Linhard-Böhm, Thea
- Lebensdaten
- 1903 – 1981
- Geburtsort
- München
- Sterbeort
- Hamburg
- Beruf/Funktion
- Sängerin ; Gesangspädagogin ; Sängerin ; Sopranistin
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 13652737X | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Linhard, Therese/Theresia Anna / geborene
- Böhm-Linhard, Thea
- Böhm, Thea
- Linhard-Böhm, Thea
- Linhard, Therese/Theresia Anna / geborene
- Böhm-Linhard, Thea
- Böhm, Thea
- Böhm, Thea
- Böhm, Thea Linhard-
- Böhm-Linhart, Thea
- Linhard, Theresia Anna
- Böhm, Theresia Anna
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- Linhard-Böhm, Thea
- b17
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- linhard, terese/teresia anna / geborene
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- Haydn, Joseph
- Ivogün, Maria
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- Knappertsbusch, Hans
- Mahler, Gustav
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- Messner, Joseph
- Méhul, Étienne Nicolas
- Millöcker, Carl
- Mozart, Wolfgang Amadeus
- Mutschmann, Martin
- Nicolai, Otto
- Pfitzner, Hans
- Prohaska, Felix
- Schmeidel, Hermann von
- Schubert, Franz
- Schumann, Georg
- Stiffel, Alfred
- Verdi, Giuseppe
- Wagner, Winifred
- Walter, Bruno
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Linhard-Böhm, Thea (geborene Therese oder Theresia Anna Linhard)
Namensvarianten: Thea Böhm-Linhard; Thea Böhm
1903 – 1981
Sängerin, Gesangspädagogin
Die Sopranistin Thea Linhard-Böhm debütierte 1921/22 am Bamberger Stadttheater und war seit der Spielzeit 1922/23 am Münchner Nationaltheater beschäftigt. Als Koloratursoubrette beherrschte sie ein umfangreiches Repertoire. Nach ihrer Heirat mit dem Dirigenten Karl Böhm (1894–1981) 1927 machte sie (mit Unterbrechungen) bis 1952 Karriere als freiberufliche Konzert-, Oratorien- und Liedsängerin mit teils renommiert besetzten Ensembles u. a. in Berlin, Salzburg und Wien.
Lebensdaten
Thea Linhard-Böhm, BSB / Bildarchiv (InC) -
Autor/in
→Thomas Wozonig (Graz)
-
Zitierweise
Wozonig, Thomas, „Linhard-Böhm, Thea“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd13652737X.html#dbocontent
Linhard-Böhms Schulzeit und frühe musikalische Ausbildung in München liegen weitgehend im Dunkeln. Wahrscheinlich war sie im Umfeld der Münchner Lautensangbewegung aktiv und nahm um 1919 Gesangsunterricht bei der ungarischen Sopranistin und Mozartinterpretin Maria Ivogün (1891–1987). Spätestens 1921/22 war sie Gesangsschülerin Elsa Bernys (1883–1953).
Zur Spielzeit 1921/22 wurde Linhard-Böhm Ensemblemitglied am Bamberger Stadttheater; ihr Debüt gab sie am 2. Oktober 1921 als Blonde in Wolfgang Amadeus Mozarts (1756–1791) „Die Entführung aus dem Serail“. Im Laufe der Saison hatte sie kleine Einsätze v. a. in den Bereichen Posse und Operette; sie sang u. a. die Titelrolle in Hans Pfitzners (1869–1949) „Christelflein“, die Mirzl in Carl Millöckers (1842–1899) „Das verwunschene Schloss“ und den Benjamin in Étienne Nicolas Méhuls (1763–1817) „Joseph“.
Am 29. Dezember 1921 trat Linhard-Böhm auf Einladung Bruno Walters (1876–1962) als Oscar in Giuseppe Verdis (1813–1901) „Maskenball“ erstmals am Münchner Nationaltheater auf. Nach weiteren Gastauftritten wurde sie dort 1922 als Sängerin für Soubretten-Partien fest verpflichtet. Ihre klare, technisch versierte und schlanke Sopranstimme galt zwar für größere und dramatischere Partien als zu wenig tragfähig, überzeugte jedoch in lyrischen, häufig auch komödiantischen Rollen wie die der Anna Reich in Otto Nicolais (1810–1849) „Die lustigen Weiber von Windsor“, des Ighino in Pfitzners „Palestrina“ und als Leonore in Karl Ditters von Dittersdorfs (1739–1799) „Doktor und Apotheker“. 1924 wirkte Linhard-Böhm als Savoyardenknabe an der Uraufführung von Walter Braunfels’ (1882–1954) „Don Gil von den grünen Hosen“ unter Hans Knappertsbusch (1888–1965) mit. Ihre stimmlichen Eigenschaften machten Linhard-Böhm zu einer gefragten Sängerin für den Rundfunk. Zwischen Mai 1924 und November 1925 war sie in mindestens 40 Rundfunksendungen zu hören, wobei die Programmauswahl neben Opern- und Operettenarien auch Konzert- und Kirchenkompositionen, u. a. Messen von Mozart und Franz Schubert (1797–1828), sowie Kunst- und Volkslieder umfasste.
Nach dem Suizid ihres ersten Ehemanns 1925 stellte Linhard-Böhm ihre Theater- und Rundfunkaktivitäten für einige Zeit ein; seit 1927 etablierte sie sich als angesehene Konzert- und Liedsängerin. Zu den Höhepunkten ihrer Konzertauftritte zählten Johann Sebastian Bachs (1685–1750) Weihnachtsoratorium mit der Berliner Singakademie unter Georg Schumann (1866–1952) (Dezember 1929), Schuberts Messe in As-Dur D 678 und Bachs Oster-Oratorium unter Herrmann von Schmeidel (1894–1953) (Frankfurt, April 1931), Joseph Haydns (1732–1809) „Jahreszeiten“ in Wien unter Walter (April 1932), sowie Haydns „Schöpfung“ unter Joseph Meßner (1893–1969) bei den Salzburger Festspielen (1932). Unter der Leitung ihres zweiten Ehemanns Karl Böhm (1894–1981) sang sie u. a. das Solo in Gustav Mahlers (1860–1911) Vierter Symphonie (1927) sowie die Sopranpartien in Felix Mendelssohn Bartholdys (1809–1847) „Paulus“ (1929) und Johannes Brahms’ (1833–1897) „Ein deutsches Requiem“ (1929). Ihre „schlichte Sangesweise im vorbildlichen Klangadel“ (Grazer Tagblatt v. 6.12.1932) galt v. a. für das genannte Kirchen- und Oratorienrepertoire als ideal, da dieses Fach stärker nach klaren, elastischen und technisch soliden denn dramatisch-expressiven Stimmen verlangte.
Linhard-Böhms Verhältnis zum Nationalsozialismus ist unbekannt; der NSDAP trat sie nicht bei. Bis 1936 wirkte sie als Sängerin an repräsentativen Veranstaltungen mit, u. a. 1934 an einem Galakonzert des Dresdner Richard-Wagner-Verbands Deutscher Frauen in Anwesenheit von Winifred Wagner (1897–1980) und unter der Schirmherrschaft von Minna Mutschmann (1884–1971), der Ehefrau des NSDAP-Gauleiters von Sachsen Martin Mutschmann (1879–1947). 1937 zog sie sich weitgehend von allen künstlerischen Aktivitäten zurück.
Seit 1946 trat Linhard-Böhm wieder öffentlich als Sängerin auf; u. a. sang sie im April 1946 in Wien mit den Wiener Symphonikern unter Manfred Willfort (1909–1982) wieder Mahlers Vierte Symphonie sowie einen Monat später, unter Felix Prohaska (1912–1987), in Haydns „Schöpfung“. Mit ihren Engagements und dem Erteilen von Gesangsstunden trug sie während des Dirigierverbots ihres NS-belasteten Ehemanns wesentlich zum Auskommen der Familie bei. Nach dessen beruflicher Wiederzulassung im April 1947 zog sich Linhard-Böhm abermals von der Konzertbühne zurück. Ihren endgültigen Abschied gab sie am 27. Mai 1952 unter Böhms Leitung mit Bachs „Magnificat“ (BWV 243) im Wiener Konzerthaus.
Teilnachlass:
Privatbesitz Almaz Böhm, Salzburg. (u. a. Rollentagebuch und Kritikensammlung)
Weitere Archivmaterialien:
Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, Personalakt der Generalintendanz der Bayerischen Staatstheater, 644.
Universitätsbibliothek Salzburg, Sammlung Karl Böhm. (u. a. Tagebücher sowie Sammlungen von Korrespondenzen, Kritiken und Fotos Karl Böhms, darunter auch Quellen von/zu Thea Linhard-Böhm) (weiterführende Informationen)
Österreichische Nationalbibliothek, Wien, F21.Berg.1665/1–29. (Korrespondenz mit Helene Berg)
Gedruckte Quellen:
Hans Weigel (Hg.), Karl Böhm, Ich erinnere mich ganz genau. Autobiographie, 1968.
Martina Steiger (Hg.), Richard Strauss – Karl Böhm. Briefwechsel 1921–1949, 1999, bes. S. 95, 155 f., 179 f., 189, 197, 199, 201 f., 365 f., 371 f. u. 373 f.
Lieder:
Wolfgang Amadeus Mozart, „O säume länger nicht, geliebte Seele“ und „Sagt holde Frauen“ aus „Figaros Hochzeit“, 1923.
Wolfgang Amadeus Mozart, „Ach ich fühl’s, es ist verschwunden“ aus der „Zauberflöte“, sowie „Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln“ aus der „Entführung aus dem Serail“, 1923.
Leo Blech, ausgewählte Klavierlieder („Ein kleines Lied“, „Wiegenlied“, „Strampelchen“, „Die bösen Beinchen“, „Ännchens Himmelfahrt“, „Mairegen“, „Tintenheinz u. Plätscherlottchen“, „Heimkehr vom Feste“, „Selbstgeständnis“, „Veilchen“), Klavier: Michael Raucheisen, 1951.
Joseph Marx, ausgewählte Orchesterlieder („Selige Nacht“, „Venezianisches Wiegenlied“, „Marienlied“, „Waldseligkeit“, „Erinnerung“, „Hat dich die Liebe berührt“), RIAS Sinfonie-Orchester Berlin, Dirigent: Karl Böhm, 1951.
Richard Strauss, ausgewählte Orchesterlieder („Meinem Kinde“, „Morgen“, „Zueignung“, „Winterweihe“, „Allerseelen“), Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks, Dirigent: Karl Böhm, 1954.
Monografie und Sammelband:
Günter Krenn, Die Welt ist Bühne. Karlheinz Böhm. Die Biographie, 2018, S. 29–33 u. 79. (P)
Thomas Wozonig (Hg.), Karl Böhm. Biografie, Wirken, Rezeption, 2025. (P)
Lexikonartikel:
Karl-Joseph Kutsch/Leo Riemens, Art. „Linhard Böhm, Thea“, in: dies., Großes Sängerlexikon, Bd. 4, 42003, S. 2739.
Thomas Wozonig, Art. „Böhm-Linhard, Thea“, in: Alberto Basso (Hg.), Dizionario enciclopedico universale della musica e dei musicisti. (in Vorbereitung)
Aufsätze:
Klaus Schultz, Gruß an Thea Böhm, in: Franz Endler, Karl Böhm. Ein Dirigentenleben, 1981, S. 44.
E. W. [Erik Werba], Nachruf Thea Böhm, in: Österreichische Musikzeitschrift 36 (1981), H. 12, S. 650.
Zeitungsartikel:
H. B., Richard Kellerhals, in: Welt am Sonntag (München) v. 29.11.1925.
Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München.
Fotografie/Künstlerpostkarte, 1926, Universitätsbibliothek Salzburg, Abbildung in: Günter Krenn, Die Welt ist Bühne. Karlheinz Böhm. Die Biographie, 2018, nach S. 128, Abb. 2.