Lebensdaten
1877 – 1945
Geburtsort
Dellwig bei Essen
Sterbeort
Herdecke (Westfalen)
Beruf/Funktion
Industrieller ; Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ; Politiker ; Ingenieur ; Generaldirektor ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118805592 | OGND | VIAF: 808691
Namensvarianten
  • Vögler, Emil Albert Wilhelm
  • Vögler, Albert
  • Vögler, Emil Albert Wilhelm
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Zitierweise

Vögler, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805592.html [26.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    VKarl (1844–1930), aus Obernburg (Kr. Vöhl), Bergmann, Obersteiger, seit 1886 Betriebsführer d. Zeche Hugo b. Buer (Gelsenkirchen), S d. Philipp (1817–72), aus Raibach b. Groß-Umstadt (Hessen) , Lehrer, u. d. Sophie Louise Hopf (* 1819) aus Immighausen (Lichtenfels, Hessen);
    M Bertha (1845–1945), aus E., T d. Arnold Kuss (Kuhs), aus Velbert, u. d. Bertha Mathilde Caroline Lockamp aus Essen ;
    B Arthur (* 1887), Geschäftsführer d. Fa. Popper & Co. in Leipzig, Eugen (1884–1956), Industr., Bauing., Obering. d. AG f. Hoch- u. Tiefbau in E., dann Dir. u. Vorstandsvors. ders., Präs. d. Gauwirtsch.kammer Essen, Leiter d. Wirtsch.gruppe Bauindustrie, Dr.-Ing. E. h. (s. Rhdb.; Wenzel; Wi. 1935; Lb. aus d. Rhein.-westfäl. Ind.gebiet, 1955–57; Essener Köpfe);
    Georgsmarienhütte b. Osnabrück 1905 Helene (1877–1958), aus Georgsmarienhütte, T d. Johann Heinrich Wolf (1847–90), aus Oesede (Georgsmarienhütte) , u. d. Marie Elisabeth Bruning (1854–96), aus Ellerbeck (heute Bissendorf);
    3 S Herbert (1908–45), Dr. phil. (chem.), Ing., techn. Vorstand d. Ruhrstahl AG, Hans (1913–40 ⚔), Oberlt., Helmut (* 1915), Ing., Untern., 1 T (früh †).

  • Biographie

    V. schloß die Höhere Bürgerschule in Essen 1893 mit der Mittleren Reife ab und ging dann in der Maschinenfabrik und Gießerei „Isselburger Hütte“ in die Lehre. Nach dem anschließenden einjährigen Militärdienst studierte er 1897–1901 Maschinenbau an der TH Karlsruhe . 1901 war er als Konstrukteur bei der „Maschinenfabrik Baum“ in Herne tätig, 1902 wechselte er als Betriebsleiter zur „Georgsmarienhütte“ bei Osnabrück . 1905 kehrte er als Oberingenieur der „Union, AG für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie“ (Dortmunder Union) zurück ins Ruhrgebiet und wurde im folgenden Jahr einer ihrer Direktoren. Bei der Fusion des Unternehmens 1910 mit der „Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten AG“ (Deutsch-Lux) wurde V. deren stellv. Vorstandsmitglied, 1913 rückte er in den Vorstand auf, 1917 wurde er Generaldirektor des Konzerns und im selben Jahr Nachfolger Friedrich Springorums (1858–1938) als Vorsitzender des „Vereins deutscher Eisenhüttenleute“. Bei Deutsch-Lux wurde der Aufsichtsratsvorsitzende Hugo Stinnes (1870–1924) auf V. aufmerksam und machte ihn in den kommenden Jahren zur wichtigsten Vertrauensperson, die sein Firmenimperium operativ leitete.

    Mit seinem Aufstieg bei Deutsch-Lux begann V. eine politische Karriere, zunächst als Mitglied der Dortmunder Stadtverordnetenversammlung (1911–19). 1919 wurde er als Mitglied der Dt. Volkspartei (DVP) in die Nationalversammlung gewählt, 1920–24 vertrat er den Wahlkreis Westfalen-Süd im Dt. Reichstag. V. spielte seit Ende des 1. Weltkriegs zusammen mit Stinnes eine zunehmend wichtige Rolle bei internationalen Verhandlungen. Er war an Waffenstillstandsverhandlungen im Nov. 1918 beteiligt, fungierte als Sachverständiger der dt. Delegation bei der Internationalen Konferenz in Spa 1920 und vertrat 1923 die Ruhrindustrie in den „Micum“-Verhandlungen mit Frankreich. Als Sachverständiger bei der „Youngplan-Konferenz“ 1929 in Paris , die eine Klärung der Rückzahlungsbedingungen der Reparationen zum Ziel hatte, trat V., nicht einverstanden mit der sich abzeichnenden Lösung, von seinem Amt zurück. Er hatte sich inzwischen politisch von der DVP entfernt (Parteiaustritt 1929) und hoffte in den Weimarer Krisenjahren auf eine autoritäre, wirtschaftsfreundliche Regierung.

    V. war Mitglied der 1928 gegründeten „Ruhrlade“ und seit 1932 des „Keppler-Kreises“, der wirtschaftspolitische Konsultationen zwischen Industrie und NSDAP herbeiführen sollte. V. wurde zwar nie Mitglied der NSDAP, doch gehörte er wie andere Industrielle 1933–45 als Parteiloser der NSDAP-Fraktion im Reichstag an. Er hielt allerdings auch Verbindung zu Personen in Militär und Wirtschaft, die dem NS kritisch gegenüber standen und galt im Juli 1944 als ein potentieller Mitwisser des Hitler-Attentats.

    V., einer der bestbezahlten Manager der Weimarer Republik, war eine Schlüsselfigur der dt. Wirtschaft. 1931 / 32 war er in mindestens 42 Aufsichtsräten vertreten, die häufig aus seinen Funktionen als Generaldirektor der „Vereinigten Stahlwerke“ (VSt) und Aufsichtsratsvorsitzender der „Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG“ resultierten.

    Er zeichnete sich dadurch aus, daß er die von ihm geleiteten Unternehmen durch die Krisenjahre der dt. Wirtschaft führte und die jeweilige Unternehmensstrategie in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen definierte. V.s industriepolitische Vorstellungen bringt ein Memorandum vom Juli 1919 zum Ausdruck, worin er vorschlug, eine umfassende Interessengemeinschaft der großen Stahlunternehmen an der Ruhr zu gründen, um die Produktion zu rationalisieren, Synergieeffekte zu nutzen und Investitionen gemeinsam zu planen. Die übrigen Konzerne folgten dem Vorschlag nicht. Einige Jahre später fanden| V.s Ideen jedoch bei den Verhandlungen zur Gründung der VSt große Beachtung. V., der es zudem verstanden hatte, Konflikte zwischen den beteiligten Gründerkonzernen zu moderieren und zu schlichten, wurde 1926 der erste Generaldirektor der im selben Jahr gegründeten VSt, in die zwölf Unternehmen den größten Teil ihrer Produktionsanlagen einbrachten. V. besaß im Vorstand dieses größten europ. Stahlkonzerns eine unbestrittene Führungsrolle, mußte strategische Fragen jedoch mit den beiden einflußreichsten Aktionären, Friedrich Flick (1883–1972) und Fritz Thyssen (1873–1951), abstimmen. 1935 schied V. aus seinem Amt als Generaldirektor der VSt aus und übernahm 1936 als stellv. Aufsichtsratsvorsitzender die Koordination der Konzerngesellschaften. Nach der Ausbürgerung und Enteignung des amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz Thyssen 1939 wurde V. dessen Nachfolger. Er war 1933 Mitglied des Generalrats der dt. Wirtschaft und seit 1942 Mitglied im Industrierat der Luftwaffe und des Oberkommandos des Heeres, 1944 Rüstungsrat im Reichsministerium Speer und im Dez. 1944 Generalbevollmächtigter des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion für das Rhein-Ruhr-Gebiet.

    Seit Beginn der 1920er Jahre war V. auch wichtiger Förderer der Wissenschaft und u. a. Mitbegründer der „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ (Stifterverband d. Dt. Forsch.gemeinschaft). Er unterstützte verschiedene Universitäten und das „Deutsche Museum“, wo er 1927–30 als Vorsitzender des Vorstandsrats amtierte. Von besonderer Rolle war seit 1920 sein Wirken in der KWG. Als ihr Präsident (1941–45) baute er deren Stellung im dt. Wissenschaftssystem durch die Verbindung von industrienaher Grundlagenforschung und militärischen Zielstellungen weiter aus. Nach seiner Gefangennahme durch US-amerik. Soldaten nahm sich V. mit einer Giftkapsel das Leben.

  • Auszeichnungen

    A u. a. Dr.-Ing. E. h. (TH Karlsruhe 1918, TH Aachen 1920);
    Dr. phil. h. c. (Münster 1922);
    Dr. rer. mont. e. h. (Leoben 1926);
    Ehrenbürger (TH Danzig 1920);
    Ehrensenator d. TH Karlsruhe (1927) u. d. Univ. Münster (1940);
    Carl-Lueg-Denkmünze (1936);
    Harnack-Medaille d. KWG (1936);
    Goldene Leibniz-Medaille d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1941);
    Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1942);
    AR-Vors.: Friedrich Thomée AG (1920–27);
    Dt.-Luxemburg. Bergwerks- u. Hütten-Actienges. (1924–26);
    Rhein.-Westfäl. Elektrizitätswerke AG (1924–45);
    Rhein.-Westfäl. Kohlen-Syndikat (1925–27);
    AG f. Kohleverwertung (1926–28);
    Ruhrgas AG (1928–43);
    Gelsenkirchener Bergwerks-AG (1926–44);
    Dt. Edelstahlwerke AG (1929–43);
    Elektrizitäts-AG vorm. Lahmeyer (1931);
    Österr. Alpine-Montanges. (1931–39);
    Dt. Eisenwerke AG (1933–42);
    Dt. Röhrenwerke AG (1933–43);
    Dortmund-Hoerder Hüttenver. AG (1933–43);
    Hüttenwerke Siegerland AG (1933–43);
    Hannoversche Maschinenbau AG vorm. Georg Egestorff (1934–43);
    Elektrizitäts-AG vorm. Schuckert & Co. (1940);
    Gebr. Böhler & Co. AG (1940–43);
    Vereinigte Ind.-Unternehmungen AG (1940–45);
    Bochumer Ver. f. Gußstahlfabrikation AG (1943–45);
    Ruhrstahl AG (1943–45);
    August Thyssen-Hütte AG (1943–45).

  • Literatur

    L D. Stegmann, Zum Verhältnis v. Großind. u. NS 1930–1933, in: Archiv f. Soz.gesch. 13, 1973, S. 400–82;
    G. D. Feldman, Hugo Stinnes, Biogr. e. Industr., 1870–1924, 1998;
    A. Reckendrees, Das „Stahltrust“-Projekt, Die Gründung d. Vereinigte Stahlwerke A.G. u. ihre Untern.entwicklung 1926–1933 / 34, 2000;
    ders. u. K. C. Priemel, Pol. als produktive Kraft? Die „Gelsenberg-Affäre“ u. d. Krise d. Flick-Konzerns (1931 / 32), in: Jb. f. Wirtsch. gesch. 2006, Nr. 2, S. 63–93;
    U. Kohl, Die Präsidenten d. KWG im NS, Max Planck, Carl Bosch u. A. V. zw. Wiss. u. Macht, 2002;
    M. Rasch, Über A. V. u. sein Verhältnis z. Pol., in: Mitt.bl. d. Inst. f. Soz. Bewegungen, Forsch. u. Forsch.berr. 28, 2003, S. 127–56 (L);
    ders., A. V., die Ind. u. die Wiss., in: Bewegen, Verbinden, Gestalten, Untern. v. 17. bis z. 20. Jh., hg. v. U. Soénius, 2003, S. 313–33;
    ders., in: Westfäl. Lb. 17, 2005, S. 22–59 (P);
    ders., Zwischen Pol. u. Wiss., A. V. u. d. Ver. Dt. Eisenhüttenleute, in: H. Maier u. a. (Hg.), 150 J. Stahlinst. VDEh 1860–2010, 2010, S. 95–138;
    K. C. Priemel, Gekaufte Gesch., Der „Freundeskreis A. V.“, Gert v. Klass u. d. Entwicklung d. hist. Untern.forsch. n. 1945, in: ZUG 52, 2007, S. 177–202;
    R. Hachtmann, Wiss. management im „Dritten Reich“, Gesch. d. Gen. verw. d. KWG, 2007;
    A. Reckendrees, in: Unternehmer in d. Weimarer Rep., hg. v. P. Bormann, J. Michel u. J. Scholtyseck, 2016, S. 259–75;
    Rhdb. (P);
    Enz. NS;
    Biogr. Lex. NS-Wiss.pol.;
    Lilla, MdR;
    H. Hesse, Personenlex. d. Wirtsch.gesch., ²2009.

  • Autor/in

    Alfred Reckendrees
  • Zitierweise

    Reckendrees, Alfred, "Vögler, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 6-7 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805592.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA