Lebensdaten
1739 bis 1799
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Schloß Rothlhotta in Neuhof (Bezirk Pilgram, Böhmen)
Beruf/Funktion
Opern- und Instrumentalkomponist ; Violinist ; Komponist ; Kapellmeister ; Forstmeister ; Amtshauptmann von Freiwaldau
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118679856 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ditters, Carl (bis 1773)
  • Ditters, Karl (bis 1773)
  • Ditters von Dittersdorf, Karl
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Zitierweise

Ditters von Dittersdorf, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118679856.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ditters, aus Danzig, Hof- u. Theatersticker in Wien, k.k. Oberstleutnant;
    1771 Nicolina Trink (Künstlername Nicolini), aus Ungarn, Sängerin, Stieftochter des Bassisten Renner;
    3 S, 2 T, u. a. Karl (1793–1851), Pastoraltheologe (s. Altpreuß. Biogr. I).

  • Leben

    D. erhielt im Alter von 7 Jahren seinen ersten Violinunterricht und machte dabei, besonders durch seinen Lehrer J. Ziegler gefördert, so gute Fortschritte, daß er 1751 als Kammerknabe in den Dienst des Prinzen Joseph von Hildburghausen trat und als Violinist in dessen Kapelle wirkte. Hier setzte er seinen Unterricht unter der Anleitung des italienischen Geigers Trani und des Hofkomponisten G. Bonno fort. Unterwiesen an Johann Joseph Fux' „Gradus ad Parnassum“ schrieb er in dieser Zeit die ersten Kompositionen, vor allem für sein Instrument. Für das spätere Schaffen wurde hier der entscheidende Grund gelegt, doch mag für den jungen Musiker auch die Begegnung mit Gluck (mit dem D. 1763 nach Italien reiste) nicht ohne Bedeutung geblieben sein. Bei der Auflösung der Kapelle des Prinzen wurde D. 1761 in das Wiener Hofopernorchester aufgenommen, übernahm aber 1765 als Nachfolger Michael Haydns die Kapellmeisterstelle beim Bischof von Großwardein. Hier entstanden die ersten größeren Orchesterwerke und Opern für eine von D. selbst eingerichtete Bühne. Das Oratorium „Isacco“ auf eine Übersetzung des Metastasiotextes und die Oper „Amore in musica“ entstanden in dieser Zeit. Intrigen führten 1769 zur Auflösung der Kapelle und ließen D. nach einer Reise nach Venedig eine Stelle bei Graf Schaffgotsch, dem in Johannesberg residierenden Bischof von Breslau, annehmen. Er versah hier den Dienst eines Forstmeisters und nach seiner Erhebung in den Adelsstand 1773 den des Amtshauptmanns von Freiwaldau. Wie in Großwardein richtete D. auch hier ein kleines Theater ein, für das er ebenso wie für das Hoftheater in Oels eine größere Reihe von Opern und Singspielen komponierte. Die ihm angetragene Stelle des kaiserlichen Hofkapellmeisters in Wien lehnte D. ab und blieb bis zum Tode des Fürstbischofs (1795) in dessen Diensten. Schon 1796 wurde er mit einer kargen Pension entlassen und verbrachte in Armut seine letzten Lebensjahre bei seinem Gönner Ignaz Freiherr von Stillfried auf dessen Herrschaft Rothlhotta, wo er seine Lebensbeschreibung abfaßte. - Als Komponist erfreute sich D. einer weitgehenden Beliebtheit, die nicht zuletzt in der leichten Faßlichkeit seiner Werke und in einer mitunter volkstümlichen Melodieführung gründete. Diese Feststellung trifft seine Instrumentalwerke ebenso wie die aus einem lebendigen Sinn für die musikalische Komödie geschriebenen Singspiele, unter denen „Doktor und Apotheker“ (1786 uraufgeführt) als nahezu geniales Beispiel der Gattung gelten kann. Im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet der überwiegende Teil seiner Kompositionen in Vergessenheit. Zu den Werken, die lebenskräftig blieben, gehört neben einzelnen Kompositionen auch D.s Autobiographie.

  • Werke

    Weitere W u. a. Messen u. Meßteile; Kantaten;
    4 Oratorien, darunter: Isacco figura del redentore, 1766;
    Buffoopern u. Singspiele, darunter: Amore in musica. 1767, II viaggiatore americano, 1770, Betrug durch Aberglauben, 1786, Hieronymus Knicker, 1789, Ugolino, 1796 (ernsthaftes Singspiel), Die lustigen Weiber v. Windsor, 1796, Die Opera buffa, 1798, Die Hochzeit d. Figaro (Zeit d. Entstehung od. Aufführung unbekannt, wahrsch. vor Mozarts gleichnamiger Oper);
    über 100 Symphonien, darunter: Progr.-Symphonien nach Ovids Metamorphosen, Wien 1785;
    Serenaden, Divertimenti u. Cassationen;
    Solokonzerte vor allem f. Violine;
    Streichquintette u. -quartette, Trios, Duette, Klavier- u. Violinsonaten;
    Lieder u. Arien;
    - Lebensbeschreibung hrsg. v. K. Spazier, 1801 (gekürzt), nach dem Erstdruck hrsg. v. B. Loets, 1940, und hrsg. v. E. Schmitz, 1940 (P), = Dt. Musikbücherei 22, = Reclam. Univ. Bibl. 5103.

  • Literatur

    C. Krebs, Dittersdorfiana, 1900 (W-Verz. u. themat. Kat.); H. Kretzschmar, Vom alten D., in: Ges. Aufss. I, hrsg. v. A. Heuß, 1911, S. 313 ff.;
    K. Holl, C. von D.s Opern f. d. wiederhergestellte Johannisberger Theater, Diss. Heidelberg 1913;
    L. Riedinger. D. als Opernkomponist, in: Stud. z. Musikwiss. II, 1914, S. 212-349 (W);
    H. Abert, W. A. Mozart, 1924, II, S. 414 ff.;
    H. Heckel, K. D. V. D., in: Schles. Lb. II, 1926, S. 86-93;
    G. Rigler, Die Kammermusik D.s, in: Stud. z. Musikwiss. XIV, 1927, S. 179-212 (W);
    W. Altmann, Die Streichquintette D.s, in: Stud. z. Musikgesch., Festschr. f. G. Adler, Wien 1930;
    F. Souper, The Music of D., in: Music and Letters XI, London 1930; MGG III (W, L, P).

  • Portraits

    Lith. v. H. E. v. Wintter, 1816, Abb. b. Rave.

  • Autor/in

    Günter Birkner
  • Empfohlene Zitierweise

    Birkner, Günter, "Ditters von Dittersdorf, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 1-2 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118679856.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dittersdorf: Karl v. D. (eigentlich und ursprünglich Karl Ditters), glänzender Virtuos auf der Geige und begabter Componist, in erster Reihe stehend auf dem Gebiete des volksthümlich-jovialen Humors in der Oper; ein|wahrer Volkstondichter, daneben fruchtbar wie wenig Andere und ausgerüstet mit der gediegensten Bildung, nach einem viel bewegten, an Wechsel und Erfahrungen reichen Künstlerleben in Armuth und Elend gestorben — ein Mann, der seinem deutschen Vaterlande zur größern Ehre gereicht als diesem selber die Art, wie es den Verlassenen sterben ließ. Er ward geboren (wie wir aus seiner eigenen, seinem Sohn unter den größten Schmerzen und vom Todtbette aus in die Feder dictirten „Lebensbeschreibung“ erfahren) den 2. Nov. 1739 zu Wien als Sohn ziemlich wohlhabender Eltern. Bei früh erwachender Neigung zur Musik war er mit noch nicht 9 Jahren seinem ersten Lehrer, König, schon ebenbürtig, und als dessen Nachfolger Zügler seinem jungen Zögling Gelegenheit verschaffte, in der Kirche beim Benedictinerchor mitzuspielen, erregte D. die Aufmerksamkeit des General-Feldzeugmeisters Prinzen Joseph Friedrich von Hildburghausen in solchem Maße, daß ihn dieser, mit Zustimmung von Ditters' Vater, in seine Hauscapelle aufnahm. Im Palaste dieses Gönners erhielt der junge D. eine solide, nicht blos musikalische, sondern allgemeine geistige Bildung (wobei die Sprachen nicht die unterste Stufe einnahmen); speciell in der Musik wurden dem talentvollen „Kammerknaben“ der Componist Bonno und der Violinist Trani zu Lehrern gegeben. Von nicht geringem Einfluß auf seine Geschmacksbildung war auch die berühmte Opern- und Capellsängerin Vittoria Tesi, welche nach einer glänzenden und auch in sittlicher Beziehung makellosen theatralischen Laufbahn ihre vollendete Gesangskunst und ihre immer noch imposante Stimme in den Concerten des Prinzen von Hildburghausen entfaltete. D. weihte dieser charaktervollen Künstlerin zeitlebens eine dankbare Verehrung. Schlecht wirkte dagegen auf die Sitten des Jünglings der spätere in Folge des siebenjährigen Krieges eingerissene Müssiggang; er wurde ein Spieler, machte Schulden, und um sich seinen Verlegenheiten zu entziehen, verließ er heimlich Hildburghausen, wo er sich damals seit längerer Zeit aufhielt, und suchte eine Stellung in Wien, bald darauf in Prag. Der Prinz ließ ihn jedoch von hier zurückholen und verzieh ihm großmüthig seinen Undank. Regierungsgeschäfte riefen indessen den Prinzen bleibend nach Hildburghausen zurück und zwangen ihn, seine Hauscapelle zu entlassen. D. erhielt wol durch seine Verwendung eine Anstellung am Theater zu Wien, aber er fühlte sich hier nicht nach Wunsch und ergriff mit Freuden die Gelegenheit, mit dem berühmten Gluck (damals Hof- und Theatercapellmeister) eine Kunstreise nach Italien zu machen (1761). In Bologna gab Gluck seine Oper „Il Trionfo di Clelia“, D. ein Concert auf der Violine; beide ernteten Ruhm und Bewunderung, und kehrten mit vollstem Erfolge nach Wien zurück, um den musikalischen Vorbereitungen zu der Königskrönung des nachherigen Kaisers Joseph II. zu Frankfurt a. M. beizuwohnen. In Wien trug nun D. den Sieg über den berühmten Violinisten Lolli davon, lernte den liebenswürdigen Joseph Haydn näher kennen, überwarf sich mit dem Theaterintendanten Grafen Spork und trat in Folge dessen unter glänzenden Bedingungen als Musikdirector an Stelle des nach Salzburg abgehenden Michael Haydn (Josephs Bruder) an die Capelle des Bischofs von Großwardein, eines ungarischen Magnaten, der zufällig in Wien anwesend war. In dieser neuen Stellung schrieb D. sofort, neben einer neuen Cantate, sein erstes Oratorium „Isacco“, errichtete im Schloß ein kleines Theater, arrangirte selber die Stücke dazu (darunter seine erste opera buffa „Amore in Musica") und führte ein durch Genuß und Vergnügungen aller Art (Jagd, Liebesabenteuer etc.) reichlich gewürztes Leben. Nach 5 Jahren nahm aber die Herrlichkeit ein unvorhergesehenes Ende: verleumderische Zwischenträgereien des Inhalts, daß der Bischof auch an Fasten und Adventstagen seine stehende Comödiantentruppe spielen lasse, zogen demselben einen Verweis der in diesem Punkt unnachsichtigen Kaiserin Maria Theresia zu, und in einem Exceß|gekränkten Ehrgefühls entließ er seine Capelle (1769). Nach einem kurzen Aufenthalt in Oberitalien finden wir D. im Dienste des Fürstbischofs von Breslau (v. Schafgotsch), der damals auf seinen im kaiserlichen Schlesien belegenen Gütern zu Johannesberg wohnte. Hier zeichnete sich der gewandte D. auch noch in anderen als musikalischen Künsten, z. B. in der Rolle des Waidmanns dergestalt aus, daß ihm von seinem neuen Herrn die Stelle eines Forstmeisters des Fürstenthums Neiße zugetheilt wurde. Die körperlichen Uebungen, welche der junge „Kammerknabe“ des Prinzen von Hildburghausen fleißig hatte treiben müssen, fingen an Früchte zu tragen. Vorher ging noch die Erhebung des vielseitigen Künstlers zum Ordensritter vom goldenen Sporn (Neujahr 1770) durch Vermittlung seines vornehmen Gönners. Auch hier wurde ein Theater hergerichtet und die Kunst keineswegs vernachlässigt; es entstand das Oratorium „Davide“ und die komische Oper „Il viaggiatore Americano“. In ersterem zeichnete sich in der Titelrolle Fräulein Nicolini besonders aus; D., der ihr Musikunterricht zu ertheilen hatte eignete sich die Rolle eines in Wirklichkeit Verliebten an und führte die schöne Italienerin als Frau nach Hause. Ein ferneres Oratorium „Esther“, welches in Wien aufgeführt wurde, trug Geld und Ehre ein; D. hatte kaum vier Wochen zu dessen Composition gebraucht, wie er denn rasch und mit ungewöhnlicher Leichtigkeit arbeitete; in dem Zeitraum von zehn Monaten hat er einmal (1780) ein Oratorium „Hiob“ und vier Opern (drei deutsche und eine italienische) componirt, die drei deutschen ("Betrug durch Aberglauben“, „Doctor und Apotheker“, „Liebe im Narrenhause") hatten Erfolg, die italienische „Democrito“ dagegen fiel durch. — Das wichtigste Ereigniß im Leben des Componisten (wenigstens nach seiner eigenen Auffassung) war die im J. 1773 erfolgende Erhebung in den Adelsstand (als Karl von D.), welche verbunden war mit einer Beförderung zum Amtshauptmann von Freyenwaldau. Da aber D. am Hofe zu Johannesberg unentbehrlich war, so ließ er seine Amtmannsstelle durch einen Substituten verwalten. Die Capelle, welcher er vorstand, galt für die beste im kaiserlichen wie im preußischen Schlesien; fremde Virtuosen suchten um die Ehre nach, dort sich hören zu lassen. Leider hatte der ausbrechende baierische Erbfolgekrieg zur Folge, daß der Fürstbischof seine Musiker entließ — doch nur vorübergehend; nach dem Frieden von Teschen (1779) wurde die Capelle wieder hergestellt, großentheils aus den früheren Mitgliedern, und D., der während des Krieges in Freyenwaldau geamtet hatte, durfte die Acten wieder mit dem Dirigentenstock vertauschen. Es entstanden das Oratorium „Giobbe“ (Hiob), eine große Anzahl sogenannter „charakterisirter Symphonien“, deren Stoffe den Metamorphosen des Ovid entnommen waren (allerdings nach dem modernen, geläuterten Urtheil und Geschmack eine verpönte, weil über die Grenzen der Musik hinausliegende, für sie nicht darstellbare Gattung), und eine Anzahl Opern, worunter „Lo sposo burlato“ (auch deutsch erschienen als „Der gefoppte Bräutigam") und „Doctor und Apotheker“. Alles das kam in Wien zur Aufführung und hatte durchschlagenden Erfolg. Auch das materielle Ergebniß war glänzend, und D. war um so weniger gleichgültig dafür, als er ein großer Verehrer eines comfortablen Lebens war und sich in Johannesberg auf ziemlich noblem Fuß eingerichtet hatte. Um so niederschlagender wirkten auf ihn die Veränderungen, welche er bei seiner Rückkehr (1787) am fürstlichen Hofe traf. Die Revenuen seines Herrn waren durch verschiedene Verumständungen derart geschmälert worden, daß die Capelle verkleinert werden mußte. Eine königliche Einladung nach Berlin zur Aufführung eigener Compositionen (1789) war zwar von einem Erfolg gekrönt wie noch nie; der Componist wurde mit Beifall und Ehren überschüttet — sein „Hiob“ wurde von einem Orchester von über 230 Musikern aufgeführt und die Mitwirkenden waren außer sich vor Verwunderung über das|eminente Directionstalent Dittersdorf's; es regnete von „goldenen“ Anerkennungen — aber heimgekehrt fand der Gefeierte einen launischen, verstimmten, gegen ihn gleichgültig gewordenen, ja ungnädigen Herrn. D. bemerkte, daß seine Abwesenheit benutzt worden war, um ihn bei dem alten, schwachen Fürsten zu verleumden. Zwar gelang es ihm wieder, dessen Gunst zu gewinnen, aber nur mit dem Opfer seiner Gesundheit. Die monatelang andauernden Nachtwachen neben dem Schlafzimmer des kranken Herrn zerrütteten seine Lebenskraft, welche ohnedies schon durch öftere äußerst schmerzhafte Podagraanfälle geschwächt war, und als er sich für einige Zeit zur Ruhe nach Freyenwaldau zurückzog, fing das Complott wieder an gegen ihn zu agitiren, diesmal mit noch größerem Erfolg. D. durfte seinem Herrn nicht mehr unter die Augen treten (1794), und als dieser Anfangs 1795 starb, so wurde D. von dessen Nachfolger mit 500 österr. Gulden (nach 26 Dienstjahren!) in Ruhestand versetzt. Aber es war ein Nothstand. Zwar die Verdächtigungen gegen seine Redlichkeit wurden durch ein höchstes Hofdecret aufgehoben und seine Unschuld ging makellos aus der Untersuchung hervor, aber körperlich war er gebrochen. Vergebliche Badecuren zehrten seinen Sparpfennig vollends auf. In dieser äußersten Noth bot ihm Ignaz Freiherr v. Stillfried im Taborerkreis unfern Neuhaus) auf seiner Herrschaft eine Unterkunft an, um ihn nicht „sammt seiner Familie verhungern zu lassen". Hier lebte er noch beinahe zwei Jahre und schrieb, um seine noch immer drückende Lage zu verbessern, Opern, Symphonien und eine große Anzahl Clavierstücke. Es zerreißt das Herz, wenn wir in seiner, wenige Tage vor seinem Ende verfaßten Biographie den Jammer des kranken Mannes mit anhören müssen, daß sich — „mein Gott!" — bisher trotz Ankündigungen in der Leipziger musikalischen Zeitung „noch kein Abnehmer eines einzigen Stückes gefunden hat", und noch herzzerreißender ist es, wenn der berühmte, gefeierte Componist sich die Theilnahme eines undankbaren deutschen Publicums erschmeicheln muß durch die beigefügten, nicht ihn, sondern seine Zeitgenossen wahrhaft niederschmetternden Worte, daß er „gewiß gute Waare für Geld gebe!!“ Er wünschte „Gottes Lohn“ auf den herab, der nach seinem Tode seiner armen Familie etwas Gutes thue! Am 1. Oct. 1799 starb er. Sein freimüthiges Geständniß, daß „sein Leichtsinn in Schonung seiner Gesundheit unverzeihlich sei, um so mehr, als ihm die gütige Natur einen festen und dauerhaften Körper geschenkt habe“, trägt kaum dazu bei, unsere Theilnahme für ihn zu vermindern. Wie glücklich ist, diesem traurigen Schicksal gegenüber, das doch gewiß auch nicht glänzende Loos seines begabtesten Nachfolgers in der komischen deutschen Oper — das Loos Albert Lortzing's! Dittersdorf's Thätigkeit auf musikalischem Gebiete ist eine vielseitige; er pflegt die Kirchenmusik (Oratorien) wie die weltliche (Symphonien, Opern, Cantaten, Concerte, Sonaten); mehrere seiner Werke sind Manuscript geblieben. Sein eigentliches und glücklichstes Gebiet ist das der komischen Oper, und mit Recht bewähren seine beiden Hauptwerke dieser Gattung „Doctor und Apotheker“ und „Hieronymus Knicker“ noch jetzt durch ihre zwar etwas derbe, aber immerhin gesunde und volksthümliche Komik eine große Anziehungskraft. Eine heitere ungekünstelte Melodie, eine musterhafte Instrumentirung, welche oft einen höheren Anlauf nimmt, sind ihnen eigen; auch die Texte sind nicht ohne großes Geschick und Bühnenkenntniß (meistens von Componisten) zurecht gemacht. D. hat ferner das Verdienst, das größere Ensemblestück zuerst in der deutschen komischen Oper zur Anwendung gebracht zu haben. „Doctor und Apotheker“ ist das erste Werk, welches lange und ausgearbeitete Finales hat. Wir nennen von seinen Opern außer den oben schon einmal erwähnten noch: „La contadina fedele“, 1785; „Orpheus der zweite", 1787; „Das rothe Käppchen“ (Rothkäppchen), 1788; „Der Schiffspatron oder der neue Gutsherr“, 1789; „HocusPocus“, 1790; „Das Gespenst mit der Trommel", 1794; „Gott Mars oder der eiserne Mann“, 1795; „Der Schach von Schiras“, 1795; „Die lustigen Weiber von Windsor“, 1796; „Terno secco“, 1797; „La opera buffa“, 1798; „Don Coribaldi“, 1798; „Il mercato delle ragazze“, 1798; eine ernsthafte Oper (wol die einzige, die er geschrieben) ist „Ugolino“, 1796.

    • Literatur

      Vgl. über F. Dittersdorf: E. L. Gerber, Lexikon der Tonkünstler, Leipz. 1812; Gust. Schilling, Encyklopädie der Tonkunst. Stuttg. 1835 und Ed. Bernsdorf, Neues Univers.-Lexikon der Tonkunst, Dresden 1856.

  • Autor/in

    J. Maehly.
  • Empfohlene Zitierweise

    Maehly, J., "Ditters von Dittersdorf, Carl" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 262-266 unter Dittersdorf, Karl von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118679856.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA