Dates of Life
1871 – 1926
Place of birth
Görlitz
Place of death
Berlin
Occupation
Kunsthändler ; Verleger ; Galerist ; Schriftsteller ; Kunsthändler
Religious Denomination
jüdisch
Authority Data
GND: 118870645 | OGND | VIAF: 97723613
Alternate Names
  • Cahrs, Paul (Pseudonym)
  • Cahrs (Pseudonym)
  • Cassirer, Paul
  • more

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Cassirer, Paul, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118870645.html [26.05.2024].

CC0

  • Genealogy

    V Louis (1839–1904), Gründer der Fa. Dr. C. & Co. Kabelwerke in Berlin, S des Marcus s. Genealogie (2) u. der Jeanette Steinitz;
    M Emilie Schiffer (1850–1890);
    B Rich. s. (4), Alfred (1875–1932) u. Hugo (1869–1920), die gemeinsam mit ihrem V die Fa. Dr. C. & Co. gründeten;
    Schw Else ( Bruno [s. 1]);
    Vt Bruno s. (1), Ernst s. (2);
    1) Lucie Oberwart, 2) 1910 Ottilie (1880-1971), unter dem Künstlernamen Tilla Durieux bekannte Schauspielerin unter Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin, 1934 emigriert, T des Prof. der Chemie in Wien Rich. Godeffroy (* 1847, S des Kaufmanns Cesar u. der Gabrielle Du Rieux);
    1 S, 1 T aus 1).

  • Biographical Presentation

    C. studierte in München unter anderem Kunstgeschichte. Er kam in die Kreise der Münchener Bohème, war in der Gründungszeit des „Simplicissimus“ Mitredakteur und betätigte sich auch selbst als Schriftsteller und Dichter. 1898 gründete er in Berlin mit seinem Vetter Bruno eine Verlags- und Kunsthandlung. Nach Trennung von diesem übernahm C. 1901 den Kunstsalon. In enger Verbindung mit den Kämpfen der „Berliner Secession“, die sich gegen die offiziellen Ausstellungen und gegen die Hofkunst A. von Werners und P. Meyerheims wandte, verhalf ihr C. zu internationalem Ansehen und verlieh ihr eine starke Stoßkraft. Kurze Zeit hatte er auch das Amt des Präsidenten inne, was zur Gründung der „Freien Secession“ 1913 führte. Er war befreundet mit dem französischen Kunsthändler Durand-Ruel. Nachdrücklich setzte sich C. für die Malerei der französischen Impressionisten ein, wodurch er sich den persönlichen Unwillen des Kaisers zuzog. Unter anderem führte er die deutschen Maler W. Trübner, M. Liebermann, L. Corinth und M. Slevogt zum Erfolg. 1908 gründete C. den Verlag Paul C. Er verlegte Kunstliteratur sowie Belletristik, unterstützte den literarischen Expressionismus, förderte als erster Ernst Barlach und gab Heinrich Mann eine literarische Heimstätte. 1909 trat die „Pan-Presse“ ins Leben. Sie druckte Marksteine impressionistischer und expressionistischer Buchillustration bekannter Künstler. 1910 gründete C. die, später von Alfred Kerr herausgegebene, Halbmonatsschrift „Pan“ und bezog in ihr selbst Stellung zu Literatur- und Kunstfragen. Im gleichen Jahre rief er die „Gesellschaft Pan“ ins Leben, um unbekannte oder verbotene Bühnenwerke - vor allem die Frank Wedekinds - einem kleinen Kreis von Theaterfreunden zugänglich zu machen, oder die offiziellen Bühnen auf junge Autoren hinzuweisen.

    1914 meldete sich C. freiwillig, kam aber bald als Kriegsgegner zurück. Infolge seiner Haltung geriet er in große Schwierigkeiten, zeitweilig befand er sich in Haft, unter anderem wurde er beschuldigt, französische Gemälde verkauft zu haben. Die preußischen Kammern und der Kaiser beschäftigten sich mit dem „Fall Cassirer“. Die Verlagsproduktion wurde eingestellt und viele Bücher wurden in Einverständnis mit den Schriftstellern an andere Verlage abgegeben. 1917 ging Harry Graf Keßler im Auftrage Ludendorffs in die Schweiz und C.s Verbindungen erwiesen sich als nützlich, Beziehungen mit Frankreich anzuknüpfen. C. lebte seitdem bis Kriegsende in Bern und Zürich im Kreise deutscher pazifistisch gesinnter Schriftsteller, er verlegte gemeinsam mit Max Rascher englische, französische und deutsche pazifistische Autoren. Nach der Revolution 1918 gehörte C., der schon Mitglied der „Deutschen Gesellschaft“ war, zur USPD, auch verlegte er sozialistische Werke, unter anderem|Kautsky und Bernstein. Bis 1921 erschien in seinem Verlag die 1913 gegründete Zeitschrift „Die weißen Blätter“, die im ersten Weltkrieg in der Schweiz Zuflucht gefunden hatten.

    C. war als Kunstsammler, Mäzen, Kunsthändler und Verleger von starker Verve und Einsatzbereitschaft, dem es selbstverständliche Pflicht war, junge Künstler zu fördern, und der gegenüber dem Kaiser seine eigene Kunstpolitik betrieben hatte. Aus persönlichen Gründen machte er seinem Leben ein Ende. Als Hitler an die Macht kam, wurden Galerie und Verlag, der bereits seit 1931 nicht mehr produziert hatte, geschlossen. Walter Feilchenfeld und Grete Ring haben seit 1933 das Erbe des Kunstsalons C.s in Amsterdam, Zürich und London fortgeführt.

  • Works

    Fritz Reiner, der Maler, 1894;
    Josef Geiger, o. J.

  • Literature

    J. Rodenberg, Dt. Pressen, 1925;
    H. Gf. Keßler, In Memoriam P. C., 1926 (Gedächtnisreden v. M. Liebermann, H. Gf. Keßler u. Nachruf v. R Schickele);
    K. Scheffler, Die fetten u. d. mageren Jahre, 1946;
    A. Damm, in: Sonntag, 1946, Nr. 5;
    H. Mann, Ein Za. wird besichtigt, 1947;
    E. Barlach, Ein selbsterzähltes Leben, 1948;
    K. H. Salzmann, Die Verlage P. u. B. C., Ein Stück Berliner Kulturgesch., in: Berliner Hh., 1949, Nr. 5, S. 503 bis 508;
    ders., in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurt a. M., Beil. Aus d. Antiquariat, 19.9.1950, S. A 749 f.;
    T. Durieux, Eine Tür steht offen, Erinnerungen, 1954 (P);
    Jüd. Lex. I, hrsg. v. G. Herlitz u. B. Kirschner, 1927;
    Enc. Jud. V.

  • Portraits

    Totenmaske u. Büste v. Gg. Kolbe (beide im Bes. v. Tilla Durieux, Agram).

  • Author

    Karl H. Salzmann
  • Citation

    Salzmann, Karl H., "Cassirer, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 169-170 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118870645.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA