Lebensdaten
1883 bis 1914
Geburtsort
Colmar
Sterbeort
bei Zandvoorde bei Ypern (Belgien)
Beruf/Funktion
Dichter ; Literaturwissenschaftler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118616587 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stadler, Ernst Maria Richard
  • Stadler, Ernst
  • Stadler, Ernst Maria Richard

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Zitierweise

Stadler, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118616587.html [19.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus süddt. Kaufm. u. Beamtenfam.;
    V Adolph Xaver (1843–1910), Staatsanwalt, seit 1886 Min.rat, Kurator an d. Ks.-Wilhelms-Univ. in St., Wirkl. Geh. Oberreg.rat, S e. Bauern aus Sonthofen (Allgäu);
    M Regine Catherine Abrell (1854–1920), aus Kempten (Allgäu);
    1 B Hans Herbert (1880–1943), Jur., Reichskommissar f. Vertriebenenfürsorge in Freiburg (Br.), Min.rat im Reichsmin. d. Innern, 1925–33 OB v. Kassel (s. Rhdb.); – ledig.

  • Leben

    S. wuchs seit 1886 in Straßburg auf, wo er die Volksschule und seit 1892 das Prot. Gymnasium besuchte. Nach dem Abitur begann er 1902 an der Straßburger Ks.-Wilhelms-Universität ein Studium der Germanistik, Romanistik und der vergleichenden Sprachwissenschaften, das er im Herbst zur Ableistung seines Militärdienstes als „Einjährig-Freiwilliger“ beim Straßburger Feldartillerie-Regiment unterbrach. 1904 wechselte er für ein Semester an die Univ. München. Sein Studium schloß S. 1906 in Straßburg auf der Grundlage einer Untersuchung über Parzival-Handschriften bei Ernst Martin (1841–1910) mit der Promotion zum Dr. phil. in germanistischer Mediävistik ab. Als Cecil-Rhodes-Scholar führte er seine wiss. Ausbildung bis 1908 am Magdalen-College in Oxford (England) fort, wo seine Habilitationsschrift „Wielands Shakespeare“ (1910) entstand. Anschließend war S. als Privatdozent für Germanistik in Straßburg tätig, 1910 hielt er sich erneut zu Studien in Oxford auf, wo er 1913 mit einer Arbeit über „The History of Literary Criticism of Shakespeare in Germany“ zum „Bachelor of Letters“ promoviert wurde. Seit 1910 /11 war S. Dozent, seit 1912 ao. Professor für dt. Sprache und Literatur an der Freien Universität in Brüssel (Belgien). 1913 nahm er zum Herbst 1914 eine Berufung an die Univ. Toronto (Kanada) als Associate Professor für Germanistik an. Als Reserveleutnant gleich zu Beginn des 1. Weltkriegs einberufen, fiel S. jedoch in der ersten Flandernschlacht.

    Bereits als 17jähriger veröffentlichte S. Gedichte und nahm an Treffen des Kunstkreises „Jüngstes Elsaß“ um den Maler Georges Ritling (Ritleng) (1875–1972) teil, dem auch Hans (Jean) Arp (1886–1966) sowie die S. freundschaftlich verbundenen Otto Flake (1880–1963) und René Schickele (1883–1940) angehörten. Mit diesen bildete er 1902 die „Aktionsgemeinschaft für progressive Dichtung im Elsaß“, in deren publizistischem Organ „Der Stürmer“ seine frühen lyrischen Texte erschienen. Zeigen diese S. in einer Orientierungsphase, in der er in so unterschiedlichen Dichtern wie dem Elsässer Friedrich Lienhard oder Arno Holz, aber auch in den Dichtungen Nietzsches nach Vorbildern suchte, so stehen die Gedichte der „Praeludien“ (1905, recte 1904) unter dem Einfluß Stefan Georges, Hugo v. Hofmannsthals und des franz. Symbolismus. Seine Gedichtsammlung mit dem programmatischen Titel „Der Aufbruch“ (1914, zahlr. Neuaufll.) enthält 1910–13 entstandene, großenteils in Franz Pfemferts Zeitschrift „Die Aktion“ erstveröffentlichte Lyrik, die S. als den – neben Georg Heym (1887–1912) und Georg Trakl (1887–1914) – bedeutendsten Dichter des dt. Frühexpressionismus ausweist. S. greift in diesen Gedichten, unter denen „Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht“ das bekannteste ist, in raschen Bilderfolgen neue, „wirklichkeitsnahe“ Themen auf (Großstadt, Alltag, Technik).|Zugleich hatte S. auch als Kritiker und Essayist maßgeblichen Einfluß auf die Entwicklung des literarischen Expressionismus. S. verstand seine elsäß. Heimat als Brücke zwischen dt. und franz. Kultur und versuchte, in Aufsätzen und als Übersetzer zeitgenössische franz. Literatur (P. Claudel, R. Rolland, Ch. Péguy) in Deutschland bekanntzumachen. In seinem S. gewidmeten Schauspiel „1913“ (1915) porträtierte Carl Sternheim (1878–1942) ihn in der Rolle des „Friedrich Stadler“. S. diente auch als Vorbild für die Figur des „Robert v. Stehr“ in Flakes Roman „Horns Ring“ (1916).

  • Werke

    Weitere W Über d. Verhältnis d. Hss. D u. G v. Wolframs Parzival, 1906 (Diss.);
    Dichtungen, hg. v. K. L. Schneider, 2 Bde, 1954 (enthält auch krit. Schrr. u. Briefe, W, P);
    Der Aufbruch u. verstreute Gedichte, hg. v. M. Reso, 1983 (P);
    Dichtungen, Schrr., Briefe, hg. v. K. Hurlebusch u. K. L. Schneider, 1983 (W, L);
    Überss.:
    Das Balzac-Buch, 1913;
    Francis Jammes, Die Gebete d. Demut, 1913, 41921;
    Charles Péguy, Aufsätze, 1918;
    Hg.:
    Wielands ges. Schrr., Abt. 2: Überss., 1–3, 1909–11, Nachdr. 1987;
    Hartmann v. Aue, Der Arme Heinrich, 1911;
    Nachlaß:
    DLA, Marbach.

  • Literatur

    L R. Schickele, Die Stürmer, Zum Andenken an E. S., in: Die Aktion 4, 1914, S. 906 f.;
    H. Hesse, Zwei Gefallene, in: März 9, 1915, H. 10, S. 239 f.;
    H. Naumann, E. S., Worte zu seinem Gedächtnis, 1920;
    H. Rollmann, Die Berufung E. S.s an d. Univ. Toronto, in: Seminar, 1982, H. 2, S. 79–113;
    ders., The new critical S. ed., Addenda to work, corr. and bibliogr., ebd. 21, 1985, S. 253–302;
    R. Sheppard, E. S., a German expressionist poet at Oxford, 1994;
    ders., E. S. in Oxford, Addenda, corrigenda and two unpublished letters, in: The challenge of German culture, Essays presented to Wilfried van der Will, hg. v. M. Butler, 2000, S. 59–76;
    K. Kraft, E. S., Ein Btr. z. Werden d. Expressionismus, 1932;
    K. L. Schneider, Der bildhafte Ausdruck in d. Dichtungen Georg Heyms, Georg Trakls u. E. S.s, 1954, 21968;
    H. Roelleke, Die Stadt b. S., Heym u. Trakl, 1966, 21988;
    H. Gier, Die Entstehung d. dt. Expressionismus u. d. antisymbol. Reaktion in Frankr., Die lit. Entwicklung E. S.s, 1977;
    D. S. Wolfe, E. S., The Way of the „Aufbruch“, 1981;
    P. Raabe, Die Autoren u. Bücher d. lit. Expressionismus, 21990 (W);
    N. Schneider (Hg.), E. S. u. seine Freundeskreise, Geistiges Europäertum zu Beginn d. 20. Jh., 1993 (Ausst.kat.);
    V. Halbe, Zykl. Dichtung im Expressionismus, G. Benns „Gehirne“ u. E. S.s „Der Aufbruch“, 1999;
    G. Schmitt, Aufbruch u. Ende, Die Dichtung E. S.s, 2000;
    RGG3;
    NDBA (P);
    BBKL X (W, L);
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    KLL;
    Metzler, Autoren-Lex. (P);
    Internat. Germanistenlex. (W, L)

  • Portraits

    | Photogr. v. Thea Sternheim, 1914, Abb. in: NDBA.

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Stadler, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 7-8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118616587.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA