Lebensdaten
1780 bis 1849
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Verleger ; Jurist ; Kriminalschriftsteller ; Kriminalrat ; Kriminalist
Konfession
jüdisch,lutherisch
Normdaten
GND: 119209349 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hitzig, Eduard
  • Itzig, Isaak Elias (bis 1799)
  • Itzig, Julius Eduard (1799-1808)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Hitzig, Julius Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209349.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Elias Daniel Itzig, seit 1808 Hitzig (1755–1818), Lederfabr. u. Stadtrat in Potsdam, Gutsbes., S d. Daniel Jaffe gen. Itzig (1723–99), Hofbankier u. Bergwerksunternehmer, Oberlandesältester d. preuß. Juden, Ritterguts- u. Fabrikbes., begründete mit David Friedländer 1778 d. erste jüd. Freischule in B. (s. Jüd. Lex., P), u. d. Miriam Bonem Wulff;
    M Marianne (1758–1827), T d. Bankiers Naphtali Herz Abraham Leffmann ( 1775) in B. u. d. Edel Ries;
    Schw Henriette (⚭ Karl Theodor Nathanael Mendelssohn, 1782–1852, Hauptinsp. d. Kgl. Münze in B. u. Gründer d. Polytechn. Ges.), Louise (⚭ Jean Jacques Arland, 1830, Prof. am Franz. Gymnasium u. ref. Prediger in B.), Karoline (⚭ Paul Erman, 1851, Physiker, s. NDB IV), Elise Adelaide (⚭ August v. Etzel, 1783–1850, preuß. Gen.-Major u. Telegraphendir., Geogr., s. ADB VI; Priesdorff VI, S. 80 ff., P);
    Vt Jak. Ludw. Salomo Bartholdy ( 1825), preuß. Diplomat u. Kunstkenner (s. NDB I), - Berlin 1804 Johanna (1782–1814), gesch. v. Bergassessor Meyer, T d. Kaufm. Naphtali Barnet Bartenstein in Troppau;
    1 S, 2 T Friedrich (s. 2), Eugenie ( Joh. Jak. Baeyer, 1885, Geodät, Gen.-Lt., s. NDB I), Klara ( Franz Kugler, 1858, Kunsthistoriker, Dichter); Pflege-T Antonie Piaste ( Adelbert v. Chamisso, 1838, Dichter u. Naturforscher, s. NDB III);
    E Eduard (s. 1), August v. Etzel (1808–88), preuß. Gen. d. Inf. (s. Priesdorff VII, S. 51 f., P), Klara (⚭ Eduard Wilsing, 1809–93, Komp. u. Musiklehrer in B., s. MGG 14), Margaretha Kugler ( Paul Heyse, 1914, Schriftsteller, s. NDB IX).

  • Leben

    Nach dem Studium in Halle und Erlangen begann H. seine juristische Laufbahn 1799 als Auskultator bei der Regierung in Warschau. Dort lernte er Jakob Mnioch und Zacharias Werner kennen. Die geistigen Anregungen des nahen freundschaftlichen Umgangs zwischen H. und Werner und der ihm folgende Briefwechsel, als H. 1801 Referendar beim Kammergericht in Berlin wurde, gewannen maßgebliche Bedeutung für die Entstehung beider Teile des Wernerschen|Dramas „Die Söhne des Tals“. Werner hat in der Gestalt des Robert d'Heredon ein Bildnis des Freundes gegeben. In Berlin knüpfte H. zahlreiche literarische Verbindungen, die ihren Mittelpunkt in der Gründung des „Nordsternbundes“ fanden. Zu den Mitgliedern zählten Varnhagen von Ense, Chamisso, Wilhelm Neumann, Ferdinand Koreff, Franz Theremin und Fouqué. Bei der Rückkehr nach Warschau als Regierungsassessor traf H. 1804 abermals mit Werner und vor allem mit E. T. A. Hoffmann zusammen, dem er die Schriften der frühen und der Berliner Romantik erschloß. Von den Franzosen 1807 aus seinem Amt verdrängt, gründete H. nach einer kurzen Buchhändlerlehre bei Georg Reimer 1808 einen eigenen Verlag, in dem die „Berliner Abendblätter“ erschienen, über deren Redaktion es zu einer scharfen öffentlichen Auseinandersetzung zwischen H. und Heinrich von Kleist kam. 1814 verkaufte H den Verlag an Dümmler und trat wieder in den preußischen Staatsdienst ein. 1815 zum Kriminalrat und 1827 zum Direktor des Inquisitoriats ernannt, gewann er eine einflußreiche Stellung auf dem Gebiet des Strafrechts, dessen Revision er durch die Herausgabe zweier Fachzeitschriften in eine protestantisch-konservative Richtung zu lenken suchte. Im literarischen Leben Berlins hat er sich vornehmlich durch sein Organisationstalent und seine Dichterfreundschaften Geltung verschafft. Chamisso schickte die Fortsetzungen des entstehenden „Peter Schlemihl“ an H. für dessen Kinder, und E. T. A. Hoffmann dichtete für sie das Märchen „Nußknacker und Mausekönig“. Das Kapitel über das Warschauer Gesellschafts- und Theaterleben in H.s Hoffmann-Biographie ist wahrscheinlich aus H.s Anteil an dem „Roman des Freiherrn von Vieren“ hervorgegangen, den Hoffmann, Chamisso, Contessa und H. gemeinsam zu schreiben begonnen hatten. Im Kreise der „Serapionsbrüder“ erscheint H. unter dem Namen Othmar. 1824 gründete er die „Mittwochsgesellschaft“, die sich an alle literarisch Interessierten Berlins wandte und sich die Förderung der Kenntnis zeitgenössischer Literatur zum Ziel setzte. Auf Goethes Anregung wurde auch die Literatur des Auslands einbezogen. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt beschäftigte sich H. juristisch und publizistisch mit Fragen des Urheberrechts, der Berufsschriftstellerei und des Pressewesens. Zusammen mit Wilhelm Häring (Willibald Alexis) gab er 1842-47 12 Bände des „Neuen Pitaval, Einer Sammlung der interessantesten Criminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit“ heraus.

    H.s literaturgeschichtliche Bedeutung besteht darin, daß ihm die ersten Biographien Hoffmanns, Werners, Chamissos und Fouqués zu verdanken sind. Über den Charakter von Nekrologen führen sie durch die Fülle mitgeteilter Briefe und Lebensdokumente hinaus. Entstanden im Zusammenhang mit Nachlaßveröffentlichungen oder als abschließende Bände einer Ausgabe letzter Hand, betonen sie nachdrücklich die Authentizität des Berichteten, rücken jedoch in ihrer stark von persönlichen Bindungen abhängigen Sicht die Person des Verfassers so sehr in den Vordergrund, daß Biographie und Selbstbiographie häufig ineinander übergehen. Jede dieser Lebensdarstellungen ist zur Geschichte einer Freundschaft geworden. H. hat hierdurch einen Typus geschaffen, dem späterhin viele Künstlermonographien gefolgt sind. Sein Streben nach einem Ausgleich des Subjektiven und Objektiven in der Urteilsbildung, nach Übereinstimmung gedenkender Würdigung und psychologischer Erklärung fand die lobende Anerkennung Jean Pauls, Hebbels und auch Heines, obgleich dieser in dem Gedicht „Jehuda ben Halevy“ des „Romancero“ H.s religiöse Haltung verspottete. Seit Georg Ellinger hat die Forschung dagegen besonders H.s Hoffmann-Biographie scharf kritisiert.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Tübingen 1832).

  • Werke

    Weitere W Gedichte (unter Ps. Eduard) 1804–06, in: Musenalm. 1.-3. Jg., hrsg. v. L. A. v. Chamisso u. K. A. Varnhagen;
    Aus (E. T. A.) Hoffmanns Leben u. Nachlaß, 2 T., 1823, 31-3 in 1 Bd., 1839;
    Lebens-Abriß Frdr. Ludw. Zacharias Werners, 1823;
    Gel. Berlin im J. 1825, 1826;
    Das Göthefest in Berlin 1825 (als Ms. f. d. Mitgl. u. Gäste d. Mittwochsges.);
    Über belletrist. Schriftstellerei als Lebensberuf, 1838;
    Über belletrist. Schriftstellerei anderweitige Mitt., 1838;
    Das Kgl. Preuß. Gesetz v. 11. Juni 1837 z. Schutze d. Eigentums an Werken d. Wiss. u. Kunst gegen Nachdruck u. Nachbildung, 1838;
    Leben u. Briefe v. A. v. Chamisso, in: A. v. Chamisso, Werke, Bd. 5 u. 6, 1839;
    Vollst. Acten in d. wider mich auf Denunciation d. Criminalgerichts zu Berlin eingel. fiscal. Unters, wegen angebl. Beleidigung dieses Gerichts durch öffentl. Kritik…, 1844 f.;
    Briefe an F. Baron de La Motte Fouqué, Mit e. Biogr. Fouqués v. J. E. H.hrsg. v. Albertine Baronin de la Motte Fouqué, 1848. -
    Hrsg.: Zs. f. d. Criminal-Rechts-Pflege in d. Preuß. Staaten, 24 Bde., 1825-36;
    Ann. d. dt. u. ausländ. Criminal-Rechts-Pflege, 17 Bde., 1828-37. - Hs. Nachlaß:
    Berlin, Märk. Mus., u. Merseburg, Dt. Zentralarchiv.

  • Literatur

    ADB XII;
    Briefe d. Dichters F. L. Zacharias Werner, Mit e. Einführung hrsg. v. O. Floeck, 2 Bde., 1914, Nr. 18 u. ö. (P);
    E. T. A. Hoffmanns Briefwechsel, hrsg. v. F. Schnapp, 3 Bde., 1967-69, Nr. 158 u. ö.;
    Heinrich v. Kleists Lebensspuren, Dokumente u. Berr. d. Zeitgenossen, hrsg. v. H. Sembdner, 21964, Nr. 338 u. ö.;
    J. W. Goethe,|Werke, Weimarer Ausg., IV. Abt., Bd. 26, S. 293-95, Bd. 28, S. 202 f., Bd. 46, S. 143-46, Bd. 47, S. 194 f.;
    Goethe-Jb. 22, 1901, S. 77-83;
    F. Hebbel, Sämtl. Werke, hrsg. v. R. M. Werner, X, 1903, S. 412-14;
    F. Kugler, Zur Erinnerung an J. E. H., in: Preuß. Staats-Anz. v. 11.12.1849, auch separat 1849;
    H. v. Müller, 'u E. T. A. Hoffmann: Verz. d. Schriftstücke v. ihm, an ihn u. üb. ihn, d. im Bes. s. Biographen H. gewesen sind, in: Euphorion 9, 1902;
    ders., Die geschäftl. Verwertung d. geistigen Nachlasses [E.T.A. Hoffmanns] durch H. zu Gunsten d. Wittwe, in: H. v. Müller, E. T. A. Hoffmann im persönl. u. briefl. Verkehr II, H. 3, 1912, S. 549-751 (zahlr. Briefe v. u. an H.);
    F. Nußbaum, J. E. H. als Biograph s. Freunde, Diss. Wien 1933 (ungedr.);
    A. Brauer, Dümmler-Chronik, 1958, S. 11-18 (P);
    H.-W. Dechert, Fouqués „Marquisgesch.“ in Kleists „Abendblättern“, in: Zs. f. Dt. Philol. 89, 1970;
    Goedeke IX, XIV.

  • Portraits

    Zeichnung v. Lowe, 1817 (Berlin, Märk. Mus);
    v. F. Krüger, 1825 (ebd.), beide abgeb. in: Briefe d. Dichters F. L. Zach. Werner II, 1914, n. S. 301 u. 350. -
    Holzschn. v. A. v. Menzel (Dresden, Staatl. Kupf.kab.), Abb. in: LIZ v. 4.5.1844.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Hitzig, Julius Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 274-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209349.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hitzig: Julius Eduard H., hervorragend als Schriftsteller und Criminalist, geb. am 26. März 1780 zu Berlin als ältester Sohn des später in Potsdam ansässigen, vielfach verdienten Stadtrathes H., gest. zu Berlin am 26. November 1849. Er studirte in Halle und Erlangen, während welcher Zeit er Beziehungen mit Bartholdy (nachmaligem General-Consul), Clemens Brentano, dem jüngeren Wieland u. A. anknüpfte; bestand 1799 die erste juristische Prüfung und ging als Auscultator nach Warschau. Hier fand er zwei Dichter von hoher geistiger Begabung, Jakob Mnioch und Zacharias Werner, mit denen ihn bald die innigsten freundschaftlichen Bande verknüpften. Werner zeichnete das Bild seines jüngeren Freundes in dem Tempelritter Robert d'Heredon seiner „Söhne des Thales“. 1801 nach Berlin zu weiteren Arbeiten zurückgekehrt, lernte er Altersgenossen in Chamisso, Wilh. Neumann, Varnhagen, Theremin, Koreff u. A. kennen und war sehr bald der Mittelpunkt des jugendlichen Dichterbundes. Man stellte aus den|dichterischen Erzeugnissen den „Musenalmanach“ zusammen, wozu H. namentlich Uebersetzungen aus romanischen Sprachen lieferte. Kritiken des Geleisteten gab Werner aus Warschau. Nach Absolvirung der dritten Prüfung im J. 1804 schloß H. seine eheliche Verbindung, der große Hindernisse entgegengestanden hatten, und ging wieder nach Warschau, wo er einer jüngeren Tochter seines 1804 gestorbenen Freundes Mnioch im eigentlichen Sinne des Wortes Vater wurde, diese Liebe auch auf deren Kinder übertragend. Er fand dort als Rath an der Regierung E. T. A. Hoffmann, der damals ganz der Musik lebte. Dichterische Interessen führten sie zusammen und eine kurze Zeit heitersten Zusammenwirkens und Genießens ging an den Freunden vorüber. Genöthigt 1807 nach der Heimath zurückzukehren, suchte er sich, um dem Staate nicht zur Last zu fallen, eine neue Existenz zu schaffen, übersetzte z. B. ein großes chemisches Werk von Chaptal, was unter Hermbstädt's Namen, Berlin 1808 deutsch erschien. Seine vielen litterarischen Kenntnisse und sein litterarisches Interesse bewogen ihn Buchhändler zu werden. Er lernte bei Reimer und eröffnete 1808 eine bei seiner großen Geschicklichkeit, trotz der schlechten Zeiten, bald blühende Buchhandlung, verlegte eine namhafte Zahl ausgezeichneter Werke (u. A. auch Fouque's Sigurd in Prachtausgabe, mit Holzschnitt auf dem Titel, was damals für Werke der Poesie unerhört war!). — Im J. 1813 arbeitete er bei Organisirung des Landsturmes in der General-Adjutantur, verlor 1814 leider seine ihm über Alles theure Gattin und verkaufte die Handlung an Dümmler, wurde 1815 Kriminal- und Pupillenrath, 1827 Director des Inquisitoriats beim Kammergerichte. Er führte in dieser Zeit die Schlußuntersuchung wider die in Köpenick Verhafteten, unbeirrt durch die bedenklichen Drohbriefe, die ihm die Tyrannenmörder „Harmodius und Aristogiton“ schrieben. Viele der Angeklagten fühlten das edle Herz des Richters und es entsprang daraus manches freundschaftliche Verhältniß. Als im J. 1825 das Kammergericht mit der Revision des Strafrechts beauftragt und ihm der Bericht übertragen wurde, nahm er wahr, daß mau im übrigen Deutschland wenig von der Strafrechtspflege in Preußen und umgekehrt wisse, was ihn dazu brachte die „Zeitschrift für die preußische Kriminalrechtspflege“, 24 Bde. 1825—36, mit 4 Repertorien, später die „Annalen für deutsche und ausländische Kriminalrechtspflege“, 17 Bde., 1828—37 (fortgesetzt von Demme, Klunge und Schletter bis 1855) herauszugeben. (Es galt ihm hierbei hauptsächlich den Kampf gegen die laren Grundsätze der Neuzeit, gegen die falsche Humanität, die das Verhältniß von Wille und That verrückt hatte. Von dem Ertrage der Zeitschrift bestimmte H., dankbar anerkennend, wie seine Stellung bei dem ersten Kriminalcollegium der Monarchie und das thätige Entgegenkommen desselben die Fortführung dieser Arbeiten allein möglich machte, 50 Thaler von jedem Bande zur Remuneration bedürftiger, beim Kammergerichts-Inquisitoriat arbeitender Referendarien. Der gemüthliche Verkehr mit Hoffmann, von dem uns in den „Serapionsbrüdern“ ein anziehendes Bild erhalten ist, zerriß schon vor Hoffmann's Tode (25. Juni 1822). Im Januar 1823 starb Werner und setzte H. beiden Freunden in Biographien, die er 1823 herausgab, — es sind Meisterwerke ihrer Art — ein bleibendes Denkmal. Mit väterlicher Freundessorge hatte er sich an Chamisso angeschlossen. Im J. 1824 erließ er eine öffentliche Aufforderung zur gesellschaftlichen Vereinigung der Litteraturfreunde Berlins, die zur Gründung der Mittwochsgesellschaft führte. Damit begann eine Zeit frischer Bewegung, als Männer wie Chamisso, Neumann, Fouqué, Streckfuß, Raupach, Eichendorff, Holtei, Uechtritz, Häring, Simrock, Gaudy u. A. Theil nahmen, wo H. das feste, zusammenhaltende Band bildete. Bei Gelegenheit einer Karlsbader Kur lernte er Jean Paul kennen, bei weiteren Reisen machte er sich mit dem französischen Geschworenenverfahren vertraut. Den litterarischen Interessen diente|Hitzig's Publikation: „Gelehrtes Berlin im Jahre 1825“, Berlin 1826, das für die Culturgeschichte und Litteraturgeschichte einen schätzbaren Beitrag liefert. Das Honorar wurde von ihm zum Ankauf einer Actie zu dem Türk'schen Civil-Waisenhause bestimmt, um den Nachkommen eines bedürftigen Berliner Schriftstellers die Aufnahme in jenes treffliche Institut zu sichern. Geehrt durch die Ernennung zum Doctor der Rechte seitens der juridischen Facultät in Tübingen am 1. Januar 1832, fühlte er doch mehr und mehr seine Kräfte schwinden. Auf dem linken Auge erblindet, mußte er auch den Verlust des rechten befürchten und beantragte daher 1832, nach ehrenvoller Ablehnung von Neuem 1835 seinen Abschied, der ihm unter Verleihung des Rothen Adlerordens dritter Klasse und Pensionsgewährung bewilligt wurde. 1837 empfing er vom Herzoge von Sachsen-Altenburg das Ritterkreuz des sächsisch-ernestinischen Hausordens. Als das Gesetz vom 11. Juni 1837 „zum Schutze des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung“ erschien, commentirte er dasselbe (1838) und wurde Vorsitzender des Litter. Sachverständigenvereins, gab auch seit 1840 in Leipzig die „Preßzeitung" heraus. Größeres Aufsehen erregten seine Aufsätze „Ueber belletristische Schriftstellerei als Lebensberuf“, 1838, und „Vier Variationen über ein Zeitthema“ (1842), in denen er, ein Vorläufer freierer Bewegung auf dem Gebiete der Presse, die schiefe Stellung der Regierung zur Publicität behandelte. Seinen tief religiösen Lebensanschauungen folgend, bevorwortete er: „Zuruf eines Christen an die Schriftsteller des französischen Volkes von G. de Felice. Ein Spiegel auch für die deutsche Schriftstellerwelt. Aus dem Französischen von Dr. K. Dielitz“, 1843. Eine letzte biographische Arbeit hatte er Chamisso gewidmet (Chamisso's Werke, 5. u. 6. Bd., Berlin 1839—40; Peter Schlemihl, Berl. 1839) und betheiligte sich noch an der großen „Sammlung der interessantesten Kriminalgeschichten aller Länder aus älterer und neuerer Zeit“, welche als „neuer Pitaval“ von ihm und Häring herausgegeben wurde. Ein schönes Zeugniß seines edlen, im Wohlthun die höchste Befriedigung findenden Charakters gab er, als einige Jahre nach seiner Pensionirung sein Gesundheitszustand sich erheblich besserte und ihm nun Zweifel aufstiegen, ob er nicht Unrecht begangen, dem Staate seinen Dienst als Richter zu entziehen und Jahre lang Lohn genommen zu haben, ohne etwas dafür zu leisten. Nach Spener's Anleitung (in dessen theologischen Bedenken II. 453) erbat er beim Könige die Erlaubniß, ein dem etwa zehnjährigen Betrage seiner Pension gleichkommendes Kapital dem Staate als Bermächtniß darbringen zu dürfen, nachdem die Wittwe eines seiner Freunde auf Lebenszeit oder ihre Kinder bis zur Majorennität des jüngsten die Zinsen desselben genossen haben würden. Dieses Geschenk von 6000 Thalern fand in der Cabinetsordre vom 25. April 1839 die würdigste Berücksichtigung. Von einem schlagähnlichen Zufall 1839 betroffen, der sich in schlimmerer Form 1845 erneuerte, entschlief er nach langem Leiden am 26. November 1849. Zu erwähnen sind noch von Schriften: „Geschichte der Zerstörung einer Fabrik falschen preußischen Papiergeldes in England im Jahre 1821“, 1827; „Camoens, Os Lusiadas", 1810; „Gozzi, Fiabe teatrali", 1809, 1810; „Staël, Aspasia“, 1811; „La Numancia de M. Cervantes de Saavedra“, 1811; „Berliner Universitätskalender für 1811, 1812“, Berlin 1812; „Deutschland nach Frau v. Staël“ (mit Buchholz u. Catel), 1814.

    • Literatur

      Nach den schönen Nekrologen von Kugler (Preuß. Staatsanzeiger vom 11. Decbr. 1849, auch separat 1849), und Gröger (Neuer Nekrolog d. Deutschen, Jahrg. 1849, Weimar 1851, II. 945—949). — Abegg, Die preuß. Strafgesetzgebung, Berl. 1854, S. 12, 17, 19, 25, 91, 101. —
      Wächter, Beil. z. Vorles. über d. deutsche Strafrecht, Stuttg. 1877, S. 175, 196. — Berner, Die Strafgesetzgebung in Deutschland, Leipzig 1867, S. 44.

  • Autor/in

    Teichmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Teichmann, "Hitzig, Julius Eduard" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 509-511 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209349.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA