Lebensdaten
1891 – 1935
Geburtsort
Berlin-Schöneberg
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Verlegerin ; Journalistin ; Übersetzerin ; Schriftstellerin ; Übersetzerin ; Publizistin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117047295 | OGND | VIAF: 13074488
Namensvarianten
  • Schiffer, Edith
  • Anton, Steffi
  • Jacobsohn, Edith
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Jacobsohn, Edith, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117047295.html [26.05.2024].

CC0

  • Edith Jacobsohn war eine bedeutende Verlegerin, Journalistin und Übersetzerin im Kulturbetrieb der Weimarer Republik. Als Mitgründerin und Leiterin des Verlags Williams & Co. war sie maßgeblich daran beteiligt, die Kinder- und Jugendbuchklassiker Erich Kästners (1899–1974) zu verlegen. Darüber hinaus führte sie Klassiker der britischen Kinder- und Jugendliteratur, u. a. „Doktor Dolittle und seine Tiere“ sowie „Pu der Bär“, auf dem deutschen Buchmarkt ein.

    Lebensdaten

    Geboren am 26. Oktober 1891 in Berlin-Schöneberg
    Gestorben am 31. Dezember 1935 in London
    Grabstätte unbekannt
    Konfession jüdisch
  • Lebenslauf

    26. Oktober 1891 - Berlin-Schöneberg

    1919 - 1933 - Berlin

    Übersetzerin; Journalistin

    u. a. Die Weltbühne

    1924 - Berlin

    Mitgründerin

    Internationale Übersetzungs-Agentur

    1924 - 1933 - Berlin

    Mitgründerin; seit 1925 alleinige Leiterin

    Verlag Williams & Co.

    1926 - 1933 - Berlin

    Leiterin

    Verlag Siegfried Jacobsohn & Co.

    1932 - Wien

    Gründerin einer Dependance

    Verlag Siegfried Jacobsohn & Co.

    Februar 1933 - Wien

    Emigration

    1933 - Zürich

    Übersiedlung

    Frühjahr 1934 - London

    Übersiedlung

    31. Dezember 1935 - London
  • Genealogie

    Vater Max Schiffer 1851–24.9.1909 aus Breslau (Schlesien, heute Wrocław, Polen); Holzhändler und Bauunternehmer; gest. in Berlin
    Großvater väterlicherseits Bernhard Schiffer 16.8.1830–1.3.1900 aus Breslau
    Großmutter väterlicherseits Mathilde Schiffer, geb. Kassel 14.11.1832–2.10.1888 aus Zülz (Schlesien, heute Biała, Polen)
    Mutter Anna Schiffer, geb. Plessner 1.6.1860–23.7.1913
    Großvater mütterlicherseits Hermann Plessner 30.12.1822–16.2.1876 aus Cosel (Schlesien, heute Kędzierzyn-Koźle, Polen); gest. in Berlin
    Großmutter mütterlicherseits Henriette Plessner, geb. Steinitz 5.7.1833–26.10.1909 aus Groß Strehlitz (Schlesien, heute Strzelce Opolskie, Polen)
    Bruder Erwin Schiffer 13.2.1886–24.9.1932 verh. mit Frieda Schiffer, geb. Rohrbacher (1888–1957)
    Schwester Käthe Johanna Burschell, gesch. Lippmann, geb. Schiffer 11.4.1888–2.8.1939 in 1. Ehe 1912 verh. mit Ludwig Max Lippmann (1878–1955), Dr. med.; in 2. Ehe 1918 verh. mit Friedrich Burschell (1889–1970), Schriftsteller, Übersetzer
    1. Heirat 1915
    Ehemann Siegfried Jacobsohn 28.1.1881–3.12.1926 aus Berlin; Theaterkritiker, Publizist, Redakteur; Herausgeber der „Weltbühne“ (bis 1918 „Schaubühne“)
    Schwiegervater Bernhard Jacobsohn geb. 1849 aus Sulingen (Niedersachsen); jüdisch; Kaufmann in Berlin
    Schwiegermutter Selma Jacobsohn, geb. Blumenthal geb. 5.2.1857 aus Breslau; jüdisch; Tochter des Emanuel Blumenthal (1829–1897)
    Schwager Fritz Jacobsohn (später Fred Jacobsohn) 1885–1946 Journalist, Musikkritiker, Musikschriftsteller; gest. in Los Angeles
    Sohn Peter Max Wilhelm Jacobsohn 3.9.1916–18.1.1998 Herausgeber; gest. in Wayland (Massachusetts, USA)
    2. Heirat 1934 in London
    Ehemann John Forster Scheinehe
    Tante väterlicherseits Emilie Eva Cassirer, geb. Schiffer 10.5.1847–31.1.1890 Hausfrau; jüdisch; verh. mit Louis Cassirer (1839–1904), Unternehmer und Industrieller in Breslau, Görlitz und Berlin
    Onkel väterlicherseits Eugen Schiffer 14.2.1860–5.9.1954 aus Breslau; jüdisch, seit 1896 evangelisch; Jurist, Politiker, Reichsjustizminister
    Cousin väterlicherseits Paul Cassirer 21.2.1871–7.1.1926 Verleger; Kunsthändler
    Cousin väterlicherseits Bruno Cassirer 12.12.1872–29.10.1941 Verleger; Galerist
    Cousin väterlicherseits Ernst Alfred Cassirer 28.7.1874–13.4.1945 Philosoph; Hochschullehrer
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Jacobsohn, Edith (1891 – 1935)

    • Vater

      Max Schiffer

      1851–24.9.1909

      aus Breslau (Schlesien, heute Wrocław, Polen); Holzhändler und Bauunternehmer; gest. in Berlin

      • Großvater väterlicherseits

        Bernhard Schiffer

        16.8.1830–1.3.1900

        aus Breslau

      • Großmutter väterlicherseits

        Mathilde Schiffer

        14.11.1832–2.10.1888

        aus Zülz (Schlesien, heute Biała, Polen)

    • Mutter

      Anna Schiffer

      1.6.1860–23.7.1913

      • Großvater mütterlicherseits

        Hermann Plessner

        30.12.1822–16.2.1876

        aus Cosel (Schlesien, heute Kędzierzyn-Koźle, Polen); gest. in Berlin

      • Großmutter mütterlicherseits

        Henriette Plessner

        5.7.1833–26.10.1909

        aus Groß Strehlitz (Schlesien, heute Strzelce Opolskie, Polen)

    • Bruder

      Erwin Schiffer

      13.2.1886–24.9.1932

      verh. mit Frieda Schiffer, geb. Rohrbacher (1888–1957)

    • Schwester

      Käthe Burschell

      11.4.1888–2.8.1939

      in 1.·Ehe 1912 verh. mit Ludwig Max Lippmann (1878–1955), Dr. med.; in 2.·Ehe 1918 verh. mit Friedrich Burschell (1889–1970), Schriftsteller, Übersetzer

    • 1.·Heirat

      • Ehemann

        Siegfried Jacobsohn

        28.1.1881–3.12.1926

        aus Berlin; Theaterkritiker, Publizist, Redakteur; Herausgeber der „Weltbühne“ (bis 1918 „Schaubühne“)

    • 2.·Heirat

      in

      London

      • Ehemann

        Siegfried Jacobsohn

        28.1.1881–3.12.1926

        aus Berlin; Theaterkritiker, Publizist, Redakteur; Herausgeber der „Weltbühne“ (bis 1918 „Schaubühne“)

  • Biografie

    Jacobsohn besuchte als Tochter eines vermögenden jüdischen Bauunternehmers ein englisches Internat, auf dem sie exzellente Englischkenntnisse erwarb und eine tiefe Verbundenheit mit der britischen Kultur und Literatur entwickelte. Dem Kulturbetrieb der Weimarer Republik familiär und verwandtschaftlich eng verbunden, veröffentlichte sie seit 1919 journalistische Beiträge in dem Satireblatt „Ulk“ sowie v. a. in der von ihrem Ehemann Siegfried Jacobsohn (1881–1926) herausgegebenen Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“, der sie mit ihrem geerbten Vermögen wiederholt die Existenz sicherte.

    Neben ihrer journalistischen Tätigkeit war Jacobsohn unter dem Pseudonym E. L. Schiffer als Übersetzerin tätig und gründete vor 1924 mit ihrer Freundin Edith Lillie Weinreich (1881–1957) in Berlin die Internationale Übersetzungs-Agentur. Im April 1924 rief sie u. a. mit Weinreich den Verlag Williams & Co. ins Leben, in dem Jacobsohn im folgenden Jahr die alleinige Leitung übernahm. Mit seinem Fokus auf Kinder- und Jugendliteratur entwickelte sich der Verlag zu einem ebenso innovativen wie erfolgreichen Unternehmen. Die kulturelle Bedeutung und das ökonomische Potenzial von Kinderbüchern klar erkennend, veranlasste Jacobsohn 1925 den Kauf der Übersetzungsrechte an den Werken von Hugh Lofting (1886–1947) und A. A. Milne (1882–1956). Seit 1926 verlegte Jacobsohn in eigener Übersetzung Loftings Buchreihe „Doktor Dolittle“, 1928 folgte die deutsche Erstveröffentlichung von Milnes „Pu der Bär“. Die von Jacobsohn angefertigten Übersetzungen wurden bis in das 21. Jahrhundert wieder aufgelegt; inzwischen liegen neue Übersetzungen vor.

    Ihr größter verlegerischer Erfolg gelang Jacobsohn mit den Kinder- und Jugendbüchern Erich Kästners (1899–1974). Im Williams-Verlag erschienen – auf Anregung Jacobsohns mit den Illustrationen Walter Triers (1890–1951) bebildert – Kästners Roman „Emil und die Detektive“ (1929), der bis 1934 eine Gesamtauflage von über 100 000 Exemplaren erreichte und auch als Bühnenfassung (1930) und Film (1931) ein breites Publikum begeisterte, sowie der Roman „Pünktchen und Anton“ (1931), der ebenfalls zu einem Bestseller avancierte.

    Nach dem Tod ihres Ehemanns leitete Jacobsohn seit 1926 neben dem Williams-Verlag auch den Verlag Siegfried Jacobsohn & Co. und war als verlegerisch Verantwortliche der „Weltbühne“ rechtsradikalen Angriffen ausgesetzt. 1932 gründete sie eine Dependance des Verlags Jacobsohn & Co. in Wien, wohin sie kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Februar 1933 emigrierte. Später im Jahr 1933 siedelte sie nach Zürich über und verkaufte beide Verlage: Williams & Co. an den Verleger Kurt L. Maschler (1898–1986) und den Verlag der „Weltbühne“ an den Publizisten Herrmann Budzislawski (1901–1978). Die Geschäftsführung für Williams & Co. hatte sie bereits zuvor an ihre Mitarbeiterin Cecilie Dressler (1905–1978) übertragen. Im Frühjahr 1934 zog Jacobsohn nach London, wo sie vergeblich hoffte, in der Verlagsbranche Arbeit zu finden. Sie fertigte unter dem Pseudonym Steffi Anton weitere Übersetzungen für Williams & Co. an und ging 1934, kurz vor ihrem Tod infolge eines Schlaganfalls, eine Scheinehe zur Sicherung ihrer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ein.

  • Auszeichnungen

  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar, Nachlass Kurt Tucholsky. (Korrespondenz, 1919–1928)

  • Werke

    Journalistische Arbeiten:

    Ulk. Illustriertes Wochenblatt für Humor und Satire (1919); Die Weltbühne (1923–1932).

    Übersetzungen:

    Margaret Kennedy, Die treue Nymphe, 1925.

    Stephen Leacock, Die Abenteuer der armen Reichen, 1925.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittle und seine Tiere, 1926.

    A. A. Milne, Pu der Bär, 1928.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittles Postamt, 1930.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittles Zirkus, 1930.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittles schwimmende Insel, 1930.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittles Tierinsel, 1931.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittles größte Reise, 1932.

    Hugh Lofting, Doktor Dolittle auf dem Mond, 1932.

    Michael Arlen, Zugvögel, 1932.

    Michael Arlen, Als die Nachtigall sang, 1935.

  • Literatur

    Frank Flechtmann, „Mein schöner Verlag, Williams & Co.“. Erinnerungen an Edith Jacobsohn, in: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie 142 (1996), S. 11–34.

    Frank Flechtmann, „Mein schöner Verlag, Williams & Co.“. Erinnerung an Edith Jacobsohn. Über einen vergessenen Verlag berühmter Bücher. Mit einer Bibliografie 1925–1955, 1997, erg. Neuaufl. 2010. (Onlineressource)

    Theodor Brüggemann, Kinderbuch und Zeitgeschichte. Der Verlag Williams & Co. Mit einer Bibliographie, in: Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler 4 (2003), S. 247–274.

    Frank Flechtmann, Zum Jubiläum des Cecilie Dressler Verlages, in: ebd., S. 315 f.

    Helga Karrenbrock, 5.2.9 Kinder- und Jugendbuchverlage, in: Ernst Fischer/Stephan Füssel (Hg.), Geschichte des Deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert, Bd. 2, 2012, S. 183–218, hier S. 211–213.

    Corinna Norrick, 5.2.6 Literarische Zeitschriften und Publikumszeitschriften, in: ebd., S. 91–110, hier S. 95 f.

    Ernst Fischer, Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Ein biographisches Handbuch, Bd. 3, T. 3: Exilbuchhandel – Supplement: Verleger, Buchhändler und Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933, 22020, S. 228 f.

    Charlotte Henßen, Edith Jacobsohn. Eine ungewöhnliche Frau und ihr Verlag Williams & Co., in: Flachware. Jahrbuch der Leipziger Buchwissenschaft 6 (2020), S. 59–76.

  • Onlineressourcen

  • Autor/in

    Corinna Norrick-Rühl (Münster)

  • Zitierweise

    Norrick-Rühl, Corinna, „Jacobsohn, Edith“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/117047295.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA