Lebensdaten
1893 bis 1946
Geburtsort
Wesel (Rheinland)
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Reichsaußenminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118600192 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ribbentrop, Ulrich Friedrich Willy Joachim von
  • Ribbentrop, Joachim
  • Ribbentrop, Ullrich Friedrich Willy Joachim von

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Zitierweise

Ribbentrop, Joachim von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118600192.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus lipp. Fam., die auf d. Hof Ribbentrup b. Salzuflen saß; zu ihr gehören Barthold R. ( 1671), der als Bevollmächtigter d. Grafen Lippe d. Westfäl. Frieden unterzeichnete, Friedrich (1767–1841, preuß. Adel 1823), preuß. Staatsrat u. Armee-Gen.intendant (s. ADB 28), dessen B Erich (1777–1843, preuß. Adel. 1826), preuß. Wirkl. Geh. Kriegsrat in Luxemburg, Johanne (1784–1862, Friedrich Griepenkerl, 1782–1849, Musikwiss., Päd., s. NDB VII), Adolf (1804–81), Industr., Eveline (1820–87, Sängerin, Otto v. Holtzendorff, 1817–87, Vizepräs, d. Appellationsger., Dir. d. Dt. Grund-Kredit-Bank, s. NDB IX*), Manfred (* 1901), Landesleiter d. Schrifttumskammer; V Richard R. (1859-1941), preuß. Oberstlt.; M Sophie Hertwig ( 1902), T e. Gutsbes.; Geschw Lothar (1892–1918), Ingeborg (* 1896, Albert Jenke, Gesandter); Adoptiv-M Gertrud (* 1863), T d. Karl v. Ribbentrop (1822–93, preuß. Adel 1884), preuß. Gen.; – Wiesbaden 1920 Annelies (1896–1973), T d. Sektfabr. Otto Henkell (1869–1929); 3 S Rudolf (* 1921), Bankkaufm., Adolf (* 1935), Kaufm., Barthold (* 1940, Brigitte, * 1948, T d. Otto-Gebhard v. Trotha, 1911–2003, Kaufmann; E d. Otto v. Trotha, 1842–1910, preuß. Gen.), Bankkaufm., 2 T Bettina (* 1922, Heribert Rinke, * 1914, Kaufm.), Ursula (* 1932, Kurt Küppers, * 1926, Kaufm.).

  • Leben

    R. verbrachte seine Kindheit und Jugend in Kassel, Metz und Arosa. Sportbegeistert (Tennis, Eishockey), musikalisch (er spielte Geige) und sprachbegabt (er besuchte Sprachschulen in Grenoble 1907 u. London 1909), verließ er das Gymnasium nach der Obersekunda mit dem „Einjährigen“. Mit seinem Bruder reiste er 1910 nach Kanada, wo er in Montreal eine Banklehre begann. Seit 1912 arbeitete R. im kanad. Eisenbahnbau, auch als Reporter in New York. 1914 führte er ein eigenes Importgeschäft v. a. mit dt. Weinen. Mit Beginn des 1. Weltkriegs kehrte R. nach Deutschland zurück und meldete sich freiwillig beim 12. Husaren-Rgt. in Torgau. Er kämpfte an der Ost- und Westfront und wurde mehrfach verwundet. Das Kriegsende erlebte er als Angehöriger der dt. Militärmission in Konstantinopel, wo er Franz v. Papen kennenlernte.

    1919 eröffnete R. in Berlin eine Weinhandelsfirma. Als Mitglied kultureller und gesellschaftspolitischer Klubs, u. a. des exklusiven Berliner Union Clubs, fand er auch Zugang zu Kreisen des Hochadels. Um selbst das Adelsprädikat zu erhalten, ließ er sich 1925 von Gertrud v. Ribbentrop für eine lebenslängliche Monatsrente adoptieren. Überzeugter Monarchist, der die Weimarer Republik ablehnte, stand R. zunächst der DVP nahe, unterstützte aber seit 1930 die NSDAP und wurde 1932 Parteimitglied. Im Jan. 1933 wurde sein Haus zum Treffpunkt für Koalitionsgespräche, die zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler führten. R., der für die Stadt Potsdam in den Reichstag zog, erhielt von Hitler diplomatische Spezialaufträge nach Frankreich und England. 1934 wurde er zum Sonderbotschafter, 1935 zum Botschafter für Abrüstungsfragen ernannt. Am 18.6.1935 gelang ihm der Abschluß des dt.-brit. Flottenabkommens. Nunmehr galt er als Hitlers Englandexperte und Berater in außenpolitischen Fragen. Ohne eigene parteipolitische Hausmacht, baute sich R. mit der „Dienststelle Ribbentrop“, ambitioniert gegenüber dem Auswärtigen Amt in der Wilhelmstraße gelegen, in kurzer Zeit einen gut funktionierenden Apparat auf, der mit vergleichbaren Parteiinstitutionen (z. B. dem Amt Rosenberg) konkurrierte. Von Heinrich Himmler unterstützt, stieg er in der SS rasch auf (SS-Standartenführer 1933, SS-Brig.führer 1940). Im Herbst 1936 wurde R. von Hitler zum Botschafter in London mit dem Auftrag ernannt, England für ein Bündnis mit Deutschland zu gewinnen, was jedoch angesichts der Unvereinbarkeit der dt. und brit. Interessen mißlang. In seinem Abschlußbericht als Botschafter vom 2.1.1938 empfahl R. eine Politik nicht mehr mit, sondern ohne, notfalls auch gegen England. Ein gegen England gerichtetes Bündnis mit dem faschistischen Italien und mit Japan (Antikominternpakt 1937, Stahlpakt 1939, Dreimächtepakt 1940) sollte die politische Umorientierung vorbereiten.

    R. löste am 4.2.1938 Constantin v. Neurath als Außenminister ab. Während des „Anschlusses“ Österreichs an das Dt. Reich im März 1938 stand er noch im Hintergrund, vertrat dann aber in der Sudetenkrise im Sommer 1938 eine radikale, an die Schwelle zum Krieg führende Politik. In der Nacht vom 23. zum 24.8.1939 unterzeichnete R. in Moskau einen dt.-Sowjet. Nichtangriffsvertrag. Er begriff dieses Bündnis als Grundpfeiler seiner antibrit. Konzeption und als Basis dt. Weltmachtpolitik, die an die Traditionen wilhelminisch-imperialistischer Zielvorstellungen anknüpfte, nicht auf der Linie von Hitlers rassenideologisch determiniertem außenpolitischen „Programm“ lag. Nur vorübergehend und pragmatisch-situativ schwenkte Hitler auf die Konzeption seines Außenministers ein, der zunehmend an Einfluß verlor. Im Nov. 1940 suchte R. vergeblich, seinen nach Berlin gekommenen Sowjet. Amtskollegen Molotow für eine globale Interessenabstimmung zwischen Deutschland und Rußland zu gewinnen. Für Hitler stand jedoch längst der ideologisch motivierte Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion fest, der dann am 22.6.1941 begann. Bei der Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“ wurde R. zu einem der aktivsten Erfüllungsgehilfen Hitlers. Dieser löste ihn vor seinem Selbstmord am 30.4.1945 als Außenminister durch Seyß-Inquart ab. R. galt als arrogant, ehrgeizig und ganz von der Gunst des Führers abhängig, als „Falke“ unter Hitlers Beratern. Als einer der Hauptschuldigen an der Entfesselung des 2. Weltkriegs wurde er im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zum Tod durch den Strang verurteilt.|

  • Auszeichnungen

    EK I. u. II. Kl.; Goldenes Ehrenzeichen d. NSDAP (1937).

  • Werke

    Zw. London u. Moskau, Erinnerungen u. letzte Aufzeichnungen, Aus d. Nachlaß hg. v. Annelies v. Ribbentrop, 1961; Zwei Niederschrr. R.s über d. Persönlichkeit Adolf Hitlers u. d. letzten Tage in Berlin, hg. v. D. Krywalski, in: GWU 18, 1967, S. 730-40.

  • Literatur

    Berliner Ill. Ztg. 45, Nr. 20 v. 14.5.1936 (P); Paul Schwarz, This Man R., 1943; J. C. Fest, J. v. R. oder d. Degradierung d. Diplomatie, in: ders., Das Gesicht d. Dritten Reiches, Profile e. totalitären Herrschaft, 1963, 81986; W. Michalka, R. u. d. dt. Weltpol. 1933-1940, Außenpol. Konzeptionen u. Entscheidungsprozesse im Dritten Reich, 1980; ders., in: R. Smelser u. R. Zitelmann (Hg.), Die braune Elite, 1989, S. 201-11 (P); M. Bloch, R., A Biography, 1992; J. Weitz, Hitler's Diplomat, The Life and Times of J. v. Ribbentrop, 1992; S. Kley, Hitler, R. u. d. Entfesselung d. Zweiten Weltkrieges, 1996; Rainer F. Schmist, Die Außenpol. d. Dritten Reiches 1933-1939, 2002. – Teilnachlaß BA Koblenz (u. a. P); Pol. Archiv d. AA Berlin (vgl. Akten z. Dt. Auswärtigen Pol. 1918-1945, Serien C, D, E).

  • Autor

    Wolfgang Michalka
  • Empfohlene Zitierweise

    Michalka, Wolfgang, "Ribbentrop, Joachim von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 500-502 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118600192.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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