Zuckmayer, Carl

Lebensdaten
1896 – 1977
Geburtsort
Nackenheim (Rheinhessen)
Sterbeort
Visp (Kanton Wallis)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Drehbuchautor ; Dramatiker ; Dramaturg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118637304 | OGND | VIAF: 61559811
Namensvarianten

  • Zuckmayer, Carl
  • Zuckmayer
  • Alexander, Kurt
  • Zuckmayer-Barth
  • Cukmajer, Karl
  • Zuckmayer, Karl
  • Zuckmayer, C.
  • Ch'u-k'o-mai, K'a-erh
  • Zukmajer, Karl
  • Alexander, Curt
  • Kukmajer, Karl
  • Zukmajer, Carl

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Zitierweise

Zuckmayer, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118637304.html [02.01.2026].

CC0

  • Zuckmayer, Carl

    | Schriftsteller, * 27.12.1896 Nackenheim (Rheinhessen), † 18.1.1977 Visp (Kanton Wallis), ⚰ Saas Fee (Kanton Wallis). (katholisch)

  • Genealogie

    V Carl (1864–1947), aus Laubenheim b. Mainz, Fabr. v. Weinflaschenkapseln in N., S d. Jacob Josef (1837–1916), aus Mainz, Dr. iur., RA, JR, u. d. Klara Thekla Berninger (1842–1914);
    M Amalie (1869–1954), T d. Eduard Goldschmidt (1842–1919, ev.), aus jüd. Fam. in Bingen/Rhein, Kaufm., Kirchenrat, u. d. Rosalia Canstadt (1843–1917), aus Mainz;
    Ov Josef (1861–1919), aus Bodenheim b. Mainz, Dr. iur., RA, Pol., 1899 Stadtverordneter in Mainz, 1908–18 Mitgl. d. 2. Kammer d. LT d. Ghzgt. Hessen (s. Lengemann, MdL Hessen; Hess. Biogr.), Friedrich (1875–1923), aus Mainz, Dr. phil., zuletzt in Hannover;
    Om Fritz (Jakob Friedrich) Goldschmidt (1874–1944, ev., Gertrude [Gertrudis], 1876–1957, kath., T d. Jacob Josef Zuckmayer, 1837–1916, s. o.), Red. u. Mitinh. d. Dt. Wein-Ztg., Vf. v. Schrr. z. Wein, Weinbau u. Weingesetzen, 1904–13 Mitgl. d. Beirats d. ksl. Statist. Reichsamts, 1908 griech. Konsul, Ordre du mérite agricole (s. Wi. 1909–1928; Rhdb.; O. Anhaus, 100 J. Dt. Wein-Ztg., 1964; P. Carl, Persönlichkeiten d. Weinkultur, ²2002);
    B Eduard (s. 1);
    1) Berlin 1920 Berlin 1921 Annemarie (1898–1988, 2] Rudolf Kaulla, 1872–1954, ao. Prof. d. Nat.ök. u. Finanzwiss. an d. TH Stuttgart, Teilh. d. Bankhauses Jacob S. H. Stern in Frankfurt/M., s. Kürschner, Gel.-Kal. 1931; BHdE I; NDB 11, Fam.art.), aus Mainz, T d. Felix Ganz (1869–1944 KZ Auschwitz), aus Mainz, Inh. d. Importfa. f. Teppiche, Vorhänge u. Möbelstoffe Ludwig Ganz AG in Mainz, Sammler v. Teppichen sowie chin. Zeichnungen u. Skulpturen, Mäzen (s. Mainzer Zs. 114, 2019; Journal for Art Market Studies 4, 2021), u. d. Gertrud Auguste Wieruszowski (1871–1936), 2) Berlin 1925 Alice (1901–91, 1] Karl Frank, 1883–1969, kommunist., später soz.demokrat. Publ. u. Pol.), aus Wien, Schriftst., T d. Maurice Herdan (seit 1912 Herdan-Harris) (jüd., 1897 ev.), Jur., u. d. Claire (Klara Berta) Liesenberg (1873–1930), aus Hamburg, Schausp. am Burgtheater in Wien;
    1 T aus 2) Maria Winnetou (* 1926, Michael Guttenbrunner, 1919–2004, Schriftst., s. Wien Gesch. Wiki), kehrte 1946 n. Österr. zurück, 1 Stief-T aus 2) Michaela Frank (1923–2004, Harold Weston, 1912–94, Geheimdienstoffz., RA in Hastings-on-Hudson), Journ.;
    Vt Eduard Goldschmidt (1898–1971), Dr. rer. pol., Kaufm., Hg. u. Chefred. d. Dt. Wein-Ztg., Ordre du mérite agricole, korr. Mitgl. d. Acc. Italiana della Vite e del Vino, Ehrenmitgl. d. Bundesverbands d. Dt. Weinhandels (s. P. Carl, Persönlichkeiten d. Weinkultur, ²2002).

  • Biographie

    Z. wuchs seit 1900 in Mainz auf und legte hier 1914 am Neuen Gymnasium (heute Rabanus-Maurus-Gymn.) das Notabitur ab, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Bis 1918 als Soldat an der Westfront eingesetzt (zuletzt Lt. d. Res.), studierte er seit 1920 Rechtswissenschaft, Literaturgeschichte und Soziologie in Frankfurt/M. und Heidelberg, ohne einen Abschluß zu erlangen. Seit 1917 veröffentlichte Z. Gedichte und radikale Aufrufe in expressionistischen Zeitschriften, u. a. in Franz Pfemferts (1879–1954) „Die Aktion“.

    Im Dez. 1920 wurde sein Drama „Kreuzweg“ am Staatlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt, aber nach drei Aufführungen wieder vom Spielplan abgesetzt. Danach schlug sich Z. als Kneipensänger und Gelegenheitsarbeiter durch, bis er als Dramaturg 1922 in Kiel, 1923 in München und seit 1924 (mit Bertolt Brecht, 1898–1958) am Dt. Theater Berlin arbeitete.

    Der schriftstellerische Durchbruch gelang Z. im Dez. 1925 mit seiner Komödie „Der fröhliche Weinberg“ (UA Theater am Schiffbauerdamm), die v. a. wegen der parodistischen Darstellung eines Korpsstudenten zu Skandalen führte, gleichwohl eines der meistgespiel|ten Theaterstücke der 1920er Jahre wurde.

    Von den Tantiemen kaufte sich Z. 1926 Haus „Wiesmühl“ in Henndorf bei Salzburg, wohin er mit seiner zweiten Ehefrau seinen Lebensmittelpunkt verlegte.

    Nach dem Gedichtband „Der Baum“ (1926) veröffentlichte Z. 1927 mit „Ein Bauer aus dem Taunus“ Erzählungen, fand aber v. a. mit seinen Volksstücken „Schinderhannes“ (1927, UA Lessing-Theater Berlin) und „Katharina Knie“ (1928, UA ebd.) Beachtung.

    Sein Renommée veranlaßte die Ufa, ihn als Drehbuchautor für die Verfilmung von Heinrich Manns (1871–1950) Roman „Professor Unrat“ zu engagieren, die 1930 u. d. T. „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich (1901–1992) und Emil Jannings (1884–1950) in den Hauptrollen einen Welterfolg erzielte. 1931 wurde Z.s Tragikomödie „Der Hauptmann von Köpenick, Ein deutsches Märchen“ (UA Theater am Schiffbauerdamm), die den Militarismus des Kaiserreichs persiflierte, erneut ein überragendes Theaterereignis. In dieser Zeit begann Z., sich gegen den aufkommenden Nationalsozialismus zu engagieren, was neben seiner jüd. Herkunft mütterlicherseits ein Grund dafür gewesen sein dürfte, daß seine Stücke nach Hitlers Machtübernahme nur noch vereinzelt an Provinztheatern gespielt wurden. Z. lebte nun v. a. vom Schreiben von Drehbüchern für die engl., franz. und niederl. Filmindustrie (u. a. Rembrandt, 1936). Seine Bücher erschienen weiterhin in Deutschland, bis im Dez. 1935 die Auslieferung seines bereits gedruckten neuen Romans „Salwàre oder die Magdalena von Bozen“ verhindert und damit erstmals ein Buch Z.s verboten wurde.

    Nach der Annexion Österreichs 1938 floh Z. in die Schweiz. 1939 emigrierte er in die USA (1939 ausgebürgert, seit 1946 US-amerik. Staatsbürger), wo er als Drehbuchautor, dann als Dozent einer Theaterwerkstatt Erwin Piscators (1893–1966) in New York beschäftigt war. Als Schriftsteller konnte er sich in den USA nicht durchsetzen, weshalb er 1941–45 „Die Farm in den grünen Bergen“, so der Titel eines Buchs seiner Frau 1949, in Vermont bewirtschaftete. 1943 nahm Z. einen Auftrag des Office Strategic Services, des ersten Auslandsgeheimdiensts der USA, an und verfaßte in wenigen Wochen 150 Charakterporträts über die Haltung von Schauspielern, Schriftstellern, Musikern, Verlegern und Journalisten zum Nationalsozialismus, die postum veröffentlicht wurden (Geheimreport, hg. v. G. Nickel u. J. Schrön, 2002, P). 1946 kehrte er als ziviler Kulturbeauftragter des US-amerik. Kriegsministeriums zu einer fünfmonatigen Inspektionsreise nach Deutschland zurück und verfaßte einen kritischen Bericht zur amerik. Besatzungspolitik (Dtld.ber. f. d. Kriegsmin. d. Vereinigten Staaten v. Amerika, hg. v. G. Nickel u. a., 2004). In diesem Jahr wurde auch Z.s in den Exiljahren entstandenes Drama „Des Teufels General“ (UA Schauspielhaus Zürich), das die NS-kritische Haltung des Luftwaffengenerals Ernst Udet (1896–1941) zum Thema hat, in Zürich uraufgeführt und avancierte zum erfolgreichsten Zeitstück der Nachkriegszeit. Mit Dramen wie „Der Gesang im Feuerofen“ (1950) über Kollaboration und Widerstand in Frankreich während des 2. Weltkriegs und das Atomspionagestück „Das kalte Licht“ (1955) war Z. in den 1950er Jahren der meistgespielte dt.sprachige Gegenwartsdramatiker, was sich auch in zahlreichen Verfilmungen (u. a. durch Helmut Käutner, 1908–80) ausdrückte. 1958 ließ sich Z. in Saas-Fee nieder und gab die US-amerik. zugunsten einer österr. Staatsbürgerschaft auf, bevor er 1966 schweizer. Staatsbürger wurde. Das Interesse an seinen Schauspielen war inzwischen zurückgegangen. Z.s Versuch, 1975 mit einem am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführten Stück „Der Rattenfänger“ über den Jugendprotest in einer naturzerstörenden Gesellschaft die Bühnen zurückzuerobern, scheiterte. Seine Autobiographie „Als wär’s ein Stück von mir“ (1966) wurde indes noch einmal zum Bestseller und mit einer Auflage von weit über 1 Mio. Exemplaren wirtschaftlich erfolgreich.

  • Auszeichnungen

    |E. K. II (1915) u. I (1916);
    Hess. Tapferkeitsmedaille (1917);
    Orden v. Zähringer Löwen mit Eichenlaub u. Schwertern;
    Kleist-Preis (1925);
    Georg-Büchner-Preis (1929);
    Goethe-Preis d. Stadt Frankfurt/M. (1952);
    Ehrenbürger v. Nackenheim (1952), Saas Fee (1961), Mainz (1962) u. d. Univ. Heidelberg (1967);
    Ehrenmedaille d. Stadt Göttingen (1953);
    Gr. BVK mit Stern (1955);
    Dr. h. c. (Bonn 1957);
    Gr. Österr. Staatspreis f. Lit. (1960);
    Pour le mérite f. Wiss. u. Künste (1967);
    Österr. Ehrenzeichen f. Wiss. u. Kunst (1968);
    Ehrenring d. Stadt Wien (1971);
    Heinrich-Heine-Preis d. Stadt Düsseldorf (1972);
    Ring d. Landes Salzburg (1975);
    – C.-Z.-Ges. (seit 1972);
    C.-Z.-Medaille d. Landes Rheinland-Pfalz (seit 1979);
    Asteroid Z. (8058) (1999).

  • Werke

    Weitere W Der Schelm v. Bergen, 1934 (Schausp.);
    Second Wind, 1941 (Autobiogr.);
    Barbara Blomberg, 1949 (Schausp.);
    Ulla Winblad oder Musik u. Leben d. Carl Michael Bellman, 1952 (Schausp.);
    Die Fastnachtsbeichte, 1959 (Erz.);
    Die Uhr schlägt eins, 1961 (Schausp.);
    Das Leben d. Horace A. W. Tabor, 1964 (Schausp.);
    Briefe: Späte Freundschaft, C. Z., Karl Barth in Briefen, 1977;
    C. Z., Annemarie Seidel, Briefwechsel, hg. v. G. Nickel, 2003 (P);
    C. Z., Gottfried Bermann Fischer, Briefwechsel|1935–1977, hg. v. I. Nawrocka, 2004 (P);
    W-Ausg.: Ges. Werke in Einzelausgg., hg. v. K. Beck u. M. Guttenbrunner-Zuckmayer, 17 Bde., 1995–97;
    Bibliogr.: A. J. Jacobius, C. Z., Eine Bibliogr., 1971, Fortss. in: Bll. d. C.-Z.-Ges. 1975–97;
    Internetpräsenz d. C.-W.-Ges. (Bibliogr., Filmogr., P);
    Nachlaß: DLA Marbach/Neckar.

  • Literatur

    |I. Engelsing-Malek, „Amor Fati“ in Z.s Dramen, 1960;
    S. Mews, C. Z., 1981;
    H. Wagener, C. Z., 1983 (P);
    ders., C. Z. Criticism, Tracing Endangered Fame, 1995 (P);
    G. Nickel u. U. Weiß, C. Z., 1996 (P);
    A. Burtscheidt, in: Portal Rhein. Gesch. (P);
    BBKL 17 (W, L);
    Metzler Autorenlex. (P);
    Metzler Lex. d. dt.-jüd. Lit. (P);
    Kunisch;
    KLL;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Killy;
    Munzinger;
    – Z.-Jb., 12 Bde., 1998–2014;
    Dt. Ll., C. Z., Dok.film v. S. Reuter, SWR, 2007.

  • Porträts

    |Zeichnung v. E. Stumpp, 1927 (Dt. Hist. Mus., Berlin);
    3 Zeichnungen v. O. Kokoschka, 1976 (Landesmus. Mainz u. zwei in Privatbes.), Abb. in: Nickel u. Weiß, 1996 (s. L), S. 477, 479 u. 481;
    Bronzebüste v. U. Bertram, um 1980 (Nackenheim, Rathaus);
    100-Pfennig-Briefmarke d. Dt. Post (1996).

  • Autor/in

    Gunther Nickel
  • Zitierweise

    Nickel, Gunther, "Zuckmayer, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 766-768 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118637304.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA