Lebensdaten
1893 bis 1959
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Zeichner ; Maler
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118542672 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Groß, Georg Ehrenfried
  • Gros, G.
  • Gross, Georg
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Zitierweise

Grosz, George, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html [24.10.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Ehrenfried, Restaurateur; M Maria Schultze; Berlin 1920 Eva (1895–1960), T d. Topographen Frdr. Ferd. Richard Peter u. d. Louise Weese; 2 S.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Oberrealschule in Stolp (Pommern) 1902–07, studierte G. 1909-11 an der Kunstakademie in Dresden (bei Richard Müller), 1911-13 an der Akademie in Berlin (bei Emil Orlik). Seit 1910 zeichnete er Karikaturen für „Ulk“ und „Lustige Blätter“. 1913 war er in Paris. Nach dem Kriegsdienst (ab 1914) von 1918 an in Berlin, schloß sich G. der Dada-Bewegung an (Ausstellung bei H. Goltz, München), gab 1919-24 mit Wieland Herzfelde ein Magazin „Die Pleite“ heraus und illustrierte Zeitschriften und Bücher zeitgenössischer Autoren. Wegen einzelner satirischer Zeichnungen kam er wiederholt mit den Gerichten in Konflikt und wurde zu Geldstrafen verurteilt. 1922 reiste er nach Rußland (mit dem Dichter M. Andersen Nexö), 1924 und 1927 nach Frankreich. 1931 erhielt er den Watson F. Blair Purchase Prize, Art Institute of Chicago, und veranstaltete seine erste amerikanische Ausstellung in der Weyhe Gallery, New York. 1932 wurde er von der Art Students League, New York, eingeladen zu unterrichten. Er kehrte im Oktober zurück, ging aber Januar 1933 mit seiner Frau endgültig nach den USA (1938 von der NS-Regierung ausgebürgert, amerikanischer Paß). In New York eröffnete er eine Kunstschule zusammen mit M. Sterne und unterrichtete in Abständen auch in der Art Students League. Die Sommermonate verbrachte er von 1936 an bei Cape Cod an der amerikanischen Ostküste. 1946 siedelte er über nach Hilaire Farm, Huntington, Long Island. In Dallas (Texas) entstand 1952 eine Serie von Bildern und Aquarellen (herausgegeben 1952 von A. Harris & Co. unter dem Titel „Impressions of Dallas“). Mehrfach besuchte er Europa (1935, 1950; 1953 Berlin). Wenige Wochen nach seiner Rückkehr nach Deutschland (Mai 1959) starb er an einem Herzschlag.

    Bevor G. nach den USA emigrierte, galt er als der begabteste satirische Zeichner in Deutschland. Seine Zeichnungen, in Sammelbänden veröffentlicht, waren ein großer Erfolg, auch in Kreisen, die seine Linkseinstellung und sein Sympathisieren mit dem Kommunismus ablehnten. Die Leistung lag in der Auswahl der Themen und in der Erfindung eines zeichnerischen Stils. Jene war durch die Erlebnisse während des Krieges und der folgenden Inflationsjahre bestimmt. G. interessierten die Vertreter bestimmter Berufsklassen: die Militärs, die Richter, die Großkapitalisten, die Schieber und die Spießer, neben ihnen die durch sie Geschädigten und Ausgebeuteten, die Arbeiter, die kleinen Angestellten, die Ausgestoßenen, die Dirnen. Der Haß gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit ließ ihn seine Typen mit entlarvender Scharfsicht erfassen und anprangern. Dabei bediente er sich eines graphischen Stils, der allen Ausdruck in den Umriß legt. G. arbeitet ohne Binnenzeichnung und ohne Schwarz-Weiß-Stufung. Seine Gestalten sehen aus wie aus Stacheldraht zurechtgebogen. Die schneidende Schärfe der Umrisse entspricht der Schärfe seiner Beobachtung. Vorbilder hatte er nicht, er liebte den Humoristen Wilhelm Busch und die alten deutschen Meister, mit Daumier hat er wenig zu tun, eher mit Hogarth.

    In den USA hat G. sein satirisches Oeuvre nicht fortgesetzt, sondern zunächst neben dem Aquarell eine naturnahe und mehr malerische Zeichnung kultiviert und 1936 abermals in Öl zu malen begonnen (zuerst in Berlin um 1930, damals aber ohne großen Erfolg). Landschaft und Mensch werden in oft klassischen, zuweilen an den Franzosen geschulten malerischen Formen wiedergegeben. Die bei Cape Cod von 1939 an entstandenen Landschaften spiegeln in ihrer Verlassenheit den Pessimismus des Malers vor dem Krieg wider. Die Stickmen (Stockmänner)-Serie (Ölbilder und Aquarelle 1947–49) geht über die frühere Satire weit hinaus und stößt ins Weltanschauliche vor, sie ist eine Art Totentanz, ein Nachklang von Naziterror und Weltkrieg. Diese Bilder, in denen (wie auch in einzelnen thematisch verwandten Arbeiten) die Sprache der Jahre vor 1933 anklingt, sind der Höhepunkt seiner Erfindungskraft und|seines malerischen Könnens.|

  • Auszeichnungen

    1937 u. 1938 Guggenheim-Stipendium; 1945 2. Preis d. Carnegie Inst.; 1959 gold. Medaille d. Nat. Inst. of Arts and Letters.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bilder in Öl: Das Begräbnis d. Dichters Oskar Panizza, 1916 (Stuttgart, Staatsgal.); Der kleine Mörder, 1918 (New York, Associated American Artists Gall.); Die Stützen d. Ges., 1926 (Berlin, Schloß Charlottenburg); Der Dichter M. Hermann-Neisse, 1927 (Mannheim, Kunsthalle); Ein Stück meiner Welt, 1938 (New York, Ass. Am. Art. Gall.); Der Überlebende, 1944 (ebd., Coll. Marc Sandler); Frieden, 1946 (ebd., Whitney Mus. of American Art); Der Maler mit d. durchlöcherten Bild, 1948 (ebd., Ass. Am. Art. Gall.). - Bücher mit Zeichnungen (= Z.) u. Lith.: Das Gesicht d. herrschenden Klasse, 57 Z., 1919; Ecce homo, 84 Lith., 16 Aquarelle, 1922; Das neue Gesicht d. herrschenden Klasse, 60 Z., 1930; Drawings, Introduction by the artist, New York 1944; A little Yes and a big No, With 272 Illustrations, ebd. 1946 (Autobiogr., dt. 1955) (P).

  • Literatur

    Th. Däubler, G. G., in: Neue Bll. f. Kunst u. Dichtung 1, 1918, S. 153 f.; W. Wolfradt, G. G., = Junge Kunst, 1921; C. Schniewind, G. G., Drawings, in: Mgz. of Art 38, New York 1945, S. 154-56; J. Baur, G. G., Exhib. Cat., ebd. 1954 (P); Noted artist dies, in: New York Times 7.7.1959; R. Berenson u. N. Mühlen, G. G., New York 1960 (dt. 1961, Bibliogr., P); ThB; Vollmer II u. V (W, L).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Öl), 1938 (New York, Whitney Mus.), Abb. in: J. Baur (s. L); dass, (Öl), 1927 (Berlin, Gal. Nierendorf), Abb. in: Berliner Bildnisse aus 3 Jhh., Kat. München, 1962; dass. (Zeichnung) 1926, Abb. in: A little Yes and a big No (s. W).

  • Autor

    Will Grohmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Grohmann, Will, "Grosz, George" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 161-162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118542672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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