Lebensdaten
1899 bis 1965
Geburtsort
Kiel
Sterbeort
Mammolsheim (Obertaunuskreis)
Beruf/Funktion
Ethnologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118712063 | OGND | VIAF: 8182268
Namensvarianten
  • Jensen, Adolf
  • Jensen, Adolf Ellegard
  • Jensen, Adolf E.
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Zitierweise

Jensen, Adolf E., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118712063.html [12.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Peder (* 1867), aus Hellevad/Nordjütland, Werkmeister in K.;
    M Margaretha Cäcilie Hansen (* 1868) aus Flensburg;
    1) München 1924 N. N., 2) Frankfurt/M. 1927 Erna Marie Verweyen geb. Plaß (* 1885) aus Hamburg, 3) Frankfurt 1952 Frieder. Elisabeth Josefine Pauli (* 1906);
    1 T aus 2).

  • Leben

    J. studierte in Bonn und Kiel Naturwissenschaften sowie Philosophie und trat 1923 nach seiner Promotion zum Dr. phil. (Kiel 1922) in das von Leo Frobenius zunächst in München geleitete Forschungsinstitut für Kulturmorphologie ein. Er siedelte mit dem Institut nach Frankfurt/Main über, habilitierte sich dort 1933 und übernahm 1938 die Leitung des Institutes (später Frobenius-Institut). J. wurde 1945 Direktor des Städt. Museums für Völkerkunde in Frankfurt, erhielt 1946 an der dortigen Universität den Lehrstuhl für Kultur- und Völkerkunde und las ferner über vergleichende Religionswissenschaft. Als langjähriger Mitarbeiter von L. Frobenius und als sein Amtsnachfolger führte J. die von diesem begründete kulturhistorische und kulturmorphologische Forschungsrichtung weiter und gab ihr neue Impulse. Er sah in der Verwirklichung der Zielsetzungen der Kulturkreislehre eine vordringliche Aufgabe der Ethnologie, da er die Ansicht vertrat, daß es sich bei den schriftlosen Kulturen der Gegenwart um die Repräsentanten früher Stadien der Menschheitsentwicklung handele und daß es daher möglich sei, mit Hilfe der kulturkreismäßigen Gliederung des rezenten ethnographischen Materials die vor der Ausbildung der ältesten Hochkulturen liegenden Abschnitte der Menschheitsgeschichte zu rekonstruieren, die sich ihm als eine Abfolge geschlossener und weltweit verbreiteter Kulturperioden darstellte. Er lehnte jedoch die bei Aufstellung der ersten Kulturkreise befolgte additive Methode ab und forderte die Erfassung des Weltbildes eines Kulturkreises oder einer Kulturperiode, in das sich die wesentlichen Kulturerscheinungen sinnvoll einfügen oder aus dem sie ableitbar sind. Er verwirklichte diese kulturmorphologische Maxime in seiner Arbeit „Das religiöse Weltbild einer frühen Kultur“ (1948, ital. 1952), in der er einen weitverbreiteten Komplex von Kulturerscheinungen darstellte, die Ausfluß und Ausdruck eines zentralen Mythologems sind, das eine Aussage über das Wesen der menschlichen Existenz und die Entstehung wichtiger Kulturgüter einschließt: Durch die urzeitliche Tötung einer göttlichen Gestalt, deren Körperteile sich in die ersten Nutzpflanzen verwandeln, wird die gegenwärtige Seins-Ordnung begründet und der Mensch zu einem zeugungsfähigen und sterblichen Wesen. In diesem Mythologem und seinen kultischen Ausdrucksformen sah J. den Kern des Weltbildes einer frühgeschichtlichen Kulturperiode, in der der Mensch die ersten Nutzpflanzen in Form von Knollenfrüchten anbaute. Besondere Bedeutung kommt seinen religionsethnologischen Untersuchungen zu, in denen die Frage nach dem Sinn der Erscheinungen im Vordergrund stand. Ausgehend von der Tatsache, daß die intellektuellen Fähigkeiten der Naturvölker oft angezweifelt wurden, weil viele ihrer kulturellen Äußerungen unverständlich erscheinen, machte J. deutlich, daß sich die grundlegenden Fähigkeiten des sogenannten „primitiven“ Menschen in nichts von den unsrigen unterscheiden und daß die Verständnisschwierigkeiten meist darauf zurückgehen, daß uns die Zeugnisse schriftloser Kulturen häufig in einem Stadium fortschreitender Sinnentleerung begegnen, abgelöst von den Motiven ihrer Entstehung und verknüpft mit sekundären zweckbetonten Begründungen. Ordnet man sie jedoch in ihren ursprünglichen Kulturzusammenhang ein und führt sie auf ihre originären geistigen Grundlagen zurück, so erweisen sie sich als durchaus sinnvoll und auch unserem Verständnis zugänglich. Alle bedeutsamen kulturellen Schöpfungen verdanken ihre Entstehung nicht Nützlichkeitserwägungen, sondern dem zweckfreien Erkenntnisstreben des Menschen, das sich in schriftlosen Kulturen in der Form mythischer Aussagen niederschlägt. In der Sicht J.s enthalten die echten Mythen Wirklichkeitserkenntnisse, die sich von denen des wissenschaftlichen Weltbildes dadurch unterscheiden, daß sie auf der unmittelbaren Anschauung beruhen und Auskunft über das Wesen der Wirklichkeit geben. Mythe und Kult bilden eine untrennbare Einheit: In den Kulten als dramatischen Darstellungen des mythischen Geschehens vollzieht der Mensch den schöpferischen Erkenntnisvorgang nach und vergegenwärtigt sich damit die Grundlagen seiner Existenz.

    Die Arbeiten J.s basieren zum Teil auf den Ergebnissen seiner Feldforschungen in Südafrika (1928–30), Libyen (1932), Äthiopien (1934-35, 1950-51, 1954-55) und auf der Molukkeninsel Ceram (1937)|

  • Auszeichnungen

    Honorary Fellow of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Ehrenvorsitzender d. Anthropolog. Ges. in Wien.

  • Werke

    Weitere W u. a. Beschneidung u. Reifezeremonien b. Naturvölkern, 1933;
    Hainuwele, Volkserzz. v. d. Molukken-Insel Ceram, 1939 (mit H. Niggemeyer);
    Wettkampf-Parteien, Zweiklassensysteme u. geograph. Orientierung, in: Studium Generale 1, 1947;
    Die drei Ströme, Züge a. d. geistigen u. rel. Leben d. Wemale, e. Primitiv-Volk i. d. Molukken, 1948;
    Mythos u. Kult b. Naturvölkern, Rel.wiss. Betrachtungen, 1951, 21960 (franz. 1954, engl. 1963);
    Prometheus- u. Hainuwele-Mythologem, in: Anthropos 58, 1963. -
    Hrsg.: Im Lande d. Gada, Wanderungen zw. Volkstrümmern Südabessiniens, 1936;
    Paideuma, 1938 ff.;
    Studium Generale, 1947 ff.;
    Altvölker Süd-Äthiopiens, 1959.

  • Literatur

    E. Haberland, M. Schuster, H. Straube (Hrsg.), Festschr. f. A. E. J., 2 T., 1964 (W-Verz., P);
    C. A. Schmitz, in: Paideuma 11, 1965 (P).

  • Autor/in

    Helmut Straube
  • Empfohlene Zitierweise

    Straube, Helmut, "Jensen, Adolf E." in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 406-407 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118712063.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA