Lebensdaten
1819 bis 1861
Geburtsort
Schloß Rosenau bei Coburg
Sterbeort
Windsor
Beruf/Funktion
Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha ; Prinzgemahl der Königin Victoria von England
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11864758X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Albert Franz Albrecht August Karl Emanuel
  • Albert I. von Großbritannien
  • Albert von Sachsen-Coburg-Gotha
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11864758X.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst I., Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld, seit 1826 Sachsen-Coburg-Gotha;
    M Luise, Prinzessin von Sachsen-Gotha-Altenburg;
    Ov König Leopold I. von Belgien;
    B Ernst II., Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha (1818–93);
    London 10.2.1840 Victoria, Königin von England (1837–1901);
    S Eduard, später als Eduard VII. König von England, Alfred (1844–1900), Herzog von Coburg-Gotha, Arthur, Herzog von Connaught, Leopold, Herzog von Albany;
    T Victoria (1840–1901), London 25.1.1858 Kaiser Friedrich III., Alice, 1.7.1862 Ludwig IV., Großherzog von Hessen, Helene, Christian Prinz von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Beatrice, 1885 Heinrich Prinz von Battenberg (M der Königin Ena von Spanien).

  • Leben

    A. wurde von König Leopold von Belgien und seinem Vertrauten, dem einflußreichen Baron Christian von Stockmar, in Brüssel auf seine künftige Stellung vorbereitet; Studien in Bonn und Kavaliersreisen füllten die Zeit zwischen A.s erster Begegnung mit Victoria und seiner Vermählung, die von Leopold gewünscht wurde und sich sehr glücklich gestaltete. Lange hatte A. gegen Vorurteile und Abneigung maßgeblicher englischer Persönlichkeiten und Schichten anzukämpfen; Demütigungen blieben ihm nicht erspart. Trotzdem gelang es ihm, durch Selbstbeherrschung und sittliche Vorbildlichkeit, Taktgefühl und verantwortungsbewußtes soziales Wirken mehr und mehr die Achtung des Landes zu gewinnen. Er wurde der „vertrauteste und bald unentbehrlichste Ratgeber der Königin, gleichsam ihr Privatsekretär und permanenter Minister“. Die Wiederherstellung eines patriotisch-herzlichen Verhältnisses zwischen Volk und Herrscherhaus, der unter den letzten Königen gesunkenen Achtung vor dem Thron und einer streng überparteilichen Haltung der Krone waren nicht zuletzt sein Verdienst. Sein innerpolitischer Einfluß festigte sich zusehends; als tatkräftiger Förderer gemeinnütziger Veranstaltungen und Einrichtungen (Protektor der Londoner Weltausstellung 1851, Bemühungen um die Verbesserung des englischen Schulwesens, bedeutende Anregungen als Kanzler der Universität Cambridge) wußte er sich in der breitesten Öffentlichkeit Geltung und Ansehen zu verschaffen. Vielseitige Interessen (er machte sich auch als Komponist einen Namen und hatte in Landwirtschaft und Gartenarchitektur Leistungen aufzuweisen) kamen ihm bei seinen Versuchen zustatten, das englische Hofleben kulturell regsamer zu gestalten; die von dem Prinzen auf diesem Gebiet mit einer gewissen Pedanterie geschaffenen Ansätze wurden aber nach seinem Tode nicht fortentwickelt. 1841 wurde A. zum Regenten für den Fall des Ablebens der Königin ernannt, 1857 erhielt er von dieser den Titel Prince Consort. Außenpolitisch hat A.,|nicht selten im Widerspruch zu dem Opportunisten Palmerston, einer ethisch-liberalen Prinzipienpolitik Großbritanniens das Wort geredet. Während der Schleswig-Holsteinischen Krise 1848-50 nahm der englische Hof im Gegensatz zur Regierung und der öffentlichen Meinung des Landes eine deutschfreundliche Haltung ein. Im Krimkrieg suchte A. Preußen und Österreich auf die Seite der Westmächte zu ziehen, im amerikanischen Bürgerkrieg (1861–65) wirkte er, noch kurz vor seinem Tode, für die Erhaltung des Friedens mit der Union. Eng verbunden blieb er stets mit der Coburger Heimat und seinem deutschen Vaterland. Mit zahlreichen regierenden Bundesfürsten und mediatisierten Dynasten, darunter Prinz Karl von Leiningen und Fürst Chlodwig Hohenlohe, mit deutsch-liberalen Staatsmännern wie Karl Josias von Bunsen und Franz von Roggenbach pflegte er Verkehr und Gedankenaustausch und suchte im konstitutionellen Sinne einzuwirken. Er wünschte eine Erstarkung des Bundes ohne Ausschluß Österreichs, aber unter Führung eines im liberalen Geist reformierten Preußens. Durch die englisch-liberale Erziehung seiner Tochter Victoria und die in der Folge erzielte Beeinflussung seines Schwiegersohnes Friedrich III. hat er mittelbar zu den höfisch-politischen Auseinandersetzungen zwischen Bismarck und der ihm abgeneigten Partei des Hauses Hohenzollern und ihrer Gefolgschaft beigetragen. Ein feiner Beobachter wie Fürst Chlodwig Hohenlohe glaubte im Charakter Wilhelms II. unverkennbare Ähnlichkeit mit dem des Großvaters A. zu erkennen, der allerdings seinem Enkel an politischer Klugheit und Zurückhaltung weit überlegen war. Bismarck, dem der Prinz mit verständlicher Voreingenommenheit entgegentrat, sprach gelegentlich von „coburgischer Selbstüberschätzung“; eine kühl-unpersönliche, doktrinäre Art gehörte jedenfalls zu A.s Wesenszügen.

  • Werke

    Speeches and addresses, hrsg. v. A. Helps, 1862.

  • Literatur

    E. Frhr. v. Stockmar, Denkwürdigkeiten aus d. Papieren d. Frhr. Christian Friedr. v. Stockmar, 1872;
    Th. Martin, The Life of H. R. H. the Prince Consort, 5 Bde., 1875–80;
    Ernst II., Hzg. v. Sachsen-Coburg-Gotha, Aus meinem Leben u. aus meiner Zeit, 1887;
    M. Bräuer, Prinz A. v. England u. d. dt. Einheitsfrage in d. J. 1845-1851, 1910;
    L. Strachey, Queen Victoria, 1921;
    H. Precht, Englands Stellung z. dt. Einheit 1848-1850, 1925;
    Kaiser Friedrich III., Tagebücher v. 1848-1866, hrsg. v. H. O. Meisner, 1929;
    H. Bolitho, A. the Good, London 1932 (Der große Koburger u. seine Zeit. A., d. Prinzgemahl d. Kgn. Victoria v. England. Dt. v. L. Überfeld, 21938);
    S. Ehrich, Die persönl. u. polit. Beziehungen d. Kgn. Victoria v. England z. Prinzgemahl A., 1935;
    Prinzgemahl A., ein Leben am Throne, eigenhändige Briefe u. Aufzeichnungen 1831-1861, hrsg. v. K. Jagow, 1937.

  • Portraits

    2 Gem. v. F. X. Winterhalter (Schloß Windsor u. Buckingham Palace), Abb. in: Kaiser Wilh. II., Aus meinem Leben, 1927 f., S. 1.

  • Autor/in

    Heinz Gollwitzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gollwitzer, Heinz, "Albert" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 132-133 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11864758X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA