Lebensdaten
1889 bis 1988
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Generalsekretär der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft
Konfession
-
Normdaten
GND: 117255084 | OGND | VIAF: 3243828
Namensvarianten
  • Telschow, Ernst
  • Telschow, E.

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Zitierweise

Telschow, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117255084.html [27.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1858–1918), Konditor in B.;
    M N. N.;
    Berlin 1913 Annemarie Zierold ( 1978);
    1 S, 4 T; Schwager Kurt Zierold (1899–1989), Jur., Verw.beamter, seit 1934 Vors. d. Reichsanstalt f. Film u. Bild in Wiss. u. Unterr., 1951–64 Gen.sekr. d. DFG.

  • Leben

    T. studierte Chemie an den Univ. München und Berlin, wo er 1912 mit einer Arbeit über „Die chemischen Eigenschaften von Aktinium und Radio-Aktinium“ als einer der ersten Doktoranden Otto Hahns (1879–1968) promoviert wurde. Anschließend kurzzeitig als „Saalassistent“ an der Anorganischen Abteilung des Chem. Instituts der Univ. Berlin beschäftigt, trat T. 1913 seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger an, der 1914 in den Kriegsdienst überging. 1917/18 fungierte T. als Verbindungsoffizier (Lt.) zwischen dem preuß. Kriegsministerium und dem „KWI für physikalische und Elektrochemie“ sowie dessen Direktor Fritz Haber (1868–1934), der im Auftrag der Obersten Heeresleitung maßgeblich für die Forschungen zur chemischen Kriegsführung verantwortlich war.

    Nach Kriegsende leitete T. die väterliche Konditorei, die er zu einer der bedeutendsten Berliner Großbäckereien mit zahlreichen Filialen erweiterte. Anfang der 1920er Jahre amtierte er zeitweilig als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes der Bäckerei- und Konditoreibetriebe Deutschlands. 1930 übernahm er zunächst eine Verwaltungstätigkeit im „KWI für Silikatforschung“, ehe er 1931 als Verwaltungsassistent in die Generalverwaltung der KWG eintrat. 1933 stieg T., seit 1933 Mitglied der NSDAP, zum zweiten und 1935 zum ersten Geschäftsführer der KWG auf. 1936 wurde er Direktor und Stellvertreter des Generaldirektors der KWG, Friedrich Glum (1891–1974). Am 15. 7. 1937 avancierte T. zum Generalsekretär sowie geschäftsführenden Vorstand der KWG und damit zum Nachfolger Glums, der aus politischen Gründen entlassen worden war.

    1936–41 nahm T. neben seinen KWG-Ämtern die Stellung eines nationalen Forschungskoordinators ein, zunächst innerhalb des rüstungswichtigen „Rohstoff- und Devisenstabes“ unter Oberstleutnant Fritz Loeb (1895– 1940), dann in dem 1938/39 aus diesem Stab hervorgegangenen einflußreichen „Reichsamt für Wirtschaftsausbau“ unter dem I.G.-Farben-Vorstandsmitglied Carl Krauch (1853– 1934). Nach Kriegsbeginn wurde T. zum „Abwehr-“ und „Mobilisierungsbeauftragten“ für die KWG sowie zum Reichsverteidigungsreferenten ernannt; in diesen Funktionen war er für die Umstellung der Institute auf Kriegsbedingungen sowie für die politisch-ideologische Überwachung der KWG-Mitarbeiter zuständig. T. gelang es, zu zahlreichen hohen und höchsten Funktionsträgern der NS-Diktatur beste Beziehungen aufzubauen. Seiner engen Vernetzung mit allen wissenschaftspolitisch einflußreichen Stellen des Regimes war es maßgeblich zu verdanken, daß sich die bis 1936 weitgehend stagnierenden staatlichen Zuwendungen an die KWG in kurzer Zeit mehr als verdoppelten, außerdem eine größere Zahl von Instituten gegründet werden konnte und sich die KWG seit 1938/39 institutionell über die Grenzen des „Großdt. Reichs“ hinaus auszudehnen begann. T. war neben Albert Vögler (1877–1945), der seit 1941 der Wissenschaftsorganisation als Präsident vorstand, vornehmlich dafür verantwortlich, daß die Forschungen innerhalb der KWG immer stärker nach militärischen Bedürfnissen ausgerichtet wurden.

    Nach 1945 wurde T. wegen seiner bereitwilligen Kooperation mit den Nationalsozialisten teilweise heftig angegriffen. Trotzdem behielt er seine Stellung als Generalsekretär der KWG bzw. der MPG (1946 in d. brit. Zone, 1948 in d. Bizone); der Versuch Glums, erneut seine frühere Leitungsposition zu übernehmen, scheiterte. Als 1960 Adolf Butenandt (1903–95) die Nachfolge Otto Hahns (1879–1968) als Präsident der MPG antrat, ging T. in den Ruhestand und fungierte bis Mai 1962 als persönlicher Berater Butenandts. Neben seiner Tätigkeit für die MPG übte T. weitere wichtige Ämter aus. Im Frühjahr 1953 übernahm er auf Wunsch Ludwig Erhards zusätzlich zu seinen MPG-Funktionen die Geschäftsführung von drei Ausschüssen der Bundesregierung für „vorbereitende Planung für Arbeiten auf dem Gebiete der Kernenergie“. 1954–56 war er alleiniger Geschäftsführer der neu gegründeten und für die Etablierung der Atomenergie in der Bundesrepublik wichtigen „Physikalischen Studiengesellschaft m. b. H., Düsseldorf“; die ihm von der Bundesregierung angebotene Stelle eines Geschäftsführers der im Juli 1956 gegründeten „Kernreaktorbau- und Betriebsgesellschaft“ in Karlsruhe lehnte T. wegen Überlastung mit anderen Funktionen ab. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre gehörte er außerdem dem „Luftbeirat“ der Bundesregierung sowie dem „Ausschuß für Luftfahrtforschung und -industrie“ an, 1960–67 fungierte er als Erster Geschäftsführer des „Instituts für Plasmaphysik G. m. b. H. in der MPG“ in Garching.

  • Auszeichnungen

    A Gr. BVK (1954); Ehrensenator d. MPG (1967).

  • Literatur

    L O. Hahn, in: Mitt. d. MPG 1954, S. 170–74;
    R. Kuhn, ebd. 1955, S. 234–38;
    A. Butenandt, ebd. 1965, S. 3–6;
    O. Hahn, in: MPG-Berr. u. Mitt. 5, 1959, S. 367–69;
    R. Hachtmann, Wiss.management im „Dritten Reich“, Gesch. d. Gen.verw. d. KWG, 2 Bde., 2007 (P); – Nachlaß: Archiv d. MPG.

  • Autor/in

    Rüdiger Hachtmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hachtmann, Rüdiger, "Telschow, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 23-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117255084.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA