Lebensdaten
1881 bis 1939
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 118720694 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kanoldt, Alexander
  • Canoldt, Alexander

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Zitierweise

Kanoldt, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118720694.html [15.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Edmund (S. 2);
    - Editha (1880–1955), T d. Alfred v. Mayer (1845–1910), auf Oberoderwitz, Geh. Reg. Rat, u. d. Ida Freiin v. Welck; kinderlos.

  • Leben

    Schulkamerad K.s in Karlsruhe war außer Carl Einstein auch W. Hausenstein, der in seiner Würdigung des Malers (1925) auf die Latinität des badischen Landes hinweist, das Teil des Römischen Reiches gewesen war, und auf die Klassizität der Vaterstadt, in der F. Weinbrenner gebaut hatte: beides habe die Persönlichkeit und das Werk des Künstlers geprägt. Als 18jähriger begann K. seine Ausbildung auf der Kunstgewerbeschule und wechselte 2 Jahre später auf die Kunstakademie in Karlsruhe über, die unter der Leitung von H. Thoma stand. Er blieb zunächst unter diesen Voraussetzungen, bestärkt durch die Malerei seines Vaters, im Traditionalismus befangen, löste sich jedoch aus ihm, als er, 1906 nach München gekommen, auf einer Ausstellung Bilder von Seurat, Signac und Cézanne gesehen hatte. Die Festigung der Form zu neuer Bildwirklichkeit wurde von nun an das Ziel seiner gestalterischen Kraft. Folgerichtig wurde K. zusammen mit Erbslöh, Jawlensky, Kandinsky und Gabriele Münter Mitbegründer der „Neuen Künstlervereinigung München“. Doch auch in diesem Kreis suchte er den eigenen Weg. Nicht die Formentladung des Expressionismus, die bei Kandinsky zu ungegenständlichen Farbkompositionen führte, war ihm gemäß, sondern ein konstruktiv-architektonisches Bildgefüge sollte die Motive sich unterordnen. Abermals folgerichtig war sein Protest gegen die Ungegenständlichkeit Kandinskys, um den sich 1911 der „Blaue Reiter“ sammelte. 1912 löste sich die „Neue Künstlervereinigung“ auf, um in neuer Gemeinschaft als „Münchener Neue Sezession“ wieder aufzuleben. K. geriet in den Einflußbereich der französischen Fauves, vor allem Derains, der wie K. sich zugleich Bewahrung und Überwindung der Tradition zum Ziel gesetzt hatte. Reisen in die Schweiz, nach Tirol und durch Italien wiesen K. wieder in die Richtung überlieferter Bildkultur. In der Nähe von Rom fand er, wie sein Vater, eine besondere Beziehung zu Olevano und dessen Berg- und Baumwelt: Latium bestätigte K.s Latinität. Nach dem Weltkriege, den er 4 Jahre lang als Soldat erlebte, trat K. in freundschaftliche Verbindung zu K. Mense und G. Schrimpf, aus der sich als eine Art „Reaktion … und Resignation nach den mächtigen Utopien von 1918“ (Kunstbl. 6, 1922, S. 390) die „Neue Sachlichkeit“ entwickelte. Unter diesem Titel stellte G. F. Hartlaub 1925 in Mannheim die neue Natur- und Menschenmalerei aus, F. Roh nannte sie „magischen“, W. Haftmann später „manierierten Realismus“. In diesem Stil dokumentierte sich, gegenüber der sogenannten „linken“, sozialkritischen Gruppe um O. Dix und G. Grosz eine wiedergekehrte Romantik, doch ohne die Absicht, den Betrachter „einzustimmen“. Alles Subjektive soll möglichst ausgeschaltet, das Objektive dargestellt werden. 1924 war K. wieder in Olevano gewesen und hatte in seinen Stadtbildern („Olevano VIII“, 1925) seinen endgültigen Stil gefunden. Große Flächen werden kubisch-kristallinisch in strenger Bildwirklichkeit zusammengefügt. Sie meiden mit ihrer kühnen Tektonik Abbildliches und Dekoratives. In den gleichzeitigen Stilleben festigt sich die Körperlichkeit der Gegenstände zu kompakter Dinglichkeit, läßt alle malerischen „Valeurs“ hinter sich und fasziniert, wie in den Landschaften, durch eine fast aufdringlich wirkende Stille. Die Verwandtschaft K.s mit den „Valori-Plastici“-Malern Italiens kann als gemeinsames Erbe des Lateinertums aufgefaßt werden. Insofern steht K. ohne Beziehung zu dem bildnerischen Ausdruck der „Stijl“-Bewegung in Holland mit ihrer Ausstrahlung in den norddeutschen Raum, aber auch fern dem Bauhaus in Weimar, dessen Konstruktivismus international war. 1927 gründete er die „Bad. Sezession“.

    Nachdem 1924 die Berufung an die Akademie in Kassel an der damaligen Wohnungsnot gescheitert war, nahm K. einen Ruf an die Kunstakademie in Breslau an, die durch Otto Mueller vom Expressionismus bestimmt wurde. Wieder seinen eigenen Weg suchend, schied K. 1931 freiwillig aus seinem Lehramt und siedelte nach Garmisch über. 1933 erhielt er den Albrecht-Dürer-Preis. Im gleichen Jahre wurde ihm die Leitung der Staatlichen Kunstschule in Berlin-Schöneberg übertragen, wohin auch G. Schrimpf berufen wurde. Schon 1936 war K. genötigt, dieses Amt, diesmal aus politischen Gründen, niederzulegen. Zu Anfang der nationalsozialistischen Herrschaft waren die Maler der „Neuen Sachlichkeit“, vor allem die des „rechten Flügels“, für die Ziele der Kulturpolitik eingespannt worden, wurden aber bald als unpolitische und „unvölkische“ Gruppe wieder aus Amt und Lehre entfernt. Bald nach K.s Ausscheiden wurde auch G. Schrimpf entlassen.

  • Literatur

    W. Hausenstein, in: Die Horen 1, 1925, S. 35 ff., wieder in: E. Ammann (s. u.);
    F. Roh, Nach-Expressionismus, Mag. Realismus, Probleme d. neuesten europ. Malerei, 1925 (P);
    M. Sauerlandt, Die Kunst d. letzten 30 J., 1935 (P);
    W. Haftmann, Malerei im 20. Jh., 31962 (P);
    E. Ammann, Das graph. Werk v. A. K., 1963 (P);
    ThB (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Karlsruhe, Staatl. Kunsthalle), Abb. in: Diether Schmidt, Ich war, ich bin, ich werde sein!, Selbstbildnisse dt. Künstler d. 20. Jh., 1968, Abb. 76.

  • Autor/in

    Wolfgang Freiherr von Löhneysen
  • Empfohlene Zitierweise

    Löhneysen, Wolfgang Freiherr von, "Kanoldt, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 109-110 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118720694.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA