Lebensdaten
1889 bis 1977
Geburtsort
Prag-Weinberge
Sterbeort
Rekawinkel bei Wien
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118758071 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Swoboda, Karl M.
  • Swoboda, Carl M.
  • Swoboda, Karl Maria
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Zitierweise

Swoboda, Karl Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758071.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Maria (1857–1942, k. k. Staatsbeamter, Vizepräs. d. Postdirektion Prag u. Graz, S d. Václav Svoboda (1817–81, Arzt in Leitmeritz;
    M Berta Müller;
    Ur-Gvv František Svoboda (1778–1864), Gymn.prof. in P.;
    B Friedrich Gustav, Physiol., Biol. in Chicago;
    1) 1913 1934 Kamilla Rabl (1885–1942 Theresienstadt, ev.), aus jüd. Fam., Hutmacherin, 2) 1940 Hermine Hein († 1986), Sängerin;
    1 S aus 1) Michael (* 1916).

  • Leben

    S. wuchs, obwohl die Familie väterlicherseits tschech. Herkunft war, in einem deutschnationalen Elternhaus auf. Nach dem Besuch des dt. Staatsgymnasiums auf der Prager Kleinseite absolvierte er den Militärdienst und studierte 1908–13 Kunstgeschichte an den Universitäten in Prag, Graz und Wien. 1911–13 absolvierte er den Kurs des „Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung“ (IÖG) in Wien und wurde 1913 bei Max Dvořák zum Dr. phil. promoviert. 1923 habilitierte sich S. für mittlere und neuere Kunstgeschichte, im selben Jahr wurde er Privatdozent für Kunstgeschichte an der Univ. Wien und Assistent am II. Kunsthist. Institut (1930 ao. Prof. ebd.). 1934 wechselte er als Ordinarius für Kunstgeschichte an die Dt. Univ. in Prag (1938/39 Dekan).

    Ähnlich wie Max Dvořák und Julius Schlosser hatte der junge S. mit der Ausbildung am IÖG seinen Horizont als Kunsthistoriker hin zur Mediävistik erweitert. Das Netzwerk des IÖG spielte eine wichtige Rolle für seine Berufung nach Prag und seine weitere Ausrichtung auf die sog. sudetendt. Kulturbodenforschung. Diese hatte allerdings nicht länger den komplizierten historischen Sachverhalt im Blick, sondern vielmehr ideologische und biologistische Vorzeichen. Obgleich S. nicht der NSDAP beitrat, war er seit Juli 1940 in unterschiedlichen Verantwortungsbereichen als ständiger Berater des Staatsministers für alle musealen Angelegenheiten in Prag, als Beauftragter für das reichseigene Kunstgut bei den Prager Sammlungen, als Vorsitzender des Bauausschusses auf der Prager Burg und Kurator des Veitsdomes auf hoher Ebene politisch im Dt. Reich und letztlich auch für das NS-Regime tätig. Unter seiner Ägide wurde eine Inszenierung der Kunstgeschichte für Legitimationszwecke des Protektorats Böhmen und Mähren vorangetrieben.

    Nach 1945 konnte sich S. bei seiner Berufung zum Ordinarius für Kunstgeschichte an der Univ. Wien nochmals auf das IÖG-Netzwerk stützen. Als nach der Konstituierung der Republik Österreich im April 1945 vom alten Lehrkörper aus politischen Gründen einzig Leo Santifaller (1890–1974) verbleiben konnte, wurde S. 1946, nunmehr Direktor des Kunsthist. Instituts, Mitglied des IÖG-Lehrkörpers (Dekan 1954/55, em. 1960).

    Als Nachfolger Hans Sedlmayrs (1896–1984) beschäftigte sich S. auch nach 1946 weiter|mit biologistischen Konzepten, ethnologischen und kulturmorphologischen Schematisierungen. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählen Erich Bachmann (1910–91), Günter Busch (1917–2009), Johanna v. Herzogenberg (1921–2012) und Renate Wagner-Rieger (1921–80).

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Dt. Ges. d. Wiss. u. Künste f. d. Tschechoslowak. Rep. (1935).

  • Werke

    u. a. Das Florentiner Baptisterium, 1918 (Diss.);
    Röm. u. roman. Paläste, 1919;
    Neue Aufgaben d. Kunstgesch., 1935;
    Kunst u. Nation, in: Nation u. Staat 9, 1935/36, S. 439–52;
    Zum dt. Anteil an d. Kunst d. Sudetenländer, in: Das Sudetendt.tum, hg. v. G. Pirchan, W. Weizsäcker u. H. Zatschek, 1937, Bd. 1, S. 209–49, Nachdr. 1938;
    Peter Parler, Der Baukünstler u. Bildhauer, 1940;
    Prag, 1941;
    Mährens Anteil an d. dt. Kunst, 1941;
    Gesch. d. bildenden Kunst, 9 Bde., 1976–84;
    Kunst u. Gesch., Vortrr. u. Aufss., 1969 (W-Verz. S. 258–65);
    Hg.:
    Krit. Berr. z. Kunstgeschichtl. Lit., 5 Jgg., 1927/ 28–32/33 (mit R. Kautzsch, W. Pinder u. G. Swarzenski);
    Btrr. z. Gesch. d. Kunst im Sudeten- u. Karpathenraum, 7 Bde., 1938–43;
    Nachlaß:
    Inst. f. Kunstgesch. d. Univ. Wien.

  • Literatur

    FS K. M. S. z. 28. Jan. 1959, 1959, S. 5–16;
    G. Busch, Hinweis z. Kunst, Aufss. u. Reden, 1977, S. 240–44;
    R. Wagner-Rieger, in: MIÖG 85, 1977, S. 429–31;
    dies., in: Österr. Hochschulztg. Sept. 1977, S. 19;
    dies., in: K. M. S., Die Gotik v. 1150 bis 1300, 1977, S. 5 f.;
    S. Canz, K. M. S. (1889–1977, Kunsthist., Wissenschaftler zw. Wien u. Prag, in: Prager Professoren 1938–1948, Zw. Wiss. u. Pol., hg. v. M. Glettler u. A. Mišková, 2001, S. 175–90;
    H. H. Aurenhammer, Hans Sedlmayr u. d. Kunstgesch. an d. Univ. Wien 1938–1945, in: Kunstgesch. an d. Universitäten im NS, hg. v. J. Held u. M. Papenbrock, 2003, S. 161–94;
    ders., Zäsur oder Kontinuität? Das Wiener Kunsthist. Inst. im Ständestaat u. im NS, in: Wiener Schule u. d. Zukunft d. Kunstgesch., hg. v. M. V. Schwarz, 2005, S. 11–54;
    ders., Das Wiener Kunsthist. Inst. nach 1945, in: Zukunft mit Altlasten, Die Univ. Wien 1945 bis 1955, hg. v. M. Grandner u. a., 2005, S. 174–88;
    A. Janatková, K. M. S. (1889–1977, „Von e. kulturgeschichtl.-biol. Perspektivismus her“, in: Österr. Historiker 1900–1945, Ll. u. Karrieren in Österr., Dtld. u. d. Tschechoslowakei, hg. v. K. Hruza, 2012, S. 411–50 (Qu, L, P);
    Metzler Kunsthist. Lex.;
    Österr. Gesch.wiss. 20. Jh.;
    Qu
    Archiv d. Karls-Univ. Prag (Dt. Univ., Phil. Fak., Kunsthist. Inst., K 63, Lehrkanzel f. Kunstgesch. 1931–32, enthält Lebenslauf.);
    IÖG (Sign. Nr. 3234).

  • Autor/in

    Alena Janatková
  • Empfohlene Zitierweise

    Janatková, Alena, "Swoboda, Karl Maria" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 732-733 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118758071.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA