in ägyptisierter Form) als Rettergottheit in Verbindung gebracht wurde. Geschichte, Erscheinungsform und geistiger Gehalt der röm. Kaiserzeit von Augustus bis Commodus bildeten den Schwerpunkt von W.s weiteren Forschungen. In seiner Analyse des Tatenberichtes des Augustus (res gestae) nimmt W. an, daß dieser einer einheitlichen Konzeption folgt und 14 n. Chr. in einem Zuge (also nicht über einen längeren Zeitraum sukzessiv) niedergeschrieben wurde (Princeps, Studien zur Geschichte des Augustus, Bd. 1, 1936, mehr nicht erschienen).

    Wiederholt beschäftigte sich W. mit der Frage nach dem Verhältnis der griech.-röm. Welt zum Orient. Für Band 1 der 1925 von Werner Jaeger herausgegebenen Zeitschrift „Die Antike“ verfaßte er einen Beitrag „Der Siegeszug des Griechentums im Orient“. Darin greift W. zwar in für die althistorische Forschung innovativer Weise auf Werke der griech. Kleinkunst (geschnittene Ringsteine, Münzen) und indische Großplastik gleichermaßen zurück, um den Einfluß der griech. Kunst augenscheinlich zu machen. Er verkennt dabei aber die Entwicklung und den Eigenwert der einheimisch-orientalischen Kunst bzw. beschreibt diese nur negativ und nicht selten mit rassistischem Vokabular.

    Nach Übernahme des Berliner Lehrstuhls war W. der einflußreichste Althistoriker Deutschlands. Energisch setzte er sich für seine Schüler (u. a. Victor Ehrenberg, Fritz Taeger, Joseph Vogt, Woldemar Gf. v. Uxkull-Gyllenband, Alexander Schenk Gf. v. Stauffenberg, Johannes Straub) ein, die ihn als charismatische Persönlichkeit und bedeutenden Lehrer erlebten. Mit großem Ehrgeiz nahm er an der Gestaltung der Hochschulpolitik teil. Sein mit lebensphilosophischen Begriffen durchzogener, pathetisch aufgeladener Stil traf den Ton der Zeit, während W.s Schriften heute, abgesehen vielleicht von den frühen quellenfundierten Arbeiten, kaum mehr gelesen bzw. zitiert werden.

  • Auszeichnungen

    |o. Mitgl. d. DAI (1932) u. d. Bulgar. Archäol. Inst. (1944);
    Komturkreuz d. Ordens Stern v. Rumänien;
    Mitgl. d. Rumän. Ak., Bukarest (1942).

  • Werke

    Weitere W u. a. Ägypt.-griech. Götter im Hellenismus, Rede z. Antritt d. o. Professur z. Alten Gesch. an d. Univ. zu Groningen am 22. März, 1912;
    Die Ägypt.-griech. Terrakotten d. Kgl. Museen zu Berlin, 2 Bde., 1914;
    Eine Ger.verh. vor Ks. Trajan, in: Hermes 50, 1915, S. 47–92;
    Zur Gesch. d. Monarchie, Antrittsrede als Ordinarius in Tübingen, 1919;
    Josephus u. Vespasian, Unterss. zu d. jüd. Krieg d. Flavius Josephus, 1921;
    Der Prophet u. sein Gott, Eine Studie z. vierten Ekloge Vergils, 1925;
    Röm. Ks.gesch. u. KGesch., 1929;
    Vom neuen Reich der Deutschen, Rede b. d. Feier d. Reichsgründung u. d. Erneuerung d. Reichs durch d. Führer am 30. Jan. 1935, 1935.

  • Literatur

    |J. Vogt, in: Gnomon 21, 1949, S. 176–79;
    V. Losemann, NS u. Antike, 1977, S. 75–89, 94, 97, 103, 111 f. u. ö.;
    K. Christ, Röm. Gesch. u. dt. Gesch.wiss., 1982, S. 210–25;
    H. Halfmann, Itinera principum, Gesch. u. Typol. d. Ks.reisen im Röm. Reich, 1986, S. 188–210;
    I. Stahlmann, Imperator Caesar Augustus, 1988, S. 155–84;
    A. Demandt, Alte Gesch. in Berlin 1810–1960, in: Gesch.wiss. in Berlin im 19. u. 20. Jh., hg. v. R. Hansen u. W. Ribbe, 1992, S. 199 f.;
    St. Rebenich, Zw. Anpassung u. Widerstand? Die Berliner Ak. d. Wiss. v. 1933 bis 1945, in: Antike u. Altertumswiss. in d. Zeit v. Faschismus u. NS, hg. v. B. Näf, 2001, S. 213 f.;
    H. P. Obermayer, Dt. Altertumswissenschaftler im amerik. Exil, 2014, S. 614 f.;
    E. Baltrusch, in: Gesch. Altertumswiss.

  • Autor/in

    Kay Ehling
  • Zitierweise

    Ehling, Kay, "Weber, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 511-513 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117171107.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA