Lebensdaten
1868 bis 1946
Sterbeort
Beuron bei Sigmaringen
Beruf/Funktion
Benediktiner ; Maler ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118768093 | OGND | VIAF: 71525732
Namensvarianten
  • Verkade, Jan
  • Verkade, Johannes Sixtus Gerhardus
  • Verkade, Willibrord (seit 1897)
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Verkade, Willibrord (seit 1897), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768093.html [01.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ericus Gerhardus (1835–1907), Fabrikdir., gründete 1886 in Zaandam e. erste Dampfbrotfabrik „De Ruyter“, seit 1917 „Verkade’s Fabrieken N.V. “, S d. Ericus Gerhardus (1801–35), Notar in Vlaardingen, u. d. Geertruida van Gelder (1799–1851);
    M Eduarda Thalia (1841–1917), T d. Johannes Sixtus Gerhardus Koning (1809–88), Notar in Wedde, u. d. Anna Henrietta Gesina Roessingh (1815–1843);
    7 Geschw u. a. B Ericus Gerhardus (1868–1927), geschäftsführender Dir. in Zaandam (s. BWN), Arnold H. (1872–1952), geschäftsführender Dir. d. VerkadeFabriken, J. Anton E. (1875–1955), techn. Abt.leiter ebd., Eduard Rutger (1878–1961, 1] Johanna van Wulfften Palthe, 2] Maria Magdalena Müller, Ps. Enny Vrede, 1883/87–1919, Schausp., s. P. H. Honig, Acteurs, en kleinkunstenaarslexicon, 1984, 3] Marie Cramer, Ps. Rie Cramer, Marc Holman, Annie Smit, 1887–1977, Illustratorin, Kinder- u. Jugendbuchautorin, s. ThB; BWN), Schausp., Bühnenregisseur (s. BWN), Schw Anna (1866–1939, Jan Voerman [sen.], 1857–1941, Maler in Hattem, s. ThB; BWN);
    N Jan (1902–70), Frans (1904–80), Tom (1905–87), Jac. (Co) (1906–2008), Arnold (1909–96), alle Direktoren d. Verkade-Fabriken.

  • Leben

    Im lebendigen Klima des Amsterdamer Kunstlebens der 1880er Jahre kam V. durch sein kunstsinniges Elternhaus früh in Kontakt zu Malern. Obgleich für die Handelslaufbahn vorgesehen, erhielt er privaten Zeichenunterricht; später wurde der Impressionist Jan Voerman sein Lehrmeister. Seit 1887 studierte V. an der Akademie für Bildende Künste in Amsterdam, verließ diese aber vorzeitig, um sich an der Seite Voermans in Hattem in ländlich-dörflicher Umgebung fortzubilden. 1891 zog V. über Brüssel (Besuch d. Ausstellung Les XX) nach Paris, wo er mit Paul Gauguin und Paul Sérusier bekannt wurde. Bereits nach zwei Wochen setzte V. in einigen Stilleben (Stilleben mit Schale aus QuimperFayence, Stilleben mit Krug) die synthetistische Malweise versiert um. Sérusier führte ihn in den Kreis der „Nabis“ (hebr. „Die Propheten“) ein, zu dessen engerem Zirkel V. unter dem Namen „Nabi obéliscal“ bald gehörte, gemeinsam u. a. mit Édouard Vuillard und Pierre Bonnard. V. beteiligte sich an Gemeinschaftsprojekten der „Nabis“ und verbrachte die Sommer 1891 und 1892 in der Bretagne, z. T. im Umkreis der Gauguin-Anhänger (Bekanntschaft u. a. mit Mogens Ballin, Charles Filiger). Über längere Phasen arbeitete er aber auch allein, dabei entstanden synthetistische Landschaften und Porträtzeichnungen der breton. Landbevölkerung. Parallel vollzog V., ausgehend von der Theosophie Edouard Schurés, eine Hinwendung zum Katholizismus, die sich in einem ersten Werk mit christlicher Thematik manifestierte (Hl. Sebastian, 1892, drei Fassungen, u. a. Musée départemental Maurice Denis, Saint-Germain-en-Laye); noch im selben Jahr ließ er sich taufen.

    In Fortführung der gattungsübergreifenden und spirituellen Ideale der „Nabis“ sah V. von nun an in der christlichen Wandmalerei seine wichtigste künstlerische Zielsetzung. Das Jahr 1893 verbrachte er weitgehend in Florenz, wo er erste religiöse Wandgemälde schuf (Convento S. Francesco, Fiesole). Im Febr. 1894 folgte eine erste Einzelausstellung in Kopenhagen, deren Erfolg V. jedoch nicht mehr abhielt, im Juni desselben Jahres in das für seine Kunstschule bekannte Kloster Beuron bei Sigmaringen einzutreten. In der Folgezeit erlernte er durch Mitarbeit an Gemeinschaftsprojekten (St. Gabriel, Prag; Klosterkirche u. Gnadenkapelle, Beuron) die Grundprinzipien der von Peter (Desiderius) Lenz (1832–1928) maßgeblich geprägten Beuroner Kunst. Ende März 1898 legte V. unter dem Ordensnamen Willibrord sein Gelübde ab und begann die Ausbildung zum Priester.

    Nach der Priesterweihe im Aug. 1902 erneuerte V. seine Kontakte zur internationalen Avantgarde: Die „Nabis“ Sérusier und Maurice Denis kamen 1903 nach Beuron, die Theorien von Lenz wurden von Sérusier 1904 ins Franz. übersetzt. 1903–05 arbeitete V. unter der Leitung von Lenz in Italien im benediktinischen Mutterkloster Monte Cassino (Krypta, 1944 zerstört). Hier durchlebte er eine persönliche und künstlerische Krise, in deren Verlauf er den Entschluß faßte, zu seinen ursprünglichen künstlerischen Prägungen (Synthetismus) zurückzukehren, diese aber – insbesondere auf dem Gebiet der Wandmalerei – mit Erkenntnissen aus den Stilisierungskonzepten von Lenz neu zu verbinden (realisiert z. B. in d. Dorfkirche v. Aichhalden, Schwarzwald, 1906). Seit 1905 spielte V. zudem eine führende Rolle bei der Vermittlung der Beuroner Ideen und Werke an die sich zunehmend für die Beuroner Künstler interessierende internationale Avantgarde. In diesem Zusammenhang beteiligte er sich 1905 an der XXIV. Wiener Secession, für die er das nicht erhaltene Wandbild „Eva und Maria“ schuf, und an der Ausstellung für christliche Kunst in Aachen 1907 (mit Kontakt zu Peter Behrens). Daneben intensivierte er die nie abgerissenen Verbindungen in die Niederlande, u. a. zu Richard Roland Holst, Jan Thorn-Prikker und Jan Toorop; im Dez. 1905 stellte er in C. M. van Goghs Kunsthandlung in Amsterdam aus. 1906–08 schuf V. während einer Studienzeit in München auch wieder Staffeleibilder (Figurenbilder, Stilleben, sogar einige Akte) und konnte in der Münchener Kunstwelt zur Verbreitung der Ideen des Synthetismus beitragen. So unterhielt er u. a. Kontakte zu Alexej v. Jawlensky, Marianne v. Werefkin, Alfred Kubin, Karl Caspar, Hugo Troendle, ferner zu Julius Meier-Graefe, in dessen Begleitung er das Werk von Hans v. Marées für sich erschloß. Die nachfolgende Entsendung nach Palästina 1909–12 durch die Beuroner Klosterleitung wurde für V. zu einer schwierigen Zeit fernab der europ. Kunstwelt. 1914 gab er nach einem letzten eigenen Kapellenprojekt in Wien (Karmeliterkirche, Wien-Döbling) die Malerei für immer auf. Fortan betätigte er sich als Schriftsteller und widmete sich bis zu seinem Tod nichtkünstlerischen Aufgaben, u. a. als Gastpater und als Cellerar.

    Für die Nachwelt von Bedeutung sind nicht nur V.s malerisches Werk, sondern auch seine Vermittlerfunktion innerhalb der internationalen Avantgarde sowie seine Schriften, insbesondere seine zweibändige, mehrfach aufgelegte und in acht Sprachen übersetzte Autobiographie „Die Unruhe zu Gott, Erinnerungen eines Malermönchs“ (1920) und „Der Antrieb ins Vollkommene“ (1931), die auch für die Kunstgeschichte wertvolle Zeugnisse bietet.

  • Werke

    W ein krit. W-Verz. existiert bisher nicht; Malerei: Stilleben mit Schale aus Quimper-Fayence, 1891 (Erzabtei Beuron Stiftung); Stilleben mit Krug, 1891 (Triton Foundation); Das Gehöft in Le Pouldu, 1891/92 (Slg. Josefowitz, Lausanne); Halbakt mit Krug (Maria Magdalena?), 1907–08 (Privatslg.); Stilleben mit gelben Äpfeln, 1907–08; Stilleben mit Früchten („Der schwarze Topf“), 1907–08 (beide Erzabtei Beuron Stiftung); Landschaft b. Jerusalem, 1909–12 (Mus. Wiesbaden); – Skizzenbücher d. versch. Werkphasen sowie Skizzen u. Kartons zu Beuroner Projekten im Archiv d. Erzabtei St. Martin, Beuron; – Schrr.: Des Cennino Cennini Handbüchlein d. Kunst, 1916; Van ongebondenheid en heilige banden, herinneringen van een schildermonnik, 1919, dt. 1920, 91954, franz. 1923, 2 1926, engl. 1930, ungar. 1923, poln. 1936, tschech. o. J.; Die Zierde d. geistl. Hochzeit, Übers. d. fläm. Orig. v. J. van Ruysbroeck, 1922; Der Antrieb ins Vollkommene, 1931, 41937, engl. 1935, poln. 1939; Das neue Gertrudenbuch, 1936; Spuren d. Daseins, 1938, 31954; – seit 1906 Zss.aufss., v. a. zu künstler. Themen; – Nachlaß: Erzabtei St. Martin, Beuron; Van Gogh Mus., Amsterdam.

  • Literatur

    L J. Meier-Graefe, Entwickelungsgesch. d. modernen Kunst, 1904, Bd. I, S. 388 f.;
    S. Mayer, Beuroner Bibliogr. 1863–1963, 1963, S. 144–47;
    W. Jaworska, Paul Gauguin et l’Ecole de Pont-Aven, 1971, S. 169–74;
    M.-A. Anquetil, Le sentiment religieux chez trois peintres du groupe de Pont-Aven, Charles Filiger, J. V., Mogens Ballin, Diss. Paris 1975;
    J. A. van Beers, J. V., van Hattem tot Beuron, Diss. Nijmegen 1982;
    A. Smitmans, Die internat. Rolle d. Beuroner Kunstschule um 1905, in: Erbe u. Auftrag 61, 1985, S. 188–96;
    ders., J./W. V. – Kunst, jenseits v. Natur u. Gesetz, ebd. 75, 1999, S. 361–74;
    ders. (Hg.), P. W. J. V., Künstler u. Mönch, Ausst.kat. Kunststiftung Hohenkarpfen/Erzabtei St. Martin, Beuron 2007 (P);
    J. V., Ein holländ. Schüler Gauguins, hg. v. C. Boyle-Turner, Ausst.kat. Rijksmus. Vincent van Gogh, Amsterdam/Musée des Beaux-Arts, Quimper/Städt. Gal., Albstadt, Zwolle 1989 (P);
    M. J. Grecco, The Symbolist Key, J. V. in Germany, Diss. New York 1999;
    A. Kehrbaum, Die Nabis u. d. Beuroner Kunst, J. V.s Aichhaldener Wandgem. (1906) u. d. Rezeption d. Beuroner Kunst durch d. Gauguin-Nachfolger, 2006; dies., „Das Unsichtbare im Sichtbaren abbilden“, Alexej v. Jawlenskys Begegnung mit d. ‚Synthèse‘ Paul Gauguins, in: Horizont Jawlensky, hg. v. R. Zieglgänsberger, Ausst.kat. Mus. Wiesbaden/Kunsthalle Emden 2014, S. 50–70 (P).

  • Portraits

    P Selbstporträts, Öl/Lwd., 1907–08 (Erzabtei St. Martin, Beuron) u. 1910 (Slg. Ray Webber); Öl/Lwd., v. E. Bernard, 1893 (Musée départemental Maurice Denis, Saint-Germain-en-Laye).

  • Autor/in

    Annegret Kehrbaum
  • Empfohlene Zitierweise

    Kehrbaum, Annegret, "Verkade, Willibrord" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 761-763 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768093.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA