Lebensdaten
1873 bis 1938
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Biganzolo am Lago Maggiore
Beruf/Funktion
Ethnologe ; Kulturphilosoph ; Forschungsreisender
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11869376X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frobenius, Leo Viktor
  • Frobenius, Leo
  • Frobenius, Leo Viktor
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Zitierweise

Frobenius, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869376X.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1841–1916), preuß. Oberstlt., Mil.-Schriftsteller, Vf. v. „Des dt. Reiches Schicksalsstunde“ (1914) (s. DBJ I, Tl. 1916, W, L), S d. Hermann (1808–68), Sup., Konsistorial-, Reg.- u. Schulrat in Erfurt, u. d. Auguste Gottschalk;
    M Mathilde (1843–85), T d. Heinr. Bodinus ( 1884), Zoologe (s. NDB II);
    Groß-Om Karl Ferd. Eichstedt ( 1892), Mediziner (s. NDB IV);
    B Hermann (1871–1954), Maler (s. Vollmer);
    1901 Editha (* 1880), T d. Gutsbes. Gottlieb Brandt in Gübs b. Magdeburg;
    1 T.

  • Leben

    Aufbauend auf den Gedankengängen von F. Ratzel, R. Andree und seinem Lehrer H. Schurtz, verhalf F. in den Jahren 1897/98 durch zwei wegweisende Arbeiten (Der westafrikanische Kulturkreis, 1897; Der Ursprung der afrikanischen Kulturen, 1898) einer neuen wissenschaftlichen Betrachtungsweise in der Ethnologie zum Durchbruch, indem er den Versuch unternahm, das damals zur Verfügung stehende wirre und aus isolierten Einzelbeobachtungen bestehende Tatsachenmaterial über die nicht-schriftführenden Völker der Erde methodisch in Raum und Zeit zu ordnen Aus der gleichen geographischen Verbreitung bestimmter Kulturelemente folgerte er, daß ein enger innerer Zusammenhang zwischen den einzelnen Elementen bestehen müsse. Er schloß daher Gebiete gleicher Verbreitung zu „Kulturkreisen“ zusammen, die er ihrerseits wieder in dem Bestreben, den schriftlosen Kulturen eine geschichtliche Tiefe zu geben, in eine relative zeitliche Ordnung zueinander zu bringen suchte. Als Schöpfer der Kulturkreislehre, die später von F. Graebner und B. Ankermann (1859–1943) mit neuen Zielsetzungen weitergeführt wurde und die schließlich in die historische Kulturkreislehre der sogenannten „Wiener Schule“ (Pater W. Schmidt) ausmündete, ist F. zu einem Wegbereiter der historischen Forschungsrichtung in der Ethnologie geworden.

    Obwohl der Kulturkreisgedanke auch weiterhin in seinen Arbeiten einen breiten Raum einnahm, erkannte F. die methodischen Mängel, die den frühen Kulturkreis-Arbeiten anhafteten. Besonders scharf wandte er sich später gegen die bei der Aufstellung der Kulturkreise befolgte statistische Methode, die sich in einer bloßen Summierung isolierter|Einzelelemente erschöpfte, und forderte eine kulturmorphologische Betrachtungsweise, das heißt die sinnvolle Verbindung der Einzelelemente zu einem organischen Ganzen, die Erfassung einer Kultur in ihrer Komplexität und geschichtlichen Gebundenheit. – In Verfolgung dieser Ziele bemühte er sich vornehmlich um eine Wesenserkenntnis der Kultur. Die erste Arbeit, die diesem Problem gewidmet war, trug den Titel: Die naturwissenschaftliche Kulturlehre (1899). In ihr zeichneten sich bereits die Strukturen seiner späteren Paideuma-Lehre (1921) ab, in der F. eine Antwort auf die Frage nach dem Wesen und der Morphologie der Kultur zu geben suchte. Ihm stellten sich die Kulturen als lebendige Organismen in einem biologisch zu verstehenden Sinne dar. Die Stadien, die eine Kultur gleich einer Lebenskurve durchläuft, charakterisierte er mit den Begriffen „Ergriffenheit“ (Jugend), „Ausdruck“ (Reife) und „Anwendung“ (Alter). Jede Kultur besitzt in seiner Sicht eine Eigengesetzlichkeit, die den Kulturablauf weitgehend unabhängig von ihren menschlichen Trägern bestimmt. Das „Paideuma“, die Seele einer Kultur, durchlebt den Menschen und gibt seinem Handeln Richtung und Ziel. Eine ähnliche Auffassung vom Wesen der Kultur findet sich auch bei O. Spengler, mit dem F. eine Zeitlang zusammenarbeitete. Mit seinen kulturwissenschaftlichen Arbeiten begründete F. die kulturmorphologische Forschungsrichtung in der Ethnologie.

    Die Arbeiten von F. erwuchsen aus einer profunden Materialkenntnis. 1893 begann er in Berlin mit der Anlage einer ethnographischen und ethnologischen Motivexzerptur und einer völkerkundlichen Bildersammlung, die den Grundstock des späteren Afrika-Archives bildeten. Auf 12 Expeditionen widmete sich F. 1904-35 in Afrika der völkerkundlichen Feldarbeit und der Aufnahme von Felsbildern. Auf einer Studienreise besuchte er Vorderindien. Die durch die Expeditionen in großem Ausmaße erweiterten Bestände des Afrika-Archivs führten 1922 zu dessen Umwandlung in das „Forschungsinstitut für Kulturmorphologie“ mit Sitz in München. 1925 siedelte das Institut nach Frankfurt/Main über, wo F. 1932 als Honorar-Professor einen Lehrauftrag für Völker- und Kulturkunde an der Universität erhielt. 1934 wurde er Direktor des Städtischen Museums für Völkerkunde in Frankfurt/Main.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die Masken u. Geheimbünde Afrikas, in: Nova Acta Lopoldina, 1898;
    Und Afrika sprach, 3 Bde., 1912 f.;
    Der kleinafrikan. Grabbau, in: Prähist. Zs., 1916;
    Atlantis, Volksmärchen u. Volksdichtungen Afrikas, 12 Bde., 1921-28;
    Atlas Africanus, 1922-30;
    Erlebte Erdteile, 7 Bde., 1925-30;
    Hadschra Maktuba, Urzeitl. Felsbilder Kleinafrikas, 1925 (mit H. Obermaier);
    Erythräa, Länder u. Zeiten d. hl. Königsmordes, 1931;
    Madsimu Dsangara. Südafrikan. Felsbilderchronik, 2 Bde., 1931;
    Kulturgesch. Afrikas, 1933;
    Ekade Ektab, Die Felsbilder Fezzans, 1937.

  • Literatur

    A. E. Jensen, in: Paideuma 1, 1938, S. 45-58;
    H. Gf. Keyserling, in: Weg z. Vollendung, H. 27, 1938, S. 21-24;
    W. Mühlmann, in: Archiv f. Anthropologie, Neue Folge 25, 1939, S. 47-51 (P);
    H. Niggemeyer, in: Ethnolog. Anz. 4, 1939, S. 268-72;
    ders., in: Paideuma 4, 1950, S. 415 ff. (L). – Zu B. Ankermann: A. Schachtzabel, B. A. z. 80. Geb.tag, in: Baessler-Archiv, Btrr. z. Völkerkde., 21. Bd., 1938, S. I-VI (W-Verz.);
    Zs. f. Ethnol. 70, 1938, S. 129 (P);
    W. Hirschberg, Das Werk B. A.s, ebd., S. 130-43 (W).

  • Portraits

    Bronzebüste v. C. v. Ruckteschell (F.-Inst., Frankfurt/M.);
    Ölbild v. Herm. Frobenius (ebd.).

  • Autor/in

    Helmut Straube
  • Empfohlene Zitierweise

    Straube, Helmut, "Frobenius, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 641 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869376X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA