Lebensdaten
1875 bis 1944
Geburtsort
Jassy/Moldau (Bukowina)
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Maler ; Kunsttheoretiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118816691 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sigalu, Aron (eigentlich)
  • Segal, Arthur
  • Sigalu, Aron (eigentlich)
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Zitierweise

Segal, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118816691.html [24.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Israel Sigalu (* 1851), Bankier in Botoşani (Rumänien);
    M Tauba N. N. (1856–1904);
    1904 Ernestine (1879–1967), T d. N. N. Charas;
    1 S Walter (1907–85, 1] Eva Bradt, 1914/15–50, Architektin, T d. Gustav Bradt, 1869–1928, Dr. med., Arzt in Berlin, beteiligt an d. Gründung d. „Ak. f. d. Wiss. d. Judentums“, s. Enc. Jud., 2] Mary Moran Scott, n. 1985), aus Ascona, nach Studium in Delft, an d. TH Charlottenburg u. in Zürich Architekt seit 1936 in L., 1934/35 in Ägypten, 1973 Prof. an d. Bartlett School of Architecture, Univ. College, in L. (s. Oxford DNB; W), 1 T Marianne (* 1908), Malerin, Assistentin v. S., bis 1970 Leiterin d. Arthur Segal's Painter School im Eton College in L., Betreuerin d. Arthur Segal Collection ebd.

  • Leben

    Im traditionellen ostjüd. Milieu aufgewachsen, entwickelte S. früh künstlerische Neigungen. 1892 übersiedelte er nach Berlin, wo er bei dem Maler Eugen Bracht (1842–1921) studierte. Nach einigen Monaten an der Pariser Akademie Julian ging er 1896 nach München zu Ludwig Schmidt-Reutte (1863–1909) und später zu Carl v. Marr (1858–1936) und arbeitete unter dem Einfluß der Malschule „Neues Dachau“ seit 1899 selbständig. 1904 ließ er sich endgültig in Berlin nieder, wo ihm 1912 der Durchbruch gelang.

    Waren seine ersten Werke (einfache Naturmotive) noch im nachimpressionistischpointillistischen Stil gemalt, so experimentierte er unter dem Einfluß von Adolf Hölzels Farbtheorie und seit 1908 auch van Goghs fortan mit wechselnden Stilen, um seine kunsttheoretischen Überlegungen umzusetzen. 1909 stellte er in Bukarest und in Berlin mit der Berliner Sezession aus und begründete 1910 die Neue Secession mit, die er schon 1912 wieder verließ. Kontakte unterhielt er zuHerwarth Waldens „Sturm“ und dem „Blauen Reiter“; unter dem Einfluß der Fauvisten erweiterte er sein anfänglich aus Landschaften, Stilleben, Porträts und Interieurs bestehendes Werk um typisch expressionistische Themen und religiöse Motive. 1914–20 lebte S. in Ascona, wo er sich mit philosophischen und religiösen Fragen beschäftigte. Seit 1916 beteiligte er sich an den Aktivitäten der Züricher DADA-Gruppe; im selben Jahr stattete er die Friedhofsgebäude in Ascona mit drei Fresken aus. Um 1916/17 entwickelte er seine „Gleichwertigkeitstheorie“, die von der Gleichwertigkeit aller Phänomene in der Natur ausging und daher sowie auch im Rückgriff auf die Simultaneität in mittelalterlichen Bildern die Gleichbehandlung der kleinsten wie der größten Dinge forderte: Demgemäß unterteilte er seine Bilder in gleichmäßige Rechtecke, verzichtete auf eine Zentralperspektive und forderte so für jedes einzelne Segment vom Betrachter die gleiche Aufmerksamkeit. Um zu zeigen, daß das Kunstwerk weiter in den Raum wirkt, bemalte er auch die Rahmen. Beeinflußt von seinem Freund Mynona (Salomo Friedlaender, 1871–1946) und vermutlich auch vom Chassidismus, setzte sich S. seit 1921 mit Goethes Farbentheorie auseinander; seit 1922/23 zerlegte er – unter dem Einfluß von Delaunay und dem Futurismus – seine Gemälde in Prismen und erreichte damit die Gleichbehandlung von Form, Farbe und Licht. Seine kubistisch-futuristischen Werke der Jahre 1920–24 weisen einen hohen Abstraktionsgrad auf. Im Anschluß daran entwickelte er die sog. „Blickpunktbilder“, die den Sehvorgang des Auges kopieren sollten.

    Seit seiner Rückkehr nach Berlin betrieb S. dort zudem eine Malschule und setzte sich für die sozialen Belange seines Berufsstandes ein; darüberhinaus entwickelte er die Idee eines Kunstverleihs. Mitte der 20er Jahre auf dem Höhepunkt seiner Anerkennung, war er Mitglied der sog. „Novembergruppe“ und der Gruppe „Die Abstrakten“ sowie der „Association Revolutionärer Künstler Deutschlands“ (ARBKD, gen. ASSO). 1926–28 erarbeitete er rund zehn sog. „optische Reliefs“ (Mischform aus Gemälde und Plastik), mit denen er das Hell-Dunkel-Problem plastisch bearbeitete. 1933 flüchtete er nach Mallorca, von wo aus er 1936 nach London übersiedelte. Seiner Ansicht folgend, daß Kunst Naturgesetzen unterliege, die für jedermann erlernbar seien, gab er das Experimentieren auf und malte in einem teilweise fast fotorealistischen Stil („Neuer Naturalismus“). Seine Malschule wurde von seiner Frau und Tochter bis 1977 weitergeführt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Redner, Öl, 1912 (Kunsthalle Emden);
    Holzschnittfolge „Gegen den Krieg“, 1915 (Verbleib unbek.);
    Bergwerk, Öl/Lwd., 1919 (Privatbes.);
    Helgoland, Öl/Lwd., 1923 (Berlin, Berlin. Gal.);
    Prismatische Konstruktion, Öl/Karton, 1923 (Genf, Petit Palais);
    Straße auf Helgoland, Öl/Karton, 1924 (Privatbes.);
    Porträt Dr. Friedlaender, 1927, Gips, übermalt 1931 (Verbleib unbek.);
    Blickpunkt Stuhl II (Interieur), Öl/Pappe, 1928 (Privatbes.);
    Hafen v. Bornholm, Öl/Pappe, 1928 (London, Tate Gallery);
    Das Abtreibungsgesetz, Öl/Jute, 1931 (Berlin, Berlin. Gal.);
    Spiel u. Arbeit, Öl/Pappe, 1931 (Privatbes.);
    Rote Äpfel, Öl/Holz, 1935 (Privatslg.);
    Blick aus d. Fenster – Spanien, Öl/Pappe, 1935 (Verbleib unbek.);
    Stilleben mit Kanne u. Töpfen, Öl/Pappe, 1939 (Stiftung Nannen, Kunsthalle Emden);
    Schrr. u. a. Lichtprobleme d. bildenden Kunst, 1925 (mit N. Braun);
    Schrr.verz.:
    W. Herzogenrath u. P. Liška, A. S., 1987 (s. L);
    Nachlaß:
    Privatbes. u. Leo-Baeck-Inst., New York (My Boyhood in Rumania 1875–1892, London 1939, Typoskr., Autobiogr. );
    zu Walter:
    View from a lifetime, in: Transactions of the Royal Inst. of British Architects, 91, 1981, H. 2, S. 7–14.

  • Literatur

    W. Grohmann, 10 J. Nov.gruppe, 1928;
    H. Kliemann, Die Nov.gruppe, 1969;
    R. Nathanson (arr.), A. S. 1875–1944, A selection of paintings, 1973;
    A. S. (1875–1944), Ölbilder, Plastiken, Ausst.kat. Berlin Rathaus Wedding 1976;
    Fischer Fine Art, A. S., 1978;
    E. Steingräber (Hg.), Dt. Kunst d. 20er u. 30er Jahre, 1979;
    H. Exner, A. S., 1985;
    H. Bollinger, G. Magnaguagno u. R. Meyer, Dada in Zürich, 1985, 21994;
    W. Herzogenrath u. P. Liška (Hg.), A. S. 1875–1944, Ausst.kat. 1987 (Bibliogr.;
    Ill.);
    M. Dachy, The Dada movement 1915–1923, 1990;
    R. Meyer u. H. Bollinger (Red.), Dada, Eine internat. Bewegung 1916–1925, Ausst.kat. München 1993;
    O. Ghez, in: Shalom, März 1994;
    L. Exner, Fasching als Logik, 1996;
    T. Sandquist, Dada east, 2006;
    ThB;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II;
    Dict. of Art;
    Bibliographia Judaica;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    zu Walter:
    The Architects' Journal 45, 1985, S. 28–31;
    The Architectural Review, 1985;
    Building Design, 1988, S. 20–23;
    Bauwelt 43, 1985, S. 1687.

  • Portraits

    Selbstporträts: Öl/Pappe, 1928 (Ascona, Museo Communale d'Arte Moderna);
    Eitempera/Pappe, 1929 (Berlin, Berlin. Gal.) u. Öl/Sperrholz, 1942 (London, Privatbes.);
    Selbstporträt gegen Licht, übermalt 1939 (Technik u. Verbleib unbek.).

  • Autor/in

    Eva Chrambach
  • Empfohlene Zitierweise

    Chrambach, Eva, "Segal, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 158-159 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118816691.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA