Lebensdaten
1880 bis 1957
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118620789 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tappert, Georg Wilhelm
  • Tappert, Georg W.
  • Tappert, Georg Wilhelm

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Zitierweise

Tappert, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118620789.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Friedrich Ehrenfried Johann (1849–1912), aus Steinsdorf b. Goldberg (Niederschlesien), Schneider in B.; M Anna Elise Gennert (1846–1941), aus Stargard (Pommern); 1) Berlin 1919 Kathleen May Bagot (1890–1925), Malerin, Graphikerin, um 1909 in Worpswede, 2) Berlin 1926 Elisabeth Foerstemann (1901–29), Malerin, beide Schülerinnen v. T., 3) Berlin 1953 Annalise Friedrich (1908–2002), N v. T., Musikstudentin, seit 1932 b. T., errichtete 1993 testamentar. d. am Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch., Schloss Gottorf, Schleswig, übergab ab 2000 T.s schriftl. Nachlaß an d. Archiv f. Bildende Kunst am German. Nat.mus., Nürnberg.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und einer Schneiderlehre mit Gesellenabschluß studierte T. 1901–03 Malerei und graphische Techniken an der ghzgl. bad. Akademie in Karlsruhe. Max Liebermann, Adolph v. Menzel und Paul Schultze-Naumburg hatten ihn mit Empfehlungsschreiben ausgestattet, vermögende Förderer ihm ein Stipendium ausgesetzt. T. bezeichnete im nachhinein Ludwig Schmid-Reutte (1862–1909) als seinen wichtigsten Lehrer; dessen Bewunderung für Ferdinand Hodler übertrug sich auch auf T. Zu dessen Mitschülern zählten u. a. Emil Rudolf Weiß, Karl Hofer und Alexander Kanoldt, denen er später in Worpswede und Berlin wiederbegegnete. Nach Abschluß seines Studiums im Sommer 1903 war T. 1903–04 in Saaleck als Assistent an der lebensreformerischen Kunstschule Schultze-Naumburgs, 1906–09 in Worpswede als Lehrer einer eigenen Kunstschule tätig. Die zeitgenössische franz. Kunst konnte er in Berlin bei Paul Cassirer studieren, zudem in den Museen von Weimar und Bremen sowie in privaten Kunstsammlungen wie möglicherweise der von Karl Ernst Osthaus in Hagen. 1905 hatte T. mit „Pfingstrosen in Bauerntopf“ (Verbleib unbekannt) seinen ersten großen Erfolg bei Cassirer; von seiner Beschäftigung mit Matisse zeugt das „Selbstbildnis mit roter Krawatte“, 1906 (Von der Heydt-Mus., Wuppertal).

    1910 gründete T. mit Arthur Segal (1875–1944) und Heinrich Richter (1884–1981) die „Neue Secession“, nachdem er im April 1910 unter dem Vorwurf, van Gogh und Gauguin zu imitieren, in der „Berliner Secession“ abgelehnt worden war. T. als 1. Vorsitzender, dann Schriftführer und Organisator kam nun direkt mit den gleichaltrigen Künstlern der „Brücke“ und des „Blauen Reiter“ zusammen, mit Ernst Ludwig Kirchner, Gabriele Münter und Vassilij Kandinsky. Er entdeckte den kurzen nervösen, schräg gesetzten Pinselstrich, der die Leuchtkraft der Farben steigert, und nutzte ihn für die Darstellung des „Miljöhs“, für Variété, Zirkus und Halbwelt (Can-Can, 1911, Privatbes.; Geisha Revue, um 1911, Slg. C. K., Schweiz). Auch von Adolf Hölzel nahm er Anregungen auf (Bäume in hügeliger Landschaft, um 1915).

    Bereits 1910 hatte T. mit Moriz Melzer eine Kunstschule in Berlin gegründet; 1913 wurde er Assistent an der kgl. Kunstschule. Im selben Jahr gab er Kurse für Graphik und|ornamentale Schrift an der Berlin-Wilmersdorfer Kunstgewerbeschule, 1915 auch am Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht.

    1915 zum Kriegsdienst eingezogen, verbrachte T. die Zeit bis Kriegsende zum größten Teil mit einer halbzivilen Tätigkeit in der Zentralabteilung des Kriegsministeriums in Berlin mit Künstlern, Literaten und Verlegern. Er unterstützte wichtige Zeitschriften des späten Expressionismus mit Graphiken, wie „Die Aktion“ von Franz Pfemfert, wie „Die Schöne Rarität“ seines Freundes Gerhard Ausleger (1891–1969) und „Der Schwarze Turm“. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Theodor Däubler entstand die Graphikmappe „Der Nachtwandler“ (hg. v. d. Gal. Flechtheim, 1920). 1918 rief T. zur Gründung der Novembergruppe auf und war auch Mitbegründer des Arbeitsrats für Kunst. Die Werke dieser Zeit lassen sich mit Einschränkung als kubofuturistisch bezeichnen (Komposition I, 1919, German. Nat.mus. Nürnberg). Mitte der 20er Jahre wandte sich T. jedoch nicht der Neuen Sachlichkeit zu, sondern arbeitete in der Nachfolge Heinrich Zilles (Sitzende mit Hut u. Veilchenstrauß, um 1930), schuf aber auch anrührende Portraits dunkelhäutiger Frauen (Kopf Nyassa im Profil, 1929, beide Landesmus. Schloss Gottorf, Schleswig).

    Als Sohn eines überzeugten Sozialisten nahm T. seine Rolle im Kulturleben der Weimarer Republik mit besonderem pädagogischen Idealismus wahr. Seit 1919 unterrichtete er Akt und Komposition an der Reimann-Schule (bis 1924), 1921 erhielt er eine Professur an der Staatlichen Kunstschule. Diese mußte er im Febr. 1933 – zunächst vorübergehend – aufgeben; 1937 wurde er endgültig entlassen und mit Mal- und Ausstellungsverbot belegt.

    Die Landschaft, die er von Beginn an thematisiert hatte, entdeckte er nun neu in Alt-Toeplitz, auf Sylt und im Gebirge, und ebenso die Möglichkeiten von Reduktion und Abstraktion sowie die Ausdruckskraft gedämpfter Farben. Nach dem Krieg widmete er sich bis 1953 ausschließlich und mit großem Einsatz der Aufbauarbeit und Leitung der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin, die mit Neugründung der Hochschule für Bildende Künste 1945 in diese überführt worden war.

    Unter T.s zahlreichen Schülern sind Wilhelm Morgner (1891–1917), Bernard Schultze (1915–2005) und der Kunstpädagoge Gunter Otto (1927–99) hervorzuheben.

  • Auszeichnungen

    A BVK (1953); – Georg-Tappert-Stiftung (2003) am Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch., Schloss Gottorf, Schleswig.

  • Werke

    W künstler. Nachlaß: Landschaftsgem. d. fränk. Schweiz, Ende d. 20er u. 30er J. (Kunstmus. Bayreuth); der übrige maler. u. zeichner. Nachlaß in d. Georg-Tappert-Stiftung, Schloss Gottorf, Schleswig; weitere W: St. Louis Art Mus.; Mus. of Art Milwaukee; Slg. Thyssen-Bornemisza; Nat.gal. Berlin; Berlin. Gal.; – chriftl. Nachlaß: Archiv f. Bild. Kunst/Dt. Kunstarchiv, German. Nat.mus., Nürnberg.

  • Literatur

    L umfassendste Darst.: G. Wietek, G. T., Ein Wegbereiter d. Moderne 1880–1957, Mit e. Werkverz. d. Gem., 1980; ders., G. T., Werkverz. d. Druckgraphik, 1996; Ch. Fischer-Defoy, Kunst, Macht, Politik, Die Nazifizierung d. Kunst- u. Musikhochschulen in Berlin, 1988, Nachdr. 1996; G. T., Das Vermächtnis, Werke d. G. T.-Stiftung, hg. v. H. Spielmann, bearb. v. B. Wetzel, Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch. Schloss Gottorf, 1995; G. T. 1880–1957, Arbeiten aus Franken, Kulturreferat Stadt Bayreuth 1995; G. T., Photograph. Augenblicke e. Malers n. 1900, bearb. v. G. Bartholomeyczik, Stiftung Schleswig-Holstein. Landesmuseen Schloss Gottorf, 2001; G. T., Dt. Expressionist, bearb. v. ders., Stiftung Schleswig-Holstein. Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig, German. Nat.mus. Nürnberg 2005; Von Brennpunkt zu Brennpunkt, G. T., Zeichnungen 1904–1940, bearb. v. ders., Stiftung Schleswig-Holstein. Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig, 2010; G. T., Zeichnungen, Stiftung Schleswig-Holstein. Landesmuseen Schloss Gottorf (Hg.), 2008; Wi. 1935–1955; ThB; Vollmer (fehlerhaft)

  • Portraits

    | Selbstbildnis mit Hut, vor 1903; Selbstportrait mit Zylinder, um 1910; Selbst mit Halbmaske, 1930 (alle Stiftung Schleswig-Holstein. Landesmuseen Schloss Gottorf); Selbstportrait, um 1910 (Verbleib unbekannt).

  • Autor

    Margret Schütte
  • Empfohlene Zitierweise

    Schütte, Margret, "Tappert, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 786-787 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118620789.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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