Lebensdaten
1839 bis 1915
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Chicago (Illinois, USA)
Beruf/Funktion
Politiker, Journalist
Konfession
-
Normdaten
GND: 134030362 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vahlteich, Carl Julius
  • Vahlteich, Julius
  • Vahlteich, Carl Julius
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Zitierweise

Vahlteich, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd134030362.html [02.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Schuhmacher in L.;
    M N. N.;
    1862 N. N.;
    1 S in Ch.

  • Leben

    V. war zunächst für eine kaufmännische Laufbahn vorgesehen und besuchte zu diesem Zweck bis 1853 die Ratsfreischule in Leipzig. Um die Schuhmacherwerkstatt seines Vaters mit angeschlossenem Ladengeschäft übernehmen zu können, absolvierte er seit 1855 eine Schuhmacherlehre in Leipzig und ging 1857 auf eine zweijährige Gesellenwanderschaft, auf der er Station u. a. in Dresden, Breslau und Berlin einlegte. Während der Wanderschaft lernte er Veteranen der Revolution von 1848 kennen und studierte die Schriften Wilhelm Weitlings (1808–71) und franz. Frühsozialisten. In Leipzig gehörte V. 1861 im neu konstituierten „Gewerblichen Bildungsverein“ zu jener Minderheit, die eine politische Orientierung der Vereinigung forderte.

    Mit Mitgliedern des Gewerblichen Bildungsvereins gründete V. im Okt. 1862 den politischen Verein „Vorwärts“ und übernahm den Vorsitz im Zentralkomitee zur Vorbereitung des ersten gesamtdt. Arbeiterkongresses nach 1848. Nach dessen Schrumpfung auf ein Rumpfkomitee stellte er, der Vorstellungen über eine genossenschaftliche „Organisation der Arbeit“ vertrat, Anfang Dez. 1862 den Kontakt zu Ferdinand Lassalle (1825–64) her. V. gehörte am 23. 5. 1863 zu den zwölf Delegierten, die im Leipziger „Pantheon“ den „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ (ADAV) gründeten und Lassalle zu dessen Präsidenten wählten. Zum ersten hauptamtlichen Sekretär des ADAV bestimmt, siedelte V. an Lassalles Wohnort Berlin über, wo er zeitweilig in dessen Haushalt lebte. Aufgrund schnell wachsender Spannungen wegen Lassalles diktatorischem Führungsstil bei zunehmender Inaktivität sowie dessen Avancen an den preuß. Ministerpräsidenten Otto v. Bismarck legte V. sein Amt im Jan. 1864 nieder und ließ sich als selbständiger Schuhmachermeister in Maxen bei Dresden nieder. Daneben wirkte er als Bevollmächtigter der Dresdner ADAV-Gemeinde auf die Demokratisierung der Organisation hin, weshalb er im Dez. 1864 aus dem ADAV ausgeschlossen wurde.

    V. schloß sich dem „Vereinstag (seit 1868 Verband) Deutscher Arbeitervereine“ an und übernahm 1867 den Vorsitz des „Dresdner Arbeiterbildungsvereins“, in dem 1868 eine Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) entstand. V. gehörte zu den Delegierten, die auf Initiative August Bebels (1840–1913) und Wilhelm Liebknechts (1826–1900) 1869 in Eisenach die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ (SDAP) gründeten. 1871 wurde er Redakteur des „Crimmitschauer Bürger- und Bauernfreundes“, einer der ersten sozialdemokratischen Lokalzeitungen. Von 1872 bis zum Verbot des Blatts nach dem Sozialistengesetz 1878 leitete er die Redaktion der „Chemnitzer Freien Presse“ und war Prokurist der „Chemnitzer Genossenschaftsdruckerei“. Nach deren Zerschlagung wurde er kurzzeitig Geschäftsführer der Leipziger Parteidruckerei, bis Zeitungsverbote auch diese Existenzbasis vernichteten. 1874–77 und 1878–81 war V. für die Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands als Vertreter des Wahlkreises Sachsen 15 (Mittweida) Mitglied des Reichstags.|

    Von mehr als zwei Jahren Gefängnis wegen „Preßvergehen“ in Chemnitz zermürbt und wirtschaftlich ruiniert, wanderte V. 1881 in die USA aus. Dort arbeitete er als Schuhmacher, dann als Photograph in Chicago. 1901 wurde er Redakteur der New Yorker „Volkszeitung“, bis er sich 1908, von Krankheit gezeichnet, nach Chicago zu seinem Sohn zurückzog, aber weiter als freier Journalist arbeitete. 1910 bereiste V. ein letztes Mal Deutschland und hielt mehrfach verbotene Vorträge über den Sozialismus. Die dt. Sozialdemokratie erinnert V. nicht nur als wortgewandten Gegner des Lasalleanismus in der Partei, sondern v. a. auch als ideenfesten Handwerker-Arbeiter der Frühzeit der Bewegung.

  • Werke

    W Der Parteikampf zw. d. Sozialisten in Dtld., o. J. (1872);
    Ferdinand Lassalle u. d. Anfänge d. dt. Arbeiterbewegung, 1904; – Nachlaß: Archiv d. soz. Demokratie d. Friedrich-Ebert Stiftung, Bonn (Personalia-Akte).

  • Literatur

    L E. Heilmann, Gesch. d. Arbeiterbewegung in Chemnitz u. d. Erzgebirge, 1912; G. Eckert (Hg.), Wilhelm Liebknecht, Briefwechsel mit Karl Marx u. Friedrich Engels, 1963;
    T. Offermann, Arbeiterbewegung u. lib. Bürgertum in Dtld. 1850–1863, 1979;
    ders., Die erste dt. Arbeiterpartei, Organisation, Verbreitung u. Soz.struktur v. ADAV u. LADAV 1863–1871, 2002;
    Th. Welskopp, Das Banner d. Brüderlichkeit, Die dt. Soz.demokratie v. Vormärz bis z. Sozialistengesetz, 2000;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 ;
    Stadtlex. Dresden;
    Sozialdemokrat. Parlamentarier;
    Biogr. Lex. Arbeiterbewegung; Biogr. Lex. Sozialismus (P, Tafel 43)

  • Autor/in

    Thomas Welskopp
  • Empfohlene Zitierweise

    Welskopp, Thomas, "Vahlteich, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 690-691 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd134030362.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA