Lebensdaten
1897 bis 1984
Geburtsort
Metzingen (Württemberg)
Sterbeort
Bad Honnef
Beruf/Funktion
General ; Generalinspekteur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118616013 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Speidel, Hans

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Zitierweise

Speidel, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118616013.html [09.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Emil (1859–1938), aus Oberndorf/Neckar, Dr. iur., Oberforstrat in d. württ. Forstdirektion in Stuttgart, ao. Prof. an d. Univ. Tübingen (s. Marcon-Strecker, S. 315–18), S d. Wilhelm v. S. (1824–93, württ. Personaladel), aus Schorndorf, Oberamtsrichter in Oberndorf/Neckar, 1865 Präs. d. Handelsger. u. d. Landger. in Heilbronn, Mitgl. d württ. Staatsger.hofs., OJR, u. d. Julie v. Alberti (1831–75);
    M Amalie (Mali) (1869–1952), T d. Alfred v. Klipstein (* 1867), preuß. Oberstlt., Platzmajor v. Straßburg, u. d. Berta v. Oetinger (* 1873);
    B Wilhelm (1895–1970, ⚭ Inge v. Bülow, 1905–83), Gen. d. Luftwaffe;
    Schw Lotte (* 1906, ⚭ Friedrich v. Schubert, 1884–1979, Dipl.landwirt), Kindergärtnerin;
    Karlsruhe 1925 Ruth Stahl (1903–90);
    1 S Hans Helmut (* 1938, ⚭ Ulrike Denzel, * 1939,Lehrerin), Brigadegen. d. Bundeswehr, 2 T Ina (* 1927, ⚭ Otto Saame, 1928–94, aus Offenburg, Dr. phil., Phil., Leiter d. Studium generale d. Univ. Mainz, Prof., s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992), Dr. phil., Univ.-Assistentin, Christa (* 1932, ⚭ Guido Brunner, 1930–97, Dr. iur., Dipl., Pol., EG-Kommissar, dt. Botschafter in Madrid, s. Munzinger), Dr. phil.

  • Leben

    S. besuchte die Schule in Stuttgart (Notabitur 1914) und leistete 1915–18 Kriegsdienst an der Westfront (zuletzt Lt.). 1919 in die kleine Reichswehr übernommen (1925 Oberlt., 1932 Hptm., 1936 Major, 1938 Oberstlt., 1941 Oberst, 1943 Gen.major, 1944 Gen.lt.), studierte er neben dem Dienst in Tübingen und Stuttgart seit 1919 u. a. Geschichte (1925 Promotion in Tübingen). S. pflegte freundschaftliche Verbindung u. a. zu Gerhart Hauptmann, Carl Zuckmayer und Ernst Jünger. Nach der Ausbildung zum „Führergehilfen“ (entsprach Gen.stabsoffz.) 1929 folgten verschiedene Stabsverwendungen, u. a. als Leiter der nachrichtendienstlichen Abteilung „Fremde Heere West“ des Generalstabs des Heeres. Im 2. Weltkrieg war S. Stabschef beim „Militärbefehlshaber in Frankreich“ (Alfred Streccius, Karl-Heinrich u. Otto v. Stülpnagel) und seit 1942 an der Ostfront eingesetzt. Als Chef des Stabes der Achten Armee leitete S. Anfang 1944 den Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkassy. Seit April 1944 Generalstabschef der Heeresgruppe B (Frankreich) unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel, wußte S. von der Vorbereitung des schließlich gescheiterten Staatsstreichs der Militäropposition gegen Hitler am 20.7.1944. Er blieb bis Kriegsende in Gestapo-Haft.

    Nach seiner Entlassung publizistisch tätig, nahm S. seit 1947 einen Lehrauftrag für Geschichte an der Univ. Tübingen wahr. Sein Buch „Invasion“ (1949) war ein prominenter Beitrag zu der von Memoiren mit Rechtfertigungscharakter ehemaliger Generäle geprägten ersten Phase der militärhistorischen Aufarbeitung des 2. Weltkriegs. Vor dem Hintergrund seiner Einbindung in eine Gruppe süddt. Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens („Laupheimer Kreis“ u. a. mit Ulrich Steiner, Carlo Schmid, Eberhard Wildermuth, Theodor Heuss, Gebhard Müller, Otto Lenz, Theophil Wurm, Oskar Farny) entwickelte S. 1947–50 die Grundzüge eines westdt. Verteidigungsbeitrags. 1948 beauftragten ihn Konrad Adenauer, Vorsitzender des Parlamentarischen Rates, und im Juli 1950 Bundeswohnungsbauminister Eberhard Wildermuth mit Denkschriften zur äußeren Sicherheit Deutschlands und Europas. Die Ehrenerklärungen des Bundeskanzlers Adenauer und des NATO-Oberbefehlshabers Dwight D. Eisenhower von 1951 für die ehemaligen Wehrmachtangehörigen waren auch ein Ergebnis seines Engagements für deren Rehabilitierung. An den 1951 einsetzenden Verhandlungen der Bundesrepublik mit den USA, Großbritannien, Frankreich u. a. über die Aufstellung dt. Streitkräfte war S. (mit Adolf Heusinger) als Militärsachverständiger beteiligt, namentlich als militärischer Chefdelegierter bei den Verhandlungen über eine Europ. Verteidigungsgemeinschaft. Nachdem diese 1954 gescheitert waren, wirkte S. 1954/55 als Dt. Militärischer Vertreter an der Vorbereitung des dt. NATO-Beitritts mit. Am 12.11.1955 wurde S. als einer der ersten Soldaten zum Generalleutnant der Bundeswehr ernannt. 1957 übernahm er den Befehl über die Alliierten Landstreitkräfte Europa-Mitte. Er setzte sich erfolgreich für die Vorverlegung der Verteidigungslinie des Bündnisses vom Rhein an die innerdt.-tschech. Grenze ein. 1963 mußte er seinen Posten auf Druck des franz. Staatspräsidenten Charles de Gaulle räumen. Dessen Vorbehalte gegen den einst mit der Bekämpfung des franz. Widerstands befaßten ehemaligen Wehrmachtsgeneral hatten sich mit der Ablehnung der militärischen Integration der Allianz verknüpft, für die S. als erster dt. NATO-Befehlshaber stand. Anschließend wurde S. zum Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die atlantische Verteidigung ernannt. 1964 mit Großem Zapfenstreich verabschiedet, war S. 1964–78 Präsident des Stiftungsrates der Stiftung Wissenschaft und Politik. Seine 1977 erschienenen Erinnerungen erlebten vier Auflagen. Kontrovers diskutiert wurden S.s Darstellung seiner Haltung zur franz. Résistance und seiner Rolle vor und nach dem Attentat vom 20.7.1944 sowie sein Bestreben, Erwin Rommel in die Nähe des militärischen Widerstandes zu rücken.

  • Auszeichnungen

    württ. Silberne Mil.verdienstmedaille (1915); württ. Goldene Mil.verdienstmedaille (1917); E. K. II. Kl. (1915), I. Kl. (1917); Rr.kreuz d. württ. Mil.verdienstordens (1917); Spange z. E. K. II. Kl. (1939), z. E. K. I. Kl. (1940); Schutzwall-Ehrenzeichen (1940); Dt. Kreuz in Gold (1942); Rr.kreuz d. E. K. (1944); Bayerischer Verdienstorden (1974); Kommandeurkreuz d. Ehrenlegion (1961); Gr. BVK mit Stern u. Schulterband (1963); Ehrenmitgl. d. Mark Twain-Soc.; Prof. h. c. (1971); Ehrenbürger v. Metzingen (1972).

  • Werke

    1813/1924, Eine mil.pol. Unters., Diss. Tübingen 1925;
    Invasion 1944, Ein Btr. zu Rommels u. d. Reiches Schicksal, 1949;
    (Hg.) Ludwig Beck, Studien, 1955;
    August Gf. v. Gneisenau, in: Gr. Deutsche II, 1956, S. 433–42;
    Ludwig Beck, ebd. IV, 1957, S. 564–71;
    A. Beaufre, Totale Kriegskunst im Frieden (franz. 1963), 1964 (Geleitwort);
    Gedanken z. Verteidigung Europas, in: Schweizer Mhh. 44, 1964, S. 497–504;
    Ludwig Beck, Porträt e. gr. Deutschen, ebd. 46, 1966/67, S. 307–19;
    Wiss., Technik u. Pol., Vortrag Frankfurter Bank, 1967;
    Kultur u. Menschenführung, in: Macht u. Ohnmacht d. Politischen, FS z. 70. Geb.tag v. Michael Freund, 1967, S. 102–10;
    Bereitbleiben z. Tat, Zum 70. Geb.tag v. H. S., 1967 (P);
    Zeitbetrachtungen, Ausgew. Reden u. Aufss., 1969;
    Gedanken z. antiken u. modernen Feldherrentum, in: Das Altertum u. jedes neue Gute, FS f. Wolfgang Schadewaldt z. 15. 3. 1970, 1970, S. 357–66;
    Aus unserer Zeit, Erinnerungen, 1977.

  • Literatur

    M. Horst (Hg.), Soldatentum u. Kultur, FS z. 70. Geb.tag v. H. S., 1967;
    D. Irving, Rommel, Eine Biogr., 1978 (engl. 1977);
    K.-J. Müller, Witzleben – Stülpnagel – S., Offiziere im Widerstand, 1988;
    C. Range, Generale u. Admirale d. Bundeswehr, 1990, S. 28–38;
    G. Heuer, Die höchsten mil. Führer d. Bundeswehr v. 1955 bis 1990, 1993, S. 122–32;
    M. Tönsgerlemann, in: Mars, Jb. f. Wehrpol. u. Mil.wesen 1, 1995, S. 80–97;
    G. Meyer, Drei dt. Gen., Dienst in d. Diktatur u. im Spannungsfeld d. Kalten Krieges, in: B. Thoß (Hg.), Vom Kalten Krieg z. dt. Einheit, 1995, S. 51–62;
    A. F. Gablik, Strateg. Planungen in d. Bundesrep. Dtld. 1955–1967, 1996;
    E. Krautkrämer, in: G. R. Ueberschär (Hg.), Hitlers mil. Elite II, 1998, S. 245–55;
    A. Zunkel, Stiftung Wiss. u. Pol. (SWP), 2007;
    Munzinger;
    Qu
    BA Mil.archiv, Freiburg (Br.) (Personalakten Wehrmacht u. Bundeswehr, Bestände BW 9 Dt. Dienststellen z. Vorbereitung e. westdt. Verteidigungsbtr., BW 2 Führungsstab d. Bundeswehr);
    Nachlaß:
    Fam.bes.

  • Autor/in

    Dieter Krüger
  • Empfohlene Zitierweise

    Krüger, Dieter, "Speidel, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 648-649 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118616013.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA