Witzleben, Erwin von

Lebensdaten
1881 – 1944
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall ; Widerstandskämpfer ; Soldat ; Offizier ; General
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118992775 | OGND | VIAF: 10646105
Namensvarianten

  • Witzleben, Job Wilhelm Georg Erwin Hertmann von
  • Witzleben, Erwin von
  • Witzleben, Job Wilhelm Georg Erwin Hertmann von

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Zitierweise

Witzleben, Erwin von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118992775.html [29.01.2026].

CC0

  • Witzleben, Job Wilhelm Georg Erwin von

    | Generalfeldmarschall, * 4.12.1881 Breslau, † (hingerichtet) 8.8.1944 Berlin-Plötzensee. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Georg (1838–96), aus Ober-Poppschütz b. Neustädtel (Schlesien), preuß. Hptm., S d. Heinrich (1803–62), preuß. Oberst, Rechtsrr. d. Johanniterordens, u. d. Marianne Karoline Rosalie v. Tarrach (1817–87);
    M Therese Brandenburg (1843–1925), aus Klenz b. Demmin;
    Urur-Gvv Albrecht Ernst Heinrich (1717–1761);
    Ur-Gvv Job Wilhelm (1753–1824);
    Tante-v Auguste (1837–1907);
    Chemnitz 1907 Elsa (Else) (1885–1942), aus Chemnitz, T d. Friedrich Richard Kleeberg (1841–1908), aus Lüttnitz b. Mügeln (Sachsen), u. d. Alma Auguste Funke (1849–1918), aus Chemnitz;
    1 S Job Wilhelm (1909–1994, Anna Maria Winter, 1904–97, 1] Fritz Vietta), Dipl.-Ing., 1 T Edelgarde (1908–2009, Hans Reimer,* 1899, auf Hegehof b. Tilsit);
    Verwandte Margarethe (s. 1).

  • Biographie

    W. besuchte 1891–96 die Vor-Kadettenanstalt in Wahlstatt (Schlesien) und 1896–1901 die Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin. 1901 wurde er Leutnant im Grenadierregiment König Wilhelm I. (2. Westpreuß.) in Liegnitz, einem Regiment mit fast ausschließlich adeligem Offizierskorps (1910 Oberlt.).

    Im Okt. 1914 zum Hauptmann befördert, diente er hauptsächlich an der Westfront als Kompaniechef, Bataillonsführer und in Generalstabsverwendungen. Nach Kriegsende wurde er mit seinem Regiment zeitweise im schles. Grenzschutz eingesetzt, dann als Generalstabsoffizier in die Reichswehr übernommen.

    Während seiner Zeit als Ausbilder in den getarnten Generalstabslehrgängen in Dresden befreundete er sich u. a. mit Hans Oster (1887–1945); er lernte dort auch Ludwig Beck (1880–1944) und Friedrich Olbricht (1888–1944) kennen. 1923 wurde W. Major, 1929 als Bataillonskommandeur in Lübeck Oberstleutnant. Ab 1930 Chef des Stabs des Wehrkreises VI (6. Division) in Münster und Oberst, übernahm er 1931 als Kommandeur das 8. (Preuß.) Infanterieregiment in Frankfurt/O., 1934 wurde er Kommandeur der 3. Division (später III. Armeekorps) und Befehlshaber im Wehrkreis III (Berlin) (1934 Gen.major, 1935? Gen.lt.).

    Hitler und dem Nationalsozialismus stand W. ambivalent gegenüber: Er begrüßte zwar das Ende der inneren Unruhen und die beginnende Aufrüstung durch das NS-Regime, fand aber die Methoden der Nationalsozialisten abstoßend; sie widersprachen auch seiner tiefen protestantischen Frömmigkeit. Ein Schlüsselerlebnis war für ihn die Ermordung zweier Reichswehr-Generale im Zuge des „Röhm-Putsches“ 1934. Nach außen hin zeigte er sich der NS-Regierung gegenüber loyal.

    Die Gewaltmaßnahmen des Regimes gegen Juden lehnte er ab.

    W., der unter Magenkrebs litt und sich 1938 einer größeren Operation unterziehen mußte, war ab 1937 an oppositionellen Bestrebungen beteiligt, 1938 auch an Planungen einer Gruppe um Generaloberst Ludwig Beck und General der Artillerie Franz Halder (1884–1972), den erwarteten Kriegsausbruch während der Sudetenkrise als Anlaß für einen Militärputsch zu nehmen. 1936 General der Infanterie, übernahm W. im Winter 1938/39 die Führung der Heeresgruppe 2 im Westen mit Dienstsitz in Frankfurt/M. (Gen.oberst).

    Als Oberbefehlshaber der 1. Armee, die im Mai/Juni 1940 die Maginotlinie überwand, wurde W. im Juli zum Generalfeldmarschall ernannt. Im Okt. 1940 übernahm er den Oberbefehl über die in Frankreich stationierte Heeresgruppe D und wurde in dieser Eigenschaft zum 1.5.1941 auch Oberbefehlshaber West. In dieser Verwendung blieb er auch während des dt. Angriffs auf die Sowjetunion, war aber weiterhin an konspirativen Planungen gegen Hitler und das NS-Regime beteiligt.

    Im März 1942 wurde W., vorgeblich aus Gesundheitsgründen, v. a. aber wohl wegen seiner kritischen Haltung gegenüber Hitlers Politik, in die Führerreserve versetzt und danach nicht wieder im aktiven Dienst verwendet.

    Ab Frühjahr 1943 sah der nationalkonservative Widerstand um Beck und Carl Friedrich Goerdeler (1884–1945) W. bei einem Staatsstreich als Oberbefehlshaber der Wehrmacht vor. In dieser Eigenschaft erschien er am Abend des 20. Juli 1944 kurz im Bendlerblock. Am nächsten Morgen wurde er verhaftet und vermutlich gefoltert. Am 7. und 8.8.1944 verhandelte der Volksgerichtshof unter Vorsitz Roland Freislers (1893–1945) gegen W. Am Abend des 8. Aug. 1944 wurde W. in Berlin-Plötzensee gehenkt, als einziger|Generalfeldmarschall, der wegen Beteiligung am Attentatsversuch des 20. Juli hingerichtet wurde. Vorher hatte ihn Hitler auf Vorschlag des eigens eingerichteten „Ehrenhofs des Heeres“ aus der Wehrmacht ausgestoßen.

  • Auszeichnungen

    |E. K. II. Kl. (1914), I. Kl. (1916), Rr.kreuz (1941);
    bayer. Mil.-Verdienstorden 4. Kl. mit Schwertern (1918);
    Verwundetenabzeichen in Schwarz (1918);
    reuß. Ehrenkreuz III. Kl. mit Krone u. Schwertern (1918);
    Ehrenrr. (1920) u. Rechtsrr. (1931) d. Johanniterordens.

  • Literatur

    |K.-J. Müller, W., Stülpnagel, Speidel, Offiziere im Widerstand, 1988;
    G. Mueller, in: G. R. Ueberschär (Hg.), Hitlers mil. Elite, Bd. 1, 1998, S. 265–71;
    Georg v. Witzleben, „Wenn es gegen d. Satan Hitler geht …“, E. v. W. im Widerstand, 2013 (P).

  • Porträts

    |Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Winfried Heinemann
  • Zitierweise

    Heinemann, Winfried, "Witzleben, Job Wilhelm Georg Erwin von" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 362-363 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118992775.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA