Lebensdaten
1813 bis 1871
Geburtsort
Coburg
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
österreichischer Minister ; General
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116885564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietrichstein, Alexander Fürst von (seit 1869 durch Adoption)
  • Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf (in der ADB)
  • Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885564.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. de Pouilly stammt aus Lothringen;
    V Emanuel (österr. Gf. 1818, 1777-1852), österr. Gen., 1824 Kdt. d. Bundesfestung Mainz, 1840-48 Hofkriegsratsvizepräs., nahm 1792 während d. Franz. Rev. d. Namen „Mensdorff an nach e. Dorf in d. Gfsch. Roussy (s. ADB 21), S d. Albert Louis de P. (seit 1760 Comte de Roussy, 1731–95), franz. Marschall, 1789 Deputierter d. Adels v. Verdun zu d. Generalstanden, emigrierte nach Preußen, dann nach London, u. d. Marie Antoinette Comtesse de Custine;
    M Sophie (1778–1835), Schriftstellerin, T d. Hzg. Franz v. Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806) u. d. Auguste Prn. Reuß-Ebersdorf (1757–1831);
    Om Hzg. Ernst I. v. Sachsen-Coburg u. Gotha (1784–1844, s. NDB IV), Kg. Leopold I. d. Belgier (1790–1865, s. NDB 14), Hzg. Alexander v. Württemberg (1771–1833), Großfürst Konstantin v. Rußland (1779–1835);
    B Hugo ( 1845), k. k. Oberst, Alphons (* 1810), k. k. Oberst, Arthur (1817–1904), k. k. Gen., Maler (s. ÖBL);
    Vt Hzg. Ernst II. v. Sachsen-Coburg u. Gotha (1818–93, s. NDB IV), Prinzgemahl Albert v. Großbritannien (1819–61, s. NDB I);
    1857 Alexandrine (1824–1906), T d. Joseph Fürst Dietrichstein zu Nikolsburg (1798–1858) u. d. Gabriele Gfn. Wratislaw (1804–80);
    2 S, 2 T, u. a. Albert (1861–1945), Diplomat (s. ÖBL).

  • Leben

    M. trat 16jährig als Kadett in die österr. Armee ein, um die militärische Laufbahn einzuschlagen Aufgrund der Vertrauensstellung, die die Familie am habsburg. Hof genoß, und später aufgrund der Protektion seitens des Ministerpräsidenten Felix Schwarzenberg wurde er 1848 Adjutant der Erzherzöge Franz (der als Franz Joseph am 2.12.1848 Kaiser werden sollte) und Johann bei der Armee in Italien und am kaiserl. Hoflager in Olmütz, 1852 Kommissär des Deutschen Bundes in Holstein, dann österr. Gesandter in St. Petersburg und schließlich Begleiter des Erzhzg. Maximilian auf dessen Reisen. Aber eigentlich war M. – wie sein Vater – Soldat. In den Kriegen 1848/49 gegen Sardinien und das revolutionäre Ungarn und 1859 wieder gegen Sardinien-Frankreich kämpfte er in 22 Schlachten, wurde mit dem Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet und erhielt 1860 den Posten des kommandierenden Generals in Temesvár. Als solcher war er der letzte k.k. Kommissär für die serb. Wojwodschaft vor deren Eingliederung in das Kgr. Ungarn.

    1861 wurde M. wieder in die Politik gerufen. Als Statthalter von Galizien und kommandierender General in Galizien und in der Bukowina hat er in der Krise des poln. Aufstandes 1863/64 nicht nur die politische Ruhe in Galizien gewahrt, sondern Österreichs Prestige bei den Polen gefestigt. Als Österreichs Politik im Kampf mit Preußen um die Stellung in Deutschland nach dem mißlungenen Frankfurter Fürstentag von 1863 einen neuerlichen Prestigeverlust hinnehmen mußte und der Außenminister Bernhard Gf. v. Rechberg zurücktrat, wurde M., durch seine Heirat zwar einer der reichsten Aristokraten Österreichs, auf außenpolitischem Gebiet aber kaum erfahren, am 27.10.1864 Rechbergs Nachfolger. Daß sein Wirken als Außenminister mit einer der größten politischen Katastrophen für Österreich endete, ging allerdings nur zum Teil auf sein Konto. Denn mehr noch als Rechberg vertrat M. die konservative Linie einer Verständigung mit Preußen. Aber wie unter Rechberg Anton v. Schmerling im Bündnis mit der großdeutschen Bewegung eine aktive Deutschlandpolitik durchsetzte, so beherrschten im Kabinett des Grafen Richard Belcredi (27.5.1865-3.2.1867) der Hofrat des Ballhausplatzes, Ludwig v. Biegeleben, und der Minister und Vertraute des Kaisers, Moritz Esterházy, die Außenpolitik. Dementsprechend hielt Österreich in der Schleswig-Holsteinischen Frage am Anspruch des Prinzen von Augustenburg auf die Herrschaft in einem selbständigen deutschen Bundesstaat fest. M. hingegen ließ durch den Sondergesandten Blome ein Preußen entgegenkommendes Agreement aushandeln (Gasteiner Konvention v. 14.8.1865), wonach die gemeinsame Verwaltung der Herzogtümer zwischen Österreich (Holstein) und Preußen (Schleswig) geteilt und Lauenburg von Osterreich an Preußen um zweieinhalb Millionen Taler verkauft wurde. Bismarck konnte jedoch dieses Abkommen als großen Erfolg für Preußen verbuchen, weil Österreich durch diesen Handel bei der Bundespartei in Deutschland diskreditiert wurde und überhaupt die Hoffnung auf eine Bundesreform mit Hilfe Österreichs weiter schwand. Als Bismarck, gedeckt durch Napoleon III. und verbündet mit Italien, den Konflikt um die Bundesreform forcierte, war die österr. Partei in Deutschland schon brüchig. Trotz des Neutralitätsabkommens mit Frankreich (12.6.1866) um den Preis Venetiens, dessen Verkauf Kaiser Franz Joseph kurz zuvor vorher als unehrenhaft abgelehnt hatte, konnte sich Österreich weder militärisch (Königgrätz 3.7.1866) noch politisch behaupten (Präliminarfriede von Nikolsburg, Friede von Prag). Die Auflösung des Deutschen Bundes beseitigte den letzten Rest einer politischen Verbindung Österreichs mit Deutschland. M., der in seiner Stellung als Minister persönlich höchst unglücklich war, wurde von seinen Gegnern zu Unrecht die Hauptschuld am Mißgeschick Österreichs zugesprochen. Ein treuer Diener Kaiser Franz Josephs, war er von den Beratern des Monarchen höflich beachtet, aber in Sachfragen meist übergangen worden. Seine Amtsenthebung am 30.10.1866 erfolgte in allen Ehren. M. wurde zunächst General d. Kav. ad honores (1868), schließlich aber wieder auf eigenen Wunsch kommandierender General in Agram und 1870 in Prag.

  • Literatur

    ADB 21;
    H. v. Srbik, Dt. Einheit, Idee u. Wirklichkeil v. Hl. Reich bis Königgrätz IV, 1942;
    R. B. Elrod, Austria and the Polish Insurrection of 1863, in: Internat. History Review 8, 1986, S. 416-37;
    M. Derndarsky, Das Klischee v. „Ces Messieurs de Vienne …“, Der österr.-franz. Geheimvertrag v. 12.6.1866 – Symptom f. d. Unfähigkeit d. österr. Außenpol.?, in: HZ 235, 1982, S. 289-353;
    Wurzbach 17;
    ÖBL (unter Dietrichstein). – W zu Sophie: Märchen u. Erzz., 2 Bde., 1830.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, 1854.

  • Autor/in

    Helmut Rumpler
  • Empfohlene Zitierweise

    Rumpler, Helmut, "Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 87 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mensdorff-Ponilly: Alexander Graf M.-P., geb. zu Coburg am 4. Aug. 1813, ein Sohn des Generals der Cavallerie Emanuel Grafen M. aus dessen Ehe mit Sophie Herzogin von Sachsen-Coburg und durch diese mit dem englischen Königshause verwandt, trat frühzeitig in österreichische Militärdienste, in denen er, ohne Unterbrechung bei verschiedenen Cavallerieregimentern dienend, rasch die höheren Chargen erklomm. Im November 1849 zum Adjutanten des Kaisers ernannt, erbat er sich die Erlaubniß, in dieser Anstellung den gegen die ungarischen Rebellen eröffneten Feldzug mitmachen zu dürfen. In der darauf folgenden Wintercampagne gab er wiederholte Beweise eines glänzenden ritterlichen Muthes und erwarb sich durch einen kühnen und von bedeutendem Erfolge gekrönten Cavallerieangriff auf die Insurgenten in der Schlacht bei Komorn das Maria-Theresien-Krenz. Nach Niederwerfung des ungarischen Aufstandes wurde M.-P. zum Generalmajor befördert und in den nächstfolgenden Friedensjahren zu mehrfachen diplomatischen Sendungen, 1850—1852 Bundescommissär in Holstein, zuletzt als Gesandter bei dem russischen Hofe verwendet. Bei dem Beginne der orientalischen Verwicklung trat er jedoch zu seinem militärischen Berufe zurück, wurde commandirender General im Banate, begleitete im J. 1856 den Erzherzog Ferdinand Max, nachmaligen Kaiser von Mexiko nach Paris, wurde in Folge des Octoberdiploms kaiserlicher Commmissär für die serbische Wojwodschaft und im J. 1862 Statthalter und commandirender General in Galizien. Nach dem Rücktritte des Grafen Rechberg wurde M. mit kais. Handschreiben vom 27. Octbr. 1864 als Minister des Aeußeren in das Ministerium Schmerling berufen und verblieb auf diesem Posten bis zur Berufung Beust's, welche wenige Monate nach dem Ende des unglücklichen Krieges mit Preußen und nach dem von ihm|noch abgeschlossenen Präliminarfrieden von Nikolsburg erfolgte. In dieser letzteren Stellung, die allerdings durch die vorangegangenen politischen Mißgriffe des Grafen Rechberg und durch die auf gewaltsame Lösung des Knotens hin gerichtete Tendenz Bismarck's zu einer sehr mißlichen sich gestaltet hatte, ließ M. ganz und gar jene Energie und Entschlossenheit vermissen, die man sich von dem muthigen Reitergeneral versprechen zu dürfen glaubte, und bot das Bild eines Mannes, der stets nach den schwankenden Tendenzen in den Hofkreisen lavirend, seine politische Färbung bis zur Unkenntlichkeit aufgab. Als ein entschiedener Anhänger der Verfassungspartei in das Ministerium Schmerling eingetreten, verblieb er in demselben auch nach dessen Fall. Er widerrieth die vom nachgefolgten Ministerpräsidenten Grafen Belcredi ins Werk gesetzte Sistirung der Verfassung, er war ein Gegner des Doppelkrieges gegen Preußen und Italien, dessen Gefahren er bei der Aussichtslosigkeit einer Allianz mit einer der anderen Großmächte ganz richtig erkannte, er war gegen die Abtretung von Venezien an den Kaiser der Franzosen, und blieb, ungeachtet er in all diesen Fragen ohne Unterstützung war, nichtsdestoweniger im Amte. Die persönlichen Verhältnisse Mensdorff-Pouilly's, sein Reichthum, seine bis an den Königshof von Großbritannien sich anlehnende aristokratische Stellung schließen den Gedanken, als hätte Eigennutz oder Ehrsucht den Grafen M.-P. an sein Portefeuille gefesselt, ganz und gar aus. Der Grund zu dieser gänzlichen Selbstentäußerung seiner persönlichen Ueberzeugung kann daher nur in seiner übertriebenen Deferenz gegen den Hof, zum Theil auch in dem Einflusse seiner Gattin, der Erbtochter des dem kaiserlichen Hofe blind ergebenen fürstlichen Hauses Dietrichstein gesucht werden. Nach seinem Rücktritte von der Leitung des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, zog sich M.-P. zunächst ins Privatleben zurück, und erlebte, im Uebrigen im Herrenhause treu zur Verfassungspartei haltend, noch die Auszeichnung, daß nach dem Hinscheiden des letzten Dietrichstein, der Name und Fürstentitel dieses Geschlechtes mit allerh. Diplom vom 20. März 1869 auf ihn und seine eheliche Descendenz übertragen wurde. In Folge seines Wunsches um Wiederverwendung im Militärdienst, wurde ihm im J. 1870 die Ernennung zum commandirenden General in Agram zu Theil, in welcher Stellung er jedoch nur kurze Zeit verblieb, indem er noch in demselben Jahre, und zwar gegen seinen Wunsch, zum Statthalter und Oberstcommandirenden in Böhmen nach Prag berufen wurde. Ehe er jedoch noch auf die Ordnung der dortigen sehr gespannten Zustände einen Einfluß gewinnen konnte, wurde M., der bei seinem überaus liebenswürdigen und freundlichen Wesen, das er in allen seinen Stellungen und gegen Jedermann bewährte, im Leben kaum einen persönlichen Gegner gehabt hatte, in Folge eines acuten Leidens am 14. Febr. 1871 durch den Tod dahingerafft. Er starb mit Hinterlassung von zwei Söhnen und zwei Töchtern.

    • Literatur

      Vgl. Wurzbach, Biographisches Lexikon, 17. Bd., S. 360 ff.

  • Autor/in

    Sommaruga.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sommaruga, Franz Freiherr von, "Mensdorff-Pouilly, Alexander Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 365-366 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116885564.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA