Lebensdaten
1895 bis 1953
Geburtsort
Belgrano bei Buenos Aires (Argentinien)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
nationalsozialistischer Agrarpolitiker ; Landwirtschaftsminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118671030 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Darré, Richard Walter Oscar
  • Darré, Ricardo Walter Oscar (eigentlich)
  • Darré, Walter
  • mehr

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Zitierweise

Darré, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118671030.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Richard Oskar (1854–1929), Kaufm. u. Chef des Handelshauses Hardt & Co., S des Kaufm. Adolf Frdr. Salom. in Berlin u. der Florent. Joanne Hélene Cornand;
    M Emilia Berta Eleonora, T des Kaufm. Eric Theodor Lagergren in Buenos Aires u. der Marg. Josefine Thole;
    1) 1922 Albertine Hel., T des Jakob Gust. Staadt u. der Marie Elis. Schirg, 2) 1931 Charl., T des Landwirts Rud. Gust. Frhr. v. Vietinghoff gen. Scheel u. der Vera Sophie Kaegeler;
    1 T aus 1).

  • Leben

    D. besuchte die deutsche Schule in Belgrano, dann Schulen in Heidelberg und Godesberg, Kings College in Wimbledon (England) und 1914 die Deutsche Kolonialschule in Witzenhausen mit dem Ziel der Ausbildung zum Überseefarmer. Als Kriegsfreiwilliger von 1914 machte er den 1. Weltkrieg, zuletzt als Leutnant, vom ersten bis zum letzten Tage an der Westfront mit. Nach Wiederaufnahme des Studiums in Witzenhausen schloß er dieses 1920 mit dem Diplomkoloniallandwirt ab. Nach landwirtschaftlicher Praxis begann er 1922 das Studium der Landwirtschaft in Halle mit besonderer Betonung von Tierzucht und Vererbungsfragen (Diplomlandwirt 1925), als Schüler von Frölich, V. Hacker und Th. Römer. 1927-29 unternahm er Reisen nach Finnland und den baltischen Staaten, wo er 1928/29 als Landwirtschaftlicher Sachverständiger an der Deutschen Gesandtschaft in Riga tätig war. 1930 trat er durch Schultze-Naumburg in Beziehung zur nationalsozialistischen Bewegung, die bis dahin einen stark großstädtischen Charakter hatte. D. versuchte, dem Nationalsozialismus die Probleme des Bauerntums nahezubringen, und entwarf dazu das erste Agrarprogramm der NSDAP (vom 6.3. 1930). Grundlage dazu wurde sein 1929 erschienenes programmatisches Buch „Das Bauerntum als Lebensquell der nordischen Rasse“, in welchem er im Gegensatz zur Theorie eines Ursprungs der germanischen Besiedlung Deutschlands aus einem nomadischen Kriegertum deren bäuerliche Wurzeln darlegte. Das Vorbild eines dem 20. Jahrhundert angepaßten „Adelsbauerntums“ entwickelte er in „Neuadel aus Blut und Boden“ (1930), worin das später oft gebrauchte Schlagwort „Blut und Boden“ zuerst erscheint. Nachdem D. 1933 zuerst die „Reichsführergemeinschaft des deutschen Bauernstandes“ und die Präsidentschaft des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften übernommen hatte, wurde er 1933 Reichs- und Preußischer Minister für Ernährung und Landwirtschaft und der erste Reichsbauernführer. In diesen Eigenschaften errichtete er den „Reichsnährstand“ als eine einheitliche, auf gesetzlicher Grundlage bestehende Berufsorganisation der deutschen Ernährungs- und Landwirtschaft, ordnete die Ernährungswirtschaft durch ein System von Maßnahmen der Selbstverwaltung („Marktordnung“) und veranlaßte das Reichserbhofgesetz vom 29.9.1933, das der geschlossenen Erhaltung lebensfähiger landwirtschaftlicher Betriebe (Ackernahrung) in der Hand der bäuerlichen Familie und dem Schutz vor Überschuldung der Betriebe diente. Zum Vollzug wurden Anerbengerichte geschaffen. Auf Grund eines sich verschärfenden Gegensatzes zur nationalsozialistischen Partei und zur Kriegspolitik Hitlers wurde D. 1942 aus allen seinen Ämtern entlassen und verbrachte die letzten Kriegsjahre in Verbannung auf einem Jagdhaus in der Schorfheide. 1945 von der Besatzungsmacht verhaftet, wurde er im Rahmen der Nürnberger Prozesse („Wilhelmstraßenprozeß“) zu 7 Jahren Haft verurteilt, aber vorzeitig 1950 entlassen. D. war der konsequenteste Vertreter der „Bauerntumsidee“ in der deutschen Agrarpolitik, die mit historischer und biologischer Begründung der sogenannten „Verstädterung“ des deutschen Volkes entgegenarbeiten wollte.

  • Werke

    Weitere W Gedanken z. Gesch. d. Haustierwerdung, 1926 (gedr. 1936);
    Um Blut u. Boden (ges. Reden u. Aufsätze), 1940 (P);
    Erkenntnisse u. Werden, 1940;
    Aufbruch d. Bauerntums (Reden), 1942;
    Zucht als Gebot, 1944;
    - Hrsg.: Dt. Agrarpolitik (später Odal), seit 1932.

  • Literatur

    H. Reischle, Reichsbauernführer D., 1935;
    Der Prozeß gegen d. Hauptkriegsverbrecher vor d. Internat. Mil.-Ger.-Hof in Nürnberg v. 14.11.1945-1.10.1946, 42 Bde., 1947-49.

  • Portraits

    Ölgem. v. Lindner, Abb. in: Herrenjournal, 1941/III.

  • Autor/in

    Heinz Haushofer
  • Empfohlene Zitierweise

    Haushofer, Heinz, "Darré, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 517 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118671030.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA