Lebensdaten
1885 bis 1970
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Diez/Lahn
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Redner ; Maler
Konfession
-
Normdaten
GND: 118625527 | OGND | VIAF: 54161352
Namensvarianten
  • Unruh, Fritz Wilhelm Ernst von
  • Ernst, Fritz (Pseudonym)
  • Fritz Ernst (Pseudonym)
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Zitierweise

Unruh, Fritz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625527.html [09.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1843–1912), preuß. Gen.lt., um 1900 Kdt. d. Festung Königsberg (Pr.), zuletzt in Detmold (s. BJ 18, Tl.), S d. Eduard (1798–1844), preuß. Platzmajor in Potsdam, u. d. Wilhelmine Eberhard (1816–85);
    M Mathilde (1858–1943), T d. Georg Ludwig (Louis) Klehe (* 1816), Kaufm. in Freiburg (Br.), u. d. Albertine Bach;
    4 B Karl (1884–1969), Oberst, Schriftleiter, Erich (1888–1915 ⚔), Friedrich Franz (s. 3), Kurt (1894–1986), Bildhauer, Kunstmaler, 4 Schw Helene (1882–1966, ⚭ Friedrich Freytag), Mathilde (1886–1985), Kunstmalerin, Hilde (1896–1933), Karla (1900–65, 1922–25 Gustav Hartung, 1887–1946, Theaterleiter, s. NDB VIII), Kunstmalerin;
    Frankreich 1940 Friderike Schaffer (1889/90–1971, 1] 1908 Rudolf Ergas, * 1885, Kunsthist. u. -sammler aus Wien), Schausp.; kinderlos.

  • Leben

    Die militärische Tradition der Familie fortsetzend, durchlief U. seit 1897 die preuß. Kadettenanstalt im holstein. Plön, an der er die Prinzen August Wilhelm (1887–1949) und Oskar von Preußen (1888–1958) zu Mitschülern hatte und 1906 das Abitur ablegte. Anschließend besuchte er die Reichskriegsschule in Potsdam und trat Ende 1906 in Berlin als Leutnant in das Ks.-Franz-Gardegrenadierregiment ein. Seit 1907 krankheitsbedingt weitgehend an der Dienstausübung gehindert, entschied sich U. 1911 für eine schriftstellerische Laufbahn. 1914 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Eine 1916 im Auftrag der Obersten Heeresleitung entstandene Erzählung wurde wegen zu drastischer Kriegsdarstellungen zunächst verboten (Opfergang, 1919). Nach einer Verwundung 1916 vor Verdun hielt sich U. in der Schweiz auf, wo er den pazifistischen Kreis um Harry Gf. Kessler (1868–1937), Paul Cassirer (1871–1926) und René Schickele (1883–1940) kennenlernte.

    Der zum Pazifisten gewandelte U. zählte zu den bedeutenden Dramatikern der Weimarer Republik und trat als öffentlicher Redner und Friedensmahner hervor. Unter anderem sprach er 1920 zum ersten Jahrestag der Republik (Berlin, Gendarmenmarkt), 1922 über „Vaterland und Freiheit“ (Mannheim) und zum Tod Rathenaus (Berlin, Reichstag) sowie 1932 auf Einladung der „Eisernen Front“ vor|20 000 Zuhörern im Berliner Sportpalast gegen den Nationalsozialismus. 1948 erinnerte er in der Frankfurter Paulskirche an die Revolution von 1848 („An die Deutschen“). U. war in den 1920er Jahren Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung“, 1924, u. a. mit Carl v. Ossietzky (1889–1938), Mitbegründer der nur für kurze Zeit existierenden Republikanischen Partei Deutschlands (RPD) und 1931 einer der Initiatoren der „Eisernen Front“ gegen den Nationalsozialismus. 1924 gewährte ihm die Stadt Frankfurt in einem mittelalterlichen Turm lebenslanges Wohnrecht, das NSDAPStadträte 1932 aufzuheben beantragten. Daraufhin zog U. nach Italien, übersiedelte 1935 nach Menton (Frankreich) und 1939 nach Arcachon bei Bordeaux. Nach kurzzeitiger franz. Internierung zu Kriegsbeginn gelang U. 1940 die Flucht nach Spanien und durch die Vermittlung Albert Einsteins (1879–1955) und Thomas Manns (1875–1955) die Einreise in die USA, wo er in New York City v. a. als Kunstmaler hervortrat. Nach Versuchen, 1948 und 1952–55 nach Deutschland zurückzukehren, wohnte er zwei Jahre in Monaco, dann in Atlantic City (USA), bevor er sich 1962 auf dem Familienhof Oranien in Diez niederließ.

    U.s erste literarische Werke entstanden seit 1904. Durch seine Freundschaft mit August Wilhelm von Preußen kam er in Kontakt mit dem Regisseur Max Reinhardt (1873–1943), der sein an Kleist orientiertes Drama „Offiziere“ (1912, 5 1925, UA Berlin 1911) erfolgreich inszenierte. Sein Theaterstück „Louis Ferdinand Prinz von Preußen“ (1913, 10 1921, Nachdr. 1925, UA Darmstadt 1923) war im Kaiserreich verboten, da es Mitglieder des Hauses Hohenzollern darstellt. U.s dramatisches Hauptwerk ist eine über vier Jahrzehnte entstandene Trilogie, bestehend aus „Ein Geschlecht“ (1917, 2 1918, nichtöffentl. UA Darmstadt 1918), „Platz“ (1920, 21 1920, UA Frankfurt/M. 1920) und „Dietrich“ (1957 vollendet; Erstdr. in: Sämtl. Werke, Bd. 3), die eine Kriegskritik mit den Mitteln des literarischen Expressionismus darstellt. Sein in den USA geschriebener, zunächst in engl. Sprache erschienener Roman über Hitler (The End is not yet, 1947, dt.: Der nie verlor, 1948, norweg. 1948, franz., übers. v. Y. Goll, 1951, 3 1951) fand in den USA und Frankreich große Resonanz, nicht aber in Nachkriegsdeutschland. Auch U.s Versuche, in der Bundesrepublik an seine früheren Erfolge als Bühnenautor und Friedensmahner anzuknüpfen, waren vergeblich. Eine in seinem Todesjahr begonnene Gesamtausgabe seiner Werke blieb fragmentarisch.

  • Auszeichnungen

    A Kleist-Preis (1914, mit H. Essig); Johann-JakobBodmer-Preis d. Stadt Zürich (1917); Preis d. Jungen Dtld. (1921); Franz-Grillparzer-Preis (1923); Schiller-Preis (1927, mit H. Burte u. F. Werfel); Wilhelm-Raabe-Preis (1947); Goethepreis d. Stadt Frankfurt/M. (1948); Ehrenbürger v. Diez (1948); OneWorld-Prize (1952, mit A. Schweitzer); Goetheplakette d. Stadt Frankfurt/M. (1955); Gr. BVK (1955); Kogge-Lit.preis (1963); Carl-v.-Ossietzky-Medaille (1966); Mitgl. d. Sektion f. Dichtkunst d. Preuß. Ak. d. Künste (1928, 1933 ausgeschlossen) u. d. Sektion Darstellende Kunst d. Ak. d. Künste, Berlin (West) (1965); Ehrenmitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1967); F. v. U.-Ges. (1953–64); – F. v. U.-Str., Koblenz; F. v. U.-Siedlung, Diez; F. v. U.-Anlage, Frankfurt/M.-Ginnheim (1998).

  • Werke

    Weitere W Opfergang, 1919, 41931, Nachdr. 1966, franz. 1923, 31925, Neuausg. 2014, tschech. 1926, engl. 1928, niederl. 2012;
    Jürgen Wullenweber, 1910 (UA Detmold 1909);
    Vor d. Entscheidung, 1915, 51919;
    Stürme, 1922 (UA Darmstadt, 1922?, Regie: G. Hartung);
    Reden, 1924;
    Heinrich v. Andernach, 1925 (UA Köln 1925);
    Zero, 1925, Nachdr. 1932 (UA Frankfurt/M. 1932);
    Flügel der Nike, 1925;
    Bonaparte, 1927, Nachdr. 1953 (UA Berlin 1927); Phaea, 1930 (UA Berlin 1930, Regie: M. Reinhardt); Politeia, 1933, Nachdr. 1968; Rede an d. Deutschen, Mit e. Geleitwort v. E. Kogon, 1948, als Tondok., in: Stimmen d. 20. Jh., 1848 – geteiltes Erbe [CD], DHM Berlin 1998; Fürchtet nichts, 1952; The Saint, 1950, norweg. 1951, dt. u. d. T. Die Heilige, 1952; Wilhelmus, 1953 (UA Frankfurt/M. 1953); Duell an d. Havel, 1954 (UA Wiesbaden 1954); Bismarck oder Warum steht d. Soldat da? [1954], Erstdr. in: Dramen, 1960, S. 229–316; Mächtig seid ihr nicht in Waffen, 1957; Der Sohn d. Gen., 1957; Dramen, 1960, hg. v. G. G. Wieszner; Wir wollen Frieden, 1960; Meine Begegnung mit Trotzki, 1963; Friede in USA?, 1967; Im Haus der Prinzen, 1967; Odysseus auf Ogygia, 1968 (Szen. Lesung Berlin 1968, vertont v. K. Arp, UA Koblenz 1989, Opernlibretto v. W. Poch) (P); Kaserne u. Sphinx, 1969; Sämtl. Werke, 1970–91 (Bde. 2–5, 7–9, 11–13 u. 17 ersch., W-Verz. in Bd. 5); Briefwechsel mit A. Schnitzler, hg. v. U. K. Goldsmith, in: Modern Austrian Lit. 10, 1977, S. 69–127; K. Reiser, F. v. U. in Briefen [an Th. Wolff u. M. Harden], in: H. Boberach u. H. Booms (Hg.), Aus d. Arb. d. BA, 1978, S. 336–56; Briefwechsel mit Ghzg. Ernst Ludwig v. Hessen, in: E. G. Franz (Hg.), Friede (…), 1987, (s. L); – Einzelausst.: Gal. St. Etienne, New York (1947); Gal. im Rahmhof, Frankfurt/M. (1970, Ausst.kat.); – Nachlaß: DLA Marbach/Neckar; StadtA Koblenz; Stadtbibl., Koblenz; Inst. f. Stadtgesch., Frankfurt/M.; Syracuse Univ. Library, Syracuse (USA); Univ. of New York, Albany (USA), Russ. Staatl. Mil.archiv/Sonderarchiv, Moskau.

  • Literatur

    L K. Viëtor, Über d. Dichtungen F. v. U.s, in: Dt. Bühne 1, 1919, S. 135–50;
    R. K. Goldschmit, F. v. U., 1921;
    F. Engel, F. v. U. u. seine besten Bühnenwerke, 1922;
    Junge Menschen, Mhh., Sonderh. F. v. U., 4, 1925;
    R. Meister, F. v. U, 1925, Nachdr. 1967;
    A. Soergel, Dichtung u. Dichter d. Zeit, NF: Im Banne d. Expressionismus, 51927, S. 775–95;
    A. Kronacher, F. v. U., A Monograph, Einl. v. A. Einstein, 1946 (P);
    F. Rasche (Hg.), F. v. U., Rebell u. Verkünder, 1960, Nachdr. 1965;
    M. Durzak, Nachgeholter Expressionismus, Zur Vollendung v. F. v. U.s Dramen-Trilogie „Ein Geschlecht“, in: Jb. d. dt. Schillerges. 18, 1974, S. 559–605;
    ders., Das expressionist. Drama, E. Barlach, E. Toller, F. v. U., 1979, S. 155–204;
    G. Scholdt u. N. Jacques, F. v. U. u. d. Expressionismus, in: Jb. d. dt. Schillerges. 19, 1975, S. 63–97;
    B. Beßlich, L’Empereur zw. Expressionismus u. Exil, Napoleon-Dramen v. H. Essig, F. v. U., W. Hasenclever u. G. Kaiser, ebd. 46, 2002, S. 250–78;
    I. Götz, ZUG u. Utopie in d. Dramen F. v. U. s, 1975;
    U. R. Froehlich, F. v. U.s Spätwerk „Der nie verlor“, 1981; D. Kasang, Wilhelminismus u. Expressionismus, Das Frühwerk F. v. U.s 1904–21, 1980 (W, L
    , Nachlaßverz.);
    J. V. Buffinga, Stasis and Metamorphosis, Modes of Characterization in the Works of F. v. U., 1983;
    P. Jelavich, in: McGrawHill, Encyclopedia of World Drama, 2 1984, Bd. 5, S. 70 f. (P);
    F. v. U. z. 100. Geb.tag u. 15. Todestag, 1985 (Ausst.kat., Bibliogr.);
    E. G. Franz (Hg.), Friede durch geistige Erneuerung, F. v. U. u. Ghzg. Ernst Ludwig v. Hessen, 1987;
    P. Sprengel, Lit. im Ks.reich, 1993, S. 262–99; K. Schulz, Fast e. Revolutionär, F. v. U. zw. Exil u. Remigration 1932–1962, 1995 (P, W
    , L, Nachlaßverz.);
    S. Greif, in: A. Allkemper u. N. O. Eke (Hg.), Dt. Dramatiker d. 20. Jh., 2000, S. 155–72;
    B. Rollka, Der Schwur v. Verdun, oder: Die drei Paris- u. Frankr.-Reisen d. F. v. U., in: H. M. Bock u. I. Mieck (Hg.), Berlin-Paris (1900–1933), 2005, S. 135–52;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Killy;
    KLL;
    BHdE II;
    Spalek II;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr.;
    Munzinger; – zur Fam.: GHdA, Adelige Häuser A 14, 1977, S. 485 f.

  • Portraits

    P Porträtkopf, Steinguß v. W. Lehmbruck, 1918 (Duisburg, Lehmbruck-Mus.); dass., Gips, v. dems. (Harvard Art Mus.); Selbstbildnis, 1951, Abb. in: W. Schaber (Hg.), Aufbau, Dok. e. Kultur im Exil, 1972, S. 227; Totenmaske, Gips, 1970 (DLA Marbach/Neckar); Porträttafel (Diez/Lahn, Eberhardshaus).

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Unruh, Fritz von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 647-649 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625527.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA