Lebensdaten
1500 bis 1550
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Kupferstecher ; Radierer ; Holzschnittzeichner ; Maler
Konfession
katholisch,Sektierer
Normdaten
GND: 118508326 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beham, Hans Sebald
  • Beham, Sebald
  • Beham, Hans Sebald

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Zitierweise

Beham, Sebald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508326.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Barthel s. (1);
    1) Anna, 2) 16.10.1549 Elisabeth, T des Schuhmachers Matthes Wolf von Büdingen.

  • Leben

    In der Gruppe der Nürnberger „Kleinmeister“ (Stecher in Kleinformat) - Brüder B., Jörg Pencz, Ludwig Krug - war B. der virtuoseste und fruchtbarste. Sebald und Barthel B. sowie Pencz hatten sich 1524 den seit Beginn der Reformation in Nürnberg immer zunehmenden Sektierergruppen (Karlstadt und|Thomas Münzer) angeschlossen. Diese propagierten unter Befehdung lutherischer Dogmen umstürzlerisch-kommunistische, das Sozialgefüge bedrohende Theorien. Es kam zur Verhaftung der drei „gottlosen Maler“ durch den Rat der Stadt am 12.1.1525. Das ausgedehnte Verhör und Gerichtsverfahren endeten am 26.1. mit dem Urteil auf Verbannung. B. und Jörg Pencz hielten sich darauf vermutlich in Windsheim auf, bis sie im November 1525 nach Nürnberg zurückkehren durften. Im Sommer 1528 nach Erscheinen von B.s Buch über die Pferdeproportionen kam es zu einem neuen Konflikt mit dem Rat durch die Anschuldigung des Plagiats aus Teilen von Dürers nachgelassenem Proportionswerk. B. floh, neuer Verhaftung sich entziehend, nach Ingolstadt, wo er in der Buchillustration für einen dortigen Verleger arbeitete, kehrte aber im Februar 1529 nach Nürnberg zurück. Im Juni 1530 weilte er in München und war Zeuge des Besuchs Karls V. und Erzherzog Ferdinands am Herzoghof. Ein großes militärisches Manöver zu Ehren des Kaisers wurde vom Künstler in einer Zeichnung festgehalten, die dann in Nürnberg in einem großen Holzschnitt gedruckt wurde. 1531 trat er in die Dienste Kardinal Albrechts von Brandenburg in Aschaffenburg und Mainz und fertigte für den Kirchenfürsten mehrere Miniaturen in zwei Gebetbüchern (heute in den Bibliotheken von Aschaffenburg und Kassel) und bemalte 1534 für ihn eine Tischplatte mit Szenen aus der Davidgeschichte (heute Paris, Louvre). 1532 bis 1533 setzte B.s sehr ausgedehnte Tätigkeit in der Buchillustration ein. Er arbeitete für den Verleger Christian Egenolff in Frankfurt/Main, eine Verbindung, die bis zu seinem Tode nicht mehr abriß. Er wurde zur „tragenden Säule der Frankfurter Buchillustration“ zwischen 1530 und 1550. Seit 1532 war er dauernd in Frankfurt/Main ansässig. 1535 hielt er sich nochmals in München auf, wo der Verleger A. Glockendon nach seiner Zeichnung den großen Holzschnitt „Dorfkirchweih“ druckte. Am 24. Juli desselben Jahres gab er offiziell das Nürnberger Bürgerrecht auf und leistete am 14.10.1540 den Bürgereid in Frankfurt.

    Des Künstlers Druckgraphik gehört zu den umfangreichsten der nachdürerschen Zeit. Als Schöpfer des kleinformatigen Stichs arbeitete er drei Jahrzehnte in größter Produktivität. Im Holzschnitt (Einzelblätter und ausgedehnte Buchillustration) ist B. einer der bedeutendsten Erben der Dürerschen Tradition. Das äußerst umfängliche Stoffgebiet erstreckt sich auf Religiös-Biblisches in volkstümlichem Erzählerton, Gestalten und Themen aus antiker Sage und Geschichte, Leben und Treiben des Bauernstandes, den er in seiner Graphik äußerst lebensvoll schildert, ferner religiös-politische Zeitpolemik in Flugblättern und Kampfschriften, wobei Hans Sachs zwischen 1520 und 1530 mehrfach die Begleittexte verfaßte. Auch als bedeutenden Holzschnittzeichner auf dem Gebiet der Heraldik hat ihn die neuere Forschung erwiesen. Er zeichnete u. a. den großen Holzschnitt in Rundformat von 1529 mit der Ansicht Wiens während der Türkenbelagerung. Seit 1530 kamen hinzu Ornamentstiche und -schnitte in Auswertung italienischer Vorbilder, die für das zeitgenössische und spätere deutsche Kunstgewerbe zu einer viel benutzten Quelle geworden sind. - Die Zahl der Stiche beläuft sich auf etwa 270, einschließlich 18 eisengeätzter Radierungen, die - bis auf eine von 1540 - alle der Frühzeit angehören. G. Pauli erwies, über die bis dahin bekannten 288 hinaus, fast 1100 Holzschnittwerke als B. zugehörig. Als Maler spielte B. im Gegensatz zu seinem Bruder Barthel kaum eine Rolle. Formgestaltung und Technik der Jugendwerke verraten die Schülerschaft bei Dürer. In Stich und Schnitt wurden Werke des großen Lehrers kopiert, auch frei verarbeitet. Mit diesen Grundlagen mischten sich starke Einflüsse durch die Graphik der Donaumeister Altdorfer und Wolf Huber, besonders in der Landschaft und in der Wucht kubischer Raumerschließung. Die Stiche Marc Antons vermittelten Kenntnis italienischer Renaissanceformen und des klassischen südlichen Bildgefüges (Raffael). Auch die Zunahme menschlicher Akte in seinen Kleinstichen deutet auf diese Quelle. Die Jahre 1535-40 brachten in technischer und formaler Gestaltungskraft den Höhepunkt des B.schen Kleinmeisterstichs. Auf kleiner Fläche entstanden Figurengruppen von klassischer Einfachheit und rhythmischer Ausgewogenheit der Komposition. Für das klare und graphisch fein abgetönte Liniengefüge aller dieser Werke mag auch der Holzschnittstil Hans Holbeins des Jüngeren mit bestimmend gewesen sein. Im letzten Dezennium setzte ein Absinken in kalte und leere Virtuosität ein; sein letzter Stich stammt von 1549.

  • Literatur

    ADB II;
    S. Laschitzer, in: Mitt. f. vervielf. Kunst (Beil. z.Graph. Künste“, Wien), Jg. 1903, S. 16;
    H. Voss, ebenda, 1909, S. 52 ff.;
    M. Loßnitzer, ebenda, 1910, S. 36 ff.;
    H. Röttinger, ebenda, 1921, S. 3 ff.;
    C. Dodgson, ebenda, 1923, S. 21 ff.;
    M. Weinberger, ebenda, 1932, S. 33 ff.;
    E. Waldmann, Die Nürnberger Kleinmeister, = Meister d. Graphik, Bd. 5, 1910;
    P. Kristeller, Kupferstich u. Holzschnitt in 4 Jhh., 1911, S. 238 ff.;
    G. Pauli, H. S. B., Nachträge z. d. krit. Verz. seiner Kupferstiche, Radierungen u. Holzschnitte. = Stud. z. Dt. Kunstgesch. 134, Straßburg 1911;
    M. Friedländer, Der Holzschnitt. 1917,|S. 78 ff.;
    E. Bock, Die Dt. Graphik, 1922, S. 33 ff.;
    R. Berliner, Ornamentale Vorlagebll., 1926, S. 25 ff., Tafel 64, Nr. 5-9;
    H. Röttinger, Die Bilderbogen d. Hans Sachs, in: Stud. z. Dt. Kunstgesch. 247, Straßburg 1927, bes. S. 18 ff.;
    ders., Ergg. u. Berichtigungen d. S.B.-Kat. v. G. Pauli, ebenda, 246, 1927;
    ders., Der Frankfurter Buchholzschnitt v. 1530–50, ebenda 293, 1933;
    M. Geisberg, Die Dt. Buchillustration in der 1. Hälfte d. 16. Jh.s, 1930 ff.;
    ders., Die Dt. Einblatt-Holzschnitte d. 16. Jh.s H. S. B., dazu Bilderkat. Nr. 163-349, 1930, S. 44 bis 73;
    G. Habich, Die Dt. Schaumünzen d. 16. Jh.s 1/2, 1931, S. 166, Nr. 1180/81, Tafel 137, Nr. 3, 4;zu den Handzeichnungen:
    Old Master Drawings XI, London 1936/37, S. 52 f., Tafel 48, XII, 1937/38, S. 30 f., Tafeln 29, 31-33;
    Jb. d. preuß. Kunstslgg., Bd. 60, 1939, S. 27, Nr. 1;
    W. Keller, Die Handzeichnungen S. B.s, Diss. Würzburg (?) 1943 (ungedr.);
    Kunstmuseets Aarsskrift, Kopenhagen 1952, S. 60 ff., Abb. Nr. 11-14;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, 1534 (Detail v. d. Tischplatte mit d. Gesch. d. Kg.s David, Paris, Louvre);
    Specksteinmodell in Rund (S. B. u. seine erste Frau) v. Matthes Gebel, Nürnberg 1540 (Berlin, Kupf.kab.)

  • Autor/in

    Thomas Muchall-Viebroock
  • Empfohlene Zitierweise

    Muchall-Viebroock, Thomas, "Beham, Sebald" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 4-6 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508326.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Beham: Hans Sebald B., Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt, geboren zu Nürnberg 1500, zu Frankfurt 22. Novbr. 1550, war Schüler seines älteren Bruders Barthel B. und steht wie dieser unter dem Einflusse Dürer's, bei dem er möglicher Weise einige Zeit als Lehrling zugebracht hat. Im Jahre 1524 wurden die beiden Beham, nebst dem Maler Georg Pencz, wegen Verbreitung deistischer und socialistischer Ansichten vor Gericht gestellt, ins Gefängniß geworfen und aus der Stadt verbannt. Wohin Sebald sich begab, ist nicht auszumachen; im Jahre 1530 aber mußte er sich zu München befunden haben, indem von ihm ein Holzschnitt mit dem Triumphzuge Kaiser Karls V. in genannte Stadt, den 10. Juli 1530 (Bartsch, Peintre-Graveur Nr. 169), existirt. Vermuthlich war er dorthin in Gemeinschaft seines Bruders gelangt, dessen Gönner bekanntlich Herzog Wilhelm IV. von Baiern war. Im Jahre 1531 arbeitete er für den Kurfürsten von Mainz. Damals schon oder doch bald darauf mußte er nach Frankfurt a. M. gekommen sein, da von 1533 an der Frankfurter Verleger Christ. Egenolph Holzschnitte von ihm zu seinen Büchern benutzte. Er wurde Bürger und scheint daselbst bis an seinen Tod geblieben zu sein. Daß er, wie Hüsgen angibt, wegen seines lüderlichen Wandels ertränkt worden sei, ist rein aus der Luft gegriffen; wir besitzen keinerlei Anhaltspunkte dafür; besonders wichtig ist in dieser Beziehung, daß Neudorffer, der Beham's Todesdatum genau angibt, von einer solchen Strafe nichts mittheilt. Sebald war einer der fruchtbarsten Künstler, als Maler freilich hat er nur wenig geliefert. Von Oelbildern von ihm ist nur bekannt die jetzt im Louvre zu Paris befindliche Tischplatte, welche er im Jahre 1534 für Albrecht, Kurfürsten von Mainz, bemalt hat. „Das Werk stellt in sehr kleinen aber geistreichen Figuren vier Vorgänge aus dem Leben Davids vor und ist in einem warmen und klaren Tone sehr fleißig ausgeführt“ urtheilt Waagen. Ferner malte B. im Jahre 1531 für denselben Kurfürsten fünf Miniaturen in einem Gebetbuche, das sich jetzt in Aschaffenburg befindet; auch diese sind vortrefflich. Seine Hauptstärke liegt indessen in seinen Kupferstichen und Zeichnungen für den Holzschnitt; deren er eine Menge gefertigt hat. Kupferstiche, unter denen sich auch einige Radirungen befinden, kennt man gegen 280, die Mehrzahl in sehr kleinen Verhältnissen, weshalb er zu den sogenannten Kleinmeistern gerechnet wird. Er hat viel nach seinem Bruder copirt, sich überhaupt gänzlich nach ihm gebildet, wenn er ihn allerdings in der vollen Zartheit der Stichelführung nicht zu erreichen vermochte. Wie Barthel gehört auch er den Nachfolgern Dürer's an, womit sich jedoch eine größere Annäherung an die Zeichnung der Italiener verbindet, als wir es bei Dürer gewohnt sind. Seine Stichelführung ist gewandt; die Zeichnung seiner Figuren, wenn auch nicht frei von Plumpheit und knittrigen Falten, doch sicher und nicht ohne gewisses Schönheitsgefühl. Seine Erfindungsgabe ist wirklich zu bewundern, und er verstand sich auf christliche und antike Vorwürfe, auf Historien und Genre, auf Ernstes und Humoristisches, ohne dabei in Flüchtigkeit auszuarten. Es ist schwer, aus der großen Zahl einzelne hervorragende Blätter herauszuheben. Die Geschichte des verlornen Sohnes, die Hochzeit von Kana und die zwölf Blätter mit Bauerntänzen dürften in ihrer Art kaum übertroffen worden sein. So ist es auch mit den zahlreichen Holzschnitten, in denen seine Erfindungskraft am freiesten waltet. Nach ihm sank der deutsche Kupferstich und Holzschnitt. Flüchtige Manieristen, denen freilich große Gewandtheit und Reichthum von Erfindungen nicht abzusprechen sind, verdrängten allmählich die alte solide Schule Dürer's, von deren Mitgliedern Sebald eines der trefflichsten gewesen ist. Keiner der Schüler Dürer's dürfte übrigens einen so weitgreifenden Einfluß geübt haben. Zu bemerken ist noch, daß er sich|bis 1530 des mit P, von da an des mit B gebildeten Monogrammes bedienen. Die erste Jahreszahl auf seinen Blättern ist 1518, die letzte 1549.

  • Autor/in

    W. Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Wilhelm, "Beham, Sebald" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 279-280 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118508326.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA