Lebensdaten
1852 bis 1938
Geburtsort
Sankt Gallen (Schweiz)
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118607928 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlatter, Adolf (bis 1912)
  • Schlatter, A.
  • Schlatter, Ad.
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Zitierweise

Schlatter, Adolf von, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118607928.html [28.08.2016].

CC0

Schlatter, Adolf von (württembergischer Personaladel 1912)

evangelischer Theologe, * 16.8.1852 Sankt Gallen (Schweiz), 19.5.1938 Tübingen, Tübingen, Stadtfriedhof.

  • Genealogie

    V Stephan (1805–80, ev.-freikirchl.), Apotheker, später Kaufm. in St. G., dort Mitbegr. e. freien ev. Gde., S d. Hector (1766–1842), Kaufm., u. d. Anna Bernet (1773–1826), aus St. G., theol. Schriftst. (s. HBLS; Friedrichs; Kosch, Lit.-Lex.3; Schweizer Lex.; NDB III* u. 17*); M Wilhelmine (1819–94, ev.), T d. Caspar Steinmann (1781–1822), Kaufm., u. d. Klara Bernet; Ov Johann Jakob (1808–79), Farmer in Kansas, dann Bauer in St. G.; Schw Dora (1855–1915, Salomon Schlatter, 1858–1923, Architekt, s. ThB), Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.3); – 1878 Susanna (1856–1907), T d. Johannes Schoop (1808–65), Kaufm. in Dozwil, u. d. Barbara Anderer (1821–62); 2 S Theodor (1885–1971), Pfarrer in T., Dozent in Bethel, Dekan in Esslingen, Prälat in Ludwigsburg, Paul (1888–1914 ⚔), 3 T Hedwig (1887–1946), Dora (1890–1969), Ruth Hinderer (1893–1962); Vt 2. Grades Wilhelm (1865–1943), Pfarrer, Lehrer, Sekr. d. Ev. Ges. d. Kt. Bern, Kirchenhist. in St. G. (s. Schweizer Zeitgenossen-Lex., 1932; Neue Schweizer Biogr., 1938); Cousine 2. Grades Louise (1861–1933, Franz Rendtorff, 1860–1937, ev. Theol., o. Prof. d. Prakt. Theol. u. d. NT in Leipzig, Geh. Kirchenrat, Domherr d. Hochstifts Meißen, Präs. d. Gustav-Adolf-Ver., Dr. h. c., s. NDB 21 Fam.art); Verwandte  Adolf Zahn (1834–1900), Lic. et Dr. theol., ev. Pfarrer in Halle, Elberfeld u. Stuttgart, Schriftst. (s. BJ V, Tl.; BBKL),  Theodor Zahn (1838–1933), Prof. f. NT in Göttingen, Kiel, Leipzig, Erlangen, Johannes Burckhardt (1853–1914), ev. Theol. in Berlin, Begr. d. Ev. Reichsverbandes weibl. Jugend (s. NDB III), Ernst Meumann (1862–1915), Prof. d. Psychol. in Zürich, Königsberg (Pr.), Münster, Halle, Leipzig u. Hamburg (s. NDB 17).

  • Leben

    Einem konfessionell gemischten Elternhaus entstammend, studierte S. nach dem Schulbesuch in St. Gallen ev. Theologie, Philosophie und Arabisch in Basel (1871–73, 1874-75) und Tübingen (1873–74), wo ihn v. a. der biblizistische Theologe Johann Tobias Beck (1804–78) im Sinne einer konsequent biblisch verankerten Theologie beeinflußte. Im Anschluß an die Ordination in St. Gallen 1875 wirkte er als Pfarrer in Kilchberg, Neumünster und Kesswil. Theologisch (v. a. in ethischer Hinsicht) und philosophisch prägend wurde für ihn in dieser Zeit die Beschäftigung mit dem kath. Philosophen Franz v. Baader (1765–1841). 1880 erwarb S. durch seine Studie „Johannes der Täufer“ (gedr. 1956) den Grad des lic. theol., habilitierte sich auf Bitten pietistischer Kreise in Bern und wirkte hier seit 1881 als Privatdozent für Neues Testament und Dogmengeschichte und seit 1888 als ao. Professor für neutestamentliche und systematische Theologie. Seit 1888 lehrte er als o. Professor für Neues Testament an der Seite seines Freundes, des luth. Systematikers Hermann Cremer (1834–1903), in Greifswald. Als indirekte Folge des „Apostolikumstreits“ wurde er 1893 auf Drängen kirchlicher Kreise zum Professor für systematische Theologie nach Berlin berufen, wo er trotz gegensätzlicher Positionen mit Adolf v. Harnack (1851–1930) in kollegialer Freundschaft verbunden war. 1898 wechselte er als Professor für Neues Testament nach Tübingen und prägte ganze Pfarrergenerationen im Sinne einer biblischen und lebensnahen Theologie. 1930 beendete S. seine Lehrtätigkeit. In seinem letzten größeren Werk, dem Andachtsbuch „Kennen wir Jesus?“ (1937, 41984, japan. 1985), warnte S. die Kirche nachdrücklich vor der NS-Ideologie.

    S.s Werke haben ihren Schwerpunkt im Bereich der Exegese des Neuen Testaments und der systematischen Theologie (Dogmatik u. Ethik). Als Pionier in der Erforschung des neutestamentlichen Judentums verband S. historisch-philologische Akribie mit theologischer Interpretation, die außer der Vielfalt des Neuen Testaments v. a. dessen innere Einheit herausarbeitete. Dieser Ansatz bestimmte sein bahnbrechendes Erstlingswerk „Der Glaube im Neuen Testament“ (1885, 61982) sowie „Die Theologie des Neuen Testaments“ (2 Bde., 1909/10, 41984, engl. Übers. 1997/99), seine „Erläuterungen zum Neuen Testament“ (1887-1910, Neuausg. 1961–65, 31987, japan. 1976) und seine Kommentare zum Neuen Testament (1929–37, Neudr. 1975–91), die z. T. Klassiker der Schriftauslegung wurden. Seine systematische Theologie versuchte eine Synthese von biblischer Wahrheit und „empirischer“ (d. h. in Wahrnehmung begründeter) Erkenntnis: Diesem Ziel waren v. a. „Das christl. Dogma“ (1911, 41984), „Die christl. Ethik“ (1914, 41984) und seine 1915 abgeschlossene „Metaphysik“ (Erstdr. hg. v. W. Neuer, in: Zs. f. Theol. u. Kirche, 1987, Beih. 7) verpflichtet. Sein über 400 Titel umfassendes (publiziertes) Gesamtwerk enthält für seine Zeit ungewöhnliche ökumenische Perspektiven und beeinflußte zahlreiche Theologen (z. B. Paul Althaus, Karl Holl, Dietrich Bonhoeffer, Adolf Köberle) und Bischöfe (z. B. Theophil Wurm, Friedrich v. Bodelschwinghd. J. , Julius Bender u. Kurt Scharf) und fand über die wissenschaftliche Welt hinaus in beachtlichem Maß Anklang bei der glaubenden Gemeinde.

  • Auszeichnungen

    Ehrenkreuz d. Ordens d. württ. Krone (1912); Wilhelmskreuz (1917); Dr. phil. h. c. (Berlin 1932); Gedenktafel am Geburtshaus in St. Gallen; Adolf-Schlatter-Stiftung, Stuttgart (seit 1965).

  • Werke

    Weitere W Israels Gesch. v. Alexander d. Gr. bis Hadrian, 1901, 41972;  Die phil. Arb. seit Cartesius, 1906, 61981;  Die Gesch. d. ersten Christenheit, 1926, 61986;  Die Gründe d. christl. Gewißheit, Das Gebet, 1927, 21998;  Andachten 1927, 51981;  Der Dienst d. Christen, Btrr. z. e. Theol. d. Liebe, hg. v. W. Neuer, 1991, 22002;  Die Bibel verstehen, Aufss. z. bibl. Hermeneutik, hg. v. dems., 2002;  Glaube u. Wirklichkeit, Aufss., hg. v. J. v. Lüpke, 2002;  – Autobiogr.: Erlebtes, 1924, 51929 (P);  Die Rel.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst., hg. v. E. Stange, 1925, I, S. 145-71 (P);  Rückblick auf meine Lebensarb., 1952, 21977 (P); Hg.: u. a. Btrr. z. Förderung christl. Theol., 1897-1938;  – Bibliogr.: Das Schr.tum A. S.S, hg. v. d. A.-S.-Stiftung, o. J. [1980];  W. Neuer, A. S., 1996, S. 853-79;  |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Landeskirchl. Archiv Stuttgart.

  • Literatur

    I. Kindt, Der Gedanke d. Einheit, A. S.s Theol. u. ihre hist. Voraussetzungen, 1978;  K. Bockmühl u. a. (Hg.), Die Aktualität d. Theol. A. S.s, 1988;  J. v. Lüpke, Gottes Gaben wahrnehmen, Grundmotive d. Theol. A. S.s, in: Wort u. Dienst, Jb. d. Kirchl. Hochschule Bethel 27, 2003, S. 277-92;  W. Neuer, Der Zus.hang v. Dogmatik u. Ethik bei A. S., 1986;  ders., A. S., 1988 (Pengl. u. korean. Überss.);  ders., in: S. Leimgruber u. a. (Hg.), Gegen d. Gottvergessenheit, 1990, S. 184-205;  ders., A. S., Ein Leben f. Theol. u. Kirche, 1996 (P);  F. Neugebauer, in: Theol. Lit.ztg. 122, 1997, S. 769-83;  J. Walldorf, Realist. Philos., Der phil. Entwurf A. S.s, 1999;  H.-M. Rieger, A. S.s Rechtfertigungslehre u. d. Möglichkeit ökumen. Verständigung, 2000;  P. Stuhlmacher, A. S.s Theol. d. NT, in: Zs. f. Theol. u. Kirche 100, 2003, S. 261-79;  J. E. MacNutt, A. S. and the Jews, in: German studies review 26/2, 2003, S. 353-70;  TRE 30 (W, L)LThKRGGBBKL (W, L)Kosch, Lit.-Lex.3Schweizer Lex. (P).

  • Autor

    Werner Neuer
  • Empfohlene Zitierweise

    Neuer, Werner, "Schlatter, Adolf von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 27-28 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118607928.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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