Lebensdaten
1884 bis 1972
Geburtsort
Murrhardt (Württemberg)
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 11873783X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Naegele, Reinhold (seit 1940)
  • Nägele, Reinhold
  • Naegele, Reinhold (seit 1940)
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Zitierweise

Nägele, Reinhold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873783X.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Reinhold (1848–1940), Dekorationsmaler in St., S d. Ferdinand (1808–79) u. d. Luise Kübler (1823–1901);
    M Albertine Zügel (1862–1924), T d. Gastwirts „Zum Engel“ in M.;
    Ov Eugen (s. 1);
    B Otto (* 1886), Arzt;
    Stuttgart 1921 Alice (1890–1961) aus St., Dr. med., Dermatologin, T d. N. N. Nördlinger ( 1928);
    3 S, u. a. Thomas (* 1924, s. L);
    N Elisabeth Banzhaf, Leiterin d. Schullandheimes Hallwangen b. Freudenstadt, vermachte ihre Slg. v. Werken N.s d. Schiller-Nat.mus.

  • Leben

    N. besuchte das Dillmann-Realgymnasium in Stuttgart und absolvierte 1899-1904 bei seinem Vater eine Malerlehre. Anschließend bildete er sich in der Lehr- und Versuchswerkstätte der Kunstgewerbeschule bei Bernhard Pankok fort und ging als Dekorations- und Kirchenmaler nach Berlin (1905–09), wo er mit Karl Walser (1877–1943) Freundschaft schloß. Der Kunsthändler Paul Cassirer, der Temperabilder N.s ausstellte, bestärkte ihn in seinem Schaffen. 1910/11 hielt sich N. mit dem Bildhauer Jakob Wilhelm Fehrle (1884–1974) in München auf und erlernte die Radierkunst. Die Stuttgarter Schauspielerin Anna Eichholz (1868–1951), zu der er bis 1920 eine Beziehung unterhielt, führte ihn in die literarische und gesellschaftliche Welt des Theaters ein. Anfang 1914 weilte er mit Fehrle in Paris, um die dortige Avantgarde kennenzulernen und sich im Aktzeichnen zu üben. 1915 wurde er zum Landsturm eingezogen und als Militärschreiber nach Böblingen, Stuttgart und Diest (Belgien) abgeordnet. Seit 1919 wieder in Stuttgart, widmete sich N. intensiv der Graphik und der Hinterglasmalerei. Für seine Gemälde verwandte er bevorzugt Temperafarben, die ihm die minuziöse Ausführung von Details erleichterten. Als Malgrund wählte er kleinformatige Tafeln aus Karton oder Sperrholz. Er schloß Freundschaft mit Eduard Reinacher (1892–1968), zu|dessen Gedichten er Gemälde und Radierungen fertigte. 1923 gehörte N., obwohl Außenseiter in diesem Kreis, zu den Begründern und jahrelang zum Vorstand der Secession in Stuttgart. 1933 verlor N.s jüd. Frau die Kassenzulassung, 1937 die ärztliche Approbation; N. wurde wegen „jüd. Versippung“ aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und erhielt Malverbot. Am 25.8.1939 emigrierte N., der während der schweren Jahre von dem Bankier Alfred Mörike (1886–1958) und dem Industriellen Hugo Borst (1881–1967) unterstützt worden war, mit seiner Familie nach England, im September 1940 nach New York. Als Angestellter eines Kunstverlages lernte er die Reproduktionsmethode des Siebdrucks kennen; sie regte ihn zu abstrakten Kompositionen an. Das Angebot von Theodor Heuss, eine Professur für Graphik an der Stuttgarter Akademie zu übernehmen (1946), lehnte er ab. 1952 besuchte N. wieder seine Heimat, wo ein Großteil seines Werkes den Bomben zum Opfer gefallen war. Zwei Jahre später wurde in Stuttgart eine Retrospektive seiner Werke veranstaltet. Nach dem Tod seiner Frau kehrte N. 1963 nach Murrhardt zurück.

    N. war ein Autodidakt von hoher handwerklicher Präzision, dessen Originalität, Phantasie und distanzierte, liebevoll-ironische Sicht, mit der er die Unzulänglichkeit seiner Umwelt und seiner Mitmenschen aufzeigt, besticht. Vermitteln seine frühen Darstellungen in ihrer feinpinseligen Grazie eine märchenhafte und erotische Stimmung in der Art des Jugendstils, ändert sich dies 1909 mit der „Schwäbischen Hochzeit“ und dem „Cannstatter Volksfest“. Beide Motive sind aus der Vogelschau gesehen, einer distanzierten Sehweise, die N.s Städte-, Architektur- und Ballonbilder sowie seine Landschaften fortan beherrscht. Suggestiv poetisch wirken seine Nachtansichten mit ihren filigranen Lichterketten. Seine künstlerische Auffassung, die bis Ende der 20er Jahre Anklänge an den Impressionismus zeigt, weist auf die Neue Sachlichkeit und den Surrealismus voraus. Im Spätwerk dominiert die Hinterglasmalerei; bei der Darstellung von Clowns und Schauspielern, arkadischen Szenen und surrealpoetischen Träumen konnte N. seiner Phantasie freien Lauf lassen.|

  • Auszeichnungen

    Prof.titel (1952); Ehrenbürger v. Murrhardt (1960).

  • Literatur

    R. N., Bilder aus fünf J. zehnten, eingel. v. O. Rombach, mit Btrr. v. H. Borst, J. Eberle, O. Fischer, Th. Heuss u. W. Pfleiderer, 1962;
    K. Ebert, R. N., 1966 (Fernseh-Porträt);
    ders. u. Thomas Naegele, R. N., 1987 (Fernseh-Porträt);
    B. Reinhardt, R. N., mit e. Einf. v. Th. F. Naegele, Werkverz. v. B. Reinhardt u. D. Hannemann, 1984 (W, L, P);
    R. N., Exlibris, Werkverz. d. Exlibris, mit e. Einf. v. E. Schutt-Kehm, zusammengestellt v. Th. Naegele, 1989. – Ausst.kat.: Stuttgart 1954 (Württ. Kunstver.), Ulm 1963 (Kunstver.), Stuttgart 1969 (Staatsgal., Gal. d. Stadt u. Kunsthaus Schaller), Stuttgart 1984 (Staatsgal. u. Gal. d. Stadt), Albstadt 1995 (Städt. Gal.);
    ThB.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Nägele, Reinhold" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 698 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873783X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA