Lebensdaten
um 1490 oder 1494 bis 1559
Geburtsort
Hemau (Oberpfalz)
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118787292 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ostendorffer, Michael
  • Ostendorfer, Michael
  • Ostendorffer, Michael
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Zitierweise

Ostendorfer, Michael, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118787292.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    B (?) Hans, Maler in München, Lienhard, Maler in Regensburg (beide s. ThB), u. Ulrich, Maler in Amberg;
    1) Regensburg Anna Wechin (um 1498–1550), T d. Kürschners N. N. Wech in Regensburg;
    6 S, 2 T.

  • Leben

    Über O.s Ausbildung sind keine Quellen vorhanden, doch wird als Lehrmeister seit jeher Albrecht Altdorfer angenommen. Hierfür sprechen vor allem stilistische bzw. formale Gründe wie auch die Tatsache, daß O. neben dem bereits berühmten Maler und Ratsherrn Altdorfer für die 1519 in Regensburg entstandene Wallfahrt „zur Schönen Maria“ tätig war. Im selben Jahr besaß O. auch bereits Bürgerrecht in Regensburg. Seit 1525 bzw. 1532 arbeitete er für die Regensburger Drucker Paul und Hans Kohl und vermutlich schon 1522-41 für Peter Apian in Ingolstadt. 1536 siedelte O. von Regensburg nach Neumarkt (Oberpfalz) über. Er war dort zusammen mit Hans Mendel, Hans Durst und Lienhard Ostendorfer Hofmaler bei Pfalzgf. Friedrich II. 1537 war er dann in der pfalzgfl. Residenzstadt Amberg (Oberpfalz) tätig, wo er sich wahrscheinlich bis 1544, also bis zur Übersiedlung Friedrichs II. nach Heidelberg, aufhielt. 1544 arbeitete O. für den Nürnberger Verleger und Drucker Hans Guldenmund. Am 2.9.1549 wurde er wieder Bürger in der 1542 zum luth. Glauben übergetretenen Stadt Regensburg. 1550-53 erhielt er vornehmlich Aufträge von der Freien Reichsstadt Regensburg, vor allem für die Bemalung von Brunnen; weiterhin war er für den Regensburger Reformator Nikolaus Gallus tätig. Am 7.5.1556 wurde der mittlerweile an Gicht erkrankte und in Armut geratene O. im Regensburger Brüderhaus aufgenommen, welches er aber aus Gründen der Insubordination wieder verlassen mußte, nachdem er entgegen den Statuten dort zu arbeiten versucht hatte.

    Kunstgeschichtlich wird O. erstmals faßbar durch seine aufwendigen Arbeiten für die Regensburger Wallfahrt „zur Schönen Maria“. In einem großen Holzschnitt von 1520 (Geisberg III, G. 967; Wynen, Kat. Nr. 5) stellte er in sehr treffender Weise das Geschehen um die Wallfahrtskapelle dar. Im gleichen Zusammenhang schuf er ca. 1521 auch einen Holzschnitt der vom Augsburger Baumeister Hans Hieber 1520 geplanten und unvollendet gebliebenen neuen Wallfahrtskirche (Geisberg III, G. 968; Wynen, Kat. Nr. 56) – der heutigen Neupfarrkirche – sowie einen Holzschnitt des hierfür bestimmten Sakramentshäuschens (Geisberg III, G. 967-970; Wynen, Kat. Nr. 57); Altdorfer hingegen hatte den Entwurf zum Altar geliefert (Geisberg I, G. 32). 1529 schuf O. das Gemälde mit der Neuinterpretation des 1519/20 von Altdorfer gemalten Wallfahrtsbildes der Schönen Maria (Regensburg, Mus. d. Stadt). Für die sieben von Hieronymus Formschneider in Nürnberg geschaffenen Holzschnitte zur Beschreibung von Friedrichs II. Türkenzug von 1532 lieferte er die Zeichnungen (Wynen, Kat. Nr. 138, 1-7). Höhepunkte seines graphischen Schaffens bilden außerdem die Riesenholzschnitte mit der Beweinung Christi von 1548 (Geisberg III, G. 964-965; Wynen, Kat. Nr. 68) und der ihm zugeschriebenen „Hirschjagd im Lörser Wald“ von 1543 (Geisberg III, G. 982-984; Wynen, Kat. Nr. 66). Die Vielzahl der seit 1544 geschaffenen Holzschnitte mit Fürstenbildnissen (Wynen, Kat. Nr. 77-116) zeugt von seinem großen Können. Das malerische Werk O.s umfaßt Gemälde eher kleinen Formates mit religiösen Themen, dem Selbstmord der Lucretia, Judith mit dem Haupt des Holofernes und Portraits von Personen vornehmlich fürstlichen Standes. Sein bedeutendstes Gemälde ist der sog. Reformationsaltar für die Regensburger Neupfarrkirche (vollendet 1555, Wynen, Kat. Nr. 18), in welchem er luth. Inhalte vermittelt. Generell läßt sich in seinen Gemälden und in der Graphik bei der Gestaltung des landschaftlichen Hintergrundes wie auch bei mehreren Figuren- bzw. Gesichtstypen (beim Reformationsaltar u. a. Johannes der Täufer) die Abhängigkeit von Altdorfer feststellen, wobei O. bei weitem nicht die Virtuosität und die Stilstufe dieses deutschen Wegbereiters der Landschaftsdarstellung und Hauptvertreters der „Donauschule“ erreicht.

  • Werke

    Weitere W Gem.: Altar f. d. Regensburger Goldschmiedezunft, 1520 (verschollen);
    Christuskopf auf d. Schweißtuch d. Veronika, 1520 (Regensburg, Mus. d. Stadt);
    Selbstmord d. Lucretia, 1530 (ebd.);
    Judith mit d. Haupt d. Holofernes, 1530 (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    Adam u. Eva, 1539 (Regensburg, Mus. d. Stadt);
    Darst. d. Apokalypse, 1543 (ebd.);
    Christus am Kreuz, 1552 (ebd.);
    Kreuzabnahme Christi, 1548 (verschollen);
    Bildnis Friedrichs II. Pfalzgf. b. Rhein u. seiner Gemahlin Dorothea v. Dänemark, Kopie v. 1542 nach Original v. 1539/40 (Heidelberg, Kurpfälz. Mus.). – Holzschnitte: Türk. Stammbaum d. Sultans Suleiman, 1527 (Wynen, Kat. Nr. 62);
    Bildnis d. Hans Sachs, 1545 (ebd., Nr. 67);
    Ansicht d. Reichsstadt Regensburg, 1552 (ebd., Nr. 69);
    „Der Aderlaßmann“, 1555 (ebd., Nr. 75);
    Sänfte mit d. Kf. v. d. Pfalz v. 2 Pferden getragen u. begleitet v. 7 Hellebardieren, 1556 (ebd., Nr. 76);
    Bildnisse Friedrichs II. Pfalzgf. b. Rhein, 1544 (ebd., Nr. 77) u. d. Pfalzgfn. Dorothea, 1544 (ebd., Nr. 78).

  • Literatur

    ADB 24;
    J. R. Schuegraf, Lebensgeschichtl. Nachrr. üb. d. Maler u. Bürger M. O. in Regensburg, in: Verhh. d. Hist. Ver. 14, 1850, S. 1-76;
    A. Wynen, M. O. (um 1492-1559), Ein Regensburger Maler d. Ref.zeit, Diss. Düsseldorf 1961 (ungedr.);
    W. Pfeiffer, Die Zeichnungen M. O.s am Kirchenmodell d. Schönen Maria zu Regensburg, in: Pantheon 24, 1966, S. 378-87;
    G. Stahl, Die Wallfahrt z. Schönen Maria in Regensburg, in: Btrr. z. Gesch. d. Bistums Regensburg, II, 1968, S. 35-282;
    M. Geisberg, The German single-leaf woodcut 1500-1550, I-IV, 2. Ausg. hg. v. W. L. Strauss, 1974;
    M. Angerer (Hg.), Regensburg im MA, 1995;
    G. Frühinsfeld, O.s Ref.-altar f. d. Neupfarrkirche in Regensburg (1554/55), 1996;
    ThB;
    Dict. of Art;
    LGB2.

  • Autor/in

    Volkmar Greiselmayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Greiselmayer, Volkmar, "Ostendorfer, Michael" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 615 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118787292.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ostendorfer: Michael O., Maler und Zeichner für den Formschnitt, war, wie es scheint, in dem Städtchen Hemau in der Oberpfalz geboren und vielleicht zuerst in pfälzischen Diensten gestanden, ehe er nach Regensburg kam. Es ist charakteristisch, daß er einmal in einem Schreiben von seinem „gnädigen Fürsten Herzog Friedrich“ redet, er scheint sich als eine Art Unterthan desselben betrachtet zu haben. Dieser Fürst, Friedrich II. der Weise von der Kurpfalz, hatte ihn die Stadt Amberg auf Tuch abkonterfeien lassen, wofür der Künstler 50 Gulden erhielt (Brief Ostendorfer's an Dr. Joh. Hiltner, am Palmabend 1553). Wie dem sein mag, unser Maler erscheint zuerst im J. 1519 in einer Kirchenrechnung über den Bau der Kapelle zur schönen Maria als Maler und Meister. Offenbar war er damals schon Bürger und vielleicht, wie Schuegraf hinzufügt, auch verheirathet. Seine erste Frau hieß Anna Wechin und war die Tochter eines Kürschners. Er erhielt mehrere Söhne von ihr und eine Tochter Dorothea. Im J. 1528 erkauften die Ehegatten von Lienhard Wolfsmüller Haus und Hofstatt in der Schreinergasse (heutzutage Pfarrergasse) um 15 Gulden Rheinisch; es kann also nur ein kleines Anwesen gewesen sein. Damals warm des Künstlers Verhältnisse offenbar, wenn auch nicht glänzend, doch erträglich; mit Anfang der fünfziger Jahre, vielleicht schon beträchtlich früher, erscheinen sie als wahrhaft bejammernswerth. An den Kaufmann Michael Straßer hatte O. eine Schuld von 19 Gulden, welche er auf dessen Klage hin laut Rathsprotokoll vom Januar 1550 in drei Fristen bereinigen mußte. Eine andere kleinere hatte er an einen gewissen Vogel, der ihm 1555 für die Hochzeit der Dorothea Geld vorgestreckt hatte. Im J. 1550 starb Frau Anna, und das Inventar, welches am 9. December d. J. der Stadtschreiber Nikolaus Dinzl aufnahm, beweist, wie gering damals ihre Habe gewesen war. Es scheint jetzt vollends bergab mit dem Maler gegangen zu sein und gar, als er sich wieder mit einem Weibe verheirathete, das aus den Acten als eine lüderliche Person erscheint; Mann und Frau trennten sich wieder. Noch dazu warf den Künstler die Gicht wiederholt aufs Krankenlager. Er fing an den Rath mit jämmerlichen Bettelbriefen zu bestürmen, sprach von seiner „Trübsal“, „Traurigkeit“ etc. und nannte sich den armen Michel. Der Magistrat that einiges für O., besonders auf Verwendung des genannten Rathsherrn Hiltner, des Gönners Michaels, und gewährte ihm im Mai 1556 die Aufnahme in das allgemeine Bruderhaus. Hier gefiel es O. gar nicht, da man ihn, wie er behauptet, darin in der Arbeit hindern wolle, er ersuchte am 23. Juli besagten Jahres um ein „kleines Pfründle“, damit er sich eine Herberge anschaffen könne. Ob er diese Pfründe erhielt, Wissen wir nicht, wol aber existirt über das Gesuch ein Gutachten der Almosenpfleger, das den Künstler von der unvortheilhaftesten Seite schildert; es spricht von seiner Unruhe. Unbotmäßigkeit, Zanksucht, Frechheit, leichtfertigen Verschwendung etc. Es scheint in der That, daß O. mit schuld an seiner traurigen Lage war, daß er gern trank und, wenn er Geld hatte, nicht arbeiten wollte. Freilich trugen auch die damals bereits herabgekommenen Verhältnisse Regensburgs sicher das Ihrige dazu bei. Anfangs December 1559 starb der Aermste; das am 14. December aufgenommene Inventar, seines Nachlasses entrollt begreiflicher Weise ein jämmerliches Bild.

    O. war unstreitig ein Künstler von Talent, es erhellt dies mehr noch aus seinen Holzschnitten als aus seinen Gemälden, obwol die letzteren auch deutliche Spuren verrathen, daß der Maler, wenn er sich zusammen nahm, etwas Vorzügliches leisten konnte. Mangel an sittlicher Zucht und die gesunkenen Verhältnisse der Reichsstadt an der Donau mögen beigewirkt haben, daß aus O. das nicht wurde, was man zu erwarten berechtigt war. Uebrigens war seine Kunst bereits veraltet, die italienische Manier beherrschte mehr und mehr die deutsche Formgebung und O. stand ihr fast gleichgültig gegenüber. So blieb er ein Ausläufer der Richtung Altdorfer's, jedoch ohne dessen Feinheit und eingehendes Studium, von der poetischen Ader Altdorfer's gar nicht zu reden. Ostendorfer's Farbe ist meist ohne Sorgfalt behandelt und nachgedunkelt, seine Figuren ohne Genauigkeit gezeichnet, seine Gesichter ohne tieferen seelischen Ausdruck. Gemälde finden sich von ihm u. a. zu Nürnberg im germanischen Museum, Köln (Judith von 1530), München (Darstellung aus der Apokalypse, wenig erfreulich), Schleißheim (Bildniß des Herzogs von Baiern Albrecht V. vom Jahre 1543; Christus am Kreuze vom Jahre 1552; vgl. über dieses Bild W. Schmidt in der Zeitschrift für bildende Kunst II, 245) und Regensburg. An letzterem Orte ist besonders das ehemalige Altarblatt der neuen Pfarrkirche bemerkenswerth, wofür der Künstler die Bestellung Ende 1553 vom Stadtrathe empfing und das Ende September 1555 in der Hauptsache vollendet war. Es ist charakteristisch für die Beziehungen unseres Künstlers zur Reformation, übrigens ein ziemlich rohes Werk. Was die Holzschnitte Ostendorfer's anbelangt, so sind besonders die zwei prächtigen großen Blätter bemerkenswerth, welche die Wallfahrt zur alten Kirche zur schönen Maria in Regensburg und die Ansicht der neuen Kirche zur schönen Maria, wie sie werden sollte, darstellen (für das letztere erhielt der Künstler im J. 1520 von der Kirchenverwaltung die Summe von 12 Gulden). Diese beiden Schnitte gehören offenbar zu den schönsten xylographischen Erzeugnissen der Periode. Roher sind andere Blätter, z. B. die 24 Illustrationen zu dem (protestantischen) Katechismus des Nik. Gallus, 1554. Ebensowenig erreicht der sonst recht kräftige Holzschnitt mit der Reise des Kurfürsten Otto Heinrich vom Jahre 1556 jene ersten Werke. Wir können hier unmöglich die Xylographien des Meisters beschreiben, wir müssen in dieser Beziehung auf Nagler's Monogrammisten IV, Nr. 2024 verweisen, die ein vollständigeres Verzeichniß als Bartsch und Passavant bringen.

    • Literatur

      Ueber die Lebensverhältnisse Ostendorfer's siehe die Monographie von J. R. Schuegraf im 14. Band der Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensburg, 1850.

  • Autor/in

    Wilh. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Ostendorfer, Michael" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 507-508 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118787292.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA