Lebensdaten
1887 bis 1945
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Konzentrationslager Flossenbürg
Beruf/Funktion
Generalmajor ; Widerstandskämpfer
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118590464 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Oster, Hans Paul
  • Oster, Hans
  • Oster, Hans Paul

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Oster, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590464.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jules August (1845–1926), Pfarrer d. ref. franz. Gemeinde in D., S d. Auguste (1814–82), Pfarrer in Straßburg, u. d. Julie Emilie Maurer (1821–1906) aus Straßburg;
    M Marie Pauline (1853–1905) aus Alt-Thann, T d. Louis Victor Breymann (1821–79) u. d. Marie Pauline Veininger (1831–1907);
    Dresden 1912 Gertrud (1889–1956), T d. Carl Heinrich Knoop (1838–1902), Patentanwalt in Hamburg, u. d. Evelyn Knoop (* 1851);
    2 S Achim (1914–83), Gen.major, Harald (1919–43), 1 T Barbara (* 1921), Krankenschwester in Hamburg.

  • Leben

    Mitverschwörer haben O. als „Geschäftsführer“ und „Seele“ des deutschen militärischen Widerstandes gegen das Hitlerregime bezeichnet. Zu Recht steht er damit neben Claus Schenk Gf. v. Stauffenberg, der O.s Umsturzbemühungen nach dessen Dienstentlassung konsequent zum Attentat des 20. Juli 1944 fortgeführt hat.

    O. wuchs einerseits in die Werte- und Gedankenwelt des Wilhelminischen Kaiserreiches|hinein, die den begeisterten Reiter zeit seines Lebens zu einem Verehrer der Monarchie machte und den Abiturienten 1907 den Beruf des Offiziers ergreifen ließ. In den 1. Weltkrieg zog er mit Begeisterung und erwarb mehrere Tapferkeitsauszeichnungen. Andererseits unterschieden ihn die liberal-tolerante Gesinnung und die Wertschätzung christlich-humanistischer Traditionen, die ihm seine Eltern nahegebracht hatten, sowie die Freude an franz. Sprache und Kultur von vielen seiner Alters- und Berufsgenossen. In der Armee machte er daher nicht nur durch seine herausragenden Leistungen, sondern auch durch seinen Einfallsreichtum und seine unkonventionelle Wesensart, die bisweilen auch gegen den Ehrenkodex des Offizierskorps verstieß, auf sich aufmerksam. So betrieb O. z. B. Spekulationsgeschäfte, mit denen er das Familienvermögen durch die Inflationszeit rettete, und ließ sich auf eine Liaison während des Karnevals ein, die den verheirateten Vater von drei Kindern 1932 seine Dienststellung kostete. Trotz der dadurch verursachten schwierigen beruflichen Situation schloß sich O. der aufstrebenden NS-Bewegung, mit der ihn immerhin der Wunsch nach Wiederaufrüstung und einer Revision des Versailler Vertrages verband, nicht an. Seit Okt. 1933 arbeitete er (zunächst als Zivilangestellter, seit 1935 als Soldat, sogleich zum Oberstleutnant befördert) wieder in militärischer Verwendung bei der Abwehr, wo er von Hans Bernd Gisevius (1904–74), einem regimefeindlich eingestellten Mitarbeiter der Gestapo, über die Verbrechen des NS-Staates unterrichtet wurde. Infolgedessen entwickelte er seine für konspirative Zwecke geeignete Dienststelle zu einem Zentrum des Widerstandes. Die Blomberg-Fritsch-Krise, die den von ihm hochverehrten Oberbefehlshaber des Heeres, Werner Frhr. v. Fritsch, durch eine Intrige stürzte, machte ihn zum erbitterten und grundsätzlichen Gegner des NS-Systems. Nahezu jeder Versuch des Widerstands, die Hitlerherrschaft zu beseitigen, sei es anläßlich der Sudetenkrise 1938, bei Kriegsbeginn 1939 oder vor der Westoffensive 1940, lief nun unter seiner maßgeblichen Beteiligung. Außenpolitische Sondierungen und Hilfeersuchen gingen von ihm ebenso aus wie konkrete Rettungsaktionen für verfolgte Juden, die er mit seinem Mitarbeiter Hans v. Dohnanyi (1902–45) organisierte. Als schließlich alle Bemühungen, den Generalstab zum Putsch zu bewegen, scheiterten und auch der von O. persönlich für den Widerstand geworbene Generaloberst Ludwig Beck die verantwortlichen Militärs nicht gegen Hitler gewinnen konnte, entschloß er sich, dem niederländ. Militärattaché Sas den mehrfach verschobenen deutschen Angriffstermin für den Westfeldzug zu verraten, um die Ausweitung eines verbrecherischen Eroberungskrieges zu verhindern. O.s verbürgte Aussage: „Man kann nun sagen, daß ich Landesverräter bin, aber das bin ich in Wirklichkeit nicht, ich halte mich für einen besseren Deutschen als alle die, die hinter Hitler herlaufen. Mein Plan und meine Pflicht ist es, Deutschland und die Welt von dieser Pest zu befreien“, zeugen von dem sittlichen Stellenwert seiner mutigen Entscheidung. Nachdem er 1943 noch einen Attentatsversuch Henning v. Tresckows unterstützt hatte, wurde O., den die Gestapo bereits beobachtete, wegen des Devisenvergehens eines V-Mannes der Abwehr zum 1.4.1944 entlassen. Nach dem Attentat vom 20. Juli, in dessen Zusammenhang auch sein Name als Verbindungsoffizier für den Wehrkreis IV auftauchte, wurde er verhaftet. Die Entdeckung der Tagebücher seines konspirierenden Amtschefs Admiral Wilhelm Canaris 1945 führte schließlich zu seiner Hinrichtung nach einem schändlichen Standgericht.

  • Literatur

    H. Graml, Der Fall Oster, in: VfZ 14, 1966, S. 26-59;
    R. G. Gf. v. Thun-Hohenstein, Der Verschwörer, Gen. O. u. d. Mil.opposition, 1982, Neuausg. 1994 (P);
    ders., Widerstand u. Landesverrat am Beispiel d. Gen.majors H. O., in: Der Widerstand gegen den NS, Die dt. Ges. u. d. Widerstand gegen Hitler, hg. v. P. Steinbach u. J. Schmädecke, 21986, S. 751-62;
    ders., H. O., in: 20. Juli, Porträts d. Widerstands, hg. v. R. Lill u. H. Oberreuter, Neuausg. 1994, S. 325-43 (L, P);
    ders., H. O. – Die „Seele“ d. Widerstandes, in: „Für Deutschland“, Die Männer d. 20. Juli, hg. v. K v Klemperer, E. Syring u. R. Zitelmann, 1994, S. 202-17 (L, P);
    P. Hoffmann, Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf d. Opposition gegen Hitler, 41985;
    Winfried Meyer, Unternehmen Sieben, 1993;
    H.-J. Ramm, „… stets einem Höheren verantwortlich…“, Christl. Grundüberzeugungen im innermil. Widerstand gegen Hitler, 1996, bes. S. 200-16.

  • Autor/in

    Michael Kißener
  • Empfohlene Zitierweise

    Kißener, Michael, "Oster, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 616-617 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590464.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA