Lebensdaten
1872 bis 1960
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
Sonnenholz bei Rosenheim (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Regisseur ; Theaterleiter ; Intendant
Konfession
-
Normdaten
GND: 118728377 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindemann, Gustav

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Zitierweise

Lindemann, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728377.html [21.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bernhard, Kaufm.;
    M Karoline Blumberg;
    Louise Dumont (1862–1932), Schauspielerin u. Theaterleiterin (s. NDB IV).

  • Leben

    Da L. seine Eltern früh verlor, wurde er bis zu seinem 17. Lebensjahr in einem Danziger Internat erzogen und kam dann zu Verwandten nach Berlin. Auf Wunsch seines Vormunds sollte er Kaufmann werden, ging jedoch nach Beendigung seiner Lehre in einem Handelshaus zur Bühne. Seine Ausbildung erhielt L. auf der „Berliner Bühnenschule“ und wurde danach als Volontär an das Lessingtheater Berlin unter Oskar Blumenthal verpflichtet. Es folgten Engagements in Tilsit, Oldenburg und Braunschweig sowie bei Lautenburg am Neuen Residenztheater in Berlin. Mit knapp 28 Jahren übernahm L. die Leitung der Stadttheater Graudenz und Marienwerder. Wenig später organisierte er die „Ibsen-Tournee“, die bald in „Internationale Tournee Gustav Lindemann“ umbenannt wurde. Seit dem Herbst 1903 gehörte ihr auch Louise Dumont an, mit der er 1904 das Düsseldorfer Schauspielhaus gründete, das nach den Plänen von Bernhard Sehring (nicht von Henry van de Velde) gebaut wurde. Am 28.10.1905 wurde es mit Hebbels „Judith“ eröffnet. L. leitete dieses bedeutende Theater, dem eine Schauspieler- und Rednerschule angegliedert wurde. Die von ihm gegründete Theaterzeitung „Masken“ wurde in den ersten Jahren von Paul Ernst und Wilhelm Schmidtbonn geleitet, die von ihm eingeführten Morgenfeiern von dem ersten Dramaturgen des Hauses, Herbert Eulenberg. 1932 wurde das Theater an die Städtischen Bühnen Düsseldorf verpachtet (1943 durch Bomben zerstört). L. war zunächst noch Gastregisseur, wurde aber durch die Nürnberger Gesetze zum Rückzug ins Privatleben gezwungen. Durch die persönliche Vermittlung seines Schülers Gustaf Gründgens konnte er das Dumont-Lindemann-Archiv aufbauen und blieb von den Nationalsozialisten unbehelligt. Nach 1945 arbeitete L. wieder als Regisseur. Seine künstlerische Persönlichkeit wurde durch die Begegnung mit dem Werk Henrik Ibsens geformt. L. bekannte sich zur dienenden Aufgabe des Theaters gegenüber der dramatischen Dichtung, denn Dramaturgie dürfe niemals Chirurgie sein. Seine Regie ging nie von der Situation, sondern stets vom Wort aus. Für den szenischen Bühnenbau verpflichtete er Rochus Gliese, August Macke, Traugott Müller, C. T. Pillartz, Knut Ström, den jungen Schüler von Peter Behrens Eduard Sturm, Walter v. Wecus und Gustav Wunderwald. L. war ein Förderer junger Schauspieler wie Gustaf Gründgens, Paul Henckels, Paul Kemp und Fita Benkhoff. Sein weltoffener Spielplan umfaßte Stücke von Euripides und Shakespeare, die deutschen Klassiker, vor allem Faust I und II, die er 1932 in Berlin inszenierte, Stücke von Gerhart Hauptmann, Georg Kaiser, Hans José Rehfisch, Wilhelm Schmidtbonn, Frank Wedekind, Franz Werfel und Carl Zuckmayer. L.s Theater, das zu seiner Zeit kulturpolitische und theatergeschichtliche Bedeutung besaß, war ebenso auf geistige Auseinandersetzung orientiert wie auf Festlichkeit.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Kunstak. Düsseldorf (1930); Prof.-Titel (1947); Dr. med. h. c. (Düsseldorf 1948); Gr. Bundesverdienstkreuz (1952); Ehrenbürger v. Düsseldorf.

  • Werke

    Hrsg.: Louise Dumont, Vermächtnis, 1932, 21957. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Düsseldorf, Lindemann-Archiv.

  • Literatur

    K. Loup, Das festl. Haus, 1955;
    ders., Schönheit u. Freiheit, 1959;
    M. Linke, G. L., Regie am Düsseldorfer Schauspielhaus, Diss. FU Berlin 1967 (L);
    B. Viertel, Schrr. z. Theater, 1970;
    W. Liese, Louise Dumont, 1971 (P);
    Trilse, Hammer u. Kabel, Theaterlex., 1977.

  • Autor/in

    Rolf Badenhausen
  • Empfohlene Zitierweise

    Badenhausen, Rolf, "Lindemann, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118728377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA