York, Theodor
- Lebensdaten
- 1830 – 1875
- Geburtsort
- Breslau
- Sterbeort
- Hamburg
- Beruf/Funktion
- sozialistischer Politiker
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- York, Carl Theodor
- Yorck, Theodor
- Jork, Theodor
- Jorck, Theodor
- York, Theodor
- York, Carl Theodor
- Yorck, Theodor
- Jork, Theodor
- Jorck, Theodor
- York, Karl Theodor
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York (Yorck, Jork, Jorck), Carl Theodor
| sozialistischer Politiker, * 13.5.1830 Breslau, † 1.1.1875 Hamburg, ⚰ Hamburg, Michaelisfriedhof (Grabstätte aufgelöst).
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Genealogie
V Johann Gottlieb, Tischlermeister in B.;
M Rosina Hansch († 1831);
⚭ Harburg b. Hamburg 1867 Helene Gra(a)p, aus Dahme (Ostholstein);
3 S u. a. →Carl Theodor (1867–1939), Gastwirt, Lohndiener, Kellner in H. -
Biographie
Nach der Ausbildung zum Tischler in Breslau 1844–49 ging Y. auf Wanderschaft durch Österreich und Deutschland. 1855 ließ er sich in Hamburg, 1857 im hann. Harburg/Elbe nieder, wo er als Geselle in Meisterbetrieben und Fabrikarbeiter erwerbstätig war. Seit 1858 trat Y. als Funktionär des von Handwerksmeistern dominierten örtlichen Arbeiterbildungsvereins in Erscheinung, der ihn 1862 wegen politischer Propaganda für die liberale Bewegung ausschloß. Im selben Jahr war Y. Mitglied der Arbeiterdelegation des Dt. Nationalvereins, die in England die vorgeblich mustergültigen liberalen Sozialprojekte studieren sollte. Enttäuschende Erfahrungen und ein Gespräch mit →Wilhelm Liebknecht (1826–1900) im dt. Arbeiterbildungsverein in London ließen ihn als Sozialisten nach Deutschland zurückkehren. 1863 gründete Y. die Harburger Ortsgruppe des Allgemeinen Dt. Arbeitervereins (ADAV) und wurde Mitglied des nationalen Leitungsgremiums unter Präsident →Ferdinand Lassalle (1825–1864). 1869 wechselte er zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) und nahm an der Seite Liebknechts und →August Bebels (1840–1913) auch hier höchste Funktionen ein. Als die SDAP im Sommer 1871 ihr Führungsgremium, den Parteiausschuß, von Braunschweig nach Hamburg verlegte,|übersiedelte Y. dorthin und wurde hauptamtlicher Parteisekretär; damit übernahm er die Verantwortung für Organisationsfragen, Finanzen, Wahlkämpfe und Parteiinterna. Daneben wirkte er seit 1868 als Präsident des Gewerkvereins dt. Holzarbeiter bzw. der Internationalen Holzarbeitergewerkschaft. 1874 gab er wegen eines schweren Nierenleidens seine Parteiämter ab und konzentrierte sich auf die Gewerkschaftsarbeit. Y.s Begräbnis 1875 wurde zu einem öffentlichen Ereignis; mehrere tausend Menschen folgten seinem Sarg.
Y. war ein hervorragender Organisationsgründer, ein mit Schlagfertigkeit und sonorer Stimme ausgestatteter Agitator sowie ein zielstrebiger und erfolgreicher Wahlkämpfer. Im innerparteilichen Streit oft ruppig, gewann er bei seinen Anhängern und Wählern Ansehen und Respekt. Wenig geübt in sozialistischer Theorie, suchte er das Gespräch mit „belesenen“ politischen Freunden (→Emil Kirchner 1813–85, in Hildesheim, →August Geib, 1842–79, in Hamburg) und analysierte konsequent die eigenen Organisationserfahrungen. Was er als positive Errungenschaften wertete, behielt er im Blick – so die Grundsätze der inneren Organisationsdemokratie, die er im bürgerlichen Arbeiterbildungsverein gelernt hatte, im ADAV gegen die Diktatur Lassalles und seiner Nachfolger verteidigte und die er beim Aufbau der Gewerkschaften seit 1868 in deren Statuten einschrieb.
Y. war Anfang der 1870er Jahre der kompetenteste Analytiker und Stratege der dt. Gewerkschaftsbewegung und auf den Parteikongressen der SDAP stets mit der Vorbereitung und Moderation der Beschlüsse zur Gewerkschaftspolitik betraut. In seiner letzten Artikelfolge in der Parteizeitung „Der Volksstaat“ (Wollen wir e. Gewerkschaftsunion oder nicht?, Mai/Juni 1874) rief er zur Gründung parteiunabhängiger, aber politisch aktiver Berufsgewerkschaften mit einem gemeinsamen Dachverband auf. Diese Konzeption einer Einheitsgewerkschaft, gewissermaßen Y.s Vermächtnis, wurde in Deutschland erst nach 1945 durchgesetzt.
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Werke
|Zur Agitation f. d. Normalarb.tag, 1871;
Die industr. Arbeiterfrage u. d. Forderung e. neuen Arb.rechts, 1874. -
Literatur
|Der Wahre Jacob 107, 1890, S. 855 f.;
U. Engelhardt, „Nur vereinigt sind wir stark“, Die Anfänge d. dt. Gewerkschaftsbewegung, 1977;
Ch. Gotthardt, Die Entstehung d. Arbeiterbewegung in Harburg (1857–1869), 1991;
ders., Industrialisierung, bürgerl. Pol. u. proletar. Autonomie, 1992;
G. Christmann, in: H. Grebing (Hg.), Das HolzArbeiterBuch, Die Gesch. d. Holzarbeiter u. ihrer Gewerkschaften, 1993, S. 38–42;
Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
Biogr. Lex. Sozialismus (P);
Hamburg. Biogr. V (P). -
Autor/in
Christian Gotthardt -
Zitierweise
Gotthardt, Christian, "York (Yorck, Jork, Jorck), Carl Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 571-572 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142994.html#ndbcontent