Lebensdaten
1902 bis 1988
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119251213 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pächt, Otto

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Zitierweise

Pächt, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119251213.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V David (1869–1960), Textilfabr. in W., S d. Samuel u. d. Elke Jawetz;
    M Josephine (1876–1952), T d. Josef Freundlich u. d. Johanna Herlinger;
    London 1940 Jeanne (1902–71), T d. Kaufm. Constantine Michalopoulos u. d. Hyacinthe Messinesi;
    1 S Michael (* 1942), Buchhersteller u. Lektor in München.

  • Leben

    Aufgewachsen in großbürgerlichen Verhältnissen, studierte P. seit 1920 Kunstgeschichte und Archäologie an der Univ. Wien u. a. bei Max Dvořák und Karl Maria Swoboda. Während eines kurzen Berlinaufenthalts hörte er auch bei Wilhelm Pinder, Max Weber und Adolph Goldschmidt; 1925 schloß er seine Studien mit der Promotion bei Julius v. Schlosser ab. Seine Kritik an der Disziplin und ihrer Methodik brachte er 1926-28 in seine Mitarbeit an den „Kritischen Berichten“ ein, 1931-33 als Herausgeber der „Kunstwissenschaftlichen Forschungen“. Sein Verhältnis zu den Altmeistern der Wiener Kunstgeschichte war dabei ambivalent. Obwohl der Kennerschaft zutiefst verhaftet, mußte diese seiner Ansicht nach doch durch methodische Reflexion und eine ausführliche Strukturanalyse fundiert werden. 1933 habilitierte er sich in Heidelberg bei August Grisebach mit einer Arbeit über „Gestaltungsprinzipien in der westlichen Malerei des 15. Jh.“. Hier und in seinen Zeitschriftenbeiträgen erweiterte er wegweisend den Begriff der Gestaltungsprinzipien und forderte eine streng wissenschaftliche Beschreibung der Originale sowie ihre auch methodisch fundierte Untersuchung.

    Begegnungen u. a. mit Karl Jaspers, Robert Musil und Oskar Kokoschka, die die Zeichen der Zeit zu deuten wußten, ließen für ihn, mitten im kulturellen Leben jener Zeit beheimatet, 1936 eine Übersiedelung nach England unausweichlich erscheinen (1947 brit. Staatsbürger). Nach Gastvorlesungen an der Univ. London und Studien am Warburg Institute begann er – in enger Zusammenarbeit mit Francis Wormald –, einen Katalog der illuminierten Handschriften des Brit. Museums zu erstellen. Nach deren Evakuierung war er seit 1941 als Lecturer, seit 1952 als Senior Lecturer in Oxford tätig und widmete sich nun den illuminierten Handschriften der Bodleian Library. Ein Aufenthalt 1960 in Princeton, Institute for Advanced Studies, brachte ihn in persönlichen Kontakt mit Erwin Panofsky, dessen Ikonologie er bereits 1956 kritisch beleuchtet hatte. In „Methodisches zur kunsthistorischen Praxis“ (1977) und in „Ikonographie und Ikonologie“ (hg. v. E. Kaemmerling, 1979), entfaltete P. eine Reihe von Kritikpunkten, die sich gegen eine Auffassung des „Bildes als Schriftersatz“ richteten. Er warnte vor einer Konzentration des Forschungsinteresses auf vermeintliche intellektuelle Hintergründe, die von dem Künstler im Werk verborgen worden seien und nun durch Interpretation herausgelesen werden müßten. Vielmehr gehe es um eine präzise Analyse u. a. auch der Genese des Einzelobjektes.

    1963 folgte P. einer Einladung, nach Wien zurückzukehren, um die Nachfolge Swobodas am Kunstgeschichtlichen Institut zu übernehmen, und entfaltete dort bis zu seiner Emeritierung 1972 eine rege Vorlesungstätigkeit. Daneben bildete vor allem die Bearbeitung der Handschriften der Österr. Nationalbibliothek einen seiner Arbeitsschwerpunkte. Dabei schien ihm eine Kunstgeschichte ohne umfassendes Wissen der biographischen Hintergründe oft die größere Aufmerksamkeit für das Original zu garantieren. Doch auch die entwicklungsgeschichtliche Stellung eines Künstlers, seine Originalität und Qualität waren von besonderem Interesse. Dank seinem Ethos einer unablässigen Suche nach Primärquellen und Erklärungen für künstlerische Veränderungen hat P. Teil an einer bis heute andauernden Debatte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. Oxford (1971); Mitgl. d. Brit. (1956) u. Österr. Ak. d. Wiss. (1967); Ordre Nat. de Mérite (1982); Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres (1984); Ehrenzeichen f. Wiss. u. Kunst d. Bundesrep. Österreich (1985).

  • Werke

    u. a. Das Verhältnis v. Bild u. Vorwurf in d. ma. Entwicklung d. Historienmalerei, Diss. Wien 1925 (ungedr);
    Gestaltungsprinzipien in d. westl. Malerei d. 15. Jh. (habil.sch., Resumée in: Kunstwiss. Forsch. 2, 1933, S. 75-100);
    „Early Netherlandish Painting“, Rez., in: Burlington Magazine, Nr. 98, 1956, I, S. 110-16, II, S. 267-79;
    Illuminated Manuscripts in the Bodleian Library Oxford, I, 1966, II, 1970, III, 1973 (mit J. J. G. Alexander);
    Die illuminierten Hss. u. Inkunabeln d. Österr. Nat.bibl., I, 2 Bde., 1974 (mit D. Thoss), III, 2 Bde., 1975, II, 1977, VI, 1983, VII, 1990;
    Methodisches z. kunsthist. Praxis, Ausgew. Schrr., hg. v. J. Oberhaidacher u. a., 1977, 31995 (Bibliogr., P) (japan. 1982, span. 1987, franz. 1994, ital. 1994, engl. 1998);
    Buchmalerei d. MA, 1984 (engl. 1986, span. 1986, ital. 1987, franz. 1997);
    Van Eyck, Die Begründer d. altniederländ. Malerei, hg. v. M. Schmidt-Dengler, 1989 (Bibliogr.) (engl. 1994);
    Rembrandt, hg. v. E. Lachnit, 1991;
    Altniederländ. Malerei, Von Rogier van der Weyden bis Gerard David, hg. v. M. Rosenauer, 1994 (engl. 1997).

  • Literatur

    Kunsthist. Forsch., FS O. P. z. 70. Geb.tag, 1972, mit e. Vorwort v. B. Fürst (Bibliogr., P);
    K. Clausberg, Zwei Antipoden d. Kunstwiss. u. e. versunkener Kontinent – Zum Methodischen v. P, Panofsky u. Wygotski, in: krit. berichte, Mitt.organ d. Ulmer Ver. Verband f. Kunst- u. Kulturwiss., 6. Jg., H. 3, 1978, S. 5-12;
    O. Demus, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 138, 1988, S. 437-43 (P);
    C. Nordenfalk, in: Revue de l'Art, Nr. 82, 1988, S. 82 f.;
    A. Rosenauer, in: FAZ v. 19.5.1988;
    Kunsthist. in eigener Sache, hg. v. M. Sitt, 1990, S. 24-61 (P);
    J. J. G. Alexander, in: Proceedings of the Brit. Ac. 80, 1991, S. 453-72;
    Ch. Anderson, Looking and Not Seeing, in: Oxford|Art Journal 19, H. 1, 1996, S. 101 ff.;
    Ch. Wood, The Vienna School, 1998;
    BHdE II;
    DNB

  • Autor

    Martina Sitt
  • Empfohlene Zitierweise

    Sitt, Martina, "Pächt, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 752-754 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119251213.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA