Lebensdaten
1502 bis 1555
Geburtsort
Hadamar (Kreis Limburg/Lahn)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Buchdrucker ; Schriftgießer ; Verleger
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 122968468 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Egenolph, Christian
  • Egenolf, Christian
  • Egenolff, Christian der Ältere
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Egenolff, Christian, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd122968468.html [28.08.2016].

CC0

Egenolff (Egenolph), Christian

Buchdrucker, Schriftgießer und Verleger, * 26.7.1502 Hadamar (Kreis Limburg/Lahn), 9.2.1555 Frankfurt/Main. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Paulus; B Lorenz, Buchdrucker; Straßburg 1528 Margarethe Karpff ( 1577); 11 K (6 früh †), u. a. Christian (1528–66), Pfarrer u. Buchhändler, Magdalena ( 1567, Adam Lonicerus, 1528–86, Dr. med., Stadtarzt in Frankfurt, Teilh. der Druckerei, s. ADB 19), Barbara ( 1603, Johannes Cnippius gen. Andronicus, 1586, Dr. theol., Schulhalter, Teilh. der Druckerei), Maria ( 1624, Paul Steinmeyer, 1586, Goldschmied in Frankfurt); N Paul E. (1553–1625), Universitätsdrucker in Marburg 1586-1607, dann bis 1621 selbständiger Verleger (s. Benzing); E Vincenz Steinmeyer (1578–1667), Verleger u. Schöffe in Frankfurt, Judith (T des Christian, 1) Jacques Sabon, 1580, aus Lyon, Schriftgießer in Frankfurt, 2) Konrad Berner aus Hechingen, Schriftgießer), Barbara Cnippius ( Wolf Dietr. Caesar, 1596, aus Augsburg, Teilh. der Druckerei, s. Benzing).

  • Leben

    E.s Lehrjahre und Anfänge als Buchdrucker sind bis heute noch nicht aufgeklärt worden. Nach einem Studium an der Universität Mainz von 1516 bis möglicherweise 1519 muß er sich einer Ausbildung als Schriftgießer und Buchdrucker unterzogen haben. Ab 1524 scheint er bei dem Drucker Wolfgang Köpfel in Straßburg als Schriftgießer tätig gewesen zu sein. 1528 richtete er sich hier eine eigene Druckerei ein, die er Ende 1530 nach Frankfurt/Main überführte, wo sein Gesuch um Zulassung vom Rat der Stadt wohlwollend und ohne Verzug angenommen worden war. Mit ihm begann der ununterbrochene Buchdruck in dieser Stadt, ausgeübt von einem umsichtigen, vielseitig vorgebildeten und äußerst rührigen Vertreter seines Faches. Alle Zweige der Buchproduktion hat E. hier gepflegt, so vor allem den (populär-)medizinischen, naturhistorischen und theologischen Verlag; auch die später so bekannt gewordenen Frankfurter Rechtssammlungen hat er gedruckt. Wichtig ist E. auch für den Musikdruck geworden, weniger durch circa 12 Drucke (unter anderem Gassenhawerlin und Reutterliedlin, 1535), als durch seine folgenreiche Umstellung vom kostspieligen Doppeltypendruck auf die einfachen durchgehenden Typen P. Haultins. Durch die Übernahme eines Teiles des Holzschnittwerkes der Steinerschen Offizin in Augsburg hat er zahlreiche bemerkenswerte Holzschnitte des Petrarca-Meisters, H. L. Schäufeleins und Hans Burgkmairs, in seinen Besitz gebracht, die zusammen mit Beiträgen ansässiger Künstler wie Hans Sebald Beham, Konrad Faber und anderen seine prächtigen Holzschnitteditionen zieren. Auch Verlagswerke und Holzschnitte von Jak. Köbel in Oppenheim und Peter Jordan in Mainz hat er wohl durch Kauf erworben. 1538-44 hatte er auch eine Filiale in Marburg und war der offizielle Buchdrucker der dortigen Universität. Sein Faktor Andreas Kolbe führte für ihn dort die Druckerei, mit ihm brachte er vereinzelt auch noch Drucke bis 1552 heraus. Die Zahl seiner Drucke und Verlagswerke ist recht hoch: für Straßburg sind bis heute 45 festgestellt, für Marburg ungefähr 90 und für Frankfurt annähernd 430, die aber sicherlich noch nicht die Endzahlen bedeuten. Bei seinem plötzlichen Tode hinterließ E. seiner Witwe ein stattliches Vermögen (4 Häuser mit Wiesen und Weingärten) und ein blühendes Geschäft in eigenem großen Haus, das die Witwe wohl zusammen mit ihrem Schwager Lorenz E. weiterbetrieb. 1572 hat sie alles ihren Töchtern und Schwiegersöhnen übereignet. Die Schriftgießerei wurde damals abgetrennt und kam an ihre Enkelin und deren Mann Jakob Sabon, die dann als selbständiges Unternehmen, wenn auch unter veränderter Firmenbezeichnung, bis in das 18. Jahrhundert weiterbestand. Die Druckerei der E.-schen Erben, die kaum in der Qualität und dem Umfang hinter der Produktion des Gründers der Firma zurückstand, ist noch 1605 bezeugt.

  • Literatur

    ADB VI; R. N. Wegner, Frankfurts Anteil a. d. Verbreitung anatom. Kenntnisse im 16.-18. Jh., 1925, S. 4 ff. (P); J. Benzing, Der Buchdruck d. 16. Jh. im dt. Sprachgebiet, 1936, S. 49-51 (L); ders., Ch. E. zu Straßburg u. s. Drucke (1528–30), in: Das Antiquariat 10, 1954, S. 88-92; ders., Die Drucke Ch. E.s zu Frankfurt a. M. v. Ende 1530-55, ebd. 11, 1955, S. 139 f., 162 ff. (noch nicht abgeschlossen); E. Stübler, Leonhart Fuchs, Leben u. Werk., 1928 (zu E.s Nachdrucken); H. Gerber, in: Nassau. Lb. III, 1948, S. 84-92 (L); N. Bridgman, Ch. E., imprimeur de musique, in: Annales musicologiques 3, Paris 1955, S. 77-177; Benzing, Buchdrucker; K. Gudewill, in: MGG III, Sp. 1156-59 (P); F. Lübbecke, 500 J. Buch u. Druck in Frankfurt/M., 1948, S. 59 ff. (P).

  • Portraits

    zeitgenöss. Holzschn., Abb. in: Alt-Frankfurt 3, 1930, S. 158.

  • Autor

    Josef Benzing
  • Empfohlene Zitierweise

    Benzing, Josef, "Egenolff, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 325-326 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd122968468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Egenolf, Christian

  • Leben

    *)Zu unserem lebhaften Bedauern sehen wir uns auch hier am Schlusse des E genöthigt, einige Artikel nachträglich zu liefern, weil sie nicht rechtzeitig zu beschaffen waren. Für die Egenolf und Joh. Eichorn fehlten zur Zeit des Druckes dem Herrn Bearbeiter noch unentbehrliche Materialien. Ein Artikel über Eitzen war während des Druckes eines anderen früheren Artikels verloren gegangen, weil der inzwischen verstorbene Verfasser ihn unserer wiederholten Mahnung zuwider mit jenem anderen Artikel auf dasselbe Blatt geschrieben hatte. Herr Pastor Bertheau hatte darauf die Gefälligkeit, den unten abgedruckten neuen Artikel zu verfassen. — Die Darstellung K. Fr. Eichhorn's zu übernehmen hatte Herr Professor Frensdorff du große Güte, als sich — leider erst im Augenblick, als der Druck schon hätte stattfinden sollen — zeigte, daß ein anderer unserer Herren Mitarbeiter, von dem wir diese Arbeit erwarten zu dürfen glaubten, sich nicht für verbunden dazu erachtet hatte. — Der Artikel van Eyck fehlt an seiner Stelle, weil der Herr Mitarbeiter, welcher ihn zu schreiben übernommen hatte, durch keine Bitten und Mahnungen zu bewegen war, sein Wort rechtzeitig zu erfüllen. Wir werden den Artikel jetzt von anderer kundiger Hand am Ende dieses Bandes nachliefern. Die Redaction. Egenolf: Christian E., auch Egenolph, einer der ersten Buchdrucker in Frankfurt a. M., wurde 1502 zu Hadamar im Westerwalde geboren. Er übte die Buchdruckerei, ehe er nach Frankfurt zog, in Straßburg aus. Er wanderte im J. 1530 nach Frankfurt ein, leistete aber erst am 9. April 1532 den Bürgereid. Er muß aber schon verheirathet gewesen sein, denn im Jahre 1549 am 3. Mai verheirathete sich sein Sohn Lorenz und am 28. Jan. 1550 wurde sein Sohn Christian E. der Jüngere als Bürger aufgenommen. Er war ein geistig begabter Mann und pflegte den Umgang mit gelehrten Männern, mit welchen er in Briefwechsel stand, wie z. B. mit dem bekannten und berühmten Arzte und Dichter Lonicer, Melanchthon und Anderen, welche ihm große Achtung zollten. Er selbst verfaßte verschiedene Werke, theils in lateinischer, theils in deutscher Sprache, unter anderm: "Die besten lateinischen Redensarten aus Terentii Schauspielen", Straßburg 1530, 8. Als Buchdruckerzeichen hatte er einen Altar auf welchem ein Herz mitten im Feuer brannte. Sein erstes in Frankfurt mit einem Monatsdatum bezeichnetes Werk ist: "Jacob Köbel von Oppenheim, der Stab Jacob, künstlich und gerecht zu machen und zu gebrauchen, damit an Gebäum auch sonst — zu messen. Frankfurt Christ. Egenolph 1531 im May", 4. mit Holzschnitten. Dann folgte "Güldin Bull Caroli des vierden, weiland Röm. keyser. Reformatione, Statuten, Herligkeiten und Ordnungen aller|Oberkeit des h. Röm. Reichs und Teutscher Nation belangend, nebst Keyser Friedrichs Reformation aller Ständ etc. Zu Frankfurt am Mayn bei Christ. Egenolph im Hewmon des MDXXXI. Jahr." 4. Die besten und vollkommensten Drucke sind seine lateinischen, doch verdient seine mit schönen Holzschnitten gezierte, am 26. Mai 1534 vollendete deutsche Bibel in Folio, die erste Bibel, welche hier gedruckt wurde, alle Anerkennung. Aber außer der Buchdruckerkunst verstand er sich noch auf das Holzschneiden und Schriftgießen. Namentlich waren seine Schriften berühmt, so daß die meisten der damals bestehenden Buchdruckereien sie benutzten. Seines Sohnes Schwiegersohn, Jakob Sabon, hat die grobe Fracturschrift "Sabon" eingeführt, welche noch bis auf den heutigen Tag als eine schöne gilt. Er wohnte und betrieb seine Buchdruckerei und Schriftgießerei in Frankfurt a. M. in seinem Hause an der Ecke des Kornmarktes und der großen Sandgasse K. 163, zur Weilburg, auch zum Wiltberg genannt, welches aber im J. 1785 niedergerissen wurde. An demselben befand sich eine Gedenktafel, welche die Inschrift zeigte: "Ab invecta huic urbi a se primo Typographica A°. XXX Donrum hanc Christianus Egenolphus Hademarien. extrui F. A°. Dni. MDXLIII." Außer den angegebenen Geschäften betrieb er auch den Buchhandel. Er starb im J. 1555 und wurde auf dem St. Peterskirchhofe in Frankfurt a. M. begraben, wo ihm ein prächtiges Epitaphium errichtet wurde.

    Sein schon erwähnter Sohn Christian der Jüngere war Geistlicher geworden und bekleidete das Amt eines evangelischen Predigers von 1553 bis zu seinem im J. 1566 erfolgten Tode, betrieb aber nebenbei die Buchdruckerei und die anderen Geschäfte seines Vaters, namentlich den Buchhandel. Später unter der Beihülfe seiner Schwiegersöhne, denn seine Tochter hatte in erster Ehe den ausgezeichneten Schriftgießer Jakob Sabon und in zweiter Ehe Konrad Berner geheirathet. Eine Enkelin vermählte sich mit Johann Luther, dem Stifter einer Schriftgießerei, die über 250 Jahre in Frankfurt a. M. geblüht hat. Später wurde die Druckerei unter der Firma: "Christian Egenolph's Erben" fortgesetzt, aus welcher eine ganze stattliche Reihe von Büchern verschiedener Art hervorging. Ein Nachkomme Johann Luther's, Johann Nikolaus Luther, gründete eine deutsche Buchdruckerei in Amerika, und zwar in Gemeinschaft mit Christoph Sauer. Sie errichteten eine solche zu Germantown in Pennsylvanien im J. 1735 und gaben auch eine vierteljährliche Zeitschrift in deutscher Sprache heraus, das erste Product der Art in Amerika, dem eine wöchentliche Zeitung folgte. Unter anderen Werken druckten sie eine deutsche Bibel in kl. Quart (1743) und eine Schriftgießerei wurde ebenfalls angelegt und somit die alte Egenolf'sche Buchdruckerei in der neuen Welt fortgesetzt.

    • Literatur

      Vgl. Münden, Historischer Bericht, Frankfurt 1741. 8. Geßner, Buchdruckerkunst III. S. 272 ff. Lesser, Historie der Buchdruckerei S. 231 u. 306. Gwinner, Kunst und Künstler in Frankfurt a. M. S. 48 ff. Gedenkbuch der Erfindung der Buchdruckerkunst S. XIV. Falkenstein, Geschichte der Buchdruckerkunst S. 203 ff. Fabricius, Buchdruckerkunst in Amerika S. 28 etc.

  • Autor

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Egenolff, Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 467-468 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd122968468.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA