Lebensdaten
1903 – 1944
Geburtsort
München
Sterbeort
Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion
Diplomat ; Widerstandskämpfer ; Jurist
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 119009471 | OGND | VIAF: 22941985
Namensvarianten
  • Brücklmeier, Eduard
  • Brücklmeier, Eduard

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Zitierweise

Brücklmeier, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119009471.html [22.04.2024].

CC0

  • Eduard Brücklmeier war als Diplomat im Auswärtigen Amt und nach seiner Entlassung aus dem auswärtigen Dienst an Oppositionsbestrebungen gegen das NS-Regime beteiligt; zuletzt gehörte er zum inneren Kreis des Widerstands vom 20. Juli 1944. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, wurde er am 20. Oktober 1944 in der Strafanstalt Berlin-Plötzensee hingerichtet.

    Lebensdaten

    Geboren am 8. Juni 1903 in München
    Gestorben am 20. Oktober 1944 (hingerichtet) in Berlin-Plötzensee
    Konfession römisch-katholisch
    Eduard Brücklmeier (InC)
    Eduard Brücklmeier (InC)
  • Lebenslauf

    8. Juni 1903 - München

    ca. 1907 - Leipzig

    Übersiedlung der Familie

    1908 - 1915 - Leipzig

    Schulbesuch

    III. Höhere Bürgerschule; Thomasschule (humanistisches Gymnasium)

    1915 - 1923 - Karlsruhe; Naumburg an der Saale; Berlin-Lichterfelde

    Kadett (Abschluss: Abitur)

    Preußisches Kadettenkorps; Hauptkadettenanstalt Berlin-Lichterfelde (seit 1920 Staatliche Bildungsanstalt)

    1923 - 1927 - München; Leipzig; Würzburg; Lausanne (Kanton Waadt)

    Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie (Abschluss: Erste Juristische Staatsprüfung)

    Universität

    1927 - Würzburg

    Promotion (Dr. iur.)

    Universität

    1928 - 1930 - Berlin

    Attaché (1929 Diplomatisch-konsularische Prüfung)

    Auswärtiges Amt

    Juni 1930 - Dezember 1930 - Bagdad

    kommissarischer Vizekonsul

    Konsulat

    Januar 1931 - Juni 1932 - Teheran

    Attaché; kommissarischer Leiter

    Konsulat

    Juli 1932 - April 1933 - Colombo (Ceylon, heute Sri Lanka)

    Vizekonsul; kommissarischer Leiter

    Konsulat

    Mai 1933 - Dezember 1935 - Kattowitz (heute Katowice, Polen)

    Vizekonsul (April 1934 Legationssekretär)

    Generalkonsulat

    Januar 1936 - Juli 1938 - London

    Mitarbeiter

    Deutsche Botschaft

    1.12.1937 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1938 - 1941

    Mitglied (letzter Dienstgrad: SS-Hauptsturmführer)

    SS

    August 1938 - Mai 1940 - Berlin

    Mitarbeiter (September 1938 Legationsrat II. Klasse); im Oktober 1939 infolge defätistischer Äußerungen verhört und inhaftiert; 1940 Versetzung in den Ruhestand

    Oktober 1940 - Oktober 1942 - Frankreich; Berlin

    Kriegsdienst; seit Januar 1941 Mitarbeiter der Auslandsbriefprüfstelle

    Wehrmacht, u. a. Allgemeines Heeresamt

    1943 - Berlin

    Büroleiter

    Nordsee Deutsche Hochseefischerei AG

    1944 - Berlin

    Verhaftung wegen Beteiligung am Attentat des 20. Juli 1944; Prozess; Hinrichtung

    Volksgerichtshof; Strafanstalt Berlin-Plötzensee

    20. Oktober 1944 (hingerichtet) - Berlin-Plötzensee
  • Genealogie

    Vater Bruno Brücklmeier 1872–1943 Justizrat; Rechtsanwalt am Reichsgericht in Leipzig
    Mutter Alpina Brücklmeier, geb. Nachbaur
    Großvater mütterlicherseits Franz Innozenz Nachbaur 30.3.1830–21.3.1902 aus bäuerlicher Familie in Kressbronn am Bodensee; Opernsänger (Tenor) v. a. in Prag, Darmstadt und München
    Großmutter mütterlicherseits Pulina Albina Nachbaur, geb. Löbl
    Bruder Erich-Fritz Brücklmeier geb. 25.12.1907–1960 Theaterregisseur; Künstlerischer Direktor der Bremer Kammerspiele
    Heirat 14.3.1937 in Zagreb
    Ehefrau Klothilde Maria Violetta Brücklmeier, geb. von Obermayer-Marnach geb. 3.3.1912 aus Timișoara (Rumänien)
    Schwiegervater Kurt von Obermayer-Marnach österreichischer Offizier
    Kinder eine Tochter
    Onkel mütterlicherseits Franz Nachbaur 15.4.1873–5.12.1926 aus München; Schauspieler, Regisseur und Intendant; verh. mit Jenny Nachbaur, geb. Leefeld (geb. ca. 1870), aus Wien, Soubrette
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Brücklmeier, Eduard (1903 – 1944)

    • Vater

      Bruno Brücklmeier

      1872–1943

      Justizrat; Rechtsanwalt am Reichsgericht in Leipzig

    • Mutter

      Alpina Brücklmeier

      • Großvater mütterlicherseits

        Franz Innozenz Nachbaur

        30.3.1830–21.3.1902

        aus bäuerlicher Familie in Kressbronn am Bodensee; Opernsänger (Tenor) v.·a. in Prag, Darmstadt und München

      • Großmutter mütterlicherseits

        Pulina Albina Nachbaur

    • Bruder

      Erich-Fritz Brücklmeier

      geb. 25.12.1907–1960

      Theaterregisseur; Künstlerischer Direktor der Bremer Kammerspiele

    • Heirat

      in

      Zagreb

      • Ehefrau

        Klothilde Brücklmeier

        geb. 3.3.1912

        aus Timișoara (Rumänien)

  • Biografie

    Aus einem bürgerlichen, nationalkonservativ orientierten Elternhaus stammend, wuchs Brücklmeier in Leipzig auf, wo sein Vater am Reichsgericht tätig war. Seit dem Frühjahr 1915 besuchte er preußische Kadettenanstalten in Karlsruhe, Naumburg an der Saale und Berlin-Lichterfelde. Nach dem Abitur 1923 studierte er Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in München, Leipzig, Lausanne (Kanton Waadt) und Würzburg, wo er 1927 mit der Dissertation „Die geschichtliche Entwicklung der Konsulargerichtsbarkeit und ihre Rechtsgestaltung für Deutschland im Anschluß an den Weltkrieg“ bei dem Staats- und Kirchenrechtler Christian Meurer (1856–1935) zum Dr. iur. promoviert wurde, und trat im Mai 1927 in den auswärtigen Dienst ein. In seiner Ausbildung zum Attaché am Auswärtigen Amt (AA) lernte Brücklmeier u. a. die späteren Diplomaten und Widerstandskämpfer Albrecht von Kessel (1902–1976) und Gottfried von Nostitz-Drzewiecki (1902–1976) kennen.

    Nach Stationen in Bagdad und Teheran, wo seine Vorgesetzten Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg (1875–1944) und Wipert von Blücher (1883–1963) waren, diente Brücklmeier seit Juli 1932 als kommissarischer Leiter des Konsulats in Colombo (Ceylon, heute Sri Lanka) und seit Mai 1933 als Vizekonsul des Generalkonsulats in Kattowitz (heute Katowice, Polen). Hier geriet er aufgrund von Minderheitenfragen, für die er zuständig war, in Konflikt mit Vertretern der NSDAP-Auslandsorganisation. Im Januar 1936 an die deutsche Botschaft in London versetzt, bearbeitete Brücklmeier hier u. a. Fragen zur deutschen Rheinlandbesetzung und lernte im Oktober 1936 Botschafter Joachim von Ribbentrop (1893–1946) kennen, der, inzwischen Reichsminister des Auswärtigen, ihn im August 1938 als Mitarbeiter seines von Erich Kordt (1903–1969) geleiteten Büros nach Berlin holte. Brücklmeier, der 1937/38 durch seine Mitgliedschaften in NSDAP und SS ein öffentliches Bekenntnis zum NS-Regime abgelegt hatte, wurde am 1. September 1938 zum Legationsrat befördert.

    Brücklmeier begleitete Ribbentrop auf mehreren Auslandsreisen, geriet jedoch bald in Gegensatz zu der immer offener auf Krieg ausgerichteten, nationalsozialistischen Außenpolitik und fiel nach Beginn des Zweiten Weltkriegs infolge defätistischer Äußerungen über die deutschen Kriegsaussichten und Denunziation in Ungnade. Im September 1939 von der Gestapo inhaftiert, wurde Brücklmeier am 10. Oktober 1939 vom Chef des Reichssicherheitshauptamts, Reinhard Heydrich (1904–1942), verhört, jedoch nicht mit oppositionellen Bestrebungen im AA in Verbindung gebracht und am 26. Mai 1940 unter Beibehaltung des Ruhestandsgehalts aus dem Auswärtigen Dienst entfernt. Am 1. November 1941 erfolgte die Entlassung aus der SS. Im Oktober 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, war Brücklmeier von April 1941 bis Oktober 1942 zeitweilig als Kriegsverwaltungsrat im Oberkommando des Heeres in Berlin tätig. Er arbeitete hier mit dem Chef des Allgemeinen Heeresamts, General Friedrich Olbricht (1888–1944), einem Mitverschwörer des 20. Juli 1944, zusammen und entging dank dessen Intervention einer Einberufung zum Kriegseinsatz gegen die Sowjetunion.

    Im Rahmen des Widerstands gegen das NS-Regime fungierte Brücklmeier v. a. als Netzwerker. Er hielt Kontakte u. a. zu Carl Goerdeler (1884–1945), der nach dem Sturz des NS-Regimes als neuer Reichskanzler vorgesehen war, und zu seinem ehemaligen Vorgesetzten Schulenburg, der in den Umsturzplänen zeitweise als Außenminister firmierte. Weitere Kontaktpersonen Brücklmeiers waren Peter Graf Yorck von Wartenburg (1904–1944), ein führender Kopf des „Kreisauer Kreises“, sowie Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld (1902–1944), der zum innersten Kreis der Verschwörer des 20. Juli gehörte und zeitweilig in Brücklmeiers Potsdamer Wohnung untergebracht war. Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945) wurde Brücklmeier am 27. Juli 1944 verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

  • Auszeichnungen

    1923/24 Mitglied der Studentenverbindung Corps Bavaria, München
    ca. 1937 Englische Krönungsmedaille, vermutlich verliehen anlässlich der Krönung von König Georg VI. (1895–1952)
    1953 Brücklmeierstraße, München
    1961 Ehrentafel im Bonner Auswärtigen Amt mit den Namen der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944
    2000 Gedenkwand im Auswärtigen Amt, Berlin
    2005 Gedenktafel, Potsdam, Leiblstraße 5
    2021 Stolperstein vor dem ehemaligen Dienstsitz des Auswärtigen Amts, Berlin Wilhelmstraße 92 (Onlineressource)
  • Quellen

    Nachlass:

    Privatbesitz.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, SS-Offiziersakte. (Bestand BDC)

    Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Berlin, 1892–1897; B 100/2296. (Personalakten)

  • Werke

    Die geschichtliche Entwicklung der Konsulargerichtsbarkeit und ihre Rechtsgestaltung für Deutschland im Anschluss an den Weltkrieg, 1927. (Diss. iur.)

  • Literatur

    Detlev Graf von Schwerin, Die Jungen des 20. Juli 1944. Brücklmeier, Kessel, Schulenburg, Schwerin, Wussow, Yorck, 1991, bes. S. 30–34.

    Peter Steinbach/Johannes Tuchel, Art. „Brücklmeier, Eduard“, in: dies. (Hg.), Lexikon des Widerstandes 1933–1945, 2. überarb. u. erw. Aufl. 1998, S. 36.

    Sebastian Sigler, Brücklmeier. Mann des 20. Juli, in: ders. (Hg.), Freundschaft und Toleranz. 200 Jahre Corps Bavaria zu Landshut und München, 2006, S. 247–264.

    Sebastian Sigler, Eduard Brücklmeier (Corps Bavaria München). Ein Mann des Widerstandes am 20. Juli 1944, in: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung 25 (2007), S. 313–334.

    Jan Erik Schulte, Gestapo und nationalkonservative Opposition bei Kriegsbeginn. Der Fall Eduard Brücklmeier, in: ders./Michael Wala (Hg.), Widerstand und Auswärtiges Amt. Diplomaten gegen Hitler, 2013, S. 135–149 u. 316–320.

    Sebastian Sigler, Eduard Brücklmeier. Netzwerker gegen Hitler, in: ders. (Hg.), Corpsstudenten im Widerstand gegen Hitler, 22014, S. 93–113.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografie, ca. 1940, Abbildung in: „Zum Gedenken“. Gedenkschrift des Auswärtigen Amtes, 2010, S. 22. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Jan Erik Schulte (Bochum) / Thomas Vordermayer (München)

  • Zitierweise

    Schulte, Jan Erik / Vordermayer, Thomas, „Brücklmeier, Eduard“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119009471.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA