Lebensdaten
1887 bis 1914
Geburtsort
Salzburg
Sterbeort
Krakau
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118623575 | OGND | VIAF: 54154950
Namensvarianten
  • Trakl, Georg
  • Teu la keul, Ge o leu keu
  • Torâkuru, G.
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Zitierweise

Trakl, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623575.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Tobias (1837–1910, ev., 1] Valentine Götz, 1841–70), aus Ödenburg (Sopron, Ungarn), Kaufm. in Wiener Neustadt, seit 1879 in S., Prokurist d. Fa. Carl Steiner, seit 1894 selbst. Eisenwarenhändler, S d. Georg Trackel (* 1795), Kaufm., u. d. Katharina Tremmel, verw. Laitner (* 1797);
    M Maria (1852–1925, kath., 1] Maximilian Schallner), T d. August Halick (1809–98), aus Prag, Korporal, später Fabriksbeamter in Wiener Neustadt, u. d. Anna Schod (* 1821); 2 B Gustav (1880–1944), Lt., Kaufm., Friedrich (Fritz) (1890–1957), Major, 3 Schw Maria (Mizzi) (1882–1973, Wilhelm Geipel, aus Graz, Privatier), Hermine (Mia, Minna)|(1884–1950, 1909 1927 Erich v. Rauterberg, 1878–1942, Bahnbeamter), Margarethe (Gretl, Grete) (1891–1917, Arthur Langen, * um 1857, Buchhändler, Theaterangest. in Berlin), 1 Halb-B Wilhelm (1868–1939), Lt., Kaufm. in S., zeitweise in Neu-Guinea, Mexiko u. d. USA; – ledig.

  • Leben

    T. besuchte seit 1897 das Gymnasium in Salzburg, das er 1905 wegen ungenügender Leistungen verlassen mußte. Anschließend machte er eine Lehre in der Apotheke „Zum weißen Engel“ in Salzburg, studierte ohne Abitur 1908–10 Pharmazie in Wien, leistete hier seinen Dienst als Einjährig-Freiwilliger und lebte seit 1912 in Innsbruck, wo er seinen Probedienst als Militärmedikamentenbeamter absolvierte. Danach zeigte er sich als unfähig, sich in das bürgerliche Leben zu finden. T. nahm immer wieder Rauschgift und trank große Mengen Alkohol; mit seiner Schwester Margarethe hatte er wohl ein Verhältnis. Nach Beginn des 1. Weltkriegs kam T. als Militärapotheker nach Galizien, brach unter dem Grauen der Schlacht von Grodek/Rawa-Ruska und wegen seiner Unfähigkeit, das Leiden von 90 Schwerverwundeten ohne ärztliche Assistenz und ausreichende Medikamente zu lindern, zusammen und setzte bald darauf in der Psychiatrischen Abteilung des Garnisonsspitals in Krakau seinem Leben mit einer Überdosis Kokain ein Ende.

    Um 1904/05 begann T. zu schreiben; Dramen von ihm wurden aufgeführt („Totentag“ u. „Fata morgana“, Stadttheater Salzburg 1906) und Gedichte in Zeitungen veröffentlicht („Das Morgenlied“, in: Salzburger Volksztg., 1908). In Wien hatte er Kontakt zum avantgardistischen „Akademischen Verband für Literatur und Musik“; in Innsbruck fand er Anschluß an den „Brenner“-Kreis um Ludwig v. Ficker (1880–1967) und veröffentlichte seine Gedichte seit Mai 1912 im „Brenner“. T.s Förderer Ficker sah in ihm den Dichter als stellvertretend für die Menschheit leidendes Individuum. Ihm gegenüber zeigte sich T. als Mensch, der – wodurch auch immer – Schuld auf sich geladen hat und sie – vergeblich – als Dichter abzutragen sucht.

    Als Argumente für die häufig anzutreffende Zuordnung T.s zum (Früh-)Expressionismus werden üblicherweise die Motive des Sinnverlusts, des Verfalls und des Tods sowie die chiffrierte Sprechweise und die Reihung isolierter Wahrnehmungen in seinem Werk genannt. Zudem rezipierte T. die Farbe als abstrakten Eindruck, dessen konkrete ‚Bedeutung‘ aus dem Kontext nicht zu erschließen ist. T.s Modernität liegt v. a. in der Darstellung der Krise des Individuums, gespiegelt in der Auflösung des lyrischen Ichs, und in der Konstruktion einer poetischen Welt. Hiervon zeugt neben der surrealen Ablösung der dargestellten Vorgänge von der Wirklichkeit die Kombinatorik einer esoterischen und alogischen Chiffrenwelt.

    T. gebrauchte die poetische Sprache nicht als Instrument, etwas zuvor Ausgedachtes in eine angemessene Form zu kleiden, sondern als Medium des Denkens: Der Gedanke kann nach seiner schriftlichen Objektivierung für gut befunden oder verworfen werden. Ein Kennzeichen von T.s schöpferischem Prozeß ist das mehrfache Überarbeiten seiner Texte, sogar bereits gedruckter. Sein Bemühen, mit Bildern ein Geschehen möglichst intensiv auszudrücken, führte zu einer Verdichtung der Texte; ein anderes Bestreben war, inhaltliche bzw. perspektivische Kontraste mit Analogien struktureller bzw. phonetischer Art zu verbinden. Die Überarbeitungen zeugen von T.s Versuch, in einer komprimierten und ästhetisch befriedigenden Komposition die traditionelle Erwartungshaltung des Lesers zu durchbrechen, seine Kategorien und Urteile in Frage zu stellen, ihn zu einer Sinnsuche herauszufordern und den Sinn zugleich zu verweigern.

    T. benutzte v. a. Hölderlins und Rimbauds Werke als ‚Steinbruch‘. An Hölderlins Lyrik erinnern syntaktische Eigenheiten und das Archaische sowie das Thema, dem Verlust einer kindlichen bzw. idyllischen Existenz die Sehnsucht nach Erlösung in Bildern des Schönen oder Heiligen entgegenzuhalten – was bei T. allerdings unerfüllbar bleibt. Mit Rimbauds Lyrik verbinden ihn Klangfarbe, Sinnverlust und Realitätsverweigerung sowie die Ästhetik des Häßlichen und Grotesken. T. fügte auch Bilder aus eigenen Texten mosaikartig zu neuen Gebilden zusammen. Seine Gedichte sind semantisch vieldeutig, kompositorisch vielbezüglich und gehaltlich nicht festzulegen. Im Traumhaften bzw. Wahnhaften seiner Gedichte bleiben Schönes und Häßliches, Trost und Grauen in einer eigenartigen Balance; Bild und Gegenbild werden auch innerhalb ein und derselben Strophe gespiegelt. Man kann in T. einen Sprachmagier sehen, der die faszinierende Wirkung ‚dunkler‘ Dichtung angestrebt hat.

    In T.s Lyrik lassen sich vier Schaffensphasen unterscheiden: Die erste umfaßt das von Symbolismus und Jugendstil beeinflußte Jugendwerk, das großteils in der „Sammlung 1909“ (postum 1939) zusammengestellt ist. Mit den inhaltlich von Realitätsbezug geprägten Texten der zweiten Phase, zwischen 1909 und Sommer 1912, näherte sich T. am stärksten dem Stil des Expressionismus, der durch die Reihung isoliert erscheinender, heterogener Einzelbilder gekennzeichnet ist; das ist im Band „Gedichte“ (1913) dokumentiert. In den Texten der dritten Phase, von Herbst 1912 bis Anfang 1914, erscheint das lyrische Ich als ein in verschiedene Konfigurationen und Tätigkeiten aufgespaltenes poetisches Medium, es finden sich zeilenübergreifende finale Handlungen bzw. Zustände; das ist in der von T. zyklisch komponierten Sammlung „Sebastian im Traum“ (1915) dokumentiert. In den Texten der vierten Phase entspricht der ins Archaische und Monumentale gesteigerten apokalyptischen Bildwelt eine durch äußerste Bildkonzentration bewirkte Verkürzung der rhythmisch aufgeladenen Verse; das zeigt sich in den Veröffentlichungen im „Brenner“ seit Frühjahr 1914 und im „Brenner-Jahrbuch 1915“.

    Die Rezeption T.s setzte schon zu seinen Lebzeiten ein und dauert immer noch an. Ludwig Wittgenstein hielt T.s Gedichte für genial, bekannte aber, sie nicht zu verstehen. Der ‚Trakl-Ton‘ beeinflußte die Sprachkunst des 20. Jh.. Renommierte Autoren (Else LaskerSchüler, Johannes R. Becher, Robert Walser, Ilse Aichinger u. a.) haben Gedichte an oder über T. verfaßt, bei vielen (Josef Weinheber, Paul Celan, Peter Huchel, Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Günter Eich, Nelly Sachs, Johannes Bobrowski, Christine Lavant, Helmut Heißenbüttel, Sarah Kirsch, Reiner Kunze u. a.) wurde T.s Einfluß auf ihre Lyrik festgestellt.

  • Auszeichnungen

    A T.-Gasse, Wien-Döbling (seit 1958); T.-Park, Innsbruck (seit 1958); T.-Steg, Salzburg (seit 1991); G.T.-Preis f. Lyrik (seit 1952); G.-T.-Forsch.- u. Gedenkstätte, Salzburg (seit 1973).

  • Werke

    Weitere W Dichtungen u. Briefe, Hist.-krit. Ausg., hg. v. W. Killy u. H. Szklenar, 2 Bde., 1969, 21987;
    Werke, Entwürfe, Briefe, hg. v. H.-G. Kemper u. F. R. Max, 1984;
    Sämtl. Werke u. Briefwechsel, Innsbrucker Ausg., Hist.-krit. Ausg. mit Faksimiles d. hsl. Texte T.s, hg. v. E. Sauermann u. H. Zwerschina, 6 Bde. u. 2 Suppl.-Bde., 1995–2014;
    Bibliogr.: W. Ritzer, Neue T.-Bibliogr., 1983;
    Nachlaß: Salzburg Mus.;
    G.-T.-Forsch.- u. Gedenkstätte, Salzburg;
    Forsch.inst. Brenner-Archiv, Univ. Innsbruck.

  • Literatur

    L H.-G. Kemper, G. T.s Entwürfe, 1970;
    ders. (Hg.), Gedichte v. G. T., 1999;
    H. Wetzel, Konkordanz zu d. Dichtungen G. T.s, 1971;
    H. Esselborn, G. T., 1981;
    S. Klettenhammer, G. T. in Ztgg. u. Zss. seiner Zeit, 1990;
    H. Zwerschina, Die Chronol. d. Dichtungen G. T.s, 1990;
    E. Williams (Hg.), The Dark Flutes of Fall, Critical Essays on G. T., 1991 (P);
    H. Weichselbaum u. W. Methlagl (Hg.), Deutungsmuster, 1996; E. Sauermann, Dokumentation u. Interpretation, Neue Möglichkeiten durch d. Innsbrucker T.-Ausg., in: ZDP 116, 1997, S. 567–87;
    ders., T.-Edd., in: R. Nutt-Kofoth u. B. Plachta (Hg.), Edd. zu dt.sprachigen Autoren als Spiegel d. Ed. gesch., 2005, S. 433–56;
    ders., in: U. Heukenkamp u. P. Geist (Hg.), Dt.sprachige Lyriker d. 20. Jh., 2007, S. 136–47;
    A. Doppler, Die Lyrik G. T.s, 2001 (P);
    K. Csúri (Hg.), G. T. u. d. lit. Moderne, 2009;
    G. Decker, G. T., Leben in Bildern, hg. v. D. Stolz, 2014 (P);
    R. Görner, G. T., Dichter im J.zehnt d. Extreme, 2014 (P);
    H.-G. Kemper, Droge T., Rauschträume u. Poesie, 2014 (P);
    H. Weichselbaum, G. T., Eine Biogr., 2014 (P);
    Killy (P);
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Metzler Autorenlex. (P); LThK3.

  • Portraits

    P Selbstporträt, 1913 (Salzburg, G.-T.-Forsch.- u. Gedenkstätte)

  • Autor/in

    Eberhard Sauermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Sauermann, Eberhard, "Trakl, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 355-357 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623575.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA