Lebensdaten
1868 bis 1940
Geburtsort
Hamburg-Borgfelde
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Maler ; Architekt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118508466 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Behrens, Peter

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Zitierweise

Behrens, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508466.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter, Gutsbesitzer, S des Dieterich, Hufner auf Langenhals, und der Catharina von Schonen;
    M Luise Margaretha (1843–82), T des Hinrich Friedrich Burmeister, Weber, und der Catharina Lucia Behrens;
    München 1889 Elisabeth (Lilli), T des Oberregierungsrats Josef Krämer in Rothenburg und der Veronika Schubert;
    2 S, 1 T.

  • Leben

    B. studierte 1886-89 an der Karlsruher Kunstschule und bei Ferdinand Brütt in Düsseldorf und lebte als Maler in München. Er gehörte jener Generation an, die 1896 mit der Gründung der „Jugend“ und des „Simplicissimus“ ihre publizistische Würdigung fand. Er gab bald die Malerei auf und wandte sich in jener durch den Begriff des Jugendstils geprägten Zeit graphischen Arbeiten und solchen der angewandten Kunst zu. Großherzog Ernst Ludwig II. von Hessen berief ihn an die von ihm begründete Darmstädter Künstlerkolonie, die 1901 durch eine Ausstellung eröffnet wurde. Das „Haus B.“, des Künstlers erste größere Schöpfung, erregte durch die Eigenart und Einheitlichkeit seiner Haltung die allgemeine Aufmerksamkeit. 1903 mit der Direktion der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule betraut, verschaffte er dieser Anstalt in straffer Durchführung zeitgemäßer Reformen und durch Zuziehung dafür geeigneter Lehrkräfte in wenigen Jahren den Ruf eines der best angesehenen Kunsterziehungsinstitute Deutschlands.

    1907 wurde B. von Emil Rathenau als leitender Architekt an die Berliner Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) geholt. Hier entstand 1909 einer der ersten formdurchdachten Industriebauten, die wuchtige Turbinenhalle in Moabit, und in der Folge eine erstaunlich große Zahl weiterer baulicher Anlagen des Weltunternehmens, aber auch mannigfaltiger industrieller Kleinformen, wie Bogenlampen, Ventilatoren, elektrische Öfen, Teekessel. Hatte B. schon durch verschiedene private Wohnhausbauten, das Krematorium bei Hagen (Westfalen) (1906/07), das katholische Gesellenhaus in Neuß/Rhein (1908/10) seine Eignung zum Architekten durch die Einfühlung in die jeweils gegebene Aufgabe bewiesen, so war ihm nun in der kurzen Zeitspanne zwischen 1909 und 1912 Gelegenheit gegeben, sie in der Bewältigung industrieller Großbauten unter Beweis zu stellen, zugleich aber auch für zum Betrieb gehörende untergeordnete Aufgaben die ihnen angemessene Form zu prägen. Von weiteren nebenher laufenden Aufgaben sind zu nennen: die Kettenbrücke bei Köln (1911), die Fabrikneubauten der Frankfurter Gasgesellschaft, das Verwaltungsgebäude der Mannesmann-Röhrenwerke am Düsseldorfer Rheinufer, die klassische Lösung eines modernen Bürobaus, die Deutsche Botschaft in St. Petersburg und das edelklassizistische Wohnhaus Peter Wiegands in Berlin-Dahlem, alle um 1911/12 entstanden.

    Daneben liefen dauernd zahlreiche Kleinaufgaben industrieller Formgebung, sei es für die Steinzeugwerke des Westerwaldes, die Bedburger Linoleumwerke, für Gläser und Stoffe. Die Gestaltung einer Reihe von Bucheinbänden gehörte noch der Zeit des Jugendstils an. Vier Schrifttypen „B.schrift“, „B. Antiqua“, „B. Cursiv“ und „B. Mediäval“ hat er für die Schriftgießerei Gebrüder Klingspor in Offenbach/Main geschaffen. Von seinen Signetentwürfen ist außer der Linoleum „Ankermarke“ das „Schiff“ des Inselverlages am bekanntesten geworden. Die Giebelinschrift am Berliner Reichstagsgebäude „Dem deutschen Volk“, das Grabmal des Reichspräsidenten Ebert in Heidelberg (1925) und für Hans Jäckh in Ida sind durch ihn geformt worden. Neue Wege für eine in das architektonische Ganze einbezogene Gartengestaltung wiesen seine Planungen auf den Gartenbau- und Kunstausstellungen in Düsseldorf 1904, Oldenburg 1905, Mannheim 1907, Bern 1917 sowie der Wintergarten auf der Exposition des Arts Decoratifs Paris 1925. 1922 war B. auf der Münchner Gewerbeschau mit seiner „Dombauhütte“, einem höchst eigenartigen Sakralbau aus hartgebrannten Klinkern, vertreten. In diese Zeit der späten Reife fiel seine Berufung nach Wien, wo ihm an der Akademie die Leitung der Meisterklasse für Architektur übertragen wurde. Hier entstand eine Reihe von Siedlungsbauten. Mit seinem Terrassenhaus (Weißenhof-Siedlung) auf der Stuttgarter Werkbund-Ausstellung 1927 behandelte er ein modernes Wohnproblem in einer kubischen Vereinfachung, die schon in seinem früheren, sehr eigenartigen Wohnhausbau „New Ways“, Northhampton (1923), anklang und die für die Bauten seiner Spätzeit charakteristisch wurde. Eine große Bauaufgabe der Kirche erwuchs ihm 1928 mit dem Collegiumsgebäude der Erzabtei St. Peter|in Salzburg, einem großen, quadratisch um einen Brunnenhof gelagerten Gebäudetrakt, den er geschickt bis auf die Einzelheiten in das durch den vorhandenen Bestand gegebene Stadtbild einfügte. 1932 baute er am Alexanderplatz in Berlin die Geschäftshäuser „Berolina“ und „Alexander“ in streng sachlichem Stil, sowie das an Frank Lloyd Wrights Bauten erinnernde Wohnhaus im Taunus. Über seine letzten Lebensjahre sind nur spärliche Hinweise zu ermitteln. Er hat 1935 den Bau der staatlichen Tabakfabrik in Linz gemeinsam mit Prof. A. Popp bearbeitet und kehrte, zur Übernahme eines Meisterateliers an die Preußische Akademie der Künste berufen, 1936 nach Berlin zurück. Im Rahmen der Neugestaltung der Reichshauptstadt durch den Generalbauinspektor wurde er mit dem Bau des AEG-Hauptverwaltungsgebäudes an der Nord-Süd-Achse in Gemeinschaft mit dem Architekten Eugen Himmel betraut. Es war dies die letzte große Bauaufgabe, die ihm gestellt wurde.

    B. war für die ersten drei Jahrzehnte unseres Jahrhunderts der führende deutsche Architekt, neben den bedeutenden Baumeistern und Lehrern, die das abendländische Stilerbe zu wahren suchten, derjenige, der am entschiedensten in der Bevorzugung neuer Baustoffe und Bauweisen voller Zucht doch dem rhythmischen Wohllaut und den elementaren Gesetzen der Architektur verpflichtet blieb. In jener Anfangszeit des Suchens nach einem neuen Zeitstil war er einer der ersten, die den durch die moderne Technik gewonnenen Werkstoffen und Geräten die ästhetische Form prägten. Die Spannweite seiner Lebensleistung reicht von den Anfängen des Jugendstils über die Reaktion gegen diesen bis in die neue durch die industrielle Technik gekennzeichnete Bauentwicklung.

  • Werke

    Weitere W Feste d. Lebens u. d. Kunst, 1900;
    Alkohol u. Kunst, 1905;
    Kunst u. Technik, in: Der Industriebau, 1910, S. 176-80;
    Vom sparsamen Bauen. Ein Btr. z. Siedlungsfrage (mit H. de Fries), 1918;
    Die Gruppenbauweise, in: Der Industriebau, 1919/20, S. 122-24;
    Zur Erziehung d. baukünstler. Nachwuchses, in: K. M. Grimme, P. B. u. seine Wiener Meisterschule, Wien 1930;
    Zeitlose u. zeitgebundene Kunst, Festvortrag z. 100. Todestag Goethes, gehalten in Berlin u. Wien 1932.

  • Literatur

    C. K. Schneider, Gartengestaltung, in: Die Kunst, Jg. 6, 1905, H. 6;
    J. Maier-Graefe, P. B. - Düsseldorf, ebenda, H. 10, S. 381-408;
    W. Niemeyer, P. B. u. d. Raumästhetik seiner Kunst, in: Dekorative Kunst, Jg. 10, 1907, S. 137-76;
    F. H. Ehmcke, P. B. u. d. Industrie, in: Moderne Bauformen, Jg. 6, 1907, H. 10, Beil. S. 9-13;
    ders., Die Industrie als Förderin d. Kunst, in: Frankfurter Ztg. 23. August 1907 (abgedr. in: F. H. Ehmcke, Persönliches u. Sachliches, 1928);
    F. Meyer-Schönbrunn, P. B., 1912;
    F. Hoeber, P. B., 1913 (mit Bibliogr., 250 Abb. u. P);
    P. J. Cremers, P. B., Sein Werk von 1909 bis z. Gegenwart, 1928;
    J. Imbert, L'oeuvre de P. B., in: L'architecture d'aujourd'hui, 5me année, 4me série, Nr. 2, Boulogne, März 1934, S. 8-30.

  • Portraits

    Stich v. M. Liebermann (Kupf.kab. Dresden). Abb. b. Hoeber (s. L).

  • Autor/in

    Fritz Helmuth Ehmcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Ehmcke, Fritz Helmuth, "Behrens, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 13-14 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508466.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA