Lebensdaten
1906 bis 1945
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Flossenbürg
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Pfarrer ; Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118513214 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bonhoeffer, Dietrich
  • Bon hoe peo
  • Boncheffer, Ditrich
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Zitierweise

Bonhoeffer, Dietrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513214.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Familie ist seit 1513 in Schwäbisch Hall nachweisbar, entfernt verwandt ist der Philosophiehistoriker und Leiter der Landesbibliothek Stuttgart Adolf Friedrich Bonhoeffer (1859–1919);
    V Karl (1868–1948), Professor für Psychiatrie und Neurologie in Königsberg, Breslau und Berlin, beschrieb 1897 die nach ihm benannte „Bonhoeffersche Zeichen“ und arbeitete u. a. 1936 über „Die Erbkranken“, „Die akuten und chronischen choreatischen Erkrankungen und die Myoclonien“, S des Landgerichtspräsidenten Otto und der Julie Tafel;
    M Paula, T des Kirchenhistorikers Karl von Hase (1800–90) und der Klara, T des Landschaftsmalers Stanislaus Graf Kalckreuth (1820–94); 3 B, 4 Schw, u. a. Karl Friedrich (1899–1957), Chemophysiker (s. Wi 1955), Klaus, Rechtsanwalt, Syndikus der Lufthansa, Widerstandskämpfer, hingerichtet 23.4.1945, Christine (⚭ Hans von Dohnányi, hingerichtet April 1945, Widerstandskämpfer).

  • Leben

    Nach dem Studium der Theologie in Tübingen und Berlin promovierte B. 1927 mit einer Arbeit über die Communio Sanctorum. Nach seinem Vikariat in Barcelona (1928) und in Berlin-Wedding habilitierte er sich 1929 mit einer Arbeit über „Akt und Sein“. Er verbrachte anschließend ein Studienjahr am|Union Theological Seminary in New York (1930) und war seit 1931 Privatdozent an der Universität und Studentenpfarrer an der TH Berlin. 1933 wurde er Pfarrer an zwei deutschen Gemeinden in London und nahm 1934 als Leiter der deutschen Jugenddelegation an der oekumenischen Tagung in Fanö teil. Nachdem er 1935 ein illegales Predigerseminar der Bekennenden Kirche in Zingst (später Finkenwalde) übernommen hatte, wurde ihm 1936 die Venia legendi entzogen. 1939 kehrte er von einer Vortragsreise durch Amerika kurz vor Kriegsausbruch nach Deutschland zurück. 1940 wurde das Predigerseminar geschlossen und bald darauf über B. Rede- und Schreibverbot verhängt. Er war dann wissenschaftlich tätig und mit besonderen Aufträgen der Bekennenden Kirche beschäftigt. Im Mai 1942 traf er sich in Schweden mit dem Bischof von Chichester als Vertreter der deutschen Opposition; er bat ihn, festzustellen, ob die Alliierten mit einer neuen vertrauenswürdigen deutschen Regierung ohne bedingungslose Kapitulation Frieden zu schließen bereit seien. B. wurde am 5.4.1943 verhaftet und war bis 8.10.1944 im Militärgefängnis Tegel, wurde dann in das Gestapogefängnis in der Prinz-Albrechtstraße und die Konzentrationslager Buchenwald, Schönberg und Flossenbürg gebracht.

    Als einer der hervorragendsten Repräsentanten der Erneuerung des Glaubens in den protestantischen Kirchen verband B. die Einsicht in die geistige Situation seiner Zeit mit einer wirklichkeitsgerechten Besinnung auf Bedeutung und Konsequenzen des Glaubens an Christus: die Nachfolge Christi setze voraus, daß der Mensch seine Diesseitigkeit nicht zu überwinden versucht, sondern in ihr und zu ihr steht. So wurde B. nicht nur ein einflußreicher Lehrer der jungen Theologengeneration und der „eigentliche Dolmetscher des oekumenischen Anliegens der Bekennenden Kirche“ (W. Niemöller), sondern auch ein aktiver Gegner des Nationalsozialismus. Er hatte erkannt, daß der eigentliche Rechtstitel zum Widerstand gegen Hitler nicht aus politischer, sondern aus christlicher Verantwortung zu gewinnen war. „Hitler ist der Antichrist. Wir müssen daher weitergehen mit unserer Arbeit und ihn ausmerzen, einerlei ob er erfolgreich ist oder nicht.“

  • Werke

    Schöpfung u. Fall, 1934;
    Die Bekennende Kirche u. d. Oekumene, in: Ev. Theol., 1935;
    Zur Frage nach d. Kirchengemeinschaft, ebenda, 1936;
    Die Nachfolge, 1937 (engl. 1948);
    Gemeinsames Leben, 1938 (franz. 1947, holländ. 1952, engl. 1954);
    Das Gebetbuch d. Bibel, 1940 (1953 mit Lb.);
    Auf d. Wege z. Freiheit, Gedichte aus Tegel, 1946;
    Ethik, 1949;
    Widerstand u. Ergebung, Briefe u. Aufzeichnungen aus d. Haft, 1951 (engl. 1953 u. 1954);
    Versuchung, 1953.

  • Literatur

    Das Zeugnis eines Boten, Zum Gedächtnis v. D. B., hrsg. v. d. oekumen. Komm. f. d. Pastoration d. Kriegsgefangenen, Genf, 1945;
    In memoriam D. B., 1946;
    H. B. Gisevius, Bis z. bitteren Ende, Zürich 1946;
    U. v. Hassell, Vom anderen Dtld., 1946;
    G. K. A. Bell, The Church and Humanity 1939–46, London 1946;
    Bonhoeffer Gedenkh., 1947;
    H. Rothfels, Dt. Opposition gegen Hitler, 1949;
    F. Laubscher, D. B., d. Bußprediger u. Märtyrer, in: Schriftenreihe „Gotteszeugen“, 1953;
    E. Zeller, Geist d. Freiheit, 1952, 21954. - Zu V Karl: Die Naturwiss. 36, 1949, S. 257.

  • Portraits

    A. Leber, Das Gewissen steht auf, 1954, S. 191.

  • Autor/in

    Hans Buchheim
  • Empfohlene Zitierweise

    Buchheim, Hans, "Bonhoeffer, Dietrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 443-444 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118513214.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA