Lebensdaten
1874 bis 1945
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118519522 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cassirer, Ernst Alfred
  • Cassirer, Ernst
  • Cassirer, Ernst Alfred
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Zitierweise

Cassirer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118519522.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Eduard(1844-1916), Kaufm., S des Markus ( 1880) u. der Jeanette Steinitz;
    M Jenny (1850–1904), T des Siegfr. Cassirer (1812-97 [Gvm v. 1]), außergewöhnlich interessiert für Philos., u. der Henriette Fischer;
    Ov Max (1857–1943), Kaufm. u. Zellstoffindustrieller, Stadtrat v. Berlin-Charlottenburg;
    Schw Hedwig ( Richard [s. 4]);
    Vt Bruno s. (1), Paul (s. 3), Rich. s. (4), Kurt Goldstein (* 1878), Prof. der Neurologie in Frankfurt/Main, dann Leiter der neurologischen Abt. der Charité in Berlin, 1933 (?) emigriert, Dozent u. Arzt in New York; Cousine Edith ([T des Max] ⚭ Paul Geheeb [* 1870], Gründer u. Leiter der Odenwaldschule in Oberhambach b. Heppenheim/Bergstraße u. der Ecole d'Humanité in Goldern, Berner Oberland);
    1902 Toni, T des Otto Bondy, Begr. der 1. österr. Kabelfabrik in Wien, u. der Julie C. (Schw v. Ernsts V Eduard);
    2 S,1 T, u. a. Heinr. Walter (* 1903), Philosoph in Glasgow.

  • Leben

    Die philosophische Ausbildung, die C. bei Hermann Cohen in Marburg empfing, war entscheidend für die Entwicklung seiner Philosophie. Bei aller Selbständigkeit, mit der er bald seinen Lehrern gegenübertrat, blieb er nach Methode und philosophischer Grundüberzeugung ein Vertreter des Neukantianismus Marburger Prägung. 1899 promovierte er mit einer Dissertation über Descartes und erarbeitete sich damit die Grundlage zu seiner ersten bedeutenden Veröffentlichung, „Leibniz' System“ (1902), wie auch zu der sehr viel späteren bahnbrechenden Untersuchung über die Renaissance-Philosophie („Individuum und Kosmos“, 1927). Die Habilitation an der Universität Berlin, der zunächst Widerstände in den Weg gelegt wurden, glückte dank Wilhelm Dilthey, der die Begabung des jungen Gelehrten erkannt hatte. 1919 folgte ein Ruf an die neugegründete Universität Hamburg, wo C. eine fruchtbare Lehrtätigkeit entfaltete. Sein Einfluß reichte weit über Fachkreise hinaus und erstreckte sich besonders auf das von Aby Warburg begründete, später nach London emigrierte Warburg-Institut. 1933 ging C. ins Ausland, verweilte zwei Jahre als Gast an der Universität Oxford und wirkte dann 1935-1941 als Professor an der Universität Göteborg. 1941 wurde er Gastprofessor an der Yale-Universität, 1944 Gastprofessor an der Columbia-Universität in New York. Auch in den Jahren seiner Emigration versiegte die reiche Produktion C.s nicht. Durch seine in englischer Sprache veröffentlichten Werke wirkte er auf die erkenntnistheoretische und philosophiegeschichtliche Forschung in den angelsächsischen Ländern ein.

    Das 1910 erschienene Werk “Substanzbegriff und Funktionsbegriff“ enthält das erkenntnistheoretische Programm von C.s Lebenswerk. An die Stelle des Denkens im Stile der traditionellen Methaphysik, das von seienden Wesenheiten, von Substanzen, ausgeht, tritt die Analyse funktioneller begrifflicher und allgemein struktureller Erzeugungszusammenhänge. Die Wirksamkeit dieser Strukturanalyse wird zunächst durch Anwendung auf die Fragen der Erkenntnistheorie und der Methodologie der Naturwissenschaften erwiesen und zugleich wird, auf Grund einer umfassenden historischen Gelehrsamkeit, ihre Verwurzelung in der Geschichte der Philosophie dargetan. Die Ergebnisse dieser Grundlageforschung sind in zahlreichen Einzeluntersuchungen niedergelegt, vor allem aber in dem großen Werk über das Erkenntnisproblem, dessen Erscheinen 1906 begann und das 1937 in der Emigration vollendet wurde. Die eigentümliche Leistung C.s bestand jedoch vor allem darin, daß er, ausgerüstet mit der Sensibilität und Gelehrsamkeit eines echten Vertreters der Geisteswissenschaft, über das von dem Neukantianismus bestellte Forschungsfeld hinausgriff und seine zu äußerster Biegsamkeit entwickelte Methode auf die Produktionen des Menschen überhaupt, auf die Sprache, den Mythos, das Kunstwerk und das staatliche Leben anwandte - auf alle die Formen, in denen sich der Geist „symbolisch“ darstellt. Das wichtigste Denkmal dieser philosophischen Leistung ist die „Philosophie der symbolischen Formen“. In diesem Werk zeigt sich C.s Philosophie in ihrer reifen und umfassende Gestalt: als eine Erweiterung des kritischen Idealismus zu einer Philosophie vom schöpferischen Geist und vom Menschen als einem symbolschaffenden Wesen.

  • Werke

    Weitere W Das Erkenntnisproblem in d. Philos. u. Wiss. d. neueren Zeit I, 1906, 31922, II, 1907, 31922, III, 1920, 21923, IV, 1937;
    Freiheit u. Form, 1916;
    Kants Leben u. Lehre, 1918;
    Idee u. Gestalt, 1921;
    Zur Einsteinschen Relativitätstheorie, 1921;
    Die Philos. d. Aufklärung, 1932, in: Grundriß d. philos. Wiss., hrsg. v. F. Medicus;
    The Myth of the State, dt. Übers, v. F. Stoessl, Zürich 1949.

  • Literatur

    A. Jospe, Die Unterscheidung v. Mythos u. Rel. b. Herm. Cohen u. E. C., 1932;
    Philosophy of E. C., hrsg. v. P. A. Schilpp, Evanston/Ill. 1949 (Bibliogr.);
    Ueberweg IV;
    Ziegenfuß I (W).

  • Portraits

    in: H. Leisegang, Dt. Philos. im 20. Jh., 1928;
    W. Weygandt, Die Univ. Hamburg in Wort u. Bild, 1927.

  • Autor/in

    Helmut Kuhn
  • Empfohlene Zitierweise

    Kuhn, Helmut, "Cassirer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 168-169 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118519522.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA