Lebensdaten
1723 bis 1799
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Hoffaktor ; Münzunternehmer ; Oberhofbankier ; Lederfabrikant ; Eisenhüttenbesitzer ; Bergwerksunternehmer ; Rittergutsbesitzer ; Oberlandesältester der preußischen Juden in Berlin ; Mitbegründer der ersten jüdischen Freischule in Berlin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117212822 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jaffe genannt Itzig, Daniel
  • Jaffe, Daniel
  • Berlin, Daniel
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Itzig, Daniel, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117212822.html [26.09.2016].

CC0

Itzig (Berlin, Jaffe, Eschwe), Daniel

preußischer Hoffaktor, * 18.3.1723 Berlin, 17.5.1799 Berlin. (israelitisch)

  • Genealogie

    V Itzig (1679–1741), seit 1714 in B., Pferdehändler u. Heereslieferant Kg. Friedrich Wilhelms I. v. Preußen erhielt 1727 e. Generalgeleitspatent, S d. Handelsmanns Daniel Jaffe in Grätz/Posen; M Kela (um 1695–1779), T d. Amschel Eschwe ( 1738), aus Eschwege, Kaufm. u. Beisitzer d. jüd. Gemeinde in B., u. d. Hannchen Israel; Schw Pesse ( Isaak Flesch gen. Holländer, 1799, Gen.-privilegierter, Hoffaktor in B.), Abigail ( Moses Fließ gen. Chalfan, 1776, Gen.privilegierter u. Bankier in B.); - 1748 Mirjam, T d. Baumwollfabr. Benjamin Elias Wulff, später Wolff (1700–58), anhalt. Hoffaktor in Dessau u. B., Makler u. Barchentfabr., u. d. Lea Wallich; 5 S, 10 T, u. a. Isaak Daniel (1750–1806), Oberhofbankier, Hofbaurat u. Wegebauinsp., zus. mit s. Schwager David Friedländer 1777 Begründer d. jüd. Freischule, Elias Daniel (1756–1818), Stadtrat in Potsdam, nahm 1808/14 d. Namen „Hitzig“ an, Bella ( Levin Jacob Salomon, 1738–83, Bankier), nennt sich seit 1817 Bartholdy, Susanne ( David Friedländer, 1834, Vorkämpfer d. Judenemanzipation, s. NDB V), Fanny ( 1818, s. NDB I, Hofbankier Nathan Adam Frhr. v. Arnstein, 1838), Sarah ( Samuel Levy) hatte bekannten Salon in B., Cäcilie ( Bernhard Frhr. v. Eskeles, 1839, Bankier, s. NDB IV), Henriette (1760–1856, Mendel Oppenheim, 1756–1820, Bankier); E Julius Eduard Hitzig (1780–1849), Schriftsteller, Verleger, Jurist (s. NDB IX); Ur-E Friedrich Hitzig ( 1881), Architekt (s. NDB IX), Felix Mendelssohn-Bartholdy ( 1847), Komponist; Ur-Groß-N Eduard v. Fließ (1802–86), preuß. Gen.-Lt., Kavallerieführer d. Mainarmee 1866 (Schlacht b. Langensalza) (s. Priesdorff VII, S. 186 f., P).

  • Leben

    I. gehört mit Veitel Ephraim und Moses Isaak zu den Großlieferanten der preuß. Münzen und spielte eine bedeutende Rolle in der Finanz- und Wirtschaftspolitik Friedrichs d. Gr., dessen besondere Gunst er genoß. Die Anfänge der Firma D. I. waren recht bescheiden, denn der Vater hinterließ kein nennenswertes Vermögen. Sein immenses Vermögen erwarb der Hoffaktor durch die Großlieferungen zur Münze unter Friedrich d. Gr. und dessen Nachfolger, durch ständige Münzverschlechterungen während und nach dem 7jährigen Kriege, durch Beteiligung an den vom König geförderten Wirtschaftsunternehmungen und durch Heereslieferungen. Die Münzlieferungen begannen 1752, zunächst gemeinsam mit Moses Isaak für die Stettiner Münze. Seit 1755 hatte das Konsortium Gomperz, Itzig und Isaak die Generalpacht der preuß. Münzen; an die Stelle von Gomperz trat dann Ephraim. Das 2. Münzkonsortium bildeten also Ephraim, I. und Isaak; von Isaaks Ausscheiden 1760 bis zum Schluß des 7jährigen Krieges waren Ephraim und I. die alleinigen Generalpächter. 1771-86 war I. wiederum Großlieferant der preuß. Münze, besonders für Berlin, Königsberg und Breslau. 1764 erhielt er auch die Konzession zum Finieren für Berlin, Königsberg und Magdeburg, da ihm das Finieren zur „höchsten Feinheit“ gelungen war. Das im Kriege gewonnene Vermögen von 1 Million Taler wurde in Grundbesitz und Industrieunternehmungen angelegt. Das Haus Burgstraße 25 wurde mit 5 anderen Gebäuden 1762-65 zum Palais Itzig umgebaut. Es blieb 100 Jahre lang im Besitz der Familie, dann wurde es von I.s Urenkel, den Architekten Friedrich Hitzig, durch das Börsengebäude ersetzt. 1771 erwarb I. die 313 Morgen große Bartholdische Meierei, 1772 folgte die Übernahme der Potsdamer Gerberei für sämischgares Leder, dazu kamen die Beteiligung an der Wriezener Schnallenfabrik, an der Brennholz-Handelscompagnie, der Kauf der Eisenwerke zu Sorge und Voigtsfelde und ihre Verpachtung an die preuß. Bergbehörde, ferner Getreidelieferungen für das Heer. Nachdem I. zusammen mit Ephraim 1761 das Generalprivileg mit den Rechten christlicher Kaufleute erhalten hatte, ernannte ihn Friedrich d. Gr. 1764 zum immerwährenden Oberlandesältesten der Judenschaft in Preußen. Am 2.5.1791 erhielt er dann das Naturalisationspatent, das ihn, seine 15 Kinder und seine Schwiegersöhne zu Staatsbürgern erklärte. 1792 leistete I. den Bürgereid. Als Abgeltung für alle Judenabgaben zahlte er 15 000 Taler. I.s Nachlaßvermögen betrug noch 1 Mill. Taler.

  • Literatur

    H. Rachel, J. Papritz, P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten II, 1938;  S. Stern. The Court Jew, 1950;  H. Schnee, Die Hoffinanz u. d. moderne Staat, Gesch. u. System d. Hoffaktoren an dt. Fürstenhöfen im Za. d. Absolutismus I, 1955, S. 121 ff., 169 ff., III, 1955 (Stammtafel im Anhang);  R. Lorenz u. H. Schnee, Grundlegung d. Absolutismus, in: Hdb. d. dt. Gesch., hrsg. v. L. Just, II, 3, 1956.

  • Portraits

    Gem., 1780, Abb. in: H. Spiel, Fanny v. Arnstein, 1962.

  • Autor

    Heinrich Schnee
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnee, Heinrich, "Itzig, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 205 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117212822.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.