Lebensdaten
1871 bis 1919
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
sozialistischer Politiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11857275X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebknecht, Karl
  • Libknecht, K.
  • Libknecht, Karl
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Zitierweise

Liebknecht, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857275X.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (s. 1);
    M Natalie Reh;
    B Theodor (s. 2);
    - 1) Weimar 1900 Julia (1873–1911), T d. Bankiers u. Kaufm. Louis Paradies (1873–1911, isr.) u. d. Rosine Mayer, 2) 1912 Sophie Ryss (1884–1964), aus Rostow, Dr. phil., Dozentin, Kunsthistorikerin;
    2 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    L. studierte 1890-93 Rechtswissenschaften und Nationalökonomie in Leipzig und Berlin. 1893/94 leistete er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger bei den Garde-Pionieren in Berlin, anschließend war er bis 1898 Referendar in Arnsberg und Paderborn. 1897 erfolgte die Promotion zum Dr. iur. et rer. pol. in Würzburg mit der Dissertation „Compensationsvollzug und Compensationsvorbringen nach gemeinem Rechte“. L. eröffnete 1899 in Berlin gemeinsam mit seinem älteren Bruder Theodor eine Rechtsanwaltspraxis. Er trat erst im Aug. 1900 der SPD bei, wurde aber bereits im Nov. 1901 in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1913 angehörte. 1903 und 1907 als Kandidat für den Reichstagswahlkreis Potsdam-Spandau-Osthavelland unterlegen, konnte er diesen Wahlkreis 1912 für die SPD erobern. L. war Delegierter auf den sozialdemokratischen Parteitagen und wurde 1908 ins Preuß. Abgeordnetenhaus gewählt.

    Bekannt wurde L. als politischer Anwalt, vor allem bei der Verteidigung von Funktionären der russ. Arbeiterbewegung. Seit Erscheinen seines Buches „Militarismus und Antimilitarismus unter besonderer Berücksichtigung der internationalen Jugendbewegung“ (1907) trat er als Gegner des Militarismus und als einer der Führer der sozialistischen Jugendbewegung auf. Er war 1907-10 Präsident der sozialistischen Jugendinternationale. Von Okt. 1907 bis Juni 1909 mußte L. wegen seines Militarismus-Buches eine Festungshaft in Glatz absitzen. 1911 unternahm er eine Agitationsreise durch die USA. Im Reichstag wandte sich L. gegen die Geschäftspraktiken der Rüstungsfirmen. Bei Ausbruch des Weltkriegs versuchte L. vergeblich, die sozialdemokratischen Abgeordneten für eine Ablehnung der Kriegskredite zu gewinnen. Nachdem er in der Fraktion gegen die Kredite gestimmt hatte, unterwarf er sich der Parteidisziplin und stimmte am 4.8.1914 im Reichstag für die Bewilligung. L., der vor dem Krieg als radikaler Einzelgänger noch nicht zum Kern der „Linken“ in der SPD um Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Julian Marchlewski gezählt hatte, lehnte sich nun eng an diese Gruppe an. Nachdem er am 2.12.1914 als einziger Abgeordneter im Reichstag gegen die Bewilligung der Kriegskredite gestimmt hatte, wurde er zur Symbolfigur der Kriegsgegner. Im Febr. 1915 wurde L. als Armierungssoldat zum Militärdienst eingezogen, bis auf sein Auftreten im Reichstag und Preuß. Abgeordnetenhaus war ihm damit jede politische Betätigung untersagt. Dennoch war er aktiv an|der Bildung der Gruppe „Internationale“, die seit 1916 als Spartakusgruppe bekannt wurde, beteiligt. Im Mai 1915 verfaßte er das Flugblatt „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“. Im April 1916 nahm L. an einer illegalen Tagung der Arbeiterjugend in Jena teil, er organisierte zum 1.5.1916 eine Friedensdemonstration auf dem Potsdamer Platz in Berlin und wurde dort verhaftet. Am 28.6.1916 verurteilte das Kommandanturgericht Berlin L. zu 2½ Jahren Zuchthaus, das Oberkriegsgericht erhöhte die Strafe in der Berufungsinstanz auf 4 Jahre und 1 Monat Zuchthaus. L. kam im Nov. 1916 ins Zuchthaus Luckau. Dort verfaßte er mehrere Schriften, darunter seine philosophischen „Studien über die Bewegungsgesetze der gesellschaftlichen Entwicklung“. Diese zeigen ihn als einen durchaus eigenständigen Denker.

    L. wollte zwar die marxistische Theorie als Grundidee des Sozialismus erhalten, er kritisierte aber sowohl die ökonomischen Kategorien von Marx als auch den historischen Materialismus. Er lehnte die These vom Wirken „historischer Gesetze“ ebenso ab wie das Marxsche Schema von ökonomischer Basis und ideologischem Überbau. Philosophisch verstand sich L. als Agnostiker und Universalist. Seine Sozialismus-Vorstellungen beruhten auf der Grundthese von der „Tendenz zur Steigerung der natürlichen und sozialen Solidarität“.

    Am 23.10.1918 vorzeitig aus dem Zuchthaus entlassen, wurde L. von seinen Anhängern in Berlin begeistert begrüßt. In der Novemberrevolution führte er gemeinsam mit Rosa Luxemburg den „Spartakusbund“ und gab dessen Organ, die „Rote Fahne“, heraus. Am 9.11. rief er vom Balkon des Schlosses in Berlin die „freie sozialistische Republik“ aus. Er war nicht bereit, in die Revolutionsregierung einzutreten, und versuchte, die Massen gegen die sozialdemokratischen Volksbeauftragten und für eine Räteherrschaft zu mobilisieren. Auf dem Gründungsparteitag der KPD (30.12.1918 - 1.1.1919) forderte er die Trennung von der USPD und die Bildung der neuen Partei, deren Führer er neben Rosa Luxemburg wurde. L. neigte einem radikalen, revolutionären Kommunismus zu. Während der Januar-Kämpfe in Berlin erklärt er die Regierung Ebert für „abgesetzt“. Nach den Unruhen wurde L. zusammen mit Rosa Luxemburg von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützendivision festgenommen und am 15.1.1919 brutal ermordet.

  • Werke

    Ges. Reden u. Schrr., Dd. 1-9, hrsg. v. Inst. f. Marxismus-Leninismus beim ZK d. SED, 1958-68 (P in I);
    - Klassenkampf gegen d. Krieg, o. J. (1920);
    Pol. Aufzeichnungen aus s. Nachlaß, Geschrieben in d. J. 1917–18, hrsg. mit Vorwort u. Anm. versehen v. F. Pfemfert unter Mitarb. v. Sophie Liebknecht, 1921;
    Reden u. Aufsätze, hrsg. v. J. Gumberz, 1921;
    Briefe aus d. Felde, aus d. Untersuchungshaft u. aus d. Zuchthaus, hrsg. v. F. Pfemfert, 1922;
    Ausgew. Reden u. Schrr. I, hrsg. u. eingel. v. H. Böhme, 1969;
    Studien üb. d. Bewegungsgesetze d. gesellschaftl. Entwicklung, neu hrsg. u. mit Vorwort v. O. K. Flechtheim, 1974;
    Gedanken u. Tat, Schrr., Reden, Briefe z. Theorie u. Praxis, hrsg. u. eingel. v. dems., 1976.

  • Literatur

    H. Schumann, K. L., Ein unpol. Bild s. Persönlichkeit, 1919 (P);
    Der Mord an Rosa Luxemburg u. K. L., hrsg. v. E. Hannover-Drück u. H. Hannover, 1968 (P);
    W. Bartel, K. L., 21971;
    Giselher Schmidt, Spartakus. Rosa Luxemburg u. K. L., 1971;
    H. Wohlgemuth, K. L., Eine Biogr., Berlin (Ost) 1973;
    H. Trotnow, K. L., Eine pol. Biogr., 1980;
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus, 1960;
    Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, Biogr. Lex., 1970. - Zur Genealogie:
    F. W. Euler, in: Genealogie, 81. Jg., 1969, S. 481-95.

  • Autor/in

    Hermann Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Liebknecht, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 505 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11857275X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA