Lebensdaten
1826 bis 1900
Geburtsort
Gießen
Sterbeort
Berlin-Charlottenburg
Beruf/Funktion
sozialistischer Politiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118572768 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebknecht, Wilhelm

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Zitierweise

Liebknecht, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118572768.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus hess. Theologen- u. Beamtenfam.;
    V Ludwig Christian (1787–1832), Reg.registrator in Darmstadt u. G., S d. Wilhelm (1736–1805), Dr. iur., Reg.advokat u. Prokurator in G., u. d. Elisabeth Katharina Kempff;
    M Katharina Elisabeth Henriette (1803–31), T d. Oberpostmeisters Joh. Michael Hirsch in Hanau u. d. Susanne Philippine Regine Jakobine v. Hert;
    Ur-Gvv Joh. Georg (1679–1749), Prof. d. Math. u. Theol. sowie Sup. in G. (s. Strieder; Pogg. I);
    - 1) Ernestine Landolt ( 1867) aus Freiburg, 2) Gießen 1868 Natalie (1835–1909), T d. Theodor Reh (1801–68), Hofgerichtsadvokat, Abgeordneter d. Frankfurter Nat.verslg. 1848/49, u. d. Karoline Theodore Luise Weidig;
    2 T aus 1) Alice ( Bruno Geiser, 1846–98, Politiker, Mitarbeiter L.s, Redakteur in Leipzig), Gertrud Elise ( Wilhelm Swienty, Politiker);
    5 S aus 2), u. a. Theodor (s. 2), Karl (s. 3), Otto (1876–1949), Hydrochemiker (s. Pogg. VII).

  • Leben

    Da die Eltern früh starben, wurde L. von Verwandten erzogen. Er studierte 1842-47 Philologie und Theologie, dann Philosophie, in Gießen, Berlin und Marburg. Im Juli 1847 wurde L. Lehrer an der Musterschule von Fröbel in Zürich. Als Korrespondent arbeitete er für die oppositionelle „Mannheimer Abendzeitung“. Nach Ausbruch der Februarrevolution 1848 ging L. nach Paris, er beteiligte sich im Sept. 1848 am republikanischen Aufstand in Baden. Von Sept. 1848 bis Mai 1849 in Säckingen und Freiburg inhaftiert, nahm er von Mai bis Juli 1849 an den Reichsverfassungskämpfen teil; er war Leutnant im Mannheimer Arbeiterbataillon und Adjutant G. v. Struves. Im Juli 1849 floh er in die Schweiz und betätigte sich im Genfer deutschen Arbeiterverein. Im Febr. 1850 verhaftet und im April aus der Schweiz ausgewiesen, lebte er bis zur Amnestie von 1862 in großer Not in der Londoner Emigration, in enger Bekanntschaft mit der Familie Marx. Er wurde stark beeinflußt von Marx und von Engels, den er bereits in der Schweiz kennengelernt hatte. L. verstand sich als Anhänger von Marx, auch wenn dieser sich oft skeptisch, wenn nicht sogar abfällig über L. als Theoretiker äußerte. L. war überzeugter Republikaner, als Anhänger der Revolution von 1848 trat er für die „Großdeutsche Lösung“ ein, als Sozialist wollte er die Verbindung von Demokratie und Sozialismus erreichen.

    L. trat 1863 dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) Lassalles bei und wurde Mitarbeiter des „Social-Demokrat“. Im Sommer 1865 schloß ihn die Führung unter J. B. Schweitzer aus dem ADAV aus, er wurde im Juli aus Berlin und Preußen ausgewiesen und übersiedelte nach Leipzig. In Zusammenarbeit und enger Freundschaft mit August Bebel arbeitete er dort in den Arbeiterbildungsvereinen und gründete die Sächs. Volkspartei mit. 1867-71 war L. Abgeordneter des Norddeutschen Reichstages. 1868 gründete er das „Demokratische Wochenblatt“, das er zu einem Organ für die Ideen von Marx machte. Im Aug. 1869 gründeten L. und Bebel in Eisenach die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“, zu deren Führern L. gehörte und deren Parteiorgan „Der Volksstaat“ er leitete.

    Zu Beginn des Deutsch-Franz. Krieges enthielt sich L., wie Bebel, bei der Abstimmung über die Kriegsanleihe im Juli 1870 der Stimme, nach der Ausrufung der franz. Republik lehnte er die Kriegskredite ab. Zusammen mit Bebel und dem Journalisten Ad. Hepner (1846–1923) wurde L. von Dez. 1870 bis März 1871 in Untersuchungshaft genommen. Er begrüßte die Pariser Kommune und wandte sich als Internationalist gegen die Annexion Elsaß-Lothringens. Vom 11. bis 26.3.1872 stand L. zusammen mit Bebel und Hepner wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ vor Gericht und wurde zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, die er auf Schloß Hubertusburg verbrachte. 1874 wurde L. in den Reichstag gewählt, dem er zunächst bis 1887 angehörte. 1875 nahm er führend an der Vereinigung der „Eisenacher“ mit den Lassalleanern zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands teil; auf dem Kongreß in Gotha hielt er das Referat zum Parteiprogramm. 1876 übernahm er die Leitung des „Vorwärts“, des neuen Zentralorgans der Partei.

    Während der Geltung des Sozialistengesetzes (1878–90) wurde L. mehrfach inhaftiert, 1881 aus Leipzig ausgewiesen. Im Reichstag, dem er wieder von 1888 bis zu seinem Tode angehörte (1879-85 war er auch Abgeordneter des Sächsischen Landtages), war er neben Bebel der führende Sprecher der Sozialdemokraten. Er veröffentlichte zahlreiche Broschüren und Bücher, u. a. „Wissen ist|Macht – Macht ist Wissen“ (1872), „Was die Sozialdemokraten sind und was sie wollen“ (1877), mit denen er die sozialdemokratischen Vorstellungen propagierte und popularisierte. Seine Sozialismus-Vorstellungen zeigten auch eigenständige Ansätze. So sah er in Wissen und Bildung eine Grundvoraussetzung des politischen Bewußtseins und wollte die Sozialdemokratie als eine „Partei der Bildung“ entwickeln. Außerdem unterstrich er die Bedeutung der Demokratie als Voraussetzung des Sozialismus. Für ihn war der demokratische Staat die „einzig mögliche Form der sozialistisch organisierten Gesellschaft“. Demokratie und Sozialismus waren für L. „nur verschiedener Ausdruck desselben Grundgedankens“. Er stellte auch den Parlamentarismus als eine Kernidee der sozialistischen Vorstellung heraus.

    Nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes übersiedelte L. mit seiner Familie nach Berlin. Er übernahm erneut die Leitung des „Vorwärts“ und war neben Bebel der unbestrittene Führer der SPD. Auf dem Erfurter Parteitag 1891 begründete er das neue Parteiprogramm. Bis ins hohe Alter trat er bei Hunderten von Parteiveranstaltungen als Redner auf. Auch in der internationalen sozialistischen Bewegung nahm L. eine führende Stellung ein. Er unternahm Agitationsreisen nach den USA (1886), England (1896) und Holland (1897). In der SPD vertrat er die marxistische Orthodoxie und wandte sich sowohl gegen die linken „Jungen“ (1890/91) als auch gegen Bernstein und den Revisionismus (seit 1895). In seiner letzten Rede am 28.7.1900 bei einer Demonstration in Dresden verurteilte er die Kolonialpolitik.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Hochverraths-Prozeß wider L., Bebel. Hepner vor d. Schwurgericht in Leipzig v. 11. bis 26.3.1872, mit Einl. v. W. L., 1894;
    Redner d. Rev. V, 1925;
    W. L., Briefwechsel mit Karl Marx u. Friedrich Engels, hrsg. u. bearb. v. G. Eckert, 1963;
    L., Briefwechsel mit dt. Soz.-demokraten I, 1862-78, hrsg. u. bearb. v. dems., 1973;
    Wissen ist Macht - Macht ist Wissen u. andere bildungspäd. Äußerungen, Ausgew., eingel. u. erl. v. H. Brumme, Berlin (Ost) 1968;
    Erinnerungen e. Soldaten d. Rev., zus.gestellt u. eingel. v. H. Gemkow, Berlin (Ost) 1976;
    Kleine Pol. Schrr., 1976.

  • Literatur

    W. Cohn. W. L., Ein Lb., 1930;
    E. Nobs, Aus W. L.s Jugendj., 1932;
    K.-H. Leidigkeit, W. L. u. Aug. Bebel in d. dt. Arbeiterbewegung 1862–69, Berlin (Ost) 1959;
    W. Tschubinski, W. L., Eine Biogr., ebd. 1973;
    K. Adamy, Der antimilitarist. Kampf W. L.s gegen d. preuß.-dt. Militarismus (1870/71-90), Diss. Potsdam 1968 (ungedr.);
    R. H. Dominick, W. L. and the Founding of the German Social Democratic Party, 1982.

  • Autor/in

    Hermann Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Liebknecht, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 503-504 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118572768.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA